Alle Artikel in: Rausgehen

Der Süllberg ruft

Im Dezember macht es keinen großen Unterschied ob man in Hamburg lebt oder in Mordor. Im Mittel bringt es die (har har har) „schönste Stadt der Welt“ auf nur eine Sonnenstunde pro Tag. Dafür aber 18 Regentage pro Monat. Schnee gibts höchstens mal für Stunden. Und oft pfeift ein ziemlicher mieser Wind. Man möchte sich hinterm Ofen verkriechen.     Doch das ist keine gute Strategie. Weil es auf Dauer trübsinnig macht. Gerade jetzt muss man raus. Zum Beispiel auf den Berg. Den Süllberg, den man als das Minas Tirith Hamburgs beschreiben könnte. Denn höchstens in Gondor kann es mehr Treppen geben als im Treppenviertel von Blankenese.     Im Dezember, das ist uns schon im vergangenen Jahr aufgefallen, ist das Beste am Norden das, was der Mensch daraus macht. Und in Blankenese hat er sich ja wirklich was einfallen lassen. Hamburgs siebthöchster Berg (75 Meter) ist dicht bebaut. So dicht, dass nur Platz für zwei Straßen blieb. Abseits davon bewegt man sich im architektonischen Wunderland zu Fuß. In verwinkelten Gassen, auf Trampelpfaden und natürlich …

Auf der Uferstraße im Wendland

Das Schönste im Wendland ist die Uferstraße an der Elbe. Subjektiv jetzt. Denn als Hamburger haben wir natürlich eine besondere Beziehung zum achtundsiebziglängsten Fluss der Welt. (Auch wenn Wikipedia behauptet „die Elbe hat nie eine bedeutende bzw. herausgestellte Rezeption in der Kunst, Literatur oder der Volkskunst erfahren“, ist Hark Bohms Elbmovie „Nordsee ist Mordsee“ für eine bestimmte Art von Leuten ebenso konstituierend wie Tom Sawyer für die Anwohner des Mississippi.)     Wir sind knapp 30 km auf der Uferstraße gecruist. Wofür wir einen halben Tag brauchten. Aber Novembertage sind ja auch kurz. Und wir können echt lange irgendwo rumstehen oder schlendern, wenn es einsam, still und wunderschön ist.     Los gings in Hitzacker. Das Inselstädtchen kennen viele ja zumindest aus Fernsehberichten, wenn es mal wieder überschwemmt wird. Hitzacker ist richtig niedlich. Aber wir hatten hauptsächlich Augen für die Elbe.     Bei niedrigem Wasserstand kann man sich kaum vorstellen, dass Hitzacker jemals in Bedrängnis geraten könnte. Zwischen den letzten Fachwerkhäusern und der Elbe liegen einige Hundert Meter Wiesen. Und der Fluss wirkt sanft …

Und Ostfriesland so?

Ostfriesenwitze, Otto Walkes, Tee. Das waren die Dinge, die wir mit Ostfriesland verbanden, bevor wir neulich nach Wangerooge reisten. Wir ergänzten es noch um Jever, als wir die Stadt zum Bier passierten. Genau wie Funnix, einen Ort, den es wirklich gibt. Ebenso wie Altfunnixsiel. Oder Neufunnixsiel. Und last not least Harlesiel, wo die Fähre nach Wangerooge ablegt.     Wir waren frühzeitig angereist. Sicher ist sicher. Und in kleinen Häfen können wir in der Regel spielend Zeit überbrücken. Dachten wir. Sehr abgefahren war schon mal, dass wir bereits vom Parkplatz aus unsere Unterkunft auf Wangerooge erkennen konnten.     Möglicherweise könnte kein Ort der Welt gegen diese Verheißung anstinken. Möglicherweise waren wir übermüdet. Möglicherweise hatten wir zu viel über Ostfriesenwitze, Otto und Funnix nachgedacht. Jedenfalls: Harlesiel fühlte sich an wie ein feuchtkalter Nachmittag Ende der 70er Jahre. (Dabei war es ein traumhafter Herbstvormittag 2015).     Als ich zur Grundschule ging, gab es noch keine Nerds. Es gab Schlimmeres. Kleine Klugscheißer in Hochwasserhosen, die sämtliche Langspielplatten von Otto im O-Ton rezitierten. Diese alten Sachen. Harry …

