Norddeutschland
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Wir sind eins: 12 Nahreisen in 12 Monaten

Sylt

Tatatata: Bloggeburtstag. Letzte Woche schon. Jetzt haben wir tatsächlich 12 Nahreisen in 12 Monaten unternommen.

Irgendwann zur Halbzeit dachte ich mal: „Am Ende wähle ich unsere Top 3.“

Nun kann ich mich aber gar nicht entscheiden. Ich fand alles so toll.

Kurz: We ♥ Norddeutschland

Das Beste am Norden ist der Norden

Überrascht haben mich die vielen positiven, teils überschwänglichen, Reaktionen. Ich kenne so viele, die so tolle Reisen machen. Weite, lange, wahnsinnig aufregende Reisen. Und ich dachte, es wäre weiter nichts Besonderes, wenn man in der allernächsten Nähe bleibt.

Aber da habe ich voll falsch gedacht. Es gibt offenbar viele Leute, die der Nähe etwas abgewinnen können. (Selbst die mit den vielen, tollen Reisen.)

Natürlich haben wir auch Glück im Norden. Er ist schon wunderbar mit seinen zwei Meeren.

Strandclub Kiel

So geht Großstadt in Norddeutschland: Kiel

Vermutlich ist es aber nicht nur in der Nähe von Hamburg super. Sondern auch in der Nähe von Berlin, München oder Kleinkleckersdorf.

Das Beste in der Nähe ist kein bestimmter Ort sondern das in-der-Nähe-bleiben an sich: 

Bleibt man in der Nähe, bleibt man in der Zeit. Wir werden ja ständig in die Zukunft getrieben. Schokoladenweihnachtsmänner im Oktober, Osterbasteltipps im Februar und derlei Dinge. Und dann wundert man sich, wie rasend schnell das Jahr vergeht. Der Natur kann man aber nix vormachen. Die holt einen immer wieder auf den Teppich. Das vergangene Jahr war für mich ganz intensiv und langsam. Und die beste Erfindung überhaupt sind Jahreszeiten.

Musikpavillon Helgoland

Die Zeit macht nur vor dem Teufel halt. Und vor Norddeutschland. Zum Beispiel auf Helgoland.

Bleibt man in der Nähe, bleibt man bei sich. Oder kommt wieder zu sich zurück. Ich habe hier schon einmal in einem Kommentar mein Lieblingszitat gebracht. Es stammt aus dem Buch „Schafe im Schnee“ von Huldar Breiðfjörð:

„Im Übrigen habe ich gehört, es ist im Grunde so, dass man die ersten 40 Jahre damit zubringt, von zu Hause wegzukommen. Und die nächsten 40, um wieder nach Hause zurückzukommen.“

Während ich auf unseren Nahreisen auch geographisch (ich bin ein Landei aus Schleswig-Holstein) nach Hause gekommen bin, waren es für Volko (er kommt aus Hobbingen im Schwarzwald) eher diese fundamental coolen Erfahrungen wie

  • im Regen draußen spielen,
  • irgendwo sein, wo es keinerlei Ablenkung gibt (nicht mal WLan),
  • mal wieder so richtig durchgefroren sein,
  • der Duft von frisch gemähtem Gras und Sonnenmilch,
  • Sommerabende so leise und lau, dass man das Sirren der Mücken hört,
  • Kuckucksrufe am Morgen,
  • durch taufeuchte Wiesen laufen usw usf.

Eben all das, was man beinahe vergessen hatte, weil es in einem Erwachsenenleben in der Großstadt kaum stattfinden kann.  Und irgendwie kommt mir ein Schnitzel in Mecklenburg-Vorpommern ebenso exotisch vor wie ein Steak in Buenos Aires.

Bleibt man in der Nähe, fühlt man sich unheimlich reich. So reich, wie wir als Nordeuropäer nun mal sind. Selbst wenn wir nicht reich sind. Ich habe nicht einen einzigen Moment im letzten Jahr gedacht, dass ich lieber woanders oder lieber weiter weg wäre. Klar, finde ich die Toskana auch schön oder Indien oder den Mond. Aber die Betonung liegt auf auch.

Insofern kann mir, was das Reisen betrifft, nicht viel passieren. Meinen Rucksack packen kann ich auch, falls die (oder meine) Wirtschaft kollabiert. Und selbst wenn es dann nicht mal mehr für eine Jugendherberge reichen sollte, wüsste ich immer noch jemanden, der mir ein Zelt leiht. Oder ein Bett. Was für ein Luxus!

Birkenlund ist überall

Birkenlund ist überall.

In der Nähe ist man unheimlich schnell. Unheimlich schnell da. Und auch unheimlich schnell entspannt. Man hat überhaupt keinen Stress, weil man nichts abhaken muss. Schafft man eine bestimmte Sehenswürdigkeit nicht, isses auch egal. Man kann ja wiederkommen. Ist ja ganz in der Nähe.

