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Der Klützer Winkel: Schön wärs, wenn jetzt Frühling wäre.

Zu den ruhigeren Regionen an der Ostsee gehört der Klützer Winkel ganz im Nordwesten von Mecklenburg-Vorpommern. Die eiszeitliche Hügellandschaft winkelt sich zwischen der Trave und Wismar so richtig schön in die Ostsee hinein.

In Schleswig-Holstein würde man garantiert: „Halbinsel!“ rufen, um die Gegend besser zu vermarkten. Nicht jedoch in Meck-Pomm, wo Halbinseln nichts weiter Besonderes sind. (Genau genommen besteht die Küstenlinie von Pötenitz bis Polen ja so gut wie aus nichts anderem.)

Die 89 markiert etwa den Kluetzer Winkel. Credit Karte: Ulamm http://www.maps-for-free.html

Die 89 markiert etwa den Kluetzer Winkel. Credit Karte: Ulamm http://www.maps-for-free.html

Aufgrund der Grenzlage war ein Teil des Klützer Winkels zu DDR-Zeiten Sperrgebiet und wurde – besonders in Küstennähe – massiv entsiedelt. Auch wenn die ersten Neubaugebiete allmählich erschlossen sind,  gibt’s noch immer verhältnismäßig wenige Ortschaften; ja – nicht einmal viele Straßen. Von Menschen ganz zu schweigen. Dafür aber ausgedehnte Wälder und wilde Strände.

Eine Gegend also, in der man sich verlieren möchte… wenn nur endlich bald der Frühling käme. So dachten wir neulich, als wir uns von Boltenhagen aus über die geschwungenen Alleen des Klützer Winkels treiben ließen.

Sicher, sicher, auch graue, stille Tage haben ihren Reiz. Aber man hat halt allmählich die Nase voll davon. Wenn man wintermüde ist, ist man wintermüde. (Um es mal nicht ganz so drastisch auszudrücken wie Andi Brehme.)

Falls er dann aber irgendwann kommt, der Frühling, dann mögen wir Euch den Klützer Winkel für mindestens einen Tagesausflug ans Herz legen.

Schlösser statt Städte

 

 

Schloss Kalkhorst, Gutshaus Parin, Schloss Lüttgenhof, Schlossgut Groß Schwansee – im Klützer Winkel ist das nächste Schloss nie weit, der nächste Schlosspark immer um die Ecke. Das prächtigste Anwesen von allen ist Schloss Bothmer nahe der Kleinstadt Klütz.

 

 

Schloss Bothmer mit der markanten Festonallee gilt als größte barocke Schlossanlage Norddeutschlands. Der Park (die Garteninsel!) ist tagsüber frei zugänglich. Das Schlossmuseum öffnet bis zum Saisonauftakt im April nur zu bestimmten Terminen. Das Restaurant in der Orangerie hingegen hat täglich geöffnet.

 

Alter Weg

Ein bezaubernder (vielleicht uralter?) Spazierweg fernab der Straßen

 

Von Schloss Bothmer windet sich ein Spazierweg zum Gut Stellshagen. Knapp 2 km läuft man fernab der Straßen durch hügelige Felder und Wiesen. Er muss im Sommer wohl traumhaft sein, weil hügelige Wiesen und Felder in Mecklenburg-Vorpommern ja immer Mohn- und Kornblumen en masse bedeuten. Im Moment ist er auch nicht schlecht; aber ziemlich matschig.

Gut Stellshagen gib sich ganz dem Bio-Tourismus hin. Das ist ein wichtiges Thema im Klützer Winkel, wie man auch in den Cafés und Läden der Bauernhöfe feststellt.

 

Hofläden statt Hippster

 

Der Hippsterei vollkommen unverdächtig geht es bei den Klützer (Bio)-Bauern zu. Nicht nur grandiosen Kuchen sondern auch die leckerste Salami der Welt gibs im Steinbecker Hofladen. Merke: Es wäre ein schwerer, schwerer Fehler, Proviant in den Klützer Winkel mitzubringen.

 

Hofladen Steinbeck

 

Steinbeck liegt in Strandnähe. Die Küste des Klützer Winkels ist vom Priwall bis Boltenhagen wild und gefährlich. Statt Strandkorbverleihern und Imbissbuden findet man Stille und beinahe unberührte Badestellen.

Strand

 

Klippen statt Kurtaxe

 

Ostsee

 

Über 30 Meter ragt die Steilküste bei Großklüthzöved auf. Manche behaupten, es wären sogar bis zu 40. In jedem Fall ist das Ganze hoch genug, um mir ordentlich Respekt einzuflößen – zumal der Klippenweg auf seinen gut 3 km dicht an der Abbruchkante entlangführt. (Zugegeben: Ich bin nicht besonders mutig, was Höhe betrifft).

Steilkueste

 

Bei der ehemaligen Radarstation in Redewisch-Ausbau erzählen Gruselruinen und Bunkeranlagen von der Zeit als der Klützer Winkel zu den Späh- und Sperrgebieten der DDR gehörte.

Vom Priwall bis Boltenhagen war es verboten, sich der Küste zu nähern. Stelle ich mir das vor, empfinde ich immer so eine Schwere. Die verträgt sich schlecht mit Winterwetter.

 

 

Falls Ihr den Klützer Winkel noch nicht kennt, spart ihn Euch unbedingt für eine freundliche Jahreszeit auf. Ideal scheint mir ein warmer Spätsommertag. Wenn es noch warm genug zum Baden ist, aber nicht zu heiß zum Radfahren.

