Alle Artikel in: Norddeutschland

Ein Spitzenspaziergang: Rundweg um den Darßer Ort

Ich bin eine große Spaziergängerin. Vor allem liebe ich Rundwege. Am meisten liebe ich Rundwege, die durch einen Urwald führen, an einem Leuchtturm vorbei, über einen unberührten Strand, an einem Windwatt entlang (durch dessen Dünen Rehe ziehen), hin zu einem Nothafen, zurück in den Wald oder an den Strand – je nach Wind und Gemütslage. So ein Rundweg ist der Rundweg an der nördlichen Spitze der Halbinsel Darß.  

Traf den November in Ahrenshoop

Man kann dem November ja Vieles vorwerfen. Doch sicherlich nicht, dass er stresst. Nichts liegt ihm ferner. Der November schickt Dich nicht zum Spielen nach draussen. Mahnt nicht, das schöne Wetter zu nutzen. Deutet nicht mit dem Zeigefinger auf Staub in Regalen oder ungeputzte Fensterscheiben. Und Weihnachten ist noch weit. Der November rät Dir nicht, regelmäßiger Sport zu treiben. Will nicht, dass du 5 kg abnimmst auf die Schnelle. (Das kann man – wie alle guten Vorsätze – auf´s nächste Jahr verschieben. Und bis dahin trägt man eben Norwegerwolle.) Eigentlich muss man im November gar nichts.   Chill mal, Du, sagte er neulich, als ich auf einem zugigen Bahnhof mit ihm zusammenstieß. Mach mal halblang. Mehr will ich ja gar nicht von Dir.     Dass Du überhaupt was von mir willst, entgegnete ich giftig. Dabei reicht mir schon, dass ich Dich aushalten muss. Für mehr habe ich echt keine Nerven. Und sowieso keinerlei Zeit. Ich bin im Stress, verstehst Du. Schaffe meine Arbeit nicht mehr, so müde machen mich Deine bleigrauen Tage. Und komm mir bloß nicht zu nah. Eine Grippe …

Irgendwo zwischen Helsinki und dem Mars

Stadt Wolfsburg- künstliche Architektur, funktionelle Strukturen, klare Zeiten, sorgenfreie Häuser,                                        zufriedene Müllcontainer, fliessbandartige Gehwege, meditative Outlet-Stores, virtuelle Sprache,                                        kontrolliertes Nachtleben, eifrige Menschen, einzigartige Autos,                                         wagemutige Kulturveranstaltungen, vollkommene Strassenkreuzungen,                                       effiziente Einkaufspassagen, Raumschiff Enterprise ähnliche Bauten,                                       stille Studenten, markante Stadtplätze und nicht existierende Obdachlose – faszinierend.

Auswandererhaus Bremerhaven

Das Auswandererhaus Bremerhaven

Huch. Jetzt ist es aber sehr plötzlich herbstlich und kalt geworden. Ein guter Zeitpunkt, um noch mal auf Bremerhaven zurückzukommen. Irgendwas muss man ja unternehmen in den Schmuddelwetter-Wochen. Da empfehlen sich die Havenwelten mit dem Auswandererhaus einmal mehr.   Vorweg: Ich habe oft genug Schwierigkeiten mit sogenannten „Erlebnis-Museen“. Der Grad zwischem krawalligen Klamauk und bedauernswertem Kitsch scheint mir schmal. Vor beidem braucht man sich im Auswandererhaus Bremerhaven aber nicht zu fürchten. Nicht umsonst trägt es die Auszeichnungen „European Museum of the year“ und „The best in Hertiage“.     An rekonstruierten Originalschauplätzen spürt der Besucher drei Jahrhunderten Auswanderungsgeschichte nach. Die Inszenierung ist bis ins letzte Detail liebevoll. Auf dem Dampfer „Lahn“ beispielsweise  vibriert der Boden und man spürt dieses leichte Stampfen, als sei man wirklich auf einem Schiff.     In der Galerie der 7 Millionen finden sich die Geschichten der Auswanderer. Von manchen sind nur die biographischen Daten bekannt. Von anderen erfährt man viele persönliche Hintergründe. Wie es allgemein zu den Massenauswanderungswellen nach USA, Australien, Argentinien und Brasilien kam, erfährt man an den Hörstationen, die ziemlich gemütlich sind. Der Blick bleibt dabei stets auf den Neuen Hafen gerichtet, einem der …