Zwei Mal im letzten Jahr hats nur für einen 2-tägigen Trip gereicht. Unsere längste Reise dauerte 12 Tage. Als ideale Dauer haben sich erstaunlicherweise 3 Tage herausgestellt. (4 Tage falls man unterwegs Freunde oder Bekannte besuchen möchte). 3 Tage ist ja eigentlich nix. Aber 3 Tage jeden Monat haben in uns ein Gefühl von permanenten Ferien ausgelöst.

Und auf einmal haben wir nicht mehr die Nachteile unseres Großstadtlebens überbetont. Sondern auch hier die Vorteile in vollen Zügen genossen.

Hamburg

Reist man regelmäßig, kommt man auch gern wieder nach Hause.

Der Mensch neigt ja zur Unbescheidenheit. Das wusste nicht nur der Fischer (wegen sin Fru) sondern auch Tucholsky:

Ja, das möchste:
Eine Villa im Grünen mit großer Terrasse,
vorn die Ostsee, hinten die Friedrichstraße;
mit schöner Aussicht, ländlich-mondän,
vom Badezimmer ist die Zugspitze zu sehn
aber abends zum Kino hast dus nicht weit.
Das Ganze schlicht, voller Bescheidenheit. 

So was habe ich mir auch immer gewünscht (nur dass ich hinten raus gern die Reeperbahn hätte). Jetzt aber nicht mehr. Jetzt will ich so weiter machen wie in den letzten 12 Monaten. Voll zufrieden mit St. Pauli sein und als Sahnebonbon einmal im Monat raus in die norddeutsche Tiefebene. Was Schöneres kann ich mir gar nicht vorstellen.

22 Kommentare

  1. Wir sehen uns auf jeden Fall wieder, egal wo ( im Netzt oder in der Natur) Ihr Euch rumtreibt! Dieser Blog allein ist schon Urlaub vom Alltag. Da braucht man ( fast) nicht mehr wegfahren…

    • Sagte die Weltreisende 🙂 Was das Wiedersehen betrifft, ich warte da immer noch auf eine Rückmeldung aus Niedersachsen, ob und wann wir zu Besuch kommen können. Das wäre ja eine schöne Gelegenheit für ein Wiedersehen. Grüße, dahin und schönen Valentinstag (Holzpfahl)!

  2. Herzlichen Glückwunsch zum Jubiläum, zu einem tollen Blog, zu schönen Fotos, zu informativen Inhalten und Texten, … Und hoffentlich weiteren 12 Nahreisen in den nächsten 12 Monaten. Ich bin auf jeden Fall dabei.

  3. erika stumm sagt

    und es gibt ja auch noch so viel zu sehen-die Geltinger Birk, die Flensburger Förde,Glücksburg,Nordstrand und vor allem Pellworm und und und-ich freue mich auf Montag.Schönes Wochenende Erika

    • Die Geltinger Birk und den Flensburg Firth wiederzusehen, (wie Google Maps sagt) haben wir schon fest für den Mai eingeplant. Auf Pellworm und Nordstrand war ich hingegen noch nie – bin ich aber auch total gespannt drauf. Ja, cool – Montag; ich freue mich auch. Schönes Wochenende bis dahin, Steffi

  4. Liebe Stefanie, lieber Volko,
    Glückwunsch zum Einjährigen! Euer Blog ist was ganz Besonderes für mich und ich warte immer schon gespannt auf den nächsten Beitrag.
    Wunderbare und so wahre Texte und genau so wunderbare, sehr aussagekräftige Bilder – ein wahres Kleinod!
    Ich bleib euch treu und ich werde euch finden, wo immer der Blog auch landet. Aber da ihr innerhalb ‚wordpress‘ umzieht, geht das Finden leicht :-).
    Herzliche Grüße
    Eva

    Hoffentlich bleibt das Outfit des Blogs einigermaßen gleich – gerade die Art der Präsentation der Fotos (heute besonders auch das Letzte von euch beiden) und Schriftart und -größe =einfach nur schön!!

    • Vielen Dank, Eva! Was die Schriften angeht, wollen wir möglichst klar bleiben. Ich freue mich auch immer, wenn ein Blog gut lesbar ist. Liebe Grüße, Stefanie

  5. Tamara Weishaupt-Bülk sagt

    Oh wie schön! Happy Bithday! Ich wünsche Euch für die nächsten Jahre ganz viele neue Erlebnisse in der Nähe und freue mich schon darauf. Liebe Grüße Eure Mari

  6. Auch von mir herzliche Glückwünsche zum Blogjubiläum und ein ebenso herzliches Dankeschön für die stets informativen und schön bebilderten Beiträge hier! Ich selbst mag beides: ganz nah und ganz weit – und alles dazwischen auch. 😉

  7. Jetzt muß ich noch einen Kommentar hierlassen, damit ich deine Beiträge bekomme 🙂 Hab ich aber gerne gemacht 😆

    LG Mathilda <3

    • Stefanie sagt

      Echt, da muss man extra kommentieren? Das ist ja umständlich. 🙁

      Aber schön von Dir zu hören 🙂

  8. Pingback: Bei Fernweh, Sehnsucht & Reisefieber: in der Nähe bleiben 2015; Teil 1 -

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