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Dem Meer eine Kirche; eine Kogge dem Ozean

Meeresmuseum Stralsund

Man sollte mal in ein Kloster fahren. Um zu schweigen. Sich zu besinnen. Sich klar zu werden. Um mal zu gucken, wie man mit sich allein zurechtkommt. So stumm wie ein Fisch. Ob man die eigenen Gedanken noch spannend findet.

 

 

Man sollte wie eine Meeresschildkröte speisen. So wie die älteste Dame im großen Becken des Deutschen Meeresmuseums. Die 54jährige Unechte Karettschildkröte hat ihre Linie fabelhaft gehalten. Ihr Rezept: ein ganzes Kilo Fisch. Dreimal in der Woche. Montags. Mittwochs. Und Freitags. Punkt 11. Sonst nichts.

 

 

Ob sie wohl mal in Freiheit gelebt hat? Oder hat sie ihr ganzes Leben im Aquarium verbracht? Möglich wärs. Seit 1951 schon sitzt das Deutsche Meeresmuseum in einem ehemaligen Kloster mitten im Welterbe, der Altstadt von Stralsund.

 

Stiftung Deutsches Meeresmuseum Stralsund

 

Da sollte man mal hinfahren, habe ich ewig gedacht – und bin sehr froh, dass ich es diese Woche getan habe. Obwohl es zeitlich überhaupt nicht passte. Aber allein das Zusammenspiel von meereskundlicher Ausstellung und frühgotischer Baukunst war die Reise mehr als wert.

 

Krake Meeresmuseum

 

Das Meeresmuseum ist die Urzelle der Stiftung Deutsches Meeresmuseum. Die Stiftung fungiert seit einigen Jahren als Klammer für vier Häuser. Auch die anderen drei Standorte sind ähnlich inspirierend wie das Katharinenkloster.

 

Meereskatze

Galerie in der Kinderecke: das Meeresmuseum scheint auch die Kleinsten zu inspirieren

 

Das Nautineum etwa liegt auf einer kleiner Insel unter der Brücke nach Rügen. Das Natureum an einem der schönsten Plätze von ganz Norddeutschland, dem Darßer Ort im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft. Und schließlich der Publikumsmagnet am Hafen: das Ozeanum.

 

Ozeaneum

 

Den Architekten nach soll das Ozeaneum an die Segel einer Kogge erinnern. Bei den Stralsundern hat sich allerdings der Name Klorolle durchgesetzt. Kurz nach Eröffnung im Jahr 2008 wurde das Haus als »Europäisches Museum des Jahres« geadelt.

 

Ozeaneum Stralsund – die Welt der nördlichen Meere

 

Der Preis steht u.a. für phantasievolle Interpretation und Präsentation, soziale Verantwortung und Aufklärungsarbeit. Das zieht jede Menge Besucher an. Im Sommer stehen schon mal 3.500 Leute Schlange. Im Januar – wenn Stralsund wirkt wie ein Außenposten am Ende der Welt – ist nicht besonders viel los.

 

Stralsund

Hinter dem Hafenamt am Strelasund liegt der Norden

 

Aquarien sollte man im Winter besuchen. Weil man sich dann freut, ins Warme zu kommen. Und weil das Blau dann so gut tut. Das ist in Norddeutschland ja sehr wichtig, wenn man nicht trübsinnig werden will.

 

 

Vielleicht gibt es im Norden so viele Aquarien, weil der Winter so grau ist? Jedenfalls: das Ozeaneum ist im Januar wunderbar. Dann steht oder sitzt man fast ganz allein vor den riesenhaften Becken. Und es ist sehr still. Unterm Strich also genau, wie man sich den Besuch eines Aquariums idealtypisch vorstellt.

 

Multimedia Ozeaneum

 

Manchmal liegt man im Ozeneum auch. Etwa in der Multimedia-Ausstellung »1:1 Riesen der Meere«. Dann muss man aufpassen, um nicht zu Walgesängen einzuschlafen. Obwohl… Was macht das schon? Im Januar?! Am Ende der Welt?!

 

 

Das ist etwas, das ich mitgenommen habe aus dem Meeresmuseum Stralsund: Man sollte wie eine Qualle durch das Leben schweben. Gar nicht erst hastig werden. Sondern elegant bleiben; ruhig, fast sanft und gleichzeitig beharrlich. So verwirren sich die vielen Fäden nicht, aus denen das Leben ja nun mal besteht.

Das Wichtigste für schnelle LeserInnen: Deutsches Meeresmuseum Stralsund

 

Meeresmuseum

Finnwal im Kloster

Der Besuch von Ozeaneum und Meeresmuseum lohnt sich unbedingt – vor allem in der off-Saison.

Das Meeresmuseum ist nur noch bis Anfang 2021 geöffnet – dann gehts in eine langjährige Renovierungsphase.

Die Kombikarte für Meeresmuseum und Ozeaneum kostet 23 Euro. Pro Haus braucht man etwa 3 Stunden.

Hintereinander wären mir beide Häuser zu viel gewesen. Mit einer Übernachtung zwischendrin, war es großartig. Weil Stralsund sowieso toll ist. Davon dann nächstes Mal mehr. Und zum Meersmuseum gehts hier: Klick.

