Allgemein, Aprilabenteuer, Hamburg
Kommentare 27

In allernächster Nähe bleiben

PlantenunBlomen

Till Schweiger beschwerte sich vor einigen Tagen, dass die Spaziergänger*Innen im Hirschpark an der Elbchaussee keine Rücksicht aufeinander nähmen. Dass sie keinen Abstand zueinander hielten und für Entgegenkommende nicht zur Seite treten würden. Aus St. Pauli kann ich das zum Glück nicht berichten. Ganz im Gegenteil.

 

 

Vielleicht sind St. Paulianer im Teilen einfach sehr gut geübt. Ich beobachte jedenfalls viel Rücksichtnahme. Natürlich ist es schwierig, eingefahrene Gewohnheiten abzulegen. Natürlich ist man sich nicht in jeder Sekunde seines Handelns absolut bewusst. Natürlich steht man also auch mal gedankenverloren im Weg oder weicht nicht weiträumig genau aus. Aber nicht absichtlich, glaube ich. Und jeden Tag läuft es noch ein bisschen besser.

 

 

Über Nacht hat sich unser Leben in unerhörter Weise verändert. Wie tapfer die meisten darauf reagieren, ist doch wirklich erstaunlich. Wenn man nur mal daran denkt, wie schwer es uns normalerweise fällt, eine lästige Gewohnheit abzulegen oder eine gute in den Alltag zu integrieren!

 

Planten un Blomen
Wie viele Ausflüchte wir normalerweise finden, warum wir gerade jetzt nicht mit dem Rauchen aufhören können, mit dem Joggen beginnen, abnehmen oder püntklich die Steuererklärung abgeben. So besehen ist die Kehrtwende beachtlich, die jede*r Einzelne gerade von uns hinlegt – trotz zum Teil fundamentaler Probleme und Ängste. Hut ab, liebe Mitmenschen.

 

 

Ich weiß schon, was Till Schweiger meint. Ich habe mich selbst schon über die geärgert, die das Kontaktverbot missachten oder unnötige Fahrten unternehmen. Ich habe selbst schon mit übertriebener Mimik und Gestik an der Supermarktkasse meine Verärgerung deutlich gemacht. (Wodurch ich mich nicht besser fühlte sondern höchstens albern – und die Gemeinten beeindruckte ich sowieso nicht besonders).

 

 

Ich kann die anderen und die Umstände nicht ändern. Meinen Blickwinkel allerdings. Ich kann beklagen, wie klein mein Radius geworden ist. Wie groß die Sehnsucht nach Weite. Oder ich kann die Tiefe wahrnehmen. Das fällt im Frühling nicht schwer. Denn der Frühling findet ja überall statt. Und ist überall voller Wunder.

 

 

Im Frühling ist es gar nicht so übel, die immer gleichen Wege zu gehen. Dann fällt es einem sofort auf, wenn etwas Neues die Nase aus der Erde streckt. Dann merkt man sofort, wenn ein anderer Duft durch die Luft schwebt. Andere Vögel singen. Darum lohnt es sich auch jeden Tag rauszugehen. Genau wie es sich lohnt auf die zu achten, die sich ebenso um Rücksicht bemühen wie man selbst. Das sind nämlich die meisten.

 

 

Die Fotos zeigen meinen Lieblingspark – Planten un Blomen.

27 Kommentare

  1. Liebe Stefanie, ich denke immer wieder, was für ein Glück im Unglück, dass gerade Frühling ist. Auch ich erfreue mich an den enormen Veränderungen, die mir die Natur derzeit auf meinen täglichen, kurzen und meist immer gleichen Runden präsentiert. Und überall gehen die Leute auf einmal spazieren. Das ist ein ungewohntes aber auch irgendwie schönes Bild. Und bei uns halten sich erstaunlicherweise ebenfalls die Meisten an die Vorgaben. Versuchen wir also das Beste daraus zu machen. Liebe Grüße und bleib gesund! Andrea

    • Liebe Andrea, inzwischen habe ich Deine Routine-Runde ja auch entdeckt. Sehr schön. Und die nächsten Wochen schaffen wir auch noch! Liebe Grüße, Stefanie

  2. Vor ein paar Jahren bin ich jeden Monat einen ganz bestimmten Weg gelaufen und habe eine imposante Birke fotografiert. Von Januar bis Dezember. Das war spannende zu sehen, wie im Frühjahr die ersten zarten Blättchen sich formten, im Sommer eine undurchdringliche Baumkrone entstand, im Herbst die Farben sich änderten bis er im Winter wieder als „Gerippe“ dastand.

