Hamburg
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Im Haus der Geschichte(n)

Alle 3 bis 4 Jahre zieht es mich ins Hamburg Museum. Gegründet 1908 ist das Haus am Holstenwall eines der größten stadthistorischen Museen Europas. Als wir das letzte Mal dort waren, hieß es noch Museum für Hamburgische Geschichte. Ein Name, der mir besser gefiel. Denn in dem wunderbaren Bau von Fritz Schuhmacher verweben sich historische Ereignisse mit der eigenen (Familien)-Geschichte. Unabhängig übrigens davon, ob man nun in Hamburg aufgewachsen ist oder nicht. Hamburg Museum Bei jedem Besuch sind es andere Aspekte, die mich fesseln. Das Hamburg Museum ist wie ein Kaleidoskop. Alles zu erfassen, ist unmöglich. Und so kann auch dieser Beitrag nicht mehr zeigen, als ein paar bunte Splitter aus unserer Stadt.

Der Stadtgeschichtliche Rundgang

Das  1. OG führt von der Hammaburg in die Jetztzeit. Sind die Bilder und Exponate einem anfangs noch vollkommen fremd, entdeckt man von Raum zu Raum mehr Vertrautes und kommt schließlich in den eigenen Erinnerungen an.

Die Straßen von Hamburg: Der stadtgeschichtliche Rundgang

Die Straßen von Hamburg: Der stadtgeschichtliche Rundgang

Namensgeber des Schulterblatts: Ein Gasthausschild aus einem Wal-Schulterblatt

Namensgeber des Schulterblatts: Gasthausschild aus einem Wal-Schulterblatt

Als es noch keine Mütterorden gab:  Suffragetten in Hamburg

Als es noch keine Mütterorden gab: die Suffragetten von Hamburg

Neonreklame des St. Pauli Theaters von 1965

Neonreklame des St. Pauli Theaters von 1965

In Hamburg sagt man Tschüß: Das alte Hochhaus am Millerntor

Kann ich mich noch dran erinnern: Das alte Hochhaus am Millerntor

Hamburg 2000

Visionär: Die Seilbahn über die Elbe

Mein persönliches Highlight finde ich dieses Mal in der Abteilung für Mode, Musik, Kunst und Theater: die Hamburger Künstlerfeste. Sie wurden zwischen 1919 und 1933 von Lehrer und Studenten der Kunsthochschule im Curiohaus ausgerichtet. Im Sinne eines Gesamtkunstwerks fanden sich Bildhauer, Grafiker, Dichter, Musiker und Tänzer unter einem Motto zusammen, z.B. Dämmerung der Zeitlosen (1919) oder Cubicuria, die seltsame Stadt (1924) oder Krawall im All (1932). Was nach Songs von Deichkind klingt, waren rauschende, gewaltige Feste. Das Mondhaus zu BimbelimFür den „Mondzauber zu Bimbelim“ etwa wurden „bizarre Mondzaubergärten“ kreiert und „Sündenbäder der Seefahrer“. Man kletterte über „magische Mondleitern“. An einem Ring kreisten Planeten über dem Saal. Dichter schwebten an „Himmelsbahnen“  und rezitierten eigenes verfasste Texte. Unter ihnen Hans Leib, der Autor von Lili Marleeen. Tänzer in phantastischen Kostümen trieben die Gäste an, bis sie die Bühnen stürmten.

Hans Henny Jahnn sagt über diese Ära: „Nichts gegen die Künstlerfeste jener Jahre. Sie waren unvergleichbar unpolizeilich; es wird sie niemals wieder geben. So viel Freiheit, wie damals verbraucht wurde, gibt es auf dem ganzen Erdenrund nicht mehr.“ Und so ist es ja für lange, lange Zeit auch gewesen.

And now something complete different: Die Modelleisenbahn von 1949

Modelleisenbahn Hamburg Museum

Liveshow von der Kanzel zu jeder vollen Stunden

Oben in der Kommandozentrale geht der Mann ans Mic und sagt Dinge wie: „Aus Richtung Bremen fährt durch Gleis 1 ein Postzug; gezogen von einer E-Lok der Baureihe 265.“ Kinder im Vorschulalter laufen mit den Zügen mit. Väter tun erst einmal abgeklärter – aber wenn der  „Fliegende Hamburger“ angesaust kommt, wollen sie doch alle mal gucken.  Der bildschöne Zug schaffte die Strecke Hamburg-Berlin in nur 2 Stunden und 18 Minuten – und das war 1932.

Ein Jahr zuvor gründete eine Gruppe Gymnasiasten den Modelleisenbahn Hamburg e.V. Er ist seit 1949 fester Bestandteil des Hamburg Museums und betreibt „Hamburgs größte Modellbahnanlage„. (Das  Miniturwunderland hingegen betreibt die größte Modelleisenbahn der Welt –  Spezis können den Unterschied bestimmt irgendwie schlüssig erklären.)

Lebst Du schon?

In allen Museumsbereichen wird immer wieder anhand typischer Wohnungen, Läden, Kontore, Schiffe etc. pp gezeigt, wie Hamburger wohnten und leben. Das ist schön griffig und begehbar. Spätestens im Untergeschoss kommt man im Ausstellungsteil „Hamburg im 20. Jahr100“ selbst ins Spiel.

