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Its A Mans World: das Automuseum PROTOTYP & Stadtpark-Revival

Zum ersten Mal leuchten seine Augen etwa 3 Sekunden nachdem wir das Automuseum PROTOTYP betreten haben. So lange braucht sein Blick, um über geschätzte 20 Schöheiten hinwegzugleiten, um an etwas Grasgrünem Anker zu werfen. „Wow“, sagt Volko. „Sein Erster.“

„Wessen?“, denke ich.

„Spa 1991“, sagt Volko. „Ardennen-Achterbahn. Eau Rouge. Sein einziges Rennen für Jordan. Er hat irgendwo in einer Jugendherberge übernachtet. Aber Willi Weber wohl nicht. Der kam ja angeblich aus einem anderen Millieu.“

„Wer?“, denke ich.

Und Volko spult nun Daten ab, die mir schleierhaft bleiben. Wovon redet er da? Woher weiß er das bloß alles?

„So was weiß ein Mann eben“, sagt Volko. Es ist der erste Klischee-Schnack, den ich in beinahe 10 Jahren je von ihm gehört habe.

Aber das hier ist etwas anderes. Das hier ist das Museum der Jungsträume. Der Männerphantasien. Das hier ist für solche gemacht, die bei Steve McQueen und James Dean nicht „Hach“ seufzen sondern vor allem an ihre Autos denken. Und wissen, dass er, der sein allerstes Formel-1-Rennen in Spa 1991 fuhr, natürlich Michael Schumacher ist.

So was weiß ein Mann eben.

 

Automuseum Prototyp

 

So was weiß eine Frau übrigens manchmal auch. Jedenfalls Carolin Peiseler vom Automuseum PROTOTYP. Sie hat uns in das Haus in der Hafencity eingeladen. Wir dürfen für das Stadtpark-Revival (ein Autorennen) recherieren. Dass Frauen ihren Männern zuliebe ins Auomuseum kommen, kennt sie schon.

„Männer besuchen uns wegen der Technik. Frauen finden über die Ästhetik und die Geschichten einen Zugang.“

Ästhetik wird überhaupt groß geschrieben in der ultraschicken ehemaligen Gummi-Fabrik von 1904. Gäbe es eine Auto-Vogue, hier säße die Redaktion. (Beim Klicken auf die Galerie, werden die Bilder größer.)

 

 

Wer Ästhetik sagt, muss auch Porsche sagen. Hier der Typ 64 von 1939; hergestellt nach den frühen Plänen des Käfers für ein Propagandarennen von Berlin nach Rom. Es ist der Wagen 2 von insgesamt 3 je gebauten.

 

Berlin-Rom

 

Die Geschichten im Automuseum handeln von Konstrukteuren, Rennfahrern, Grafikern, Filmemachern, Fotografen und natürlich Autos, Autos, Autos. Nicht nur Protoypen sondern auch Serienwagen, Rennwagen, Eigenbauten und Unikate.

 

Automuseum Hamburg

 

Das alles ist liebevoll medial aufbereitet. Da gibt es beispielsweise ein Kino, eine Bibliothek, eine Schrauberwerkstatt, einen Porsche 356 Speedster-Fahrsimulator und eine Audiobox, um Motorengeräusche so laut zu hören, wie es sich nun einmal gehört. Nicht Geräusche, berichtigt mich Volko, es sind Klänge. Eine Sinfonie. Und dann schaltet er noch einmal den Ferrari an. 12-Zylinder.

 

Prototyp Hamburg

 

Vergesst die Ohrenstöpsel beim Stadtpark-Revival nicht, rät uns Carolin, als sie uns die hauseigene Rennabteilung zeigt. Normalerweise werden diese Räume für Parties und Fotoshootings vermietet. Jetzt werden Formelwagen auf ihren großen Auftritt beim Stadtpark-Revival vorbereitet.

 

RennabteilungAutomuseum

 

Das Stadtpark Revivial findet seit 1999 jährlich Anfang September statt. Auf einer historischen Strecke, auf der in den 1930er bis 1950er Jahren das Hamburger Stadtparkrennen ausgetragen wurde, jagen sich Rennmaschinen und Sportwagen.

Du musst was über den Geruch schreiben, sagt Volko. Und atmet tief ein, während wir durch das Fahrerlager traben.

Also schön: Es riecht nach Benzin. Und es ist laut. Sehr, sehr laut.

Erinnert mich total an meine Kindheit, sagt Volko vergnügt.

 

Porsches

 

Selbstverständlich trägt Volko keine Ohrenstöpsel. Würde er nie machen. Denn er will es ja hören. Und fühlen.

Es ist beinahe auf den Tag 45 Jahre her, dass der Rennsportvirus Volko infizierte. Dass war am 5. September 70 in Monza. Er erinnert sich an Italienische Männer die ihn hoch über die Balustraden hoben, damit er sein erstes Formel-1-Rennen sehen konnte. Die ihn mit Weintrauben fütterten. Und an eine plötzliche Stille.

Es war das Rennen, bei dem Jochen Rindt tödlich verunglückte. Warum ihn das Erlebnis nicht abgeschreckt hat, kann Volko mir nicht erklären.

Jochen Rindt selbst hat mal gesagt: Keiner von uns weiß, wie lang er lebt. Jede Stunde bringt uns näher an das Ende unserer Tage. Darum sollten die Menschen die Zeit nützen. Du hast in meinen Augen die Pflicht, möglichst viel möglichst schnell zu tun.

Its A Mans Philosophy.

