Wer sich von Haffkrug landeinwärts bewegt, erreicht nach gut fünf Kilometern den Naturpark Holsteinische Schweiz. Topographisch hat sie wenig mit einem Alpenland zu tun. Die Bezeichnung galt zur Kaiserzeit als beliebtes Marketingmittel und stand für Wohlstand, Ordnung und landschaftliche Schönheit schlechthin.
Von den rund 100 »Schweizen« Deutschlands war die nördlichste zunächst die kleinste. Anfangs war da nämlich bloß das Hotel Holsteinische Schweiz. Gründer Johann Friedrich Janus eröffnete es im Jahr 1885 am Nordufer des Kellersees.
Er brauchte fünf weitere Jahre, um eine Anbindung an die Eisenbahn zu erkämpfen. Als dann tatsächlich der erste Zug von Lütjenburg in den neuen Bahnhof Holsteinische Schweiz einrollte und immer mehr Orte unter das Dach der Marke schlüpften, avancierte die ganze Region zum gut erreichbaren Sehnsuchtsziel. Sie blieb es fast 100 Jahre.
Dann geriet der Heile-Welt-Charme wohl etwas aus der Mode. Vielleicht war es auch der zunehmende Autoverkehr, der bisher idyllische Städtchen zerschnitt und die Ruhe von den Seeuferstraßen vertrieb. Oder die Entscheidung der Deutschen Bahn, die Holsteinische Schweiz abzuhängen. Jedenfalls blieb 1976 – ungefähr an dem Tag, als der letzte Zug von Lütjenburg nach Malente fuhr – die Zeit zwischen den Seen stehen.
Auf der Durchreise: Holsteinische Schweiz in a nutshell
Ältere Menschen erwischt in der Holsteinischen Schweiz das Gefühl, aus der Zeit zu fallen. Sie finden dort Vieles, was sie seit ihrer Kindheit nicht mehr gesehen haben, nicht mehr gefühlt haben und vielleicht sogar vermisst. Jüngere Menschen brauchen schon Lust auf Natur und/ oder Outdoor-Aktivitäten, um die Gegend zu genießen. Sie meint kein fest umrissenes Gebiet. Doch im Zentrum schimmern glasklar die Seen von Eutin, Malente und Plön.
Zu den Dingen, die sich an den 150 Seen der Holsteinischen Schweiz konserviert haben, gehören heimliche Badestellen und Badeanstalten, die keinen Eintritt verlangen. Wassersport-Reviere ohne Gedränge. Schlösser und Parks ohne Touristenmassen. Abseits der Bundesstraßen finden sich stille Alleen und verschwiegene Waldpfade. Aber auch Lost Places, Leerstand und für immer geschlossene Hotelerie und Gastronomie. Mehr als genug Gründe also, um einmal vorbeizugucken. Und sei es auch bloß auf der Durchreise (z.B. zu einem überfüllten Strand).
(177) Stippvisite: Zwischen zwei Seen
In Sielbeck wirken wie überall in Schleswig-Holstein gegensätzliche Kräfte. Die einen reissen Historisches am liebsten ab. Die anderen wollen bewahren. Gerettet sind das frühere Hotel Holsteinische Schweiz am Kellersee und das Jagdschlösschen am Ukleisee. An beiden Spazierzielen warten die romantischsten Seebalkone.
(178) Tagesausflug: Zugfahrt durch das Seenreich
Von der Station Holsteinische Schweiz ist nur die Überdachung geblieben. Sie ziert heute den Bahnhof von Plön, wo der RE83 auf der Fahrt von Lübeck nach Kiel stündlich Halt macht. Die seenreiche Strecke Eutin – Malente – Plön – Ascheberg – Preetz gehört zu den Schönsten im Norden. Der Ausstieg lohnt sich überall.
(179) Kurzurlaub: der Holsteinische Schweiz Weg
Der 53 km lange Fernwanderweg mäandert von Eutin nach Plön. Unterwegs gilt es, den höchsten »Gipfel« Schleswig-Holsteins zu bezwingen, den 168 Meter hohen Bungsberg. Im Sommer kann man Teiletappen mit Ausflugsschiffen zurücklegen – verpasst dann allerdings einige der schönsten Abschnitte.
