Es heißt, Theodor Fontane verliebte sich im Vorbeisegeln derart in die Halbinsel Holnis, dass er die Handlung seines Romans »Undwiederbringlich« kurzerhand von Mecklenburg-Vorpommern nach Schleswig-Holstein verlegte. Holnis dankte es mit einem Gedenkstein und einem Wanderweg, der des Dichters Namen trägt.

Grundsätzlich war Fontanes Verhältnis zu Schleswig-Holstein aber wohl ambivalent. Er nannte es einerseits armselig und unelegant. Andererseits war er Patriot. Und Preussen hatte ein Auge auf den Landstrich in Top-Lage geworfen, den Fontane (etwas pathetisch) im ersten Kriegsbuch beschreibt:
»Im Norden Mittel=Europa’s, wo die Elbe das Meer erreicht, streckt das deutsche Festland, als erhöb’ es seinen Arm gen Norden, einen Halbinsel=Damm gen Norden in das Meer hinaus: dieser Damm heißt die cimbrische Halbinsel.«
Das ist ein schiefes Bild. Denn die kimbrische Halbinsel – oder Chersonesus Cimbrica wie es in der Antike hieß – reicht von St. Pauli bis Skagen. Das deutsche Festland war also nie länger als höchstens der Armstummel.

Ursprünglich war das, was später Cimbrica wurde (und noch später Hamburg, Schleswig-Holstein und Jütland) von einem kilometerdicken Eispanzer bedeckt. In etwa wie heute Grönland. Und wenn Fontane noch 30 Jahre nach dem Deutsch-Dänischen Krieg über Schleswig-Holstein schreibt: „Wir mußten es haben, und wir haben es gekriegt“, klingt er gar nicht so viel anders als der US-amerikanische Mad King unserer Tage.
Ein Geschenk der letzten Eiszeit: Holnis
Jedenfalls und grob vereinfacht: Cimbrica und die Ostsee entstanden beim Abschmelzen des Eisschildes. Wandernde Gletscher modellierten Cimbricas Relief, schufen Strandseen, Steilküsten, Förden und die Halbinsel Holnis, auf der sich all das auf engstem Raum konzentriert.
An der Nordspitze, wo Wind und Wellen an Holnis nagen und man dem dänischen Festland näher ist als dem deutschen, (wo man jederzeit rübersegeln kann! Einfach bloß so zum Vergnügen! Oder auch um für immer zu bleiben…) zeigt sich Schleswig-Holstein in seiner ganzen wunderschönen Zerbrechlichkeit.
Denn wie sähe die filigrane Küstenlinie wohl aus, wenn die letzte Eiszeit nicht über gemächliche 4.000 Jahre zuende gegangen wäre – sondern abrupt in nur wenigen Jahrzehnten? Und was wäre Schleswig-Holstein heute überhaupt, ohne die demokratischen Anstrengungen seit 1949 in Deutschland, Dänemark und Europa? Ein Armstumpf. Höchstens. (And therefore, as a free (wo)man, I take pride in the words: Ich bin Cimbricaner:in. Das wollte ich heute nur mal gesagt haben.) Und damit endlich zu den Tipps für Holnis.
(26) Stippvisite: Holnis Norden (5 km +)
Die Top-Spots von Holnis liegen im Norden. Holnis Kliff, Holnis-Spitze und das Kleine Noor bekommt man bei einer Kombi des ausgeschilderten Kliff-Rundwegs mit dem Strand-Rundweg zu sehen. Zudem kreuzende Robustrinder, die hier „Vorfahrt“ haben, ein Seemannsgrab, Fontanes Gedenkstein und ganz viel Dänemark.
(27) Ausflugstag: Holnis rund (10 km +)
Während im Norden Naturschutz eine Rolle spielt, ist der Rest von Holnis touristisch geprägt und oft ist der Andrang massiv. Es lohnt sich trotzdem, die ganze Runde zu gehen. Im Vorüberziehen macht der Trubel nicht viel aus. Schleswig-Holstein-rund-Reisende wissen das ohnehin (oder können es hier erstmals üben).
(28) Kurzurlaub: Runde von Glücksburg (20 km +)
Um ganz Holnis kennenzulernen, muss man auf dem Fördersteig wandern oder die große Runde in Glücksburg starten, die mit 20,6 km durchaus tagesfüllend ist. Hinzu könnten noch einige Abstecher kommen. Jeder Stichpfad ist empfehlenswert. Besonders in Bockholm und gleich hinter dem Fährhaus Holnis.
Holnis gehört zu Glücksburg. Und das trifft sich gut. Denn im Anschluss an eine Wanderung auf Holnis gibt es wenig Besseres, als glücklich in den Sand von Glücksburg Sandwig zu sinken. In der nördlichsten Stadt des deutschen Festlandes ist der Name nämlich Programm.

Dies ist der VII. Beitrag der Serie »Schleswig-Holstein rund«. Zum I. gehts hier, das Inhaltsverzeichnis entsteht gerade hier und im VIII. bleiben wir noch ein wenig in Glücksburg.


[…] Dies ist der VI. Beitrag der Serie »Schleswig-Holstein rund«. Zum I. gehts hier, das Inhaltsverzeichnis entsteht gerade hier und im VII. laufen wir Holnis rund. […]
[…] In Wassersleben geht der Fördesteig nahtlos in den Gendarmstien über, der um einiges besser in Schuss gehalten wird und dafür als European Quality Waterway zertifiziert ist. Er begleitet das dänische Fördeufer auf 84 km und bildet damit einen perfekten Auftakt für eine Reise »Jütland« rund oder gleich ganz»Cimbrica rund«. […]