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Reich. Reicher. Falkenstein. (Ein Spaziergang)

Goldener Ring

Falkenstein ist ein bewaldetes Gebiet in Blankenese und als Lebensmittelpunkt den Menschen vorbehalten, die nicht bloß wohlhabend oder vermögend sind – sondern weit darüber hinaus. Man könnte also sagen, Falkenstein ist das Blankenese von Blankenese. Nur nicht so überlaufen. Zumindest nicht vormittags unter der Woche. Da ist Falkenstein goldrichtig zum Spazieren.

Der Klassiker führt knapp 7 km als Rundkurs über  Elbhöhen und Elbstrand. Man könnte natürlich auch weit darüber hinaus gehen. Hauptsache man geht. Bald. Um den vollen Blick auf den Fluß einerseits und die Parkanlagen andererseits zu genießen; so ganz ohne verdeckendens Blattwerk an den Bäumen.

 

Waldpark

 

Ein guter Startpunkt ist das ehemalige Landhaus Michaelsen. Die Bauhaus-Schönheit von 1923 beherbergt das Puppenmuseum und den Kunstraum Falkenstein. Als eines der wenigen öffentlich zugänglichen Anwesen ist es der perfekte Ort um mal zu spüren, wie das Leben als Superreicher wohl so wäre. Das reine Vergnügen, nehme ich an. Ein Spaziergang geradezu.

Dieses Leben, ein Spaziergang

 

Puppenmuseum Hamburg

Das Puppenmuseum. Ob der goldene Ring im Baum Kunst ist, weiß ich nicht. Aber er kann auf keinen Fall weg.

 

Aber das ist natürlich oberflächlich. Zwar, ja, ja, hat man vom Puppenmuseum den tollsten Hamburger Elbblick überhaupt. Doch der Mensch gewöhnt sich ja an alles. Und unter jedem Dach ein Ach.

Dieses spezielle Dach (und dieser Blick) war Jahrzehnte dem Verleger Axel Cäsar Springer vorbehalten. Er nutze das Landhaus jedoch nicht, sondern ließ es verfallen. Gewohnt hat er in einer Villa nebenan. Die benachbarten Grundstücke hatte er zum Schutz seiner Privatsphäre gleich mitgekauft. Man kann eben gar nicht genug Distanz zu seinen Nachbarn aufbauen.

 

Elbblick

 

Die Distanz hätte größer sein können, wird vielleicht Springers Nachbar, ein Herr Alsen, gedacht haben. Springers Ehefrauen Nummer drei und vier waren nämlich beide zuvor mit Herrn Alsen verheiratet gewesen.

Falls man angesichts des Reichtums ringsum die Gerechtigkeits- oder gar Systemfage stellt, wird die Perspektive im angrenzenden Sven-Simon-Park zurechtgerückt. Sven Simon war der Künstlername von Springers ältestem Sohn, einem bekannten Fotografen, der sich 1980 das Leben nahm.

Unter diesem Eindruck stiftet Springer einen Großteil seiner Ländereien der Öffentlichkeit und zog sich zunehmend auf sein Anwesen auf Sylt zurück.

 

 

Mich erinnert Falkenstein atmosphärisch übrigens sehr an Kampen (minus Cabriofahrern in farbigen Hosen und Goldschmuck. Denn in Falkenstein regiert altes Geld. Das unter Reichen ja mehr gilt als neues. Was ich immer seltsam finde, denn es bedeutet doch nur, dass man für altes Geld nichts weiter getan hat als zu erben. Aber vielleicht stimmt es auch, dass altes Geld nicht rumprollt?! Ich kenne mich da nicht weiter aus).

Was jedenfalls „syltig“ an Falkenstein ist, sind die riesigen, riesigen weißen Reetdachvillen aus den 30er Jahren im Stil des Klenderhofes (respektive Springerburg). Auch der Duft der Kiefern! Und wie die Sonne auf dem Wasser glitzert! In Falkenstein erwischen mich immer Urlaubsgefühle. Je nach Lichteinfall glaubt man sich an der Nordsee. Oder in Südeuropa.

