Alle Artikel in: Top Ten Ostseeküste

Steinbergholz

Ganze Tage am Strand: die „Lütte Hütte“ in Steinbergholz

Steinbergholz und Steinberghaff gleichen aus der Luft dem Buchstaben T. Steinbergholz zieht sich im Abstand von einigen hundert Metern waagerecht zur Geltinger Bucht. Steinberghaff läuft senkrecht auf die Ostsee zu. Ungefähr wo die beiden kleinen Dörfer sich treffen, liegt die Lütte Hütte – eine weißgetünchte Reetdachkate in Feldrandlage, ganz typisch für die Region Angeln.     Dort habe ich vorvergangene Woche mein Zeitgefühl verloren. Oder es zurückgewonnen. Es kommt darauf an, wie man es sieht. Jedenfalls wusste ich nach ein paar Tagen nicht mehr, wo eben diese geblieben waren.     Gleichzeitig war mir, als sei ich schon seit Ewigkeiten ganz weit weg von allem, was mein Leben üblicherweise so ausmacht. Das Gefühl der Zeitlosigkeit erwischte mich, als ich Punkt 6 meiner Sommerliste zelebrierte; nämlich die Sonne aufgehen sah. Es war ein Wahnsinnsmoment. Einer, den ich sicherlich sehr, sehr lange in Erinnerung behalten werde.     Ich hatte bis zu diesem Morgen rein gar nichts Spezielles getan. War im Grunde nur am Strand umhergestreift. Mal allein, mal zu zweit, mal zu dritt. Mal mit Hunden, …

Schleisteig

Fördesteig, Ostseesteig, Schleisteig, Tag 4

Die Fehlinvestition meines Lebens war die Regenjacke, die ich mir extra für Fördesteig, Ostseesteig und Schleisteig zugelegt habe. Auch am vierten Tag unserer Wanderung ist nicht eine einzige Wolke am Himmel zu entdecken. Aber ich will nicht meckern. Ausgeruht und ausgeschlafen machen wir uns auf den letzten Teil der Reise. Nur knappe 20 km werden es heute.     Warum es die Dreiteilung in Fördesteig, Ostseesteig und Schleisteig überhaupt gibt, ist einerseits logisch, da die Abschnitte eben die Flensburger Förde, die Ostsee und die Schlei begleiten. Andererseits  gehören die Wege zusammen, tragen das gleiche Logo, die gleiche Beschilderung. Nur die Namen ändern sich. Ich kenne überhaupt keinen anderen Langstreckenwanderweg, der es so genau nimmt. Bzw. der es so kompliziert macht. Ich meine, der Heidschnuckenweg führt ja auch nicht ausschließlich durch die Heide. Heißt aber trotzdem von Anfang bis Ende gleich. Das ist für Ortsunkundige leicht zu verstehen. Und für Touristiker leicht zu vermarkten. Aber das nur nebenbei.   Ein Weg, drei Namen: Fördesteig = Ostseesteig = Schleisteig   Jedenfalls. Den Ostseesteig haben wir gestern schon …

Ostseesteig

Vom Fördesteig zum Ostseesteig (Tag 3 Geltinger Bucht)

Heute werden wir das Ende des Fördesteigs erreichen, der seit 2016 nahtlos auf den Ostseesteig übergeht. Die Etappe scheint eigentlich easy. 23 Kilometer direkt an der Wasserkante. Keine Möglichkeit, sich zu verlaufen. Keinerlei Steigungen. Das Wetter ideal. Wir müssen nicht einmal das Auto bemühen, sondern wandern direkt vom Ferienhaus los. Und doch. Schon als wir den Fördesteig am Strand von Steinberghaff erreichen, spüre ich: dieser Weg wird kein leichter sein.     Zunächst kann ich mich noch mit der unfassbar schönen Kulisse ablenken. Die seichte Geltinger Bucht ist so richtig was für Lichtliebhaber. Aber ich merke, dass mit mir nicht alles in Butter ist, da mir viele Dinge verführerischer scheinen als zu gehen (ein Gefühl, das ich eigentlich nicht kenne.)     Dinge, die mir heute z.B. verführerischer scheinen: mich auf einem Boot von der ganz leichten Dünung wiegen lassen in den großartigsten Ruhebänken ever schaukeln ein Pferd spazieren führen (reiten wäre zu krass, selbst wenn ich´s könnte) auf einem Stein sitzen und auf´s Meer starren Oder anders gesagt: Ich bin schlapp.     Beim …

