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5 Tipps für Hiddensee

Sollte ich aus dem Stand zehn Orte nennen, die man in Norddeutschland unbedingt gesehen haben muss, wäre Hiddensee dabei. Ich liebe Inseln. Allein die Vorstellung von einem Stückchen Land im Meer, macht mich glücklich. Je kleiner desto besser. Je weltabgewandter desto großartiger. Je ungezähmter desto ruhiger mein Herzschlag. Diesbezüglich schneidet Hiddensee eins a ab. Und dann wären da noch ein paar Gründe. Hier meine 5 Tipps für die Insel:

 

1.) Angemessener Auftakt: Schillings Gasthof in Schaprode

 

Wie die meisten Besucher sind auch wir auf die Insel Hiddensee über die Insel Rügen gereist. Vis a vis des kleinen Hafens von Schaprode liegt eine dritte bemerkenswerte Insel: Öhe. Dort betreibt Familie Schilling nachhaltige Landwirtschaft und Tierzucht. In ihrem Gasthof direkt am Fähranleger wird mit besten Zutaten aus eigener Herstellung gearbeitet.

 

 

Es ist keine schlechte Idee, genügend Zeit einzuplanen, um vor der Schiffsreise bei den Schillings einzukehren. Erstens weil das Essen prima ist. Zweitens wegen dieses wunderbaren Gefühls, alle Hektik hinter sich gelassen zu haben. Und drittens, um mit Sanddorn-Prosecco auf den Urlaub anzustoßen.

 

2. Der Inbegriff von Sommerfrische: Kloster

 

Hiddensee ist an der schmalsten Stelle nicht mal 300 Meter breit und nur 16 km lang. Man könnte die Insel also easy an einem Tag umrunden. Schöner ist natürlich, über Nacht zu bleiben. Besonders in Kloster, dem kulturellen Zentrum der Insel.

 

Kloster

 

Das Dorf versteckt sich am nördlichen Inselende hinter hundertjährigen Bäumen. Dort ist man besser vor Sturm und Sonne geschützt als in Neuendorf. Und es ist sehr viel ruhiger (und wie ich finde auch schöner) als in Vitte – dabei aber nicht so ausgestorben wie in Grieben, dem kleinsten Inselort.  Ein Wort, das Klosters Charakter am allerbesten beschreibt: Sommerfrische.

 

Hafen von Kloster

 

Hin- und hergerissen bin ich bezüglich des Hotels Hitthim. Ich kann es insofern empfehlen, da Lage und Atmosphäre des über 100jährigen Hauses ein Traum sind.

 

Hotel Hithim

 

Andererseits kann man das Hitthim nur mit Halbpension buchen. (Ich wusste gar nicht, dass es so etwas noch gibt). Das Essen hat uns leider nicht so zugesagt.

Schade: Die „normale“ Speisenkarte des Restaurants klingt gut. Doch sie ist im Moment „verboten“ – wie uns der Kellner erklärte. Mysteriöser Weise wird sie trotzdem jeden Abend ausgelegt.

„Erlaubt“ ist nur das Menue, bei dem Vegetarier etwa mit Tomate-Mozarella bedacht werden – als Hauptgang.

Auch mysteriös: Für Nicht-Hotelgäste kostet das Menue  € 24,80. Bestellt man es als Hotelgast (frühzeitg) ab,  werden € 3,– gutgeschrieben. Zieht man die € 3,– vom Zimmerpreis ab, landet man bei  139,– für ein Doppelzimmer. Das ist schon ziemlich teuer.

 

Blick aus dem Hotel Hithim

Sommer vorm Hotel Hitthim

 

Genug genörgelt. Kloster empfehle ich sowieso nicht wegen der Küche. Sondern wegen der Wahnsinns-Natur:

 

3. Die Inselschönheiten am Dornbusch

 

Eiszeit und Meeresströmungen haben Hiddensee zu einem Diamanten geschliffen. Flache Dünenlandschaften im Süden. Lange, feinsandige Strände im Westen. Die Boddenlandschaft im Osten. Aber für mich – wen wunder´s – liegt das Allerschönste mal wieder im Norden: Der Dornbusch.

