An warmen, windstillen Tagen braucht man auf Nordstrand eine Menge Phantasie, um sich die gewaltige Zerstörungskraft der Nordsee vorzustellen. Dabei hat der Blanke Hans hier schon mehrmals ganz besonders hingehauen. Daran erinnern am Horizont die Insel Pellworm und die Halligen Nordstrandischmoor und Südfall. Sie bildeten einst die Küstenlinie.
Strand wurde dieser Teil des Festlandes genannt, der in einer großen Sturmflut im 12. Jahrhundert abgetrennt und so zur größten Insel des Wattenmeers wurde. Strands Mittelpunkt, die legendäre Handelsmetropole Rungholt, ging im 14. Jahrhundert verloren, als sintflutartige Wassermassen die Insel in Hufeisenform schliffen. Im 17. Jahrhundert schließlich rollte »De grote Mandränke« (das große Ertrinken) auf Strand zu, zerriss die Insel und hinterließ, was heute übrig ist.
Von Rungholt sind nur noch Spuren im Watt geblieben. Südfall, Pellworm und Nordstrandischmoor liegen als winzige Welten draußen im Wattenmeer. Und Nordstrand ist seit 1987 offiziell wieder Festland. Aber das ist relativ, wenn man lediglich über zwei kilometerlange Dämme erreichbar ist, von denen der eine sogar nur unmotorisiert genutzt werden darf.
Wer Nordstrand (zu Fuß oder mit dem Rad) von der Seeseite, dem Beltringharder Koog, erreicht, spürt zunächst kaum einen Unterschied zwischen Naturschutzgebiet und Insel. Flach, weit, grün, beinahe unscheinbar und dünn besiedelt, gibt Nordstrand gern das Unschuldslämmchen; gerade wenn die Nordsee so tut, als könne sie kein Wässerchen trüben.
Nordstrand: Stippvisite, Ausflugstag, Kurzurlaub
Manche Leute sagen, auf Nordstrand ist nichts los. Wie man das bewertet, ist eine Typfrage. Wer die Westküste Schleswig-Holsteins mit dem Rad aufrollt, ist mal wieder am besten dran. Denn irgendwann auf der 25 km langen Halbumrundung der Halbinsel merkt man schon, ob man für Nordstrand gemacht ist. Dann spürt man so einen tiefen, inneren Frieden und den Drang, ewig auf dem Deich sitzen zu bleiben; mindestens für Stunden.
Fühlt mans nicht, rollt man einfach zehn km weiter – nach Husum. Da ist mehr los.
(94) Stippvisite: Klima-Walk
Im Hafen Strucklahnungshörn startet auf der Deichkrone ein gut zwei km langer Panoramaweg mit Verweilzonen und Infostationen zu den Inseln und Halligen, dem Nationalpark Wattenmeer, Küsten- und Klimaschutz. Dreh- und Angelpunkt ist die Deichterrasse am Norderhafen mit Halligblick und Einkehrmöglichkeiten.
(95) Ausflugstag: Hafen-Radtour
Fünf Häfen (die nicht unbedingt alle als Häfen erkennbar sind) läuft man auf der 25 km langen Hafenrunde an. Weil Nordstrand flach wie ne Flunder ist, bleibt unterwegs noch Luft für Abstecher zu Hofläden und Töpfereien, St. Vinzenz und St. Theresia, Badestopps und Wattwanderung, Fischbrötchen und Friesentorte.
(96) Kurzurlaub: Leinen los
Von Nordstrand egen Schiffe nach Sylt, Amrum, Föhr, Helgoland, die Halligen Hooge, Gröde und Nordstrandischmoor ab. Daneben werden noch diverse Themen-Ausflugsfahrten angeboten. Die wichtigste Verbindung ist aber die nach Pellworm. Denn auf die unbekannteste nordfriesische Insel gelangt man nur ab Nordstrand. Also, gern einbauen.
Dies ist ein Beitrag der Serie »Schleswig-Holstein rund«, die dicht an der Waterkant um das nördlichste Bundesland führt (eine Reise, die gut zwei Jahre dauern könnte).
Wer grad kein zwei Jahre Zeit hat und sich abschnittsweise auf den Weg machen möchte, findet hier das Inhaltsverzeichnis.
Seit dem XI. Beitrag gehts die nordfriesische Westküste entlang; ein kleines Abenteuer, das besonders mit dem Rad lohnt. Der nächsten Beitrag befasst sich mit Nordfrieslands Terra incognita; Pellworm.



Wunderschön <3