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Nachts im Museum

Nachts im Museum: (fast) live aus Schönwalde am Bungsberg

Enthält Werbung | Irgendwo tickt eine Uhr in der alten Dorfschule von Schönwalde. Nicht in dem Raum, in dem ich gerade auf einer Schulbank sitze und wo es ein wenig nach Kreide riecht. Das Ticken kommt aus einem entfernteren Raum. Einem, den ich später inspizieren werde. „Den Rundgang machen Sie am besten nach dem Uhrzeigersinn“, hat Frau Hagedorn geraten. „Dann finden Sie die Lichtschalter der einzelnen Räume leichter.“ Und das ist ja eben so ein Satz an dem man merkt: Wir übernachten heute in einem Museum. Allein. Unbeaufsichtigt.     Gar nicht selbstverständlich, dass ein Museum sich darauf einläßt. Gerade eines, das komplett ehrenamtlich betrieben wird und voller persönlicher Dinge und Erinnerungen steckt, die eng verwoben sind mit der Geschichte des Ortes. Daher wurden auch die nächsten Nachbarn darüber informiert, dass heute 2 im Museum herumgeistern. Nicht, dass jemand die Polizei alarmiert. Überhaupt scheint in Schönwalde alles noch etwas familiärer zuzugehen als im Rest der Welt. Netter. Verbindlicher.     Unser Begrüßungskomitee zum Beispiel, Frau Hagedorn und Frau Schneider, haben heute bereits eine Adventsfeier für …

Wanderung um den Ellenbogen

Wanderung um den Ellenbogen: nördlicher wird´s nicht

Ich hätte ja schwören können, dass ich die Wanderung um den Ellenbogen längst beschrieben habe. Die Umrundung der Nordspitze von Sylt ist nämlich sicherlich die Wanderung, die ich am häufigsten in meinem Leben unternommen habe. Aber ich verliere wohl langsam selbst den Überblick über das, was sich im Laufe der Zeit auf dem Blog angesammelt hat. Also bitte; hier ist sie. Und zwar so, wie ich sie am liebsten habe: in der kälteren Jahreshälfte bei schlüpferblauem Himmel.     Die Wanderung um den Ellenbogen kann im Grunde überall in List beginnen. Wer am Ende nicht vollkommen erledigt sein möchte, startet an der Weststrandhalle. Parkplätze sind vorhanden. Eine Bushaltestelle auch (Linie 5 ab List/Hafen). Die Runde ist dann etwa 13,5 km lang. In normalem Tempo dauert der Spaß demnach 3, 5 Stunden.     Die Wanderung um den Ellenbogen liebe ich so, weil hier die Welt endet, wie wir sie kennen. Oder sie beginnt hier. Es kommt auf den persönlichen Standpunkt an. Jedenfalls ist es der nördlichste Punkt von Deutschland. Gefühlt eigentlich schon Dänemark. Zumal man …

Halunder Jet

Der Halunder Jet: Männer, die auf Schiffe starren

Die Helgoländer Allee (das ist die Straße, die sich zwischen Reeperbahn und Altem Elbpark runter zum Hafen schwingt) verdankt ihren Namen der Tatsache, dass sie dort endet, wo die Schiffe zu Deutschlands einziger Hochseeinsel aufbrechen. An den St. Pauli Landungsbrücken nämlich. Seit fast 200 Jahren geht das schon so. Anfangs noch mit Raddampfern. Heute mit dem Halunder Jet; einem Motorkatamaran.     Katamarane sind die Albatrosse unter den Schiffen. Mit ihren 2 Rümpfen wirken sie im Hafen nicht besonders elegant. Erst einmal vom Anker gelassen, scheinen sie jedoch übers Wasser zu fliegen. Und so benötigen Hamburger heute 10 Stunden weniger für die Reise nach Helgoland als noch zu Beginn des Seebäderdienstes. (Es unterscheidet sie von Berlinern. Die brauchen heutzutage nämlich 1 Stunde länger nach Usedom als noch vor 100 Jahren. Das habe ich neulich im Tagesspiegel gelesen. Doch die Bahn ist natürlich ein ganz anderes Thema.) Was ich eigentlich sagen wollte: der Halunder Jet ist schnell.     Billig hingegen ist die Fahrt mit dem Halunder Jet nicht. Sie ist sogar recht teuer. Etwas für besondere Anlässe …

