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Hey Duke: Chatsworth House im Peak District

Peak District

Im Anflug auf Manchester erblickt man England in Gestalt des Peak District; einem Hochland-Gebiet, das aus der Luft einer kargen Mondlandschaft gleicht; von unten betrachtet aber so lieblich erscheint wie das Auenland.

Kurz hinter den Toren von Manchester City liegt Englands ältester Nationalpark mit hügeligen Weiden und Feldern durchzogen von Steinmauern, Schafen, Schafen, Schafen, Flüssen und Bächen, Bilderbuchdörfern, stillen Wälder.

 

Steinmauer

 

Auf den baumlosen Gipfeln des Peak District lag bei unserem Besuch am 1. Mai noch Schnee. Ich denke, das ist ungewöhnlich. Denn höher als 600 Meter sind die eigentlich nicht und bei unseren bisherigen Besuchen auf den Inseln haben wir „den Norden im Westen“ immer viel wärmer wahrgenommen als „den Norden im Norden“. Doch dieses Mal war´s wirklich genau so, wie man sich England vorstellt: extrem wechselhaft und sobald die Sonne verschwand richtig kalt.

 

Fasan

 

Kälte und Regen allerdings können keinen englischen Spaziergänger dazu verleiten, eine Jacke zu tragen. Offenbar kleiden sich Engländer nicht nach Witterung sondern nach Datum. Zum Spring Bank Holiday also frühlingshaft wenig Stoff und unter Röcken auf gar keinen Fall Strümpfe. Wir wären in solchen Outfits wohl erforen. Dank dicker Jacken zogen wir uns lediglich eine miese Erkältung zu. U.a. weil es zeitweise in Strömen goss. Murphys Law entsprechend befanden wir uns da gerade in einer Ecke, die keine Möglichkeit zum Unterstand bot.

 

Leider nicht verwackelt oder diesig sondern eine Regenwand

Leider nicht verwackelt sondern verregnet

 

Es erwischte uns im ultra-weitläufigen Park von Chatsworth House; dem Sitz der Familie Cavendish. Die Cavendishs bewohnen das Schloss im englischen Barock seit dem 16. Jahrhundert. Um 175 Zimmer und die Gartenanalgen zu unterhalten, öffneten der Duke und die Duchess von Devonshire ihr Anwesen vor einigen Jahrzehnten der Allgemeinheit (das aber nicht in Devonshire liegt sondern in Derbyshire.)

 

Chatsworth House

 

Chatsworth House ist eines der bekanntesten Herrenhäuser Englands und ein beliebtes Ausflugsziel. Es ist ratsam, den Besuch auf einen Wochentag zu legen, da es ansonsten recht voll werden kann. Es sei denn, man kommt bei Regen (was aber aus anderen Gründen mittelmäßig ist).

 

Chatsworth House

 

Der Eintritt ist mit 23 Pfund (gute 29 Euro) nicht gerade günstig. Wer nur den Park besucht, zahlt 12 Pfund, was ich immer noch einen ziemlich stolzen Preis finde. Und apropos Stolz. Chatsworth House diente in der Verfilmung von Jane Austens Stolz und Vorurteil als Schloss des Mr. Darcy. Logisch, dass beinahe jede romantisch veranlagte Person das mal sehen will.

 

Parkweg

 

Falls man ein bisschen Ahnung vom Gärtnern hat, kann man sich denken, was im Mai eigentlich blühen sollte (dieses Jahr aber aufgrund der außergewöhnlichen Kälte noch nicht so weit war.) Jedenfalls konnte Verena, die sich diesen Ausflug gewünscht hatte, das alles ziemlich gut erklären. Mir gefällt am Reisen mit anderen, dass man mal ganz andere Dinge sieht. Wären Volko und ich allein im Peak District gewesen, wären wir wohl nur so durch die Gegend gestromert. Aber ehrlich: da hätten wir was verpasst.

 

 

Selbst Leute, die überhaupt keine Gartenfreaks sind (Volko und ich) fühlen sich in der Anlage mit ihren Gewächshäusern, Barockgarten, Irrgarten, Tunnelsystem, Aboretum, romantischen Landschaftgärten, Kaskaden, Teichen, Springbrunnen, Skulpturen und weiteren seltsamen Sachen wie Alice im Wunderland. Und wenn es nicht durchgehend geregnet hätte, hätten wir ganz besimmt die Cheshire Cat getroffen und wären auf sicher noch Stunden geblieben.

 

wonderland

 

So wie die Dinge lagen (der Regen fiel) gaben wir irgendwann auf. Waren aber trotzdem alle vier der Meinung, Eintritt und Besuch hätten sich absolut gelohnt.  Trotz Regen. Nicht auszudenken, wie schön das alles bei Sonnenschein sein muss.

 

Fasan

 

Und wie das in England eben so ist: Als wir Chatsworth House verließen, hörte es auf zu regnen. Es führte dazu, dass wir uns schlecht losreissen konnten. Da muss man sich dann einreden, dass man irgendwann wiederkommen wird.

 

Chatsworth House Mai

 

Am liebsten hätte ich mal drei, vier Tage, um mich in Ruhe im Peak District umzusehen. Ich würde gern die höchsten Gipfel erstürmen, die zu den südlichen Ausläufern der Pennines gehören. Ich würde gern durch die Wälder und Moore streifen und an Flußufern sitzen. Stundenlang. Und Chatsworth House würde ich gern noch einmal besuchen. Bei Sonne versteht sich. Vielleicht wählte ich dann als Standort Pilsley.