Richtig niedlich sind die Begleittexte für Kinder.  Obwohl es auch etwas Seltsames hat, wenn die eigene jüngere Vergangenheit erklärt wird. So sagt z.B. die Texttafel der 90er-Jahre-Wohnung:

„Hier bist Du fast in Deiner Zeit angelangt. In diesem Raum soll ein Single, ein Alleinstehender, leben. Er arbeitet am Computer, oft bis tief in die Nacht. Dafür verdient er viel Geld. Seine Wohnung ist in einer umgebauten Fabrikhalle mit Blick auf den Hafen. Die ist teuer. Weil niemand sonst da ist, kocht er nicht. Im Raum siehst du die Fertiggerichte, von der Tütensuppe bis zur Pizza. Aufgeräumt hat er auch nicht. Für wen auch?“

Grinsgesicht. (Aber das mit dem Geld war wirklich gut in den 90ern.)

Gegenwart und Zukunft: die aktuellen Sonderausstellungen 1. Stadtgrün 3.0

Sonderausstellung Stadtgrün Die ca. 20 Holzkisten als Sonderausstellung zu bezeichnen, finde ich gewagt. Extra ihretwegen 9 Euro Eintritt zu zahlen, wäre übertrieben. Aber interessant ist es schon, was in den Großstädten weltweit so gemacht und geplant wird, um ein bisschen Grün ins Grau zu holen.

Hamburg ist mit vier bestehenden Projekten (Park Fiction, Keimzelle Karo Viertel, Wasserkunst Elbinsel Kaltehofe und Energieberg Georgswerder ) dabei – sowie mit den drei großen, viel diskutierten Zukunftsplänen: Autobahndeckel, Hilldegarden und Altonaer Bahnhof.

2. Parkpioniere

Gleich nebenan befindet sich die Sonderausstellung Parkpioniere zum 100. Geburtstag des Stadtparks. Statt Holzkisten dominieren hier bedruckte Stoffbahnen und Fotos. Parkpioniere Ich lerne: Der Hamburger Stadtpark sah zu Beginn tausend Mal öder aus als die Hafencity und war mindestens ebenso umstritten. Aber wichtig war er hoch zehn. Rund 130 Tage pro Jahr galten um 1885 als „Nebeltage“ – verursacht durch industrielle Luftverschmutzung; also Smog.

Das erinnert mich an die Partys im museumeigenen Café Fees einhundert Jahre später. Kinder, was haben wir geraucht. Wo wir damals tanzten, sitzen wir heute bei Saftschorle und fragen uns, ob wir noch genügend Energie für das dritte Obergeschoss haben. Haben wir nicht. Man wird ja nicht jünger und die Zeit bleibt nicht stehen – das wird einem nirgends so klar wie im Hamburg Museum. Hamburger Zeiten Um das 3. OG ist es aber schade. Wir müssen also bald wiederkommen. Ich finde ja sowieso, man sollte alle paar Jahre ins Hamburg Museum. Doch Menschen sind unterschiedlich, wie ich im Gästebuch einmal mehr feststelle. Der eine denkt so: Daniels Meinung … der andere so: Marcos Meinung Und damit Du Dir ein eigenes Bild machen kannst, hier noch die Service-Infos:

Hamburg Museum Holstenwall 24 20355 Hamburg info@hamburgmuseum.de Tel. 040 428 132 100 Fax 040 428 132 112

Öffnungszeiten Dienstag bis Samstag 10 – 17 Uhr Sonntag 10 – 18 Uhr An Heiligabend, Silvester, Neujahr und am 1. Mai geschlossen. An allen weiteren Feiertagen ist das Museum von 10 bis 18 Uhr geöffnet.

Eintrittspreise 9 € für Einzelbesucher 7 € für Gruppenbesucher ab 10 Personen 6 € für Inhaber der Hamburg Card 5,50 € für Berufsschüler ab 18 Jahren, Studenten bis 30 Jahre, Auszubildende, Arbeitslose, Sozialhilfeempfänger, FSJ

Freier Eintritt für Kinder und Jugendliche unter 18 Jahren

Modellschiffe

12 Kommentare

  1. 1. Daniel hat es ganz klar NICHT gepeilt! Und gut in Rechtschreibung ist er auch nicht. Vielleicht sollte er häufiger ins Museum gehen? 2. „Suffragetten“ ist nicht nur ein WORT das ich liebe. Die Ladies waren damals tougher als die sogenannten Emanzen von heute. (Ich bin keine Emanze.) 3. Die Einrichtungen erinnern mich an „Deutschlands häufigstes Wohnzimmer“. Kannst du dich an das Projekt erinnern? Ich musste gerade selbst googlen: Meine Güte, das war schon 2004! Kinder wie die Zeit vergeht! Jutta

    • Das ist ja lustig. Ich kannte das Projekt nicht, fühle mich aber beim häufigsten Essen erkannt. Meine Nachbarin ist fast 80 und ich freue mich immer, wenn sie eine Runde Fürst Pückler schmeißt. 🙂 Danke für den Tipp!

  2. Liebe Stefanie, (Zitat) „ich fasse es immer nicht, was ich alles nicht kenne“ 🙂 – was soll ich denn da erst sagen?! Du hast mir mit diesem Beitrag schon wieder so viel Neues gezeigt! (ja, ich oute mich: ich war noch nicht im Hamburg Museum 🙁 ) — Genau das Richtige für diese Jahreszeit, daher danke!!

    • Liebe Eva, ich bin gespannt, wie es Dir gefällt. Wir finden ja, das Hamburg Museum versteckt sich ein bisschen. Man hat immer gar nicht auf dem Zettel, was für ein prachtvolles Haus das ist. Viel Spaß dabei und liebe Grüße, Steffi

  3. Verena Kleffner sagt

    Da muss ich hin. Allein schon wegen des Gästebuchs. Das ist noch besser als das Museum selbst 😉

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