An der Eidermündung trifft die nordfriesische Etappe des Nordseeküstenradwegs auf die Dithmarscher Strecke. Exakt am Eidersperrwerk, dem größten und sicher auch hässlichsten Küstenschutzbauwerk Deutschlands. Es liegt etwa mittig zwischen St. Peter-Ording (in Nordfriesland) und Büsum (in Dithmarschen). Viele legen hier einen kurzen Stopp ein. Es lohnt sich aber, großzügiger zu planen und dem längsten Fluss Schleswig-Holsteins ein paar Kilometer ins Landesinnere zu folgen.

1.000 Jahre lang markierte die Eider die Südgrenze zu Dänemark. Damals weitete sich die Eidermündung noch auf fünf Kilometer. Wer aus Nordfriesland anreist, kann es ganz gut erkennen. Die flache Wiesen- und Waldlandschaft hinterm Deich sieht irgendwie anders aus als der Rest von Eiderstedt – sie existiert auch erst seit den 1970er Jahren.
Tschüss Nordfriesland: das nördliche Ufer der Eidermündung
(113) Stippvisite: das Eidersperrwerk
Das größte Küstenschutzwerk Deutschlands dient gleichermaßen als Fußgängerbrücke. Die besten Plätze liegen auf Dithmarscher Seite. Von Mai bis Juli brüten und kreischen Seevögel in riesiger Zahl auf dem Deckwerk. Hinter dem Aussichtspavillon am Parkplatz sitzt man gut geschützt vor dem ewigen Westwind.
(114) Tagesausflug: Katinger Watt
Das Katinger Watt kann auf unterschiedlichen Rad- und Wanderwegen erforscht werden. Es steht nicht in Gänze unter Schutz, bietet aber wunderbare Nischen für Natur und Tiere. Zwei Spots, die nicht fehlen dürfen: der Aussichtsturm auf den Eiderdammflächen und der Leitdamm direkt an der Eider.
(115) Kurzurlaub: Tönning
Tönnings Bahnhof ist der beste Start- oder Endpunkt für eine Tour entlang der Küsten von Nordfriesland oder Dithmarschen oder, um die Eidermündung zu umrunden. Keine Stadt an der Westküste Schleswig-Holsteins liegt beschaulicher, nirgends klingt der Abend entspannter aus als im Tönninger Hafen.
Moin Dithmarschen: am südlichen Ufer der Eidermündung
Wer Dithmarschens Küste abfährt (idealweise mit dem Rad) startet zwar in Nordfriesland, ist aber in Minuten über die Eiderbrücke bei Tönning karjukelt und sofort mittendrin in der quasi-unabhängigen Bauernrepublik. Dithmarschen war schon immer anders. Leerer vor allem. Weniger touristisch erschlossen. Abgesehen von Büsum. Aber dorthin ist es noch weit (gemessen etwa 20 km, gefühlt ein Universum entfernt.)
(116) Stippvisite: Eiderwatt
Am winzingen Hafen Schülperneuensiel führt ein Spazierweg zum Naturschutzgebiet »Dithmarscher Eidervorland mit Watt«. Wer sich nicht vor Robustrindern fürchtet, kann an der Außenspitze des Siels durch eine Pforte schlüpfen und auf geradem Weg bis zur Badestelle im Eiderwatt weitergehen.
(117) Tagesausflug: Wesselburener Koog
In Dithmarschen gibt es keine Strände. Ab und zu steht mal eine Dusche am Deich; vielleicht auch Bänke oder Strandkörbe und man weiß nicht so recht, warum ausgerechnet hier und nicht einen Kilometer weiter, ein Schild behauptet, dies sei eine Badestelle. Die südlichste liegt im Wesselburener Koog mit Blick aufs Eidersperrwerk.
(115) Kurzurlaub: Wesselburen
Wesselburen trägt den Beinamen Hebbel-Stadt, denn hier wurde der Dichter geboren. Das Hebbelmuseum liegt nur einige Schritte vom wunderbaren Kirchplatz entfernt. Wer weiter laufen möchte, nimmt einen der drei Dichterpfade, die rund um Wesselburen auf Friedrich Hebbels Spuren durch das platte Land führen.
Dies ist ein Beitrag der Serie »Schleswig-Holstein rund«, die dicht an der Waterkant um das nördlichste Bundesland führt (eine Reise, die gut zwei Jahre dauern könnte, wenn man sich strikt auf das Beste konzentriert).
Wer grad keine zwei Jahre Zeit hat und sich abschnittsweise auf den Weg machen möchte, findet hier das Inhaltsverzeichnis.

Seit dem XI. Beitrag gehts die nordfriesische Westküste entlang; ein kleines Abenteuer, das besonders mit dem Rad lohnt und mit diesem Beitrag endet.
Dafür beginnt jetzt das nächste Kapitel: Dithmarschen – das viel mehr (und ganz anders) ist als Büsum, wohin der kommende Beitrag führt.