Wer nach einer dieser Unternehmungen nicht angetan ist, kann die Holsteinische Schweiz in Zukunft getrost links liegen lassen. So wie es der Massentourismus eben auch tut. Wer sich aber unterwegs verguckt (was nicht unwahrscheinlich ist), findet in der Region perfekte Rückzugsmöglichkeiten mit den besten Voraussetzungen für sanften Tourismus und eine leiste Aufbruchstimmung. Gut möglich, dass die Holsteinische Schweiz sich gerade wieder neu erfindet…
Von Haffkrug in die Holsteinische Schweiz: Eutin
Es heißt, dass sich Geschichte nicht exakt wiederholt, aber oft reimt. Im Sommer 2026, fünf Jahre nach der Neueröffnung eines gehobenen Hotels am Kellersee, (»Gut Immenhof«, ja, eben der von Dick und Dalli und Oma Jantzen), ratterte der historische Schienenbus »Hein Lüttenborg« erstmals wieder von Lütjenburg nach Malente. Und zum allerersten Mal überhaupt verband eine Buslinie (testweise zunächst) während der Hochsaison Haffkrug in der Lübecker Bucht mit der Residenzstadt Eutin, die einst den Beinamen Rosenstadt trug und zur Blütezeit »Weimar des Nordens«.
(180) Stippvisite: Schlossgarten am See
Mit Schloss, Ostholstein-Museum und Lichterfest, funktioniert Eutin auch im Winter prima. Der Schlossgarten ist aber natürlich im Sommer das Highlight, wenn im ummauerten Küchengarten alles blüht und duftet und Baumriesen gewundene Wege zwischen Seepavillon, Tempeln und hölzernen Brücken beschatten.
(181) Ausflugstag: Großer Eutiner See
Vom Schlossgarten führt die Seepromenade entlang der Stadtbucht in den Seepark. Hingucker ist die Freibadeanstalt von 1913, deren Besuch tatsächlich kostenfrei ist. Die Eutiner Seenrundfahrt dauert eine Stunde. Um einmal rundherum zu laufen, braucht man gut drei (weil man auf dem neun km langen Rundweg gern pausiert).
(182) Kurzurlaub: Wanderung zum Fissauer Fährhaus
Der ausgeschilderte Felder- und Seenrundweg führt auf oft menschenleeren Wegen vom Großen Eutiner See über Sibbersdorfer See und Ukleisee zum Kellersee. Am Fissauer Fährhaus treffen sich Weitwandernde mit denjenigen, die auf kurzer Spur der Schwentine drei km von Eutin nach Fissau folgen.
(183) Exkurs zum See mit Luise
Wer mit Luise auf Kellerseefahrt geht, betritt nur in Fissau Eutiner Stadtgebiet. Alle anderen Anlegestellen liegen in Malente: die Janusallee an der Kellerseepromenade, das Malenter Fährhaus mit Bungsbergblick, der Immenhof von Dick und Dalli, die Seehütte, wo es die besten Fischbrötchen der Gegend geben soll.
Wer den Kellersee lieber umwandern mag, kommt auf rund 14 km. Bei Anreise mit dem Zug müssen noch 1,5 km vom Bahnhof bis zur Kellerseepromenade hinzugezählt werden. Die Bahn hält nämlich am zweiten Haussee von Malente, dem Dieksee im Ortsteil Gremsmühlen. Mit gutem Willen kann man Gremsmühlen als das touristisches Zentrum der Holsteinischen Schweiz bezeichnen.
Das Herz der Holsteinischen Schweiz: Malente
Nicht, dass dort groß etwas los wäre. Aber immerhin konzentrieren sich hier (und nur hier) Hotels in größerer Zahl. Um den speziellen, leicht schläfrigen Zauber Malentes zu erfassen, muss man sich erst einmal den ersten Schreck über das verrammelte Bahnhofsgebäude und das zunehmend verfallende ehemalige Intermar Hotel gleich gegenüber aus den Gliedern schütteln. Aber dann!
(184) Stippvisite: Spiegelteiche
Der Diekseepromenade gefolgt, ist nach einem knappen Kilometer der Wald erreicht und bald die Spiegelteiche, eine ehemalige Fischaufzuchtsstation, an deren Ende Schleswig-Holsteins schönstes Kneippbecken wartet. Unterirdische Quellen sorgen für erfrischend kühles Wasser, selbst bei Hitze.
