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In Arnis sagt man: „Atüss, liebe Schleiperle.“

Schleiperle Arnis

Wer bisher Arnis sagte, musste auch Schleiperle sagen. Doch nun geht eine Ära ihrem Ende entgegen. Die Betreiber des schlüferblauen Pfahlbauten-Restaurants verabschieden sich mit Ende der Saison. Nach 44 Jahren steht die Schleiperle zum Verkauf. Ich könnte drauf wetten, dass die Schleiperle nicht wirklich schließt, sondern im kommenden Frühjahr mit einem neuen Team wieder an den Start geht. Denn sie ist ein echter Klassiker. Von Urlaubern genauso geliebt wie von Einheimischen. Wie ganz Arnis von eigentlich jedem geliebt wird, der mal da war.

 

(Dieser Beitrag ist aus dem Jahr 2016. In der Zwischenzeit hat sich viel getan. Siehe auch Aktualisierung am Ende des Artikels).

 

Kappeln

Blick von Arnis nach Kappeln: Ich schwoere, in meiner Kindheit war der Weg weiter.

 

Die schönsten Wege nach Arnis sind die Spazierwege an der Schlei; egal aus welcher Richtung oder von welchem Ufer. Mein persönlicher Favorit schlängelt sich vom Museumshafen in Kappeln knapp 4 km – auf weiter Strecke am Schleiufer – bis nach Arnis. Der Weg beginnt gleich hinter der Cremilk-Fabrik. Alteingesessene Kappler erkennt man übrigens daran, dass sie die Fabrik bis heute die Nestle nennen – mit Artikel ohne Accent.

 

Schwalben

Es setzten sich vier Schwalben zwischen die Duckdalben.

 

Noch so ein typischer Ausdruck der Region ist Atüss. Eigentlich wohl Atschüss. Für Tschüß (wie man in Hamburg sagt) oder Tschö (im Rheinland) oder Tschüssi (in Ostdeutschland) oder Tschüssikowski (der dicke Willem vom NDR). Hab ich alles bei Wikipedia erfahren. Atüss jedoch kennt das e-Lexikon nicht. Und ich frage mich, ob junge Kappler es kennen. Oder nur noch ich.

 

Arnis

Zwischen Hecken und Stockrosen läuft man Arnis rund.

 

Zurück nach Arnis: Angekommen, nimmt man nicht den direkten Weg zur Schleiperle sondern läuft weiter an der Schlei „Arnis rund“. Das dauert nicht allzu lange, weil Arnis nicht besonders groß ist.

 

Arnis ist die kleinste Stadt Deutschlands

 

Im Prinzip besteht Arnis aus einer Straße auf einer Landzunge. Aus zwei Gründen erinnert Arnis an Övelgönne. 1. Werden die wunderbaren Grundstücke der glücklichen Arnisser von einem Spazierweg geteilt. Der größere Teil ist der Garten, der kleinere der Bootsanlegeplatz an der Schlei.

 

Arnis

 

2. stellte ich bei meinem letzten Besuch im August ordentlich Gentrifizierungsanzeichen fest. Noch ist Arnis zwar ein bisschen schöner als Övelgönne. Denn dort sieht ja mittlerweile jedes Kapitänshäuschen so aus, als sei es extra für das Magazin Landlust ausstaffiert. Irgendwie künstlich. In Arnis ist das nur bei jedem vierten oder fünften Haus so; der Rest hat sich noch nicht dem Massengeschmack gebeugt.

 

Arnis

So sehen in meiner Erinnerung alle Gaerten in Schleswig-Holstein aus.

 

Interessanterweise stört es mich kein Stück, wie sehr sich Övelgönne in den letzten Jahren verändert hat. Aber in Arnis nehme ich das irgendwie persönlich. Am liebsten wäre mir, wenn dort alles bliebe, wie es war. Auch in Kappeln, Maasholm und Olpenitz empfinde ich Neues wie eine Wattefaser im Auge. Es stört mich. Meinem Eindruck nach lag die Schlei lange im Dörnröschenschlaf und kommt nun dafür umso gewaltiger. Überall wirds immer schöner. Darf es meinetwegen auch. Aber erst hinter Arnis. 🙂 Bei allem in-der-Nähe-bleiben, kann ich zwar noch immer nicht genau den Finger darauf legen, was Heimat mir bedeutet. Doch wo sie ist, weiß ich jetzt. Meine Heimat reicht von Arnis bis nach Schleimünde.

 

Ulsnis darf schoener sein.

 

Jedenfalls: dass die Schleiperle schließt, stimmt mich ein wenig wehmütig. Immerhin hat sie mich schon als Kind fasziniert. Insbesondere weil dort Mettwurstbrot auf der Speisenkarte stand. In einem Restaurant! Es kam mir ganz unglaublich vor, dass einer ausging, um stinknormales Abendbrot zu bestellen. (Jüngere Menschen werden das nicht verstehen: Aber als ich klein war, ging man nicht ständig essen, sondern nur wenn es etwas Besonderes sein sollte.) Und bis heute löst die Schleiperle bei mir Appetit auf Mettwurstbrot aus.

 

Schleiperle

Die Schleiperle schliesst Ende Oktober. Und wer weiss, was kommt?

 

Die Speisenkarte der Schleiperle ist längst nicht mehr so bodenständig. Altmodisch ist nur noch die „draußen nur Kuchen und Kännchen“-Mentalität. Richtiges Essen gibts nur drinnen. Was einen Menschen mit Lust auf Mettwurstbrot und Sonne ja wahnsinnig machen kann. Vielleicht ändern die neuen Besitzer das ja. Veränderungen müssen nicht immer schlecht sein. Und bis es soweit ist, geht man einige Schritte weiter in die Strandhalle, wo man gut und draußen zu Mittag essen kann.