Foerdesteig

Wandern auf dem Fördesteig, Tag 1 Flensburg – Holnis

Für unsere viertägige Wanderung auf dem Fördesteig hätten wir gar keinen besseren Tag wählen können als genau diesen Sonnabend im Mai. Das wird uns schon auf dem ersten Kilometer vom Flensburger Bahnhof bis zur Hafenspitze klar. Das Glück potenziert sich (ist ab sofort eigentlich gar nicht mehr zu fassen), als wir den westlichsten Punkt der deutschen Ostseeküste erreichen. Der wolkenlose Frühlingshimmel in RAL 5012 Lichtblau spannt sich über die dunkle, seidige Flensburger Förde. Meine Wanderpartnerin und ich müssen uns erst einmal innerlich zwicken. Obwohl man beim Wandern natürlich immer das Beste hofft, wagt man (als gebürtige Schleswig-Holsteinerin) niemals, das Allerbeste zu erwarten. Man wills ja nicht beschreien.     Eigentlich beginnt der vom NABU konzipierte Langstreckenwanderweg bereits 5,5 km zuvor an der deutschen-dänischen Grenze. Doch dafür hätten wir vom Bahnhof noch einen Bus zum Strand von Wassersleben nehmen müssen – was im Prinzip auch absolut empfehlenswert ist – aber eben nicht nach einer zweistündigen Zugfahrt von Hamburg durch den norddeutschen Frühling. Dann will man nur noch raus in die Herrlichkeit.   Der Fördesteig – 95 …

Strandhotel

Ich hatte einen Balkon vor den Ochseninseln: Glücksburg im Herbst

Wir erreichten Glücksburg zeitgleich mit einem Wolkenbruch. Auf dem Förde-Boulevard hasteten die Leute zum nächsten Unterstand und im Strandhotel empfing uns gedämpftes Stimmengewirr. Männer in Anzügen schlängelten sich an Damen in Gummistiefeln vorbei. Hunde schüttelten sich den Regen aus dem Fell. Lobby und Restaurant waren bis auf den letzten Platz besetzt. Es dauerte eine Weile, bis wir unsere Schlüsselkarte erhielten und mit dem Fahrstuhl in die Stille des 3. OGs entschwebten. Auf dem Boden neben unserer Zimmertür lagen zwei zusammengeknüllte Faschingskostüme. Die Tür stand halboffen. Drinnen wurde noch allerletzte Hand angelegt. Als die Dame vom Housekeeping uns bemerkte, rief sie „ach, herrjeh“ und bat dann überschwänglich – jedoch nicht servil – um Entschuldigung. Das Hotel sei zwei Tage komplett von einer Hochzeitgesellschaft belegt gewesen. „Sie können sich gar nicht vorstellen, was hier alles los war.“     Und ich dachte: „das können Sie zweimal sagen.“ Denn wer kann sich schon vorstellen, was in diesem Haus alles los war, seit 1872 eine Gruppe von 80 Aktionären ein Curhaus mit 6 Gästezimmern am Strand von Sandwig errichten …

Heiligenhafen

Wie St. Pauli – bloß eben am Meer: Bretterbude Heiligenhafen

Gar nicht so oft habe ich das Bedürfnis einem Hotel einen ganzen Beitrag zu widmen, aber die Bretterbude Heiligenhafen muss ich einfach ausführlich vorstellen. Es gibt nämlich gar nicht so viele Häuser in Norddeutschland, wo man sich a) wie im 21. Jahrhundert und b) auch noch willkommen fühlt. Häufig muss man sich zwischen a) + b) entscheiden. So jedenfalls mein Eindruck. Er mag trügen. Oder vielleicht liegt meine Latte auch sehr hoch. Denn ich lebe auf St. Pauli, einem Viertel, in dem man ausgesprochen freundlich miteinander umgeht. Geradezu englisch höflich (auch wenn man das als Orstunkundiger nicht für möglich halten sollte). Wenn wir unseren Heile-Welt-Mikrokosmos verlassen, zucken wir oft genug zusammen, weil der Ton da draußen sehr viel rauer ist. Und wie ist es dann nur herrlich, die Lobby der Bretterbude zu entern und vom ersten Moment zu spüren: hier sieht es nicht nur gut aus; hier fühlt es sich auch gut an.     „Die Holzklasse“ lautet der Untertitel der Bretterbude. Es schwingt der gleiche Subtext mit wie bei St. Paulianern, die zugeben: logisch …

Surendorf

Als einmal alles perfekt war: Surendorf

Am 19. Juli 2017 zwischen 12.20 Uhr und 14.10 Uhr hätte ich nirgends lieber sein wollen als am Strand von Surendorf. Denn das war der Moment, als einmal alles perfekt war. (Ich formuliere es so erbsenzählerhaft, weil wir nun seit einiger Zeit die magische 10.000-Klick-Hürde (pro Monat) verlässlich überspringen und manchmal denke ich: Ganz schön viele Leute hier. Hoffentlich sind die nicht enttäuscht, falls sie mal einem unserer Tipps folgen. Denn so ein Blog kann ja nie mehr sein als eine Momentaufnahme und ist dazu noch höllisch subjektiv.)     Darum grenze ich noch weiter ein: am 19. Juli zwischen zwölf und vierzehn Uhr war für mich der Strand von Surendorf zu 100% so, wie ich mir einen Strand wünsche. Es war weder zu heiß, noch zu kalt. Nicht zu voll, nicht zu leer. Nicht zu trashig, aber auch weit entfernt von irgendwie schick.     Im Grunde hätte ich schon eine Viertelstunde zuvor wissen können, dass mich Großes erwartete. Und zwar als mich an einer etwa 10 km entfernten Tankstelle nach dem Weg zum …