    Von daher sind eingetretene Pfade durchaus auch interessant.

    Liebe Grüße
    Liane

  3. Ralf Jöckel sagt

    Die aktuelle Sitation ist – so ernst sie auch sein mag- ideal um zu entschleunigen.
    Meine Wohnung ust gemütlich,ich habe viele Bücher zum Lesen und beim letzten Hallig-Urlaub auf Lümmoor viele Bilder geknipst,die ich mir immer und immer wieder anschauen kann – ohne daß es mir langweilig würde.
    Musik kann ich auch rund um die Uhr hören,dabei kann ich auch herrlich entspannen.
    Wer etwas mit sich selbst anzufangen weiß,dem wird auch nicht langweilig.
    Ich hab´natürlich leicht schreiben,als Rentner muß ich nicht zwingend vor die Tür gehen.
    Und Joggen hab´ich noch nie gemocht oder gemacht – ich gehe lieber schwimmen,wenn ich Lust auf Sport habe.
    Bleibt bitte alle gesund und macht das Beste aus der jetzigen Situation.
    Es grüße Euch
    Ralf aus Duisburg

    • Das mit der Entschleunigung stimmt, lieber Ralf. Ich muss voll oft an das Leben meiner Großeltern denken. So kommt mir das im Moment vor. Nur dass sie vielleicht nicht ganz so viele Zukunftssorgen hatten wie viele Leute gerade. Bleib Du auch gesund – ich drück die Daumen für das Gewinnspiel :-), Liebe Grüße, Stefanie

  4. Das hast Du schön geschrieben, liebe Stefanie.

    Die Welt ist immer so, wie man sie ansieht – und das tut man gerade in diesen Zeiten am besten mit einem positiven Blick. Wir lassen uns nicht unterkriegen und bleiben zuversichtlich!

    Noch wird mir die Zeit überhaupt nicht lang – im Gegenteil, ich bin beinahe froh über ein bisschen Entschleunigung, und die täglichen Spaziergänge durch die frühlingshafte Natur genieße ich ganz bewusst.

    Liebe Grüße und bleib‘ gesund!
    Martina

    • Das klingt gut, liebe Martina. Ansonsten ist es für Euch doch sicher seltsam mit der Grenze zu Dänemark?! Zeiten sind das! LG, Stefanie

  5. Danke für jedes aufmunternde Wort. Wenn einen die Angst am Schlafittchen hat, helfen keine Butterblumen mehr.

    • Das stimmt, Janne. Ich habe manchmal Angst und manchmal nicht. Da das Ganze so irrel scheint, kann ich mir gar nicht recht für ein Gefühl entscheiden und mäandere durch die komplette Gefühlspalette.

  6. Liebe Stefanie, genau so ist es. Ich erfreue mich z.Z. am Frühlingserwachen in meinem Garten. Die Osterglocken blühen in diesem Jahe besonders üppig, So als wollten sie sagen: „Schaut her und freut euch“! Liebe Grüße und bleib‘ gesund! Ulrike

    • Liebe Ulrike, ich habe gestern auch zum ersten Mal gegärtnert. Noch nicht so richtig. Es war mehr ein kollektives Aufräumen bei uns im Hinterhof (in abgesteckten Arrealen, so dass wir uns nicht zu nah kamen – aber doch zusammen waren). Das tut gut. Obwohl es noch schöpferische Gärtnerarbeit war. Aber ich kann mir gut vorstellen, dass es Vieles aufs rechte Maß zurechstutzt. Pass auf Dich auf, Stefanie

  7. Liebe Stefanie, danke für die schönen Frühlingsbilder und die aufmunternden Worte. Ich mag Planten un Bloom auch sehr, aber komme zur Zeit natürlich nicht dort hin. So schlimm das Alles zur Zeit auch ist, ist doch die Entschleunigung und das Besinnen auf das Wesentliche für viele Menschen auch einmal gut. Und den Frühling und die Pflanzen und die Tiere kümmert Corona nicht. <3 Ich freue mich über den Frühling. Bleib gesund, liebe Stefanie und paßt alle gut auf euch auf.