Alter Hafen

Das Ende der Inseln

Borkum, Norderney, Juist, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog, Wangerooge. Alle ostfriesischen Inseln laufen im Osten in Sandstrände aus. Der von Wangerooge ist 500 Meter breit, 3 km lang, unbewohnt, unbespaßt und unbewirtschaftet. Ein Dünengürtel trennt die Brandungsseite von den Salzwiesen an der Wattseite. Die höchste Düne ist 17 Meter hoch, im Mittel schaffen sie es auf 12 Meter. Oder anders gesagt: Viel besser geht’s nicht; strandmäßig gesehen.     Ost-Steert nennen die Wangerooger ihr Inselende. Das ist plattdeutsch und kann mit a) Schweif oder b) Hintern übersetzt werden. Letzteres finde ich passender. Denn es ist ja wirklich das hinterste Ende der sieben bewohnten Schönheiten im niedersächsischen Wattenmeer. „Am Dups der Heide“ hätte meine Oma vielleicht gesagt. Oder aber auch „und die Hacke schlägt Attacke“. Denn an weiten, einsamen Stränden will man doch immer unbedingt loslaufen. Na, denn, man to.     10 Dinge, die man am Oststrand von Wangerooge machen kann.                       Minsener Oog Minsener Oog ist eine unbewohnte Insel, knapp 2 km südöstlich von Wangerooge. Sie …

Westerheversand

Die Sandbank von Westerhever

Zu den 100 Dingen, die man zwischen Nord- und Ostsee mal getan haben sollte, gehört das Fotografieren des Leuchtturms von Westerhever. Das habe ich bei Nine gelesen. Sie hakt die 100-Punkte-Liste des Radiosenders RSH so nach und nach ab. Was ich gespannt verfolge. Nach eineinhalb Jahren in der Nähe haben wir einige Dinge davon natürlich schon erledigt. Zum Beispiel den Leuchtturm von Westerhever fotografiert.     Was wir verpasst hatten, als wir den Leuchtturm von Westerhever fotografierten, wollten wir dieses Jahr unbedingt nachholen. Nämlich den Strand von Westerhever sehen, bei dem es sich um eine galaktische Sandbank handelt. Auf unterschiedlichsten Tourismusseiten wird behauptet, man müsste bei Hochwasser eine halbe Stunde durch knietiefes Wasser waten, um auf die Sanbank zu gelangen. Die Vorstellung fand ich cool, aber wir machten den Anfängerfehler auf den ultimativen ultraheißen Sommertag ohne weitere Verpflichtungen zu warten. Der kam nicht. Zum Glück erinnerte mich Nines Beitrag daran, dass man den Norden eben nehmen muss, wie der Norden eben ist. Unbeständig. Und so machten wir uns vergangenen Sonnabend auf den Weg.     …

Blog sei Dank an die Spitze

Neulich war ich mit meiner Mutter (was ich viel zu selten mache) in Friedrichskoog Spitze (einem Ort, von dem ich noch nie etwas gehört hatte). Es handelt sich dabei um das „Strandbad“ von Friedrichskoog. Es liegt im südlichen Dithmarschen, so etwa auf halber Strecke zwischen Brunsbüttel und Büsum. Ohne Blog wäre ich niemals hingefunden. Denn Friedrichskoog Spitze wartet mit einem Grünstrand auf. Und das fand ich früher immer absurd.     Grünstrand bedeutet: es gibt keinen Strand. Denn Strand ist (ich zitiere Wiki) definiert als Küsten- oder Uferstreifen aus Sand oder Geröll. Beides gibt es in Friedrichskoog Spitze nicht. In Friedrichskoog Spitze gibt es meistens nicht einmal ein Ufer. Dafür aber Watt. Und selten habe ich die Schönheit des Wattenmeers so intensiv erlebt wie hier.     Südlich des Strandes befindet sich der Trischendamm. Er wurde in den 30er Jahren zum Deichschutz errichtet und ist 2,2 Kilometer lang. Man spaziert also mitten hinein ins Wattenmeer. Das ist eine besondere Erfahrung und gehört für mich ab sofort zu den Dingen, die man mal gemacht haben sollte. …