Elbansichten

Elbansichten: zwischen Hamburg und Brunsbüttel

Schiffsreisen sind immer etwas Besonderes. Gerade für Hamburger und Hamburg-Freunde. Selbst eine Hafenrundfahrt lohnt sich und auch die kürzesten Fährverbindungen können zum Abenteuerchen werden, wenn man ausnahmsweise mal woanders aussteigt. Aber richtig großartig wird´s erst, wenn man die bekannteren Elbansichten hinter sich läßt.     Wir stachen vor 3 Wochen in See. Es war einer der letzten spätsommerlichen Tage. Über Hamburg lag ein Dunstschleier. Die Luft war warm und schwer. Die Fotos wirken dadurch unscharf. Oder wie angestaubte Gemälde. Und das passt eigentlich ganz gut zum Gefühl einer Elbfahrt.     Die Elbe ist ja nicht nur irgendein Fluss. Die Elbe ist ein Lebensgefühl. Je länger und besser man sie kennt, desto mehr laden sich ihre Ansichten mit Erinnerungen auf. Es ist schon ein Geschenk an diesem Strom zu leben. Denn es gelingt der Elbe doch immer wieder, etwas Wesentliches in einem anzurühren.     Oben: Die Elbchaussee. (Der Herbst steht ihr sehr gut).   Die Elbe ist eine Freiluftgalerie   Unten: Blankenese; wo ab sofort – und bis März – wieder der Süllberg ruft. …

Sylt

Sylt im Oktober; vielleicht wird´s ja traumhaft?

Vor einigen Tagen hörte ich einen Mann etwas Verblüffendes zu seiner Frau sagen. Das war auf einem Holzbohlenweg irgendwo zwischen Wenningstedt und Westerland; an einem Tag wie er im Grunde nicht besser sein kann auf Sylt im Oktober. Ganz Heideduft & Schäfchenwolken, Blitzesbläue & Brandungskonzert.     Meine Mitreisenden und ich hatten schon eine ganze Weile Meeresluft geatment, als wir die verblüffenden Worte aufschnappten. Seit Kampen nämlich. Ein Spaziergang, der sich immer anbietet, wenn man noch nie oder länger nicht auf der Insel war. Denn die knapp 9 km zwischen Kampen und Westerland, bringen auf den Punkt, warum Sylt für eine gar nicht so kleine Gruppe Reisender eine lebenslange Liebe bedeutet. Besonders mit Rückenwind und Sonne im Gesicht.     Es sind vor allem zwei Dinge, die auf der größten nordfriesischen und nördlichsten deutschen Insel ganz einzigartig sind. 1. der 40 km lange Weststrand mit seinen imposanten Dünen. Am Ausgangspunkt dieser Strandwanderung gekrönt vom roten Kliff und eben dort einem der letzten naturbelassenen Kliffwege der Insel.   Was Sylt einzigartig macht: die nordischste Natur im …

Cuhaven

Radtour in Cuxhaven: unterwegs im nördlichsten Niedersachsen

1733 wurden in der Hafeneinfahrt von Cuxhaven drei ausgemusterte Schiffe versenkt, um ein Seezeichen zu sichern. Das vorderste Schiff soll den Namen Olivia getragen haben. Im Volksmund bald nur noch Oliv genannt. Genuschelt klingt das in etwa wie ein plattdeusches „old Leev“ – Alte Liebe. Und so heißt die Anlage bis heute.     Lange Zeit wurde die hölzerne Schönheit als Anleger genutzt. Heute fungiert sie nurmehr als Aussichtsplattform. Cuxhaven hat sich derweil zum größten deutschen Seeheilbad entwickelt. Keine Destination an der Nordseeküste kann mehr Übernachtungen verbuchen. Schaut man in die Tourismusstatistiken, stellt man jedoch fest: bei Hamburgern steht Cuxhaven nicht gerade hoch im Kurs.     Zu schlecht erreichbar über nicht enden wollende Bundesstraße. Zu dicht das Gedränge an den Stränden. Zu uncharmant die dominierenden Bettenburgen im Stil der 60er, 70er, 80er und dem Schlimmsten von heute. (Sagen vielleicht nicht alle Hamburger; doch man hört das schon von Vielen.)   Warum ein Tagesausflug nach Cuxhaven eine gute Idee ist   Aber ein paar Gründe sprechen eben doch dafür, sich auf den Weg nach Niedersachsen …

Steinberghaff

Frühling, Sommer, Herbst und Steinberghaff

Der kleine, verschwiegene Strand von Steinberghaff liegt  – wie viele Strände in Angeln – ein wenig ab vom Schuss. Daher wird er in erster Linie von Eingeweihten angesteuert. Oder von Leuten, die zwanghaft jedem Wegweiser „Zum Strand“ folgen müssen. Es gibt einige solcher Wegweiser „Zum Strand“ entlang der B199, die hier oben „Nordstraße“ genannt wird. Es lohnt sich immer, ihnen zu folgen, denn alle Strände sind ausgesprochen entzückend; auf diese zurückhaltende Art, die der Gegend zu eigen ist. Der Strand vor Steinberghaff ist der heimeligste. Er befindet sich etwa auf halber Strecke zwischen Kappeln und Flensburg. Von dort geht es 2,5 km durch Felder und Dörflichkeit direkt zum Strandhotel.     Das Strandhotel markiert das nördliche Ende von Steinberghaff. Das Haus liegt etwas erhöht; nach Norden abgeschirmt von Baumriesen. Es wurde wohl über die Jahrzehnte sukzessive kaputtrenoviert. Alles, was neu ist, schein zu rabiat gegen den zarten Zauber, der an einigen, wenigen Stellen noch durchschimmert. Etwa in Gestalt kleiner Holzpavillons, die einst als Erfrischungsbuden fungierten. Dem Hörensagen nach wird der Pavillon des Biergartens zur Weihnachtszeit …