Hohwacht

Der Traum vom Haus in Hohwacht

Ein Freund von uns hat festes Quartier in Hohwacht bezogen. Seit vergangenen September pendelt er zwischen Hamburg und Meer; zwischen Alltag und Aufatmen mit Ansage. Ein Lebensstil, den sich ja sehr viele Leute vorstellen können, wenn man sich mal so umhört. Und auf den wir sehr gespannt waren, als wir unseren Freund neulich besuchten. An einem Tag mit Heldenwetter führte er uns von Hohwacht ins benachbarte Sehlendorf. (Die Bilder zeigen genau den Weg.)     Die Hohwachter Bucht zieht sich grob gesagt von Kiel nach Fehmarn. Besonders die namensgebende Gemeinde Hohwacht hat ihren angenehm verschlafenen Charme retten können. U.a. weil seit mehr als 60 Jahren die Regel gilt: Kein Haus darf die Baumkronen überragen. (Was für ein Unterschied zu Grömitz, wo wir an diesem Morgen aufgewacht waren.)     Erste Erkenntnis: Es macht einen Unterschied, ob man einen Strandspaziergang als Tagestourist auf einem Großparkplatz beginnt. Oder ob man sich im geschützten Garten eines Freundes trifft. Besonders wenn noch eine Freundin des Freundes vorbeischaut, um den Hamburgern Hallo zu sagen. Mit der man eine Weile über …

Eckernfoerde

Die geschenkte Zeit, Teil 1: am Strand von Eckernförde

Eckernförde gehört zu den Orten, an denen ich regelmäßig vorbeifahre. Oft denke ich kurz darüber nach anzuhalten. Jedes Mal verschiebe ich es auf´s nächste Mal. Immer habe ich etwas vor, wenn ich an Eckernförde vorbeifahre. Immer bin ich auf dem Sprung. Immer habe ich das Gefühl,  gerade heute keine Zeit zu haben, um in Eckernförde eine Pause einzulegen. Nicht mal ne halbe Stunde? Seit Jahrzehnten? Dachte ich neulich. Und hielt an. Im selben Moment konnte ich nicht fassen, dass ich es noch nie zuvor getan hatte.     Nähert man sich Eckernförde von Kiel aus, wird man ungefähr beim Ortseingangsschild mit dem ersten Ostseeblick belohnt. Schon als Kind habe ich mich weit vor Eckernförde auf den Moment gefreut. Denn der erste Blick aufs Meer gehört für mich zu den besten Dingen überhaupt im Leben.     Wie kommt es nur, dass man die besten Dinge des Lebens nicht immer so behandelt? Selbst wenn man im Allgemeinen ganz gut auf seine Bedürfnisse Acht gibt, ertappt man sich doch immer wieder dabei, die eigenen Wünsche einer Verpflichtung …

Von der Kunst des Spazierens auf der Halbinsel Holnis

Heute reicht es bei mir zeitlich nur für einen kleinen Spaziergang zwischendurch. Er führt auf die Halbinsel Holnis, die sich 20 Kilometer nördlich von Flensburg lang und schmal in die Förde streckt. So wird ein Rundweg möglich, der meistenteils am Strand entlangläuft. Dabei nähert man sich der dänischen Küste auf 1.700 Meter. Man glaubt, nach Broager rüberspucken zu können. Um die Spitze von Holnis führt der „Theodor-Fontane-Wanderweg“; Fontane war in der Gegend als Kriegsberichterstatter unterwegs und erwähnt Holnis in seinem Roman „Unwiederbringlich“.     Man muss dem Theodor-Fontane-Weg aber nicht in seiner gesamten Länge folgen. Das Naturschutzgebiet Holnis ist von Wegen und Trampelpfaden durchzogen, so dass man den Spaziergang seinen Möglichkeiten anpassen kann. Denn das ist ja – neben vielen anderen Vorteilen – das Gute am Spazieren: Man bestimmt Anfang und Ende und das Dazwischen selbst. Und auch wenn man sich manchmal aufraffen muss, klopft man sich hinterher meistens auf die Schulter. Oder ist zumindest zufrieden. Jedenfalls sagt selten mal jemand: „Ich bereue, dass ich heute einen Spaziergang gemacht habe.“ Und schon der Philosoph Michel …