Inseln, Mecklenburg-Vorpommern, Norddeutschland, Ostsee
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Where to stay auf Fischland-Darß-Zingst

Im Sommer kann ich eigentlich überall in Norddeutschland zufrieden urlauben. Mir egal, wo ich dann übernachte – Hauptsache drumrum ist irgendwie Natur. Doch wenn es jahreszeitlich dunkel wird in Norddeutschland (und wie man weiß, kann es in Norddeutschland wirklich sehr, sehr dunkel werden), hüte ich mich vor der Architektur des Grauens (Hits aus den 70ern, 80ern, 90ern und das Übelste von Heute).

Wenn es stürmt, will ich einen schönen Ort. Einen unverletzten, könnte man sagen. Denn Menschen können ja beides: Einen Ort verschandeln. Oder so behutsam erschließen, dass die natürliche Schönheit unterstrichen wird. So geschehen in

Ahrenshoop auf Fischland

November in Ahrenshoop

Die Künstlerkolonie kam gegen Ende des 19. Jahrhunderts groß in Mode und hat sich seitdem stets stilvoll gegeben. Malerisch zwischen Ostsee und Bodden gelegen gehört Ahrenshoop eigentlich nur zur Hälfte zu Fischland (= Mecklenburg), zur anderen Hälfte zum Darß (=Vorpommern).

Kunstmuseum Ahrenhoop

Ahrenshoop hat nicht nur jede Menge Galerien und ein großartiges Kunstmuseum zu bieten, sondern auch sonst alles, was ein nordisches Herz zum Hüpfen bringt: einen wunderbaren Strand mit kleiner Steilküste, Wald, schicke Hotels & Restaurants in Gründerzeitvillen sowie schnuckelige Ferienhäuser.

Rohrdachhaus Ahrenshoop

Die Reetdachhäuser heißen hier übrigens Rohrdachhäuser. Was für mich irgendwie genauso klingt wie Zweiraumwohnung. Am besten haben uns die Ferienhäuser in der Allee „Zum Hohen Ufer“ gefallen.

Rohrdachhaus Fischland

Während die Hotels (bestimmt zu Recht) eher hochpreisig daherkommen, kann man bei den Ferienhäusern nicht meckern. Dieses kleine Schätzchen beispielsweise gibts zwischen November und März für 75 Euro pro Tag.

Strand Ahrenshoop

In der Hauptsaison würde ich bei der Locationwahl in Ahrenshoop auf die Entfernung zur Hauptstraße achten. Über die quält sich nämlich der gesamte Verkehr Richtung Darß und Zingst.

Einen klaren Standortvorteil hat diesbezüglich

Prerow auf dem Darß

Prerowstrom

Aus irgendeinem Grund stelle ich mir Orte, die auf „ow“ enden, nie besonders schön vor. Natürlich ist das genauso irrational wie falsch. Aber umso toller war der Knalleffekt, als wir nach Prerow kamen: Wir haben uns schockverliebt in das Ostseebad am Prerowstrom.

Prerow soll mal das Mallorca der DDR gewesen sein. In der Nachsaison kann man sich das überhaupt nicht vorstellen. Schon gar nicht, wenn man morgens Brötchen holen geht. Da trifft man nämlich keine Menschenseele.

StrandzugangPrerow

Die Strände von Prerow sind etwas ganz besonderes, weil kaum ein Haus in erster Reihe liegt. Und das gibts gar nicht so furchtbar oft an der deutschen Ostseeküste. Am Nordstrand stehen exakt drei Häuser. Dies ist das erste.

StrandPrerow

Dann kommt einen geschätzten Kilometer gar nichts. Bis man die Seebrücke erreicht.

MorgensinPrerow

SeebrückePrerowAn der Seebrücke befindet sich das zweite Haus: das alte Warmbad. Als Badezimmer noch nicht selbstverständlich waren in Prerow (das ist noch gar nicht so lange her), badete man hier in großen Wannen mit erhitztem Meerwasser. Heute beherbergt das ehemalige Badehaus ein Fischrestaurant.

SeeblickPrerow

Der Rest von Prerow bewegt sich architektonisch zwischen diesen beiden Gebäuden. Der gesamte Ort wirkt, als hätte ein Riesenbaby seinen Holzbaukasten von 1900 zwischen gewaltigen Kiefern verstreut. Da stehen Fischerkaten neben schweizerisch anmutenden Chalets und das nächste Haus sieht aus wie eine Professoren-Villa aus dem Berliner Westend. Bekannt ist Prerow auch für die Darßer Haustüren. Die Kunstwerke werden jedes Jahr in neuen Farben gestrichen.