Bremerhaven

Klimahaus Bremerhaven: eine Liebeserklärung an die Erde

Wer sich nicht an die 80er Jahre erinnert, dem kann ich erzählen: Es war damals nicht unüblich, an kalten und düsteren Tagen ins Solarium zu gehen. Der Stimmung halber. Und damit einem mal wieder warm wurde. Natürlich wusste man auch damals schon, dass das irgendwie nicht richtig gut ist. Aber das konnte man erfolgreich verdrängen. Eine ähnliche Wirkung hat ein Besuch im Klimahaus Bremerhaven 8 Grad Ost. Wikipedia bezeichnet es als ein „wissenschaftliches Ausstellungshaus“, das den Besuchern „die Möglichkeit einer virtuellen Reise um die Welt entlang des 8. östlichen Längengrads“ bietet. Das Besondere daran: In den Ausstellungsbereichen wird das jeweilige Klima nachempfunden. Und auch wenn auf den Internetseiten des Klimahauses steht, man müsse sich nicht besonders kleiden, kann ich nur raten 1. Zieh Dich nicht zu warm an Bis zu 38 Grad warm wird es auf der Reise. (Selten und kurz auch mal kalt.) Ich hab mir die ganze Zeit gewünscht, ich hätte keine Stiefel getragen. Bestes Outfit meiner Meinung nach: Turnschuhe, T-Shirt und Strickjacke zum ständigen An- und Ausziehen. 2. Fang am Anfang an Das Klimahaus ist eine architektonische Wucht. Allerdings etwas …

Bremerhaven

Was willst Du denn in Bremerhaven?

Ich schrieb an anderer Stelle ja schon mal von norddeutschen Orten, die ihren Ruf weg haben. Bremerhaven gehörte für mich bis vor kurzem dazu. Ich wollte schon immer mal hin, weil ich mir die Stadt rau und kühl und etwas abgewirtschaftet vorstellte. Ich mag so was. Und tatsächlich stelle ich bei Anreisefest: Bremerhaven entspricht eben diesen Vorstellungen. Doch (und so ist es im Leben ja eigentlich immer) nur zum Teil. Daneben ist Bremerhaven nämlich auch ganz anders als gedacht. Das neue Herz der Stadt schlägt in den Havenwelten, einem Quartier, das sich ganz dem maritimen Tourismus verschrieben hat. Und ich, die weder Städtetrips noch Touristen-Hot-Spots besonders viel abgewinnen kann, fühle mich in Fishtown vom ersten Moment an: wohl. Der Tag ist wie ein Gedicht von Theodor Storm. Es ist nicht kalt, nicht windig, aber ganz eindeutig Herbst. Es nieselt sogar ein bisschen. Und die Weser tut, als sei sie die Nordsee. Alles in allem: Bestes Sightseeing-Wetter. Einen guten Überblick  über die Havenwelten verschafft sich man auf der Aussichtsplattform des Dubai-artigen Hotels Atlantic Sail City. Herrlich, kann ich nur sagen. Für 3 …

Pink Dreams in Berlin

Letzte Woche hat der Herbst seine Visitenkarte abgegeben. Für zwei, drei Tage war es mal bewölkt und kühl. Inzwischen ist der Sommer zwar wieder zurück, aber man hat doch eine Ahnung bekommen, was vor uns liegt. Nicht mehr lange und der große Farbsauger wird über das Land ziehen und die Welt in schmutzig-grau-braun tauchen. Wem das traditionell aufs Gemüt schlägt, kann sich im nhow Berlin einer Farbtherapie unterziehen. (Berlin liegt zwar nicht in Norddeutschland, aber was die Zugfahrt betrifft absolut in der Nähe. So nah, dass man sich als effiziente Freiberuflerin fragt, warum Hamburg und Berlin sich nicht gemeinsam um Olympia bewerben. Aber das ist ein anderes Thema.) Jedenfalls in Berlin, schön an der Spree gelegen und in direkter Nachbarschaft zur Oberbaumbrücke, findet sich das „erste Musikhotel Europas“. Im nhow Berlin steht ein Klavier in der Lobby, ein Schlagzeug in der Bar und im Fahrstuhl dudelt Zweiraumwohnung. Ansonsten lässt sich über das Hotel sagen: Es ist rosa. Keine Ahnung, ob alle Zimmer rosa sind. Der Frühstücksraum ist jedenfalls hellgrün. Dort saßen gegen 07.00 Uhr – wie in …