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Die Hetlinger Schanze – ein Winterspaziergang an der Elbe

Hetlingen

Jetzt ist er also doch noch nach Hamburg gekommen, der Winter und weil gestern dazu noch die Sonne schien – beinahe so strahlend wie heute und wie es für morgen angesagt ist und für übermorgen – bin ich zur Hetlinger Schanze gefahren. So heißt der 7 km lange Elbstrand zwischen Wedel und Haseldorf gegenüber von Lühesand.

 

Hetlinger Schanze

 

Auf dem Schanzensand befand sich einst ein Bollwerk, das selbst die kriegerischen Schweden trotz mehrmaliger Versuche nicht einnehmen konnten. Heute ist da nur noch ein Bauernhof und ansonsten eigentlich nichts. Außer dem Deich. Und dem Strand.

 

Baum

 

Ich bin keine große Winterfreundin. Was unter anderem daran liegt, dass ich bei Minusgraden recht lange unheimlich schnell gehen muss, bevor ich nicht mehr wie ein Schneider friere. Das passt einfach nicht zu meinem persönlichen Beat. Ich gehe anfangs lieber langsam – um runterzukommen – und mag erst mit zunehmender Zufriedenheit schneller werden. Dazu war es aber gestern zu kalt (für mein Empfinden).

 

Schilf

 

Es half, dass mich verschlungene Trampelpfade durch übermannshohes Schilf führten und alles so urwüchsig und durcheinander schien, als würde ich einen Mangrovenwald erforschen. Die Hetlinger Schanze gehört zum Naturschutzgebiet „Haseldorfer Binnenelbe mit Elbvorland“ und wird in Teilen noch von der Tide beeinflusst.

 

Pril

 

Erst als ich ein Flugzeug hoch am Himmel brummen hörte, schnallte ich, dass es das erste unnatürliche Geräusch seit einer ganzen Weile war. Will sagen: ich war im Flow. Und fror nicht mehr die Bohne.

 

Elbstrand

 

Da war ich schon fast am zweiten der beiden höchsten Strommasten Europas angekommen. Und das ist eben so eine seltsame Sache an der Unterelbe, dass man zur gleichen Zeit mit wunderbarer Natur und dem krassen Gegensatz konfrontiert ist. Direkt am gegenüberliegenden Ufer liegt z.B. das Kernkraftwerk Stade, dessen 1 Milliarde teurer Rückbau eigentlich schon seit 3 Jahren abgeschlossen sein sollte.

 

Elbekreuzung1

 

Die Elbstrände zwischen Wedel und Brunsbüttel habe ich zum ersten Mal gesehen, als wir vor fast 4 Jahren nach Helgoland schipperten. Es erscheint mir inzwischen unglaublich, aber bis dahin hatte ich nicht gewusst, dass es sie überhaupt gibt. Und dass sie so wunderschön sind.

 

Hetlinger Schanze

 

Ganz besonders hatte ich mich damals in den Leuchtturm Julssand verliebt. Er befindet sich in Privatbesitz und man kommt nicht an ihn ran (es sei denn im Rahmen einer sehr seltenen Führung), da er jenseits eines Vogelschutzgebietes liegt. Aber die Unerreichbarkeit passt ja zu Leuchttürmen.

 

Julssand

 

Noch eine Sache, die super an der Hetlinger Schanze ist: Man kann so lange am Wasser laufen wie man mag (im Grunde bis nach Brunsbüttel) und wenn man nicht mehr mag, wechselt man die Deichseite und hat auf dem Rückweg wieder ganz neue Eindrücke vor sich.

 

Deich

 

Man läuft auch binnendeichs durch die reine Natur, sieht Häuser höchstens mal aus der Ferne. Unbedingt lohnt es sich, den 11 Meter hohen Schanzenturm – ein Vogelbeobachtungsturm des NABU – zu erklimmen. Es ist auf andere Art wunderbar als am Strand. Genau wie die Gegend im Winter auf andere Art wunderbar ist als im Sommer.

 

 

Wem ein Spaziergang nicht programmfüllend scheint, kann sich Hetlingen ja mal fürs Frühjahr vormerken – dann blühen hier die Schachbrettblumen auf einem Feld am Ortsrand. Der Rundweg ist dann ausgeschildert – er liegt praktischerweise direkt an der Zufahrt zur Schanze. Mehr darüber – und Tipps für das benachbarte Haseldorf und Wedel findet Ihr hier.

 

10 Kommentare

    • Liebe Maren, norddeutsche Arbeitsverträge sollten grundsätzlich einen Passus enthalten, dass bei plötzlichem Sonnenschein blau gemacht werden darf. Wir haben ja genügend Tage an den wir die Stunden wieder reinkriegen. Hoffe, Du hast was Schönes erlebt.

  1. Zur Zeit in frostigem Sonnenwetter ist es ein Genuss dort entlang der Elbe.
    Wer es lieber ohne Frost haben möchte, kann, vielleicht vorweg zum NABU-Turm
    https://osmerus.wordpress.com/2017/08/07/tideelbe-fuehrung-zum-ehemaligen-leuchtfeuer-julssand-anfahrt/
    eine Führung nach Julssand geniessen
    https://osmerus.wordpress.com/2017/08/08/tideelbe-fuehrung-zum-ehemaligen-leuchtfeuer-julssand-an-und-abwandern/
    Zu der Zeit sind dann auch mit Glück im Umfeld Störche zu sehen – ein Erlebnis.
    https://osmerus.wordpress.com/2017/08/09/tideelbe-leuchtfeuer-julssand-abreise-ueberraschung-schwarz-weiss-rot/
    Weiter viel Spaß!

  2. Ach, die Elbe! Mein Herzensfluss. Danke dir fürs Mitnehmen. Der Strand an der Elbe ist etwas wirklich Besonderes, wer ihn einmal unter den Füßen hatte, vergißt ihn nicht wieder (und wird wie ich immer sauer, dass man in dem Fluss nicht mehr baden kann/sollte oder wie auch immer. So ein schönes Gewässer und so dreckig (gewesen). Aber dennoch ist die Natur um die Elbe eine ganz besondere. Ich würd am liebsten auch gleich dorthin.
    Liebe Grüße

    • Liebe Andrea, vor der Wiedervereinigung war die Verschmutzung der Elbe ja ganz schrecklich. Heute kann man an vielen Stellen unbedenklich baden, was die Wasserqualität betrifft. Aber die Strömung ist eben krass (sie tun´s trotzdem überall – aber besser ist es wohl dort, wo Flussbäder sind. Kolmar z.B. ist klasse.) Danke für Deinen Kommentar und liebe Grüße, Stefanie

  3. Wunderbar. Das war ein netter Reminder, wir müssen unbedingt auch mal wieder zur Hetlinger Schanze. Früher haben wir sogar immer unsere Drahtesel mitgenommen und einige Abstecher in die naheliegenden Dörfer gemacht. Sehr nette Gegend! 🤗

    Liebe Grüße, Martina

    • Ich mag das auch total. Die Gegend nennt sich Auenland. (Mit dem Rad wär´s mir aber zu eisig grad – im Sommer hingegen ein Traum; ganz ohne Steigungen). 🙂

  4. Pingback: Wie ich mich am Strand von Wittenbergen mit dem Feburar anfreundete

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