HolztürenPrerow

An die Seebrücke schließt eine kleine Ladenstrasse an. Was mich zum nächsten Highlight von Prerow bringt: die Leute. Echt jetzt mal, so freundliche Menschen wie in Prerow haben wir selten getroffen. Ganz besonders nett ist es im Waldstübchen…

LadenstrasseSeebrückePrerow

… und bei Uwes Kiosk im Bernsteinweg. Wo im Sommer das Leben tobt, halten er und sein Freund (von dem wir leider, leider den Namen nicht wissen, aber er sei hier ausdrücklich gegrüßt) die Stellung. Und kümmern sich echt sowas von liebevoll um die wilden Katzen der Gegend. Zum heißen Sanddornsaft mit Schuss gibts Geschichten von früher. Als die Jungs ihren Mut noch beim Lichtspringen erprobten. Nachts zwischen den Suchscheinwerfern der Soldaten an den Strand zu gelangen, war zu DDR-Zeiten 1. verboten, 2. nicht ganz ungefährlich und 3. natürlich genau darum superinteressant.

Uwe vom Bernsteinweg in Prerow

Wer Ruhe sucht, muss im Winter kommen, sagen die Beiden. Nur nicht um Silvester rum; da wirds nämlich richtig voll. Ansonsten liegt aber von November bis Anfang Mai alles im Winterschlaf. Und ist der Frühling warm, hat man vielleicht sogar das Glück die Lindenblüte zu erleben. Dann ist Prerow nämlich am schönsten. Wenn alles nach Linden duftet.

Mir hat die Einsamkeit des November super gefallen. Den Darßer Ort halte ich für einen der schönsten Orte Deutschlands. Ich will ihn mir aber gar nicht mit Horden von Urlaubern vorstellen.

Wofür wir (nach so viel Glück) gar keinen Zugang bekommen haben ist

Zingst auf dem Zingst

Der Zingst ist super. Die Stadt Zingst allerdings – Sorry, wir haben leider kein Foto für Dich. Ganz bestimmt tun wir Dir unrecht. (Und ich freue mich, falls mich jemand eines besseren belehren mag.)

Aber auf uns wirkte Zingst wie ein Neubaugebiet aus den 90ern irgendwo in Deutschland. Nicht mal ein einladendes Restaurant haben wir entdeckt. Dabei hatten wir riesigen Hunger nach unserer Radtour zum Pramort. (Hätten wir das vorher gewusst, wären wir im Schlösschen Sundische Wiese eingekehrt. Das ist nämlich ganz entzückend).

Doch so irrten wir durch Zingst und hatten keine Lust irgendwo auszusteigen. Bis wir schließlich genug vom Irren hatten und Fischland-Darß-Zingst verließen.

Bodden

Auf der südlichen Seite des Boddens liegt

Barth

Hafen in Barth

Barth ist eines dieser verschlafenen Städtchen in Mecklenburg-Vorpommern, denen man eine gloriose Vergangenheit voll ansieht. Richtig schön ist der Hafen. Wenn man sich Restaurant-technisch nicht auskennt, ist es an der Küste leicht. Im Seglerheim kann man sich immer auf frischen Fisch und prima Bratkartoffeln zu gutem Preis verlassen. So auch in Barth.

Fischrestaurant Barth

Das mit dem guten Preis ändert sich ja spätestens, wenn das Seglerheim renoviert und in Yachtclub umgetauft wird. Noch ist das in Barth nicht der Fall. Aber das Design-Hotel im alten Speicher wirft seinen Schatten schon mal voraus. Gleich im Speicher daneben entstehen derzeit „Luxus-Appartements“. Das ist sicher keine schlechte Sache. Trotzdem: Wer´s ursprünglich mag, sollte jetzt noch mal schnell einen Blick auf das Alte werfen. Am besten noch in diesem Winter.

Barth

3 Kommentare

  1. Was für Schätzchen (auch die in der Anzeige …. ähem)! Seebrücken mag ich ja per se und je gottverlassener der Ort, desto besser. „Heim“ anstatt „Club“ und alles was dazu gehört sind auch mein Ding. Stil ist OK, aber mit vermeintlichen Luxus kommt meist ’ne große Portion Affektiertheit. In diesem Winter wird’s wohl nichts mehr mit einer Fahrt Richtung Osten… Aber vielleicht sind die Schönheiten auch im nächsten Jahr noch ungeschminkt! Happy 3. Advent, Jutta

    • Da hast Du vermutlich Recht, Jutta – man muss nicht hektisch werden, was den Osten betrifft. In Hinsicht auf Luxus ist er ja noch relativ jung – erst 25; da braucht man noch nicht so viel Make-up. (Obwohl: Das ist den 25jährigen ja oft nicht klar. Man versteht es erst später.) Dir auch einen schönen 3. Advent – so von einer Frühaufsteherin zur anderen.

  2. Pingback: Klassisch konditioniert: Wohlfühl-Wochenende in Warnemünde -

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