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Postkarte aus Polen

Polnische Ostseekueste

Hej, hej, ich melde mich heute von der polnischen Ostseeküste. Konkret vom äußersten Nordosten, wo Polen an die russische „Oblast Kaliningrad“ grenzt. Vorvorgestern endeten hier die Sommerferien. Der letzte Ferientag gab noch einmal alles. Die Temperatur betrug 30 Grad und es zeigte sich keine Wolke am Himmel. Und weil es ein Sonntag war und wir in der Nähe von Danzig logieren, summierten sich zu den Urlaubern noch die Tagesausflügler. An manchen Stränden wurde es brechend voll.

 

Ostsee in Polen

 

Den Polen scheint das Volle gerade recht zu sein. Sie konzentrieren sich beinahe alle an einem Fleck. Das haben wir in verschiedenen Orten beobachtet – und uns immer schnell aus dem Staub gemacht. Denn nur in kurzer Entfernung findet man vollkommen einsame Strandabschnitte.

Trotzdem – unterm Strich gefällt mir die polnische Ostseeküste nach dem 31. August besser. Denn so lange dauern die Sommerferien der Polen. Jedes Jahr. Für alle. Und dann ist von einem auf den anderen Tag Schluss mit Jubel, Trubel und Überfüllung.

 

Die polnische Ostseeküste im September

 

Seit Montag haben nun (gefühlt) etwa Dreiviertel der Restaurants geschlossen. In manchen Bretterbuden am Straßenrand bemüht man sich noch, den letzten Tinneff loszuwerden. Aber es geschieht halbherzig. Es scheppert nicht mal mehr der bisher unvermeidliche Euro-Beat durch die Urlaubsorte. Mit jedem Tag scheint sich die Stille etwas breiter zu machen.

 

Ostsee in Polen

 

Wie die Polen es angestellt haben, weiß ich nicht, aber exakt zum Ferienende war auch Schluss mit dem Hochsommer. Seit Montag liegt die Temperatur nur noch bei 23 Grad. Wolken ziehen über den Himmel. Nicht, dass es regnet oder der Himmel länger grau wäre. Aber es ist defintiv Spätsommer.

Kiefern
Es ist ein tolles Wetter um durch die weiten Wälder zu streifen. (Dort kann man sich einbilden, dass es schon nach Herbst riecht. Doch das ist wohl eher der Duft von Kiefern, Pinien, Birken und Eichen.) Wer nicht gern wandert, kann in Kultur schwelgen. An kulturellen Highlights mangelt es in Polen nicht.

 

Marienburg

Die Marienburg des Deutschen Ordens ist die groesste Burg der Welt

 

Es ist nur so, dass viele kulturelle Highlights im Nordosten von Polen mit der deutschen Geschichte zu tun haben. Ich befinde mich je nach Tagesprogramm mal im früheren West- und mal in Ostpreußen. Das ist generell ein schwieriges Thema. Hier ist den Polen von den Deutschen viel Leid angetan worden. Zuletzt im zweiten Weltkrieg.

 

Stutthof

 

Ich kann Euch sagen: wenn man bei einem KZ-Besuch unverhofft in eine Gedenkveranstaltung stolpert, bei der Überlebende anwesend sind, schämt man sich seit Sonntag die Augen aus dem Kopf! Wie will man Holocaustopfern erklären, dass in einigen deutschen Bundesländern ein Viertel der Wähler ihre Stimmen ausgemachten Nazis geben. Die Roheit und Geschichtsvergessenheit dieser Menschen bedrückt mich sehr.

 

Der Norden im Osten: wunderschön & widersprüchlich

 

Jedenfalls: ich empfinde die polnische Ostseeküste bisher als traumhaft schön und aufwühlend zugleich. Und das ist nicht die schlechteste Kombi auf Reisen. Es wird sicher eine Weile dauern, bis ich die Eindrücke sortiert habe. Zumal ich jetzt gleich wieder neue sammeln werde. Für heute also nur noch

ganz liebe Grüße aus Polen!

 

2 Kommentare

  1. Herzliche Grüße nach Polen.
    Die Küste muss wirklich ein Traum sein, wenn man nicht in die Städte fährt.
    Und ja, die Rechten. Allerdings sind die leider auch in Polen sehr stark und auch in Polen gibt es trauriger Weise einen starken Antisemitismus.
    Und so wird selbst die Ausstellung Auschwitz politisiert, Angestellte der Ausstellung ziehen selbst über Juden her.
    Man kann nur seinen eigenen klaren Standpunkt haben. Und die Hand reichen. Und respektvoll sein. Dann darf man für die Opfer trauern. Und braucht sich nicht für die Idiotie anderer zu schämen:-)
    Vielen Dank für Deinen klaren Standpunkt. Der ist heute nicht selbstverständlich.

    Liebe Grüße

    Kai

  2. ERika Stumm-osterby@gmx sagt

    Da kann ich mich nur meinem Vorkommentator anschließen-es macht betroffen,entsetzt zu sehen, was nach nicht einmal nach gut 70 Jahren wieder an Gedankengut verbreitet werden kann-aber danke für die schönen Bilder und Kommentare.

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