 

September statt Februar

 

Wir haben uns auf jeden Fall vorgenommen, einmal den ehemaligen Kolonnenweg, zu nehmen, wo einst die NVA Patrouille lief. Er gehört heute zum Ostseeküstenradweg und führt immer dicht am Strand entlang. Zum Beispiel auf dieser Route.

 

Boltenhagen Redewisch

Road to Boltenhagen

 

Aber für einen grauen Wintertag, das muss ich jetzt mal ganz ehrlich sagen, ist der Klützer Winkel nicht eben ideal. So wie uns viele norddeutsche Gegenden nicht eben ideal für graue Wintertage scheinen.

Eigentlich (eine interessante und wichtige Erkenntnis) sind die letzten Winterwochen nur an den ganz großen, weiten Stränden wirklich lebendiger Urlaubsorte genießbar. Für die anderen Gegenden gilt unterm Strich:

Das Beste (einzig Gute), was man über den norddeutschen Winter sagen kann, ist, dass er maximale Vorfreude auf den Frühling generiert.

Ich zum Beispiel kann den Frühling kaum mehr erwarten.

Trotzdem – oder gerade – einen schönen Sonntag!

10 Kommentare

  1. Auch dir einen schönen Sonntag Stefanie!
    Nein, von grauen Wintertagen wollen auch wir nichts mehr wissen. Trotzdem hat sich das Wetter erdreistet und am Freitag den ganzen Tag lang Schnee auf uns herab geworfen. Man muss sich das einmal vorstellen, hier, mitten im Münsterland! Prompt war die einzige nennenswerte Erhebung, der Daruper Berg, ein üppig geratener Maulwurfhügel, gesperrt: Die Brummis kamen in Schnee und Eis nicht hinauf. Trekker – so sagen wir hier zu den guten alten Traktoren – mussten ausrücken, um für eine freie Bahn zu sorgen. Heute sind vom Weiß nur noch matschige Pfützen übrig. Wir sind also wieder beim Grau.
    Eigentlich eignen sich die trüben Wintertage ja super für Schlossbesichtigungen. Nur haben die dann ja immer geschlossen. Jammerschade. Im Sommer bin ich nämlich lieber draußen. Liebe Grüße, Jutta

  2. Ja, das ist eigentlich seltsam, Jutta. Im Klützer Winkel haben sogar manche SchlossHotels nur im Sommer geöffnet. Und Trekker sagt man hier auch 🙂

  3. Einen schönen Sonntag, Stefanie!
    Auch wenn hier bei uns alles feucht-grau verhangen wirkt, der Wunsch nach Frühling ist spürbar. Gewachsen ist umso mehr der Wunsch, den Klützer Winkel bald mit dem eigenen Mobi begrüßen zu können.
    Danke für deinen Bericht!

  4. Moin, Moin und liebe Grüße an die Havel (bei Euch stellt man es sich ja jetzt schon viel milder und fröhlicher vor).

  5. Ich erinnere mich noch gut an eine Radtour durch den Klützer Winkel vor einigen Jahren. Da gehörte natürlich auch der Kolonnenweg dazu. Die Gegend ist besonders für Radtouren sehr zu empfehlen.

    Und wo ist es schon schön an einem grauen Wintertag im Norden? Der Frühling könnte sich wirklich langsam mal auf den Weg machen. Oh – während ich diesen Satz schreibe, fängt draußen in der Eiche ein Specht an zu klopfen. Das muss ein Zeichen sein. ?

    Dir auch einen schönen Sonntag!
    LG Martina

    PS: am 19. April fängt die Segelsaison für uns wieder an. ⛵️☀️ Und Vorfreude ist etwas Wunderbares!

    • Liebe Martina, Deine Vorfreude kann ich gut nachvollziehen – und vielleicht sogar noch ein bisschen anheizen: Wir waren diese Woche in Flensburg und haben beim Spazieren an der Förde schon einen Blick auf den Frühling geworfen. Das war herrlich; man hätte bis nach Alsen laufen wollen. Schönen Sonntag, Stefanie

  6. Die Ostseeküste von Meck Pomm im Allgemeinen reizt mich aufgrund ihrer relativen Natürlichkeit und Unberührtheit ja schon sehr! Ich sollte mich im (richtigen) Frühling/Sommer unbedingt mal aufmachen und sie erkunden. Deine Berichte motivieren mich auf jeden Fall dazu!
    Was die Wintermüdigkeit angeht – du sprichst mir aus der Seele. Dieses permanente, nicht enden wollende Grau geht mir so richtig auf den Zeiger 🙂 Aber irgendwann muss er ja kommen, der Frühling!

    • Weißt was – ich glaube, es wird Dir sehr gefallen. Ich bin immer wieder geflasht, was ich dort alles für Tiere sehe. Es sollte mich doch sehr wundern, wenn das nicht auch für Schlagen gilt. Liebe Grüße, Stefanie

  7. Hallo Stefanie…
    endlich komme ich mal wieder dazu, deinen Blog zu lesen. Blöde Masterthesis 🙁 Da warst du ja in meiner Heimat unterwegs und hast Ecken gesehen, die nicht mal ich kenne. Da muss ich wohl noch nacharbeiten 😉

    Hast du denn schon mal nach den Nandus in der Nähe von Lübeck gesucht? Die Nandus leben zwischen Utecht und Ratzeburg in freier Laufbahn und man findet sie oft auf Feldern. Mein Freund meinte auch, dass es inzwischen auch Nandutouren dort gibt. Vielleicht wäre das ja mal für euch?

    Liebe Grüße, Nine

    • Danke für den Tipp, Nine. Werde ich mir für den Hochsommer merken – da meiden wir meistens die Küsten, weil: zu viel los. Liebe Grüße und ne gute Masterarbeit, Stefanie

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