 

Strandhalle Arnis

 

Was ich aber eigentlich sagen wollte: Atüss, liebe Schleiperle, war schön mit Dir!

Aktualisierung Juni 2018: Sie ist wieder offen. Ein Café jetzt, wie ich höre. Und berichten werde, sobald ich es mal wieder an die Schlei schaffe. Der Rest des Beitrags muss nicht aktualisiert werden… gilt weiterhin … und umso mehr, weil die Schleiperle wieder auf hat.

Aktualisierung Oktober 2019: Ich habe nachgesehen – die Schleiperle ist zauberhaft wie eh und je. Und es gibt (neben Eis & Kuchen) auch wieder Brote! Zur Zeit liegt das Café im Winterschlaf. Hier erfahrt Ihr, wann es wieder losgeht.

 

17 Kommentare

  1. 🙂 Man möchte direkt hin, genau dahin – in die Schleiperle. Ja, Arnis ist irgendwie toll. Nur schade, dass die Werft dort gegen ein Hausgetauscht werden soll: Gentrifizierung- wie Ihr das nennt. Ja, und wenn man dann in Arnis war, kommt man wieder und besucht Deekelsen, den Lindauhof.
    Und noch eine Gesichte, die mich richtig traurig macht, was Gentrifizierung anbetrifft, ist der kommende Abriss der Schleibrücke in Lindaunis. Zu beiden gibts Artikel bei mir 🙂

    Ich hoffe, Ihr seid noch viel in diesem Jahr unterwegs, mir würde was fehlen….

  2. Hallo Kai; vielen Dank für Deinen Kommentar. Lindaunis… ja, mmh, schade, schade. Wahrscheinlich werden die Leute aus der Gegend jubeln. Für Reisende ist es mal wieder etwas schmerzlich. Gleich mal gucken, was Du dazu schreibst… Liebe Grüße, Stefanie

  3. Moin Stefanie,
    wie immer, wieder ein toller und informativer Artikel. Ja die Schlei ist auch eines meiner liebsten Ziele, werden wir demnächst auch endlich mal wieder besuchen.
    Noch viel Freude auf Euren weiteren Reisen, der Herbst bietet dazu ja, wie ich finde, wundervolle Gelegenheiten.
    Schönen Gruß, Helmut

  4. stumm sagt

    Nicht zu vergessen der fangfrische Fisch direkt an der Fähre nach Sundsacker,kann sich mit dem in der Schleiperle messen.Ja,liebe Steffi,einmal die Schlei hoch und runter,besser geht’s eigentlich nicht.Also,weiter. In der Nähe bleiben.Liebe Grüße aus der auch sehr schönen Provence.Erika

    • Ach ja mensch, die Provence … soll ja auch sehr nett sein 🙂 Lass Dich mal schön von der Sonne verwöhnen. Man weiß ja nie, wann sie zuhause das nächste Mal scheint! (An der Fähre haben wir auch schon mal gegessen und es superlecker gefunden.) Ciao Cioa und einen schönen Tag, Steffi

  5. Danke für die Bilder und die Sätze über die Schlei und Arnis ! Das weckt Kindheitserinnerungen : Oft zum Baden von Kappeln nach Arnis zur “ Badeanstalt “ , unter der Scheiperle mit dem Ruderboot durch … , Bootswerft Eberhard….., mit dem Paddelboot nach Schleimünde Lang sind sie her , die Sommer der Kindheit in zwischen Kappeln, Schleimünde, Arnis und Weidefelder Strand …..war es damals schöner? , oder ist es der verklärende Blick des älter werdens ?

    • Hallo Rolf, Du bist in Kappeln aufgewachsen? Ich weiß nicht, ob das früher schöner war. Aber es war auf jeden Fall größer 😉 Schön, dass Du mal vorbeigeguckt hast. Danke für Deinen Kommentar und liebe Grüße, Stefanie

  6. hubert voss sagt

    Ein ganz tolles Fischrestaurant in Arnis ist das Fährhaus – direkt an der Fähre- , hier verkauft ein Fischer seinen Tagesfang perfekt zubereitet zu einem sehr annehmbaren Preis .
    Im Sommer im Biergarten mit Blick auf die Schlei und das Südufer derselben.
    Absolut empfehlenswert

    • Lieber Hubert, vielen Dank für den Tipp – den kann ich unterschreiben. Wir haben da selbst schon gegessen (und ich meine, bei einem älteren Artikel auch erwähnt… ich guck mal, ob ich den Link finde…) Liebe Grüße, Stefanie

  7. Ute Helmke, Bremen sagt

    Mein Vater war ein Arnisser Kind, somit verlebten wir Kinder viele schöne Ferien auf dieser bezaubernden Halbinsel. Es sind meine schönsten Kindheitserinnerungen. Noch heute fahren wir von Bremen nach Arnis, speisen in der idyllischen Schleiperle, gehen immer einmal „Arnis rund“. Möge die Schleiperle wieder einen geeigneten Betreiber finden. Ich wünsche viel Glück.

    • Ich auch, liebe Ute – aber es sieht aktuelle noch nicht gut aus: noch findet man das Verkaufsangebot der Schleiperle im Netz. Liebe Grüße – auf dass wir uns da bald wieder die Sonne ins Gesicht scheinen lassen können – Stefanie

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