Ein bisschen mehr als 2,5 qkm groß ist das Hochland der Insel und dabei von einer kaum zu beschreibenden Vielfältikgeit. Zum Wahrzeichen der Insel – dem Leuchtturm – pilgern die Tagesausflügler prozessionsartig. Doch im besten Licht präsentiert er sich nur den Übernachtungsgästen: Die Morgen- und Abendstimmung ist unvergleichlich.

 

Inselblick

Den besten Inselblick hat man kurz vorm Schluckswiek

 

Dornbusch Leuchtturm

Der Leuchtturm Dornbusch auf dem 72,5 m hohen Schluckswiek

 

Hochuferweg

Der Hochuferweg führt 60 Meter über der Ostsee durch beinahe ungezähmte Natur

 

Huckemauer

Unten am Strand schützt die Huckemauer das nördliche Inselende vor der offenen Ostsee

 

Sonnenuntergang

Abendstimmung an der Steilkueste

 

Ich habe schon oft aufgeschnappt, Hiddensee sei überlaufen. Kann es aber überhaupt nicht bestätigen. Wir waren an diesem ultraheißen Wochenende Anfang Juli dort und ich hatte eher ein Gefühl von Vorsaison. Selbst am schönsten Strand.

 

4. Der schönste Strand von Hiddensee

 

Hiddensee ist autofrei. Man bewegt sich mit Pferdekutschen oder mit dem Fahrrad. Das kostet nur € 6,– pro Tag und ist die absolute Wucht. Ich weiß nicht, vielleicht war die Sonne zu warm, der Himmel zu blau oder sonstwas los, das ich nicht verstehe – jedenfalls: kaum einer karjukelte durch die Dünenheide.

 

 

Es ist möglicherweise ein bisschen, aber wirklich nur ein klitzekleines bisschen, beschwerlich, durch die sandigen Stellen in der Dünenheide zu schliddern. Doch es ist natürlich gleichzeitig ein Vergnügen. Und wenn dann erst der kleine Leuchtturm erreicht ist, ist der Strand auf einmal ziemlich leer. Was sehr, sehr seltsam ist. Und wunderbar. Der Sand ist fein und weiß wie Puderzucker, die Ostsee steinfrei.

 

5.) Was man auf Hiddensee unbedingt dabei haben muss

 

Grieben

 

Was mir immer wieder auffällt: In Mecklenburg-Vorpommern sieht man viel mehr Tiere als beispielsweise in Schleswig-Holstein. Schwalben- und Kranichschwärme. Armeen von Spatzen und Schwänen. Rehe am Strand. Schlangen auf sandigen Wegen. Es ist zum Dahinschmelzen. Und da macht Hiddensee keine Ausnahme. Die Insel ist herrlich ungezähmt und ursprünglich.

Sie ist aber auch ein Mückenparadies. So was habe ich noch nicht erlebt. Voll angriffslustig die kleinen Vampire. Da hilft nur Komplettverhüllung oder ein vernünftiges Mückenmittel. Denn wer will schon komplettverhüllt durch den Sommer laufen.

Mueckenparadies

 

Sollte ich aus dem Stand zehn Orte nennen, die ich in Norddeutschland unbedingt ein zweites Mal besuchen möchte, dann wäre Hiddensee dabei. Falls einer hier mitliest, der noch ein paar Tipps hat, immer her damit: Ich freue mich darüber sehr!