 

17 Kommentare

    • Liebe Martina, da könnte man bestimmt auch toll hinsegeln. Ich drück die Daumen für Eure nächste Saison. Ganz liebe Grüße, Stefanie

  1. Das macht wirklich Lust, dorthin zu kommen.
    Und ja, wie recht Du hast. Ich erinnere mich an meine acht-wöchige Wanderung, immer gerade aus nach Norden. Viele Selbstgespräche, viel frische Luft in Hirn und Seele. Manche Träne und manches Lächeln in sich hinein.
    Von den Tieren können wir viel lernen. Und weil Du schon im Kloster bist, eine biblische Brücke: „—sehet die Vögel am Himmel- Sie sähen nicht, sie ernten nicht. Und Gott ernährt sie doch…“
    Mehr Gelassenheit könnten wir wieder lernen, aber da ladet Ihr ja immer wieder zu ein:-)

    Liebe Grüße nach Hamburg.

    • 8 Wochen nach Norden?! Das klingt ja so toll!!! Wo – wann – wie – was – kann man davon irgendwo bei Dir lesen? Liebe Grüße, Stefanie

  2. Hallo Stefanie,
    wie schön, ihr habt’s nach Stralsund geschafft! Du erwähntest vor einiger Zeit, dass es als Ziel mit auf der Liste steht. Ich freue mich sehr, dass ich nun durch dich in den Genuss von mehr Details zu Meeresmuseum und Ozeaneum komme. Und klasse Fotos dazu entdecke!
    Ich bin aufgrund der häuslichen Situation noch immer nicht dazu gekommen, meinen eigenen Bericht abzuschließen, doch immerhin steht mir mittlerweile wieder ein williger Laptop zur Verfügung, was schon motivierend wirkt. Mal schauen, ob es sich nicht doch noch hinkriegen lässt.

    Du schreibst, Besuche in Museen sind etwas, was man sich sehr gut bei kaltem Winterwetter vornehmen kann. Genau aus dem Grund habe ich bei unserem Kurzbesuch in der Hansestadt in der zweiten Oktoberhälfte noch die Variante „Draußenerkundung“ gewählt. Für beides reichte die Zeit nicht, und das Wetter bot sich einfach an.
    Ich liebäugelte natürlich trotzdem sehr mit einem Besuch der Museen, und dieser Wunsch hat sich nun nach Lesen deiner Schilderung mit Sicherheit nicht verringert.
    Vielen Dank fürs Lust machen auf einen erneuten Besuch in Stralsund!

    LG Michèle

    • Liebe Michèle, ich habe natürlich einige Mal in Stralsund an Dich gedacht (u.a. als zum hundersten Mal checkte, ob mein Zug auch wirklich, wirklich zu angegebenen Zeit fährt). Ich freue mich schon sehr, wenn Du irgendwann Deine Herbstbilder zeigst. Das eine vom Knieper-Teich ist mir total im Gedächtnis geblieben (und auch ein bisschen Schuld, dass ich jetzt wirklich losgefahren bin). Hast Du es von der Marienkirche aufgenommen? Da wäre ich bei besserer Sicht gern hochgestiegen – doch bei mir war das Wetter relativ übel für Fotografinnen – nebelig und totes Licht. Da hats keinen Sinn gemacht. Aber eben das finde ich so toll an Stralsund. Die Stadt bietet für jedes Wetter tolle Sachen. Komm gut in den Tag, Stefanie

    • Weißt Du was, Ludwig, ich auch 🙂 Das geht mir nun schon seit 5 Jahren so und es nutzt sich einfach nicht ab. Gruß nach Schleswig-Holstein, Stefanie

  3. karl matthiesen sagt

    Hallo Steffi .War vor 3Jahren mit Christa in Stralsund.Hatten aber leider keine Zeit für das Ozeaneum da wir eine Wanderung machten bis Heringsdorf.Vielleicht schaff ich es ja noch mal .Liebe Grüsse Margrit

    • Mensch Margrit, was Ihr 2 immer für tolle Touren macht! Ich hab mir den Weg nach Usedom gerade mal näher angeguckt. Ist ja großartig. Ganz liebe Grüße, Stefanie

  4. Hallo Stefanie,
    ein Besuch des Meereskundemuseums in Stralsund gehörte während meiner Kindheit jedes Jahr zum Urlaubsprogramm. Wir machten im Sommer immer Urlaub bei Oma auf Rügen und es gab immer einen Regentag, der dann für den Museumsbesuch genutzt wurde. Da war die familiäre Rasselbande eine Weile gut beschäftigt 😉 Ich habe es geliebt.
    viele Grüße von Kerstin

    • Ach ja, Kerstin, das kann ich mir gut vorstellen! Gerade das „alte“ Meeresmuseum ist ja wie eine Phantasiewelt. Ich hoffe, der Charme bleibt bei der Renovierung erhalten. Viele Grüße (nach Sylt?), Stefanie

  5. Pingback: 26 h allein in Stralsund und die 99 Besonderheiten der Stadt -

  6. Tja, das ist praktisch ein Sachzwang: Meeresmuseum und Ozaneum sehen soooo toll aus und nach Stralsund will ich schon ewig mal. Wenn es nur nicht so weit weg wäre! 🙂

    • Ja, stimmt. Aber praktischerweise liegt Stralsund gleich bei Rügen und Usedom und Fischland-Darß-Zingst und Hiddensee die (Halb)-Inseln muss man ja auch alle mal gesehen haben. Also könntest Du auf einem laaangen Roadtrip alles mit einem Abwasch hinkriegen 🙂

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