 

Spaziergang

 

Auf dem Elbhöhenweg geht es ganz schön auf und ab für norddeutsche Verhältnisse. Über teils steile Pfade, in Serpentinen oder auf uralten Treppen mit eisernen Geländern.

 

Dieser Spaziergang, ein Vergnügen

 

Neßsand

Blick auf die Elbinsel Neßsand

 

Früher gehörte ganz Falkenstein mal dem superreichen Reeder und Kaufmann Godeffroy. Er war unter Seeleuten als „White Falcon“ bekannt. So kamen der Falkenstein, die Falkenschlucht, das Falkenthal etc. zu ihren Namen.

Ohne Godeffroy würden die Elbhänge vielleicht noch heute aus nichts als kahlem Sand bestehen. Nicht mal 200 Jahre ist es her, dass er Aufforstung im maximalen Stil betrieb. Was unfassbar scheint angesichts des dichten Waldes aus Buchen, Eichen und Kiefern.

 

Elbhoehenweg

 

Als Ende der 1880er Jahre Godeffroys Imperium auseinanderbrach, kamen die Investoren; kauften das Land für 14 Pfennig pro Quadratmeter und verkauften es in großzügigen Parzellen mit großzügigem Gewinn weiter. Und so ist es anscheinend bis heute geblieben.

 

 

Dass sich die Allgemeinheit in Falkenstein rumtreiben darf, ist – logo – ein Verdienst der Sozialdemokratie. Es war Max Brauer, der die Idee eines durchgehenden Wanderweges von Altona nach Schulau entwickelte.

Bis auf ganz wenige Teilstücke ist das Vorhaben inzwischen realisiert. Und am Rest arbeitet ein gemeinnütziger Verein. Auf dem Weg liegt auch der Römische Garten; 30 Meter über dem weißen Strand von Blankenese.

 

Containerschiff

 

Dieser Garten, ein Theater

 

Anders als die meisten Anlagen am Elbufer wurde der Römische Garten nicht im englischen Stil angelegt  – sondern im Jugendstil. Er befand sich früher in Privatbesitz (u.a. der Bankiersfamilie Warburg) und brachte die damalige Sehnsucht nach Italien zum Ausdruck.

 

Roemischer Garten

 

Im Sommer finden in dem kleinen Freilicht-Hecken-Theater aus den 1920er Jahren immer mal wieder öffentliche Aufführungen statt. Die aber für meinen Geschmack zu gut besucht sind. Ich hab den Römischen Garten am liebsten, wenn er ganz still vor mir liegt.

 

Amphietheater

 

128 Treppenstufen unter dem Römischen Garten wartet der Elbstrand. Da ist es ja nie still. Aber ein Strand muss grundsätzlich nicht so still sein wie ein Wald, finde ich. Und sowieso ist es vormittags unter der Woche gut erträglich.

 

Elbstrand

 

Wenn es warm wird in Hamburg, wird es am Elbstrand immer gleich total heiß. Dann möchte man sich nur noch in den Sand sinken lassen; mit einem eiskalten Getränk in der Hand. Oder zwei. Schon der Mai lullt das Elbufer an sonnigen Tagen mit Trägheit ein. Will man sich bewegen, ist der frühe Frühling besser.

 

Schilf

 

Dieser Frühling, eine Freude

 

Im April möchte man am liebsten ewig weiterlaufen. Über Wittenbergen nach Wedel bis zur Nordsee. Könnte man auch. Muss man aber nicht. Jedenfalls nicht sofort.

 

 

Wittenbergen

 

Der Frühling fängt ja gerade erst an. Wir haben noch Wochen und Wochen und Wochen, um an die Nordsee zu pilgern (die ihre beste Zeit im August und September hat). Die beste Zeit für Falkenstein allerdings ist: ungefähr jetzt.