 

Pilsley

 

Das 152-Einwohner Dorf Pilsely besteht komplett aus Wackerstein-Cottages und einer Seelenruhe. Ein Großteil der Cottages gehört zum Chatsworth Estate. Manche werden an Feriengäste vermietet.

 

 

Muss wunderbar sein so ein Ferienaufenthalt in Pilsley. Man lebt in aller Stille und kauft ein wie in London. Oberhalb des Dorfes befindet sich ein Olymp für Küchengötter: der Chatsworth Estate Farm Shop. Er wurde mehrfach als bester Farm Shop des Landes ausgezeichnet, hat ordentlich Bio-Ware im Angebot und eine eigene (ebenfalls ausgezeichnete) Metzgerei.

 

 

Wer sein Essen nicht selbst zubereiten möchte, besucht den Pub von Pilsley, das Devonshire Arms, das vom Guide Michelin Großbritannien empfohlen wird. Wir können zu den Speisen leider nichts sagen, weil wir erst kurz nach mittäglichem Küchenschluss eintrafen (15.00 Uhr). Aber die Karte las sich ländlich-lecker. Das Devonshire Arms hat übrigens auch Gästezimmer, die regelrecht märchenhaft aussehen.

 

Devonshire Arms

 

Über das Bier können wir sagen: Es schmeckt wie Lagerbier eben schmeckt. Eigentlich nicht so richtig. Aber genau so muss das eben sein, wenn man vor einem Pub sitzt und die Sonne scheint. Aufeinmal war es richtig warm. Und ein zweites Pint geht immer.

 

Pub Peak District

 

Wie wir da so saßen, vier ziemlich unterschiedliche Personen, waren wir alle ganz und gar zufrieden. Ich kenne viele Leute, die sagen, sie wollten irgendwann auch mal was anderes von England sehen als immer nur London. Ihr Vorhaben aber über Jahre und Jahre verschieben. Ich kann denen echt nur empfehlen, das Ganze bald in die Tat umzusetzen. Es gibt günstige Flüge, z.b. nach Manchester oder Liverpool, das Pfund steht gerade ganz angenehm und das Wetter ist auch viel besser als sein Ruf. Ehrlich. Eigentlich.

11 Kommentare

  1. Verena sagt

    Die Erkältung will nicht weichen, aber ich habe das erste mal in England den day of the soup erlebt , das war es wert?

  2. Mein erster England-Besuch hat mich aufs platte Land geführt. 13 war ich, habe mich sofort verliebt. Unter anderem in das Essen (!) und in Antiquitäten-Läden, in Landsitze, in Hedge Roads, Apple Pie und überhaupt … Toller Bericht. Macht Lust auf die Insel! Schöne Pfingsten, Jutta

    • Mit 13 war ich auch zum ersten Mal in England (und ebenfalls sofort verliebt. Aber nicht ins Land.) Mein Einstand war denkbar schlecht – die Gastfamilie betrieb das Bed & Breakfast-„Haus Erika“, wo keiner übernachtete außer Sommerschülern. Der Herr Erika war ein deutscher (!) Gefängniskoch (!) und brachte das Abendessen immer von der Arbeit mit. Ich hab mich dann von Essig-Chips ernährt.

  3. Hi,
    In England ist es echt so, es ist wunderschön mit Landschaftsparks, Schlössern, schroffen Küsten, großen Mooren und lieblichen kleinen Orten mit urigen Pubs . Wenn nur das typische Wetter nicht wäre…
    So ähnlich ist es ja am heutigen Pfingstsonntag hier auch, wechselhaft bei zehn Grad, der Norddeutsche ist es ja gewohnt ?LG Marianne Alleinereisenjetzt.wordpress.com

    • Hallo Marianne, wir hatten bisher eigentlich voll Glück mit dem Wetter. Es war stets deutlich angenehmer als in Hamburg. (Mit der Wüste allerdings nicht zu vergleichen!) Liebe Grüße, Stefanie

  4. Bis auf einige kurze Trips nach London war ich zuletzt als Teenager in England (Sprachreisen nach Hastings und Torquay, gruselig!) Das Lesen Deiner Berichte macht richtig Lust, mal wieder hinzufahren. Trotz des Regens sind die Fotos wieder klasse geworden. Was ein kleiner Extra-Schuss Farbe nicht so alles bewirken kann… ?

    Schöne Pfingsten und liebe Grüße von der elbkind-Crew ⛵️⚓️

  5. HannoverblickOst sagt

    Hallo Stefanie, tolle Bilder hast du mitgebracht! Ich war vor einigen Jahren im September in Cornwell/ Devon und hatte extrem gutes Wetter! GB ist einfach ein Traum. Diese alten Herrenhäuser, die Gartensnlagen und natürlich die Briten, die egal wie kühl es ist, mit dicker Jacke, aber mit Shorts und Schlappen herumlaufen:-) Geht wohl wirklich nach Datum!
    Gute Besserung!

    • Danke (ist eine ziemlich hartnäckige Sache). Im September waren wir bisher nur in Irland und Nordirland. Eine richtig schöne Reisezeit! (Leider sind alle unsere Lieblingsziele im September am schönsten. Dieses Jahr haben wir ihn noch gar nicht verplant. Mal sehen… ).

  6. Pingback: Inveresk Lodge Garden: Ein kleines Paradies mit Geschichte - family4travel

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