26 Kommentare

  1. Du karjuckelst auch mit dem Fahrrad herum? Ach, wunderbar! Seit Jahren ist mir dieses schöne Wort nicht mehr begegnet, gerade habe ich mal schnell im Duden geschaut und siehe da: da steht es auch. 😉

    • Ah, dann habe ich es offenbar sogar richtig geschrieben. Ich war mich nicht sicher, ob ka-juckeln oder kar-juckeln. 🙂

    • Danke, Thomas. Es freut mich natürlich, wenn ein Auskenner das sagt! (Du hast aber auch wirklich eine sehr, sehr, sehr schöne Insel :-))

  2. Bernd Hubatsch sagt

    Hallo Stefanie, Thomas hat das klar ausgedrückt. Unsere Insel, auch wenn ich ausgewandert bin.
    LG Bernd

  3. Uta sagt

    Hallo Nicole,
    Dein Bericht und die schönen Fotos von unserem geliebten Inselchen sind super!
    Hab alles von vorn bis hinten aufgesogen…
    LG Uta

  4. Uta sagt

    Hallo Stefanie,
    ich muss kurz was klar stellen.
    Ich bin nicht von der Insel, fahre aber regelmäßig schon seit Jahrzehnten dorthin.
    Deshalb schrieb ich „unser geliebtes Inselchen“.
    LG Uta

    • Liebe Uta,

      ich finde, nach JAHRZEHNTEN darf man auch von „unserem“ Inselchen sprechen. 🙂
      Schönen Sonntag, STefanie

  5. Nachdem ich nach anderthalb Jahrzehnten Hiddensee-Erfahrung und -Begeisterung so viele Tipps beisteuern wollte und mir jetzt lange den Kopf darüber zerbrochen habe, läuft es letztlich doch in nur einem Tipp zusammen: länger bleiben. Am besten in Neuendorf.

  6. Tolle Fotos! Ich kenne Hiddensee nur im Spätherbst, da hat es auch einen ganz eigenen Charme. Nebel im Dornbusch, ganz früh wird es dunkel und ruhig, und der Sanddornsaft schmeckt mir auch am besten heiß nach einer langen Fahrradtour 🙂 Ich würde noch den Apfelstrudel beim Klausner empfehlen, und – wenn man sowas mag – die Konzerte in der kleinen Kirche in Kloster.

  7. Pingback: 7 Tipps für Norddeutschland. In der Nähe bleiben 2015; Teil 2 -

  8. Interessant, schon der Titel. Hat bisschen mit meiner Philosophie zu tun, siehe: aufhinterwegen.de
    Mit anderen Worten: Weniger ist oft meer! Ups!

  9. ULRIKE Göking sagt

    Anregend geschrieben und macht neugierig, wenn der schönsten Ostseeinsel noch kein Besuch abgestattet wurde. Herzliche Grüße Ulrike Göking aus Neumünster

    • Danke, Ulrike – und willkommen bei uns auf dem Blog. In Neumünster waren wir übrigens auch schon (im Dosenmoor). Liebe Grüße, Stefanie

  10. Frank sagt

    Hallo Stefanie,

    ich kenne Hiddensee, als Urlaubsgast, seit Ende der 80er-Jahre.

    Vorab mein „Tipp“, weil das hier das Thema ist:
    Hiddensee am besten außerhalb der Hochsaison besuchen, Essen nur bedingt mit Vorfreude betrachten – und zu Fuß-zu-gehen lässt die Insel am besten genießen.
    Radfahren heisst: An den Dingen, an den Erlebnissen vorbeifahren.

    Im Detail:

    Kurz gesagt: Hiddensee war noch nie ein Gourmet-Gebiet und wird es auch nicht mehr werden, vermute ich. – Im Godewind habe ich über all die Jahre noch am besten gegessen und war sehr oft sehr begeistert, auch wenn es auf „Yelp“ Leute gibt, die das Essen seziert und dabei festgestellt haben, dass teils Fertig-Elemente Verwendung finden.
    Ein „Geheim“-Tipp ist die Buhne XI.
    Essen auf Hiddensee ist auch kompliziert geworden. Der Massen-Tourismus (sofern man das für diese Insel sagen kann…) führt dazu, dass man sich oft einen Tisch bestellen muss, wenn man essen gehen will. Meist waren andere (besonders die eigenen Hotel- oder Pensionsgäste) schneller.