 

 

Autorennen sind Heldenverstaltungen. Auch das Stadtpark-Revival. Unten Tom Kristensen. Der Däne ist mit neun Gesamtsiegen der erfolgreichste Pilot des legendären 24-Stunden-Rennen von Le Mans.

 

Silberpfeil

 

Die Stimmung im Fahrerlager ist bestens. Das Automuseum PROTOTYP ist mit verschiedenen Wagen und Fahrern am Start. Beispielsweise mit dem Wendler. Dem echten Wendler (dem Porsche) und nicht dem aus dem Dschungel.

 

Wendler

 

Oliver Schmidt, Gründer des Automuseums PROTOTYP im Otto Mathé Fetzenflieger und im Porsche 718/2.

 

Fetzenflieger

 

Einige Autos im Automuseum sind Leihgaben, wie der Veritas Meteor von Stefan. Der Rheinländer weiß, dass sein Wagen in der Hafencity gut aufgehoben ist. Sonst hätte er ihn auch nicht für eine Sonderausstellung zur Verfügung gestellt. Immerhin gehört er zu den letzten drei Modellen auf der Welt. Beim Stadtpark Revival fährt Stefan den Wagen natürlich selbst.

 

Veritas

 

In seinem Alter, sagt der 52jährige Ex-Unternehmer, habe man vielleicht noch zwanzig richtig gute Jahre. Ein paar mehr, wenns phantastisch läuft. Er kennt viele Unternehmer, die mit über 70 noch rund um die Uhr arbeiten. Und dann ist das Leben irgendwann vorbei. Er hat darum einen Cut gemacht. Alles verkauft. Worum es ihm jetzt geht, möchte Volko wissen.

Stefan: Nette Menschen. Gutes Essen. Freizeit. Und Autos… Autos…. Autos….

Volko: Welches ist Deine Traumstrecke?

Stefan: Der Wagen ist schon in Monaco gefahren. Aber ich noch nicht. Das wäre noch mal was. Rennsport ist meine Leidenschaft. Und irgendwann muss sich ein Mann auch seine Träume erfüllen. Ich bin nach Hamburg gekommen, um mein Auto auf dieser alten, ehrwürdigen Stecke auszuprobieren. Und es ist ganz phantastisch.

Volko: Hast Du früher auch schon Rennsport gemacht?

Stefan: Dazu bin ich leider nicht gekommen. Aber ich hole das jetzt seit einigen Jahren nach. Ich fahre nur Oldtimer-Rennen. Nürburgring. Nordschleife. Etc. Was jeder mal gesehen haben sollte, ist 1. Hamburg. 2. die Hamburger. Und 3. das Automuseum PROTOTYP. Hamburg finde ich gut, weil man hier auch mal eine Zigarre in der Bar rauchen darf. Und mit den Leuten komme ich gut zurecht. Man sagt ja immer, die Norddeutschen wären kühl. Aber das stimmt überhaupt nicht. Man kommt leicht mit ihnen ins Gespräch. Wir Rheinländer sind ja auch ganz spaßig.

Da die beiden gerade beim Spaß sind, möchte Volko von Stefan noch wissen, ob auch seine Frau eine Leidenschaft für den Rennsport hat?

Und Stefan so: Ja, äh, öh, ich denke mal, weniger. Und grins, grins, grins.

 

Stefan beim Stadtpark Revival

 

Tja, its a mans world. But it would be nothing – NOTHING – without a women and a car.

 

Porsche356

 

Die Frau, die Volkos Welt an diesem Tag perfekt macht, ist Carolin Peiseler vom Automuseum PROTOTYP. Denn sie organsiert das Auto bzw. den Beifahrersitz. Volko geht mit Ulrich Schmidt im Porsche 356 A Speedster auf die Strecke. Das Leuchten in seinen Augen: unbezahlbar.

 

 

Übrigens: Der Porsche 356-Welt widmet das Automuseum PROTOTYP ab dem 13. November die Sonderausstellung Very Important Porsches. Wenn man mich fragt: Das ist ein hervorragendes Nikolausgeschenk für einen Mann.

 

VIP

 

Automuseum PROTOTYP
Shanghaiallee 7

Geöffnet Di – SO von 10.00 bis 18.00 Uhr

Eintritt: € 10,–

Kinder: € 4,50

6 Kommentare

    • Wenn es sich bei der Ausstellung zufällig um die Lieblingsautos einer Frau handelt, ist es natürlich auch ein super Geschenk für die Gattin (Dies nur als Wink mit dem Holzpfahl, falls hier ein gewisser Ehemann mitliest.)

  1. Hallo Stefanie,

    nicht im Ernst jetzt: ihr wart auf dem Stadtpark-Revival?? Vielleicht sind wir aneinander vorbeigegangen und haben uns nicht mal erkannt?! 🙂
    Seit 5 Jahren geht es für mich jährlich da hin, da es des Lebensgefährten wichtigstes Hobby ist und ihn kaum was glücklicher machen kann als alte Autos :-)))

    2mal hab ich auch im Blog davon berichtet und Unmengen von Fotos sind auf dem PC.

    http://deichrunnerskueche.de/2011/09/ausflug.html
    http://deichrunnerskueche.de/2013/09/hamburgerstadtpark-revival-2013.html

    Einen Besuch im Automuseum PROTOTYP hab ich ihm dieses Jahr zum Geburtstag geschenkt, aber die Fotos haben es – aufgrund meines derzeitigen Phlegmas – noch nicht auf den Blog geschafft.

    Aber die LeserInnen sollen auch lieber bei euch schauen – ihr macht eindeutig die besseren Fotos.

    Ganz liebe Grüße
    Eva

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