 

Falkenstein

 

PS.: Der direkte Weg zurück zum Puppenmuseum führt kurz hinterm Elbecamp steil nach oben. Also: Ein bisschen Puste aufbewahren oder im Café des leicht hippieesquen Campingplatzes Kräfte sammeln.

16 Kommentare

  1. Juliane Jantosch sagt

    Und wieder wird es ein bisschen klarer, warum Hamburg so unendlich schön und vielfältig ist.
    Schöner Beitrag.

    • Danke. Danke. Ich fand es einen interessanten Gedanken, dass Falkenstein nicht von Vermögenden „besetzt“ wurde – sondern erschaffen. Hat eben immer alles zwei Seiten. Schönen Tag wünsche ich Dir.

  2. NinoGelo sagt

    bei super licht, gelingen die impressionen am schönsten. weiterhin viel spaß beim Fotos schießen.

  3. Anita Henniss sagt

    Sehr schöner Beitrag da kommt man richtig ins Schwärmen, die verschlungenen Wanderwege sind herrlich, wenn ich das nächste Mal in deiner Nähe bin möchte ich da gerne hin.
    Schöne Woche noch

  4. Ist der Weg gut ausgeschildert?
    Den könnte ich mir dann ja vielleicht diese Woche noch mal geben?!
    Wobei die Wettervorhersage ja alles andere als gut ist und ich möchte doch auch solche schöne „blauer Himmel“-Fotos wie du 🙂

    • Liebe Eva – jetzt kommt die Antwort vermutlich zu spät (war drei Tage offline in der Ferne), denn das gute Wetter für diese Woche ist wohl schon wieder aufgebraucht 🙁 (Verlaufen kann man sich gar nicht). Liebe Grüße, Stefanie

  5. Die Geschichte über Springers Ehefrauen und Herrn Alsen ist ja zum Piepen. Was Du aber auch immer alles rausfindest, liebe Stefanie! 😉

    Der Blick von ganz oben auf Neßsand ist ja einmalig! Überhaupt – die Fotos sind wieder super. Wenn man sie betrachtet, kann man die schöne, klare Luft fast riechen.

    Ich find’s klasse, dass ich Hamburg (meine Heimatstadt 😬) durch Deinen Blog Stück für Stück ein bisschen besser kennenlerne.

    • Ja, Martina, ist das nicht ein Ding, mit dem armen Herrn Alsen?! Würde man so etwas in einem Film sehen, würde man sagen: voll unrealistisch. Hamburg kann schon ganz großes Kino sein 🙂

  6. Weishaupt-Bülk sagt

    Huhu Steffi,

    da muß ich unbedingt noch mal hin. Ich habe den Weg in allerbester Erinnerung. Nur so schöne Fotos haben wir damals nicht gemacht.
    Irgendwie glaubt man, dass in Hamburg nur schönstes Wetter herrscht, wenn man Deine tollen Beiträge liest.
    Wo Du das alles recherchierst?

    Bis bald
    Mari

    • Huhu zurück. Meine Recherche ist meist ein Mischmasch aus Netz-Infos, Aufgeschnapptem, Wegbeschilderung und genauem Beobachten. Was ich z.B. genau beobachte seit einigen Jahren: Eigentlich gibt es fast jede Woche ein paar Stunden richtig tolles Wetter. (Oft allerdings sehr früh am Morgen.) Und ich hab ja zum Glück fast total flexible Arbeitszeiten. Wäre ich Bürgermeister von Hamburg würde ich die per Gesetz vorschreiben. So macht man nämlich alles gern: Bei Regen arbeiten, bei Sonne rausgehen. Wir sehn uns am See; Ahoi, Steffi

  7. Ein wunderbarer Schreibstil und tolle Fotos…
    Man bekommt bei diesen schönen Beiträgen richtig Lust, wieder einmal die Hamburger Ecke zu besuchen 😉

  8. Pingback: Falkenstein, Elbhöhenweg – eine Wanderung der feinen Art › Deichrunners Küche

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