Jenseits des Priwalls eine andere Welt: an der Mündung der Trave

Man muss sich das mal vorstellen (also, man muss sich das wirklich mal vorstellen), dass hier der Eiserne Vorhang begann. KM 0 der deutsch-deutschen Teilung. An einem Ostseestrand auf einer Halbinsel wurde das Land zerrissen, Europa getrennt, die Welt in Ost und West gespalten. Das muss man sich mal vorstellen! Es will mir aber schwer in den Kopf, wie wir da so mit dem Fähre über die Trave schippern. Auf der Liste der bizarren Orte ist der Priwall einer der Absurdesten.

Der Moment ist das Ziel: Gartenrouten Schleswig-Holstein

Als wir neulich aufs Land gefahren sind, war das Wetter nicht berauschend. Da man gewisse Dinge bekanntlich nicht ändern kann sondern nur die eigene Einstellung zu den Dingen, erklärten wir den Regen zum Konzept und nahmen die Sache quite british. Ausgerüstet mit Gummistiefeln, Regenschirm und Wachs-Jacke. (Jedenfalls ich). Der Weg zu unserem Landhotel verlief nämlich für einige Kilometer auf einer „Gartenroute zwischen den Meeren“. Und Blumengucken ist ja etwas sehr, sehr Englisches.     Die Gartenrouten zwischen den Meeren   Auf zehn regionaltypischen Routen stellt die Landwirtschaftskammer Schleswig-Holstein die Gartenkultur zwischen Nord- und Ostsee vor. Sie tragen so nette Namen wie „Flanieren und Philosophieren in lieblicher Seenlandschaft“ oder „Aus blauer Blüte grüne Kunst.“ Die Gartenroute Nummer 4 verläuft durch den Kreis Pinneberg. 105 km lang und als Fahrradroute konzipiert erzählt sie „Von Baumschulbaronen und Pflanzenjägern“. Pinneberg ist eben nicht nur der Kreis, dessen Nummerschild nicht genannt werden darf. Sondern auch Europas größtes zusammenhängendes Baumschulgebiet. Wir hatten uns zwei Stationen ausgeguckt, die auch mit dem Auto angefahren werden können.  Die erste erreichten wir etwa 20 Minuten …

Schwanenparadies Schönhagen

Man sagt, die Dinge werden kleiner, wenn man selber größer (älter) wird. Von der Steilküste in Schönhagen kann ich das aber nicht behaupten. Wir haben da Montag einen irrwitzig schönen Spaziergang unternommen. Und alles war viel gewaltiger als in meiner Erinnerung. Schönhagen liegt in Schwansen; im Dreieck zwischen Damp, Sieseby und Olpenitz. Kurz vorm Ortseingang befindet sich rechter Hand ein kleiner Parkplatz mit Ostseeblick. (Damit ist klar: Badesachen nicht vergessen).     Vom Parkplatz führt eine Straße in das Naturschutzgebiet. Sie ist Teil des Ostseeküstenradwegs und so gut wie autofrei (höchstens dass einmal am Tag ein Trecker oder Pferdetransporter auftaucht).     Das Besondere: Man hat von Anfang an nicht nur das Meer vor Augen sondern auch den Schwansener See. Er liegt etwa 2 km vom Parkplatz entfernt.     Und das sind 2 ganz wunderbare Kilometer. Besonders jetzt. Die Natur ist gerade so dermaßen verschwenderisch (was vermutlich am ewigen Regen liegt, der uns alle so genervt hat.)     Es kommt eben auf die Perspektive an. Oder wie man hier in der Gegend sagt: …