    • Liebe Ilona – es ist, wie Du es heute gebloggt hast, die Katzen freuts. Meine auch. Und wenn es denen gut geht, ist es ja immer schon die halbe Miete. Liebe Grüße nach Lübeck, Stefanie

  8. Richter sagt

    Herr Schweiger muss seinen Bekanntheitsgrad etwas aufpeppen! Ansonsten für mich ein Wichtigtuer.

  9. Liebe Stefanie,
    besonders amüsiert habe ich mich über den Satz „Ich habe selbst schon mit übertriebener Mimik und Gestik an der Supermarktkasse meine Verärgerung deutlich gemacht. (Wodurch ich mich nicht besser fühlte sondern höchstens albern – und die Gemeinten beeindruckte ich sowieso nicht besonders).“ Mir geht es oft ähnlich, und zu Mimik und Gestik kommt die Sprache oft dazu („Können Sie nicht bis 2 zählen?“). Alles nicht sehr lustig, aber anscheinend gibt es viele, die das Virus nicht allzu ernst nehmen – und einige Politiker machen ihnen ja leider vor, wie das geht.
    Für Zerstreuung an meinem Heimarbeitsplatz sorgt derzeit ein Elsternpärchen, das im Baum direkt vor meinem Fenster ein Nest baut. Das dauert Tage, ja, Wochen, und ist absolut bewunderungswürdig. Ansonsten radle ich ab und zu ein paar Kilometer durch das ziemlich leere Berlin. Für Fahrradfahrer könnte immer Corona sein …

    • Liebe Dorothea, nachdem ich erst dachte, ich werde verrückt, wenn ich den ganzen Frühling in der Stadt verbringen muss, fallen mir so nach und nach doch immer mehr Dinge ein, die ich angehen kann. Mein Fahrrad zum Beispiel! Blieb das ganze letzte Jahr ungeputzt und sollte dringend mal wieder an die frische Luft. Und einem Vogel beim Nestbau zuzuschauen, könnte auch nicht schaden. Danke für die Hinweise. Und liebe Grüße nach Berlin, Stefanie

  10. Ich muss gestehen das es mich derzeit am allerwenigsten interessiert was Prominenten zu dieser Lage zu sagen haben. Das es bei Herrn Schweiger dann gleich in öffentliches Denuziantentum ausartet überrascht mich wenig. Denen geht es erstmals so wie alle anderen, aber irgendwie muss man sich ja im Gespräch halten.
    Du hast es doch noch vergleichsweise gut :-).
    Bleib gesund.

    • Der Schweiger ist generell schnell mit seiner Meinung, finde ich. Und manchmal in der Wortwahl zu hitzig. Aber in den Sozialen Netzwerken stimmen ihm viele zu. Es gibt wohl einige, die die Sache ähnlich sehen. Ich hoffe, das schöne Wetter lässt die Leute nicht übermütig werden. Denn wirklich – es ist nicht toll sich zu beschränken – aber es geht uns wirklich gold in Deutschland. Vergleichsweise gesehen.

  11. Liebe Stefanie,

    wie recht du hast. Jetzt im Frühling kann man jeden Tag etwas neues entdecken. Ich nutze momentan die freien Stunden zwischen meinen Schichten, um die Natur zu genießen. So laufe ich jetzt jeden zweiten Tag durch den Wald und genieße die frische Luft am Morgen. Hätte mir einer vor drei Wochen gesagt, ich würde bei -4°C morgens um 8 Uhr durch den Wald joggen, dem hätte ich einen Vogel gezeigt. Doch dank Corona habe ich jetzt Zeit dazu ein bisschen mehr Sport zu machen.
    Ich finde man muss einfach das positive aus der Sache ziehen. Morgen früh zieht es mich also wieder in den Wald bevor ich zur Arbeit gehe und den Leuten erkläre wie wichtig Hände waschen ist.
    Bleib gesund und liebe Grüße
    Kerstin

    • Wald! Da sagst Du etwas, Kerstin. Das nehme ich mir für diese Woche mal vor. Komm gut in dieselbige. Und liebe Grüße, Stefanie

  12. ich weiß gar nicht, wie man wegwollen kann, wenn man so einen zauberhaften japanischen garten vor der nasenspitze hat. er macht es einem sehr leicht daheim und doch anderswo zu sein.

Kommentar verfassen

Diese Website verwendet Akismet, um Spam zu reduzieren. Erfahre mehr darüber, wie deine Kommentardaten verarbeitet werden.