(185) Ausflugstag: Umsonst und draußen
Malentes nostalgische und kostenfreie Vergnügen reichen locker für einen ganzen Tag mit der Familie. Etwa: der Kurpark (mit Liegehalle!) im Sixties Look, das ebenso anmutende Strandbad mit Sandstrand, die Quelle der gebrochenen Herzen und der Wildpark mit Futterautomaten für Schwarz- und Rotwild.
(186) Kurzurlaub: Rund um den Dieksee
Eine Wanderung um den Dieksee bedeutet zwölf meist ufernahe Kilometer. Unterwegs lohnt sich die Einkehr im Fährhaus Niederkleveez mit Abstecher zum Suhrer See oder im Landgasthof Kasch mit Badestelle am Behler See. Wer lieber über den See fahren will, mietet SUP-Boards und (Tret)boote an der Diekseepromenade.
(187) Exkurs zum See: Fünf-Seen-Rundfahrt
Die 5-Seen-Rundfahrt war lange das letzte verbliebene touristische Highlight der Gegend. Obwohl die Schiffe im Sommer stündlich starten, kann es an Bord voll werden. Die Tour von Malente nach Plön kann an vier Anlegestellen unterbrochen werden. Für Wandernde gibt´s Tickets für Teilstrecken oder eine Wochenkarte.
Auf der 5-Seen-Rundfahrt liegen drei Seen in Plön. Aber das bedeutet wenig. Nicht einmal zehn Prozent von Plön sind Landfläche. Allein sechzehn (16!) Seen gehören zum Stadtgebiet. Weitere sind fußläufig zu erreichen.
Lieblingsplatz der Kaiserin: Plön
Am Wichtigsten ist der Große Plöner See, größtes Binnengewässer Schleswig-Holsteins, zehntgrößter See Deutschlands immerhin. In anderen Bundesländern wären seine Ufer sicher überlaufen und unbezahlbar. Mit direkter Nähe zur Ostsee aber ist alles anders.
(188) Stippvisite: Schloss Plön
Uralte Gassen führen vom Marktplatz zum letzten erhaltenen Schloss Schleswig-Holsteins in Höhenlage hinauf. Oben warten Prachtbauten des Barock, der Renaissance, des Jugendstils usw. und die Schlossterasse mit Traumblick auf den See. Durch die Alte Schlossgärtnerei gelangt man wieder zur Seeuferpromenade.
(189) Ausflugstag: Prinzeninsel
Vom Schlosspark gut zu sehen, schiebt sich eine schmale Halbinsel zwei Kilometer weit in den Großen Plöner See. Hier wurden die Söhne des Kaisers Wilhelm II landwirtschaftlich unterrichtet und Kaiserin Auguste Viktoria kam häufig zu Besuch. Ihr Lieblingsplatz befindet sich ganz an der Spitze; in der Nähe der Badestelle.
(190) Kurzurlaub: rund um die Seen
Der Schöhsee-Rundweg ist vom Großen Plöner See schnell erreicht. Unterwegs unbedingt dem Abzweiger zum Parnaß-Turm folgen. Das erhöht die fünf km lange Tour um etwa zwei. Oder zehn, falls man auf der Aussichtsplattform entscheidet, gleich weiter auf dem ausgeschilderten »Rundweg Plöner Seen« zu gehen.
(191) Exkurs zum See: Schwentine Wasserwanderweg
Seit im Oktober 2025 die Plöner Seerundfahrt ihren Betrieb eingestellt hat, lässt sich der Große Plöner See nur noch aus eigener Kraft erobern. Er liegt etwa mittig auf dem Schwentine Wasserwanderweg, einer top Kanustrecke, die sich auf 55 km vom Großen Eutiner See über Malente und Preetz bis zur Kieler Förde schlängelt.
Dies ist ein Beitrag der Serie »Schleswig-Holstein rund«, die dicht an der Waterkant rund um das nördlichste Bundesland führt und in Ausnahmefällen auch ab durch die Mitte.


Wunderbar, wie Du schreibst, Stefanie!
P.S.: Man könnte noch die Draisinen auf den Gleisen Malente-Lütjenburg erwähnen
Du machst echt Appetit auf einen Ausflug. Ich habe mir jetzt Plön vorgenommen. Hört sich toll an!