Nordermeldorf

Mehr Garnichts geht nicht – und wem das jetzt guttut

Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der Menschheit es für völlig egal hält, ob man die Badestelle Elpersbüttel südlich des Sperrwerks am Speicherkoog aufsucht – oder die nördlich gelegene Badestelle Nordermeldorf. Sie unterscheiden sich auch wirklich nur in Nuancen. So sind im September beide Badestellen nicht gerade überlaufen und die Kioske meistens geschlossen. Während in Elpersbüttel manchmal (es ist nicht genau zu sagen, wann) Park- und Strandgebühr zu entrichten sind, ist das in Nordermeldorf nicht der Fall.     Für beide Badestellen gilt: Im Bereich hinterm Deich ist die Natur hier wild und üppig.  Vorm Deich ist dann gar nichts mehr.  Also wirklich gar nichts. Kein Baum. Kein Strauch. Kein Haus. Kilometerweit geht das so. Ob das im klassischen Sinne schön ist? Hand auf´s Herz: auf den ersten Blick nicht zwingend für jeden.     Dithmarschen kann man nur schwer weiterempfehlen, da es so speziell ist. Man kann Dithmarschen auch nicht recht erklären. Dithmarschen kann man nur fühlen. Und fühlen können das wohl nur Menschen mit einem bestimmten Gemüt. Gehört man zufällig zu dieser …

Surendorf

Cyanea Capillata – Norddeutschlands „weißer Hai“

Seit Wochen knallt die Sonne vom Himmel und hat das Meer auf 23 Grad erwärmt. Kristallklar ist das Wasser heute; beinahe unbewegt. Oder anders gesagt: ein Traum. Und doch wagt sich niemand hinein. Nicht einmal mit den Füßen. Wenn jetzt Roy Scheider und Richard Dreyfuss wild diskutierend an den Strand spaziert kämen, würde mich das gar nicht wundern. Denn genau wie auf Amity Island sind sich auch an den deutschen Küsten die Experten uneins über das Ausmaß der Bedrohung. Und man weiß ja (wenn man den weißen Hai kennt), wohin das führen kann. Bisher weht nur die gelbe Flagge über dem Strand von Surendorf. Das bedeutet noch kein Badeverbot, sondern lediglich: Achtung, Achtung, die Situation ist brenzlig. Im wortwörtlichsten Sinn. Denn Cyanea Capillata ist ausgeschwärmt, besser bekannt als Feuerqualle.     Feuerqallen sind an Nord- und Ostsee nichts Außergewöhnliches. Bei auflandigen Winden driften sie zu Tausenden vom offenen Meer an die Küsten. Nur sind sie diesen Sommer auffallend groß. „Wir haben diesen Sommer besonders warme Temperaturen, wie jeder mitbekommt. Von daher wachsen die Tiere schneller“, …

Aschauer Lagune

Die Aschauer Lagune: Sex & Crime & SEO

Der erste Blick auf die reale Aschauer Lagune unterscheidet sich eklatant vom ersten virtuellen Eindruck; also ihrer Darstellung im Internet. Mir ist schon häufig aufgefallen, dass das Netz keine allzu verlässliche Informationsquelle darstellt. Das gilt nicht nur für politische Fragen. Was Suchmaschinen auf den ersten Seiten anzeigen, hat nämlich wenig mit Güte, Aktualität oder Beliebtheit der Texte und Seiten zu tun. Sondern vorwiegend mit Suchmaschinen-Optimierung, kurz SEO (von search engine optimization). Eine langweilige Sache, bei der sich alles um Google dreht, denn über 90% aller europäischen User nutzen den Marktführer.     Vereinfacht gesagt läuft SEO so: Google gibt vor, wie ein idealer Text auszusehen hat. Je gehorsamer ich mich Googles Vorgaben unterwerfe, desto höher wandert mein Text im Ranking der Suchergebnisse nach oben. Im besten Fall wird er auf Seite 1 gebracht.     Analytische Menschen sind dabei klar im Vorteil. Googles Kriterien sind durchaus figelinisch und auch nicht bis ins Allerletzte bekannt. Eher hinderlich hingegen ist eine gewisse Sprachverliebtheit oder Phantasie. „Nun komm mal zum Punkt“, sagt die Suchmaschine. Sinnbildlich jetzt.     …