    Hiddensee IST inzwischen überlaufen. Kein Vergleich zu früheren Zeiten. Der massive Tourismus hat über Jahrzehnte dazu geführt, dass die Insel für Indsider schon fast wie ein Naturzoo wirkt: Einzäunungen allerorten. Man läuft fast nur noch an Absperrungen vorbei. Früher konnte man quer über Wiesen und Felder rennen.
    Klar, die (Tages-)Touris trampeln ja auch alles nieder, weil nur die wenigsten Menschen Respekt vor irgendwas haben. Mit der großgewordenen Nachwende-Generation haben wir es zudem wohl mit noch schlimmeren Zuständen als in den späten 60-ern zu tun.
    Privatwege sind ebenfalls massiv dazugekommen und man kann oft „Durchgang-verboten“-Schilder lesen.
    Es sind auch viele Häuser gebaut worden. Wer Hiddensee von früher kennt, kommt sich heute an etlichen Stellen wie in einem gut industrialisierten Dorf vor, wenn ich das mal so ketzerisch sagen darf.

    Die Zunahme an weggeworfenem Müll (speziell Taschentücher und Verpackungen von süßen Riegeln etc.) ist augenscheinlich, auch wenn man das hier unter einer anderen Prämisse betrachten muss: Auf Hiddensee geht man ja von Null Müll aus. Da fallen etliche Reste an Wegesrand schon wie eine Naturkatastrophe auf.

    Besonders erschreckend für mich: Ich bin all die Jahrzehnte einer der ganz wenigen Menschen auf der Insel, die konsequent zu Fuß gehen – vielleicht bin ich sogar der einzige und weiss es noch nicht. Und dabei fällt der extreme Rad-Tourismus auf. Urlauber in 3-er-Reihen rasen mitunter an Kindern vorbei und selbst am entlegensten Ort, der Naturschutzgrenze am Gellen, stehen Räder herum, mithin ein ganzer Pulk, weil es mal wieder eine Herde „Interessierter“ gibt, die sich von einem Guide Hiddensee und die frühere Geschichte erklären lassen. Früher habe ich da selten Leute getroffen, da die meisten Leute einfach zu faul zum Laufen sind. Gut war das für mich.

    Hiddensee war mal eine „Insel der Ruhe“ (Ich besitze ein „Beweis-Fotos“ 🙂 ), wie auch in einem Schaukasten in Vitte, irgendwann Mitte der 90er-Jahre des letzten Jahrhunderts zu lesen war. Davon kann in den Sommermonaten nur noch begrenzt die Rede sein.
    Wenn es nicht gerade Horden von Tagesausflüglern sind oder Rotten von Radfahrern, nach denen man sich ständig umdrehen muss, um nicht angefahren zu werden (früher ging man ungestört auf Hiddensees Wegen), fühlt man sich nicht selten auch mal wie in einer Kita und manch Berliner erinnert sich schlagartig an böse Zustände im Prenzlauer Berg…

    Fazit:
    Hiddensee ist immer noch schön, aber es hat viele Verluste erleiden müssen und ist in der Hochsaison mit einigem Kopfwackeln zu genießen. Den alten Status „Insel der Ruhe“ hat es verloren. Wiedergefunden werden kann die Ruhe nur im kühlen Frühjahr und im Spätherbst.

    Grüße von Frank

    • Lieber Frank, vielen Dank für diesen hochinteressanten Kommentar. Ich kenne solche Gefühle, weil ich selbst aus einem Touristen-Ort an der Ostsee komme. Hiddensee allerdings habe ich ganz neu entdeckt und daher keinerlei Vergleichsmöglichkeiten; kann auch nix beweinen (wie ich das zum Beispiel in meiner Heimat ab und zu tue). Grundsätzlich haben wir einfach sehr, sehr wenig Meer in Deuschland – und ganz viele Menschen, die dahin wollen. Man kann es ihnen nicht verdenken. Aber es ist schon so, dass der Ausverkauf in vielen Gegenden schon viel zu weit gegangen ist. Ich bin gespannt, wie sich das in den nächsten Jahren entwickelt. Erst mal wird es noch schlimmer, vermute ich. Aber dann – aus demographischen Gründen – vielleicht auch wieder besser. Ganz liebe Grüße, Stefanie

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