»Dänisch ist, wer sich dänisch fühlt«, so garantiert es sinngemäßig die Kieler Erklärung von 1949 und in Langballigau finden sich etliche Gelegenheiten, die eigene Gefühlslage zu überprüfen. Von nun an (und bis Sylt) ist Dänemark nie weiter als einen Katzensprung entfernt. Im Grenzgebiet stolpert man ständig über Zeugnisse der gemeinsamen, verwickelten Geschichte, in der es selten so friedlich zuging wie heute an der Flensburger Förde.

Langballigau ist ein Ortsteil, ist ein Bach, ist ein Hafen und gehört daher zu den Orten, die Google Maps nicht auf Anhieb findet. Sogar wer die Gegend gut kennt, ist jedes Mal wieder überrascht beim ersten Blick auf Langballigau. Das aber nur aufgrund der für Schleswig-Holstein ganz ungewöhnlichen Tallage. Ein Geheimtipp ist Langballigau nämlich ganz und gar nicht.
Langballigau – das Tor nach Sønderjylland
Von Frühling bis Herbst tummeln sich Camper, Segler, Fernwanderer, Radfahrer, Badegäste, Ausflügler und alle, die mit der Fähre über die Förde wollen im nicht einmal 1,5 Kilometer breiten Mündungsgebiet der Langballigau. Zwei Reedereien, eine dänische und ein deutsche, ermöglichen hier den Livetest, ob man sich in Deutschland oder Dänemark wohler fühlt.
(20) Stippvisite Deutschland: Hafen von LA
Wer Urlaubstrubel hasst, kann Langballigau schnell hinter sich bringen. Alle anderen bestellen gekühlten Rosé zum Fischbrötchen oder Pølser wie in Dänemark und bleiben gern bis zum Sonnenuntergang in LA, wo ebenso viele Boote unter der Bundesflagge segeln wie unter dem Danebrog.
(21) Exkurs zur See: Stippvisite im dänischen Brunsnæs
Die kürzeste Fahrt nach Dänemark dauert mit der Fahrradfähre 25 min. In Brunsnæs landet sie direkt am Gendarmpfad, dem Vorbild des Fördesteigs. Ob man seine 85 km mal in Angriff nehmen will, entscheidet sich beim Spaziergang zum knapp zwei km entfernten Ziegeleimuseum Cathrinesminde. (Spoiler: großes JA.)
(22) Ausflugstag: Tal der Langballigau
Eine prima Rundtour führt von LA durch eines der schönsten Bachtäler Schleswig-Holsteins in eines der schönsten Dörfer Angelns, wo eines der schönsten Museen des Landes wartet. Und es wäre wirklich (wirklich, wirklich!) ein Fehler, kein Ticket für das Landschaftsmuseum Angeln/ Unewatt zu kaufen.
(23) Exkurs zur See: Ausflugstag in Sønderborg
Eine Stunde braucht die Fähre Feodora ins dänische Sønderborg, wo das gleichnamige Schloss trutzig an der Hafeneinfahrt thront. Mindestens eine der drei Stunden Aufenthalt verbringt dort, wer sich für die deutsch-dänische Geschichte interessiert. Das Museum Sønderjylland erzählt sie hier aus nordschleswiger Perspektive.
(24) Kurzurlaub: Naturschutzgebiet Bockholmwik
Im NSG »Höftland Bockholmwik und angrenzende Steilküsten« trennen sich die Wege derjenigen, die direkt auf dem Fördersteig weiter müssen und den Glücklichen, die durch verwunschenen Buchenwald und Sigumlund die volle Runde zurück nach Langballigau laufen dürfen. Beide Alternativen sind top.
(25) Kurzurlaub: »Fjorden rundt« ab Egernsund
Völkerverständigung auf dem Rad bietet die 307 km lange Flensborg Fjord Route. Ab Langballigau eignen sich z.B. die Etappen 2 – 4 für eine deutsch-dänische Schlössertour. Das erste ist vom Anleger in Egernsund in Minuten erreicht: die Sommerresidenz von Margrethe II. – Schloss Gråsten mit Park und könglichem Küchengarten.
Fazit: Wenn Schleswig-Holstein-rund-Reisende Langballigau auf dem Fördesteig verlassen, wahlweise mit den tollsten deutsch-dänischen Eindrücken im Gepäck oder jede Menge Punkten auf der Bucket-List, steht fest: Das dänische Fördeufer ist einsamer und wilder. Dafür ist es auf der deutschen Seite leichter, Verpflegung oder Unterkunft zu finden.
Deutschland oder Dänemark? Egal. Hauptsache Flensburger Förde
Die Dänen haben die besseren Internetseiten und ein größeres Herz für Outdoor-Urlaub. In Deutschland hingegen wachsen die Buchen höher. Wo es schöner ist, liegt also ganz im Auge der Betrachterin und rückt spätestens beim ersten Haus von Bockholm sowieso in den Hintergrund. Denn vorn voraus schiebt sich schon das nächste Sehnsuchtsziel in die Förde – die Halbinsel Holnis. (Aber die ist selbstverständlich einen eigenen Beitrag wert).

Dies ist der VI. Beitrag der Serie »Schleswig-Holstein rund«. Zum I. gehts hier, das Inhaltsverzeichnis entsteht gerade hier und im VII. laufen wir Holnis rund.

