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Auf die Hamburger Hallig zurückkommen

Hamburger Hallig

Ich wollte längst schon auf die Hamburger Hallig zurückkommen. Eigentlich schon seit dem Beitrag über das nördliche Nordfriesland. Doch konnte ich mich in den letzten Wochen zu beinahe gar nichts aufraffen. Mir war´s zu heiß in Norddeutschland (dass ich das mal sagen würde!). Und zu trubelig.

Aber ich will nicht über Massentourismus klagen. Schließlich bin ich Teil der Schose. Und – klar – es kann (mir) (zu) voll werden auf der kleinen Halbinsel nördlich von Nordstrand. Besonders in den Sommerferien. Doch die Hamburger Hallig hat durchaus schon schlechtere Tage & Touristen gesehen.

 

Hamburger Hallig

 

Es ist noch gar nicht so lange her, da schoben sich bis zu 2.000 Autos pro Tag über den Damm zur Warft ohne Namen. Heute kostet es 6 Euro. Das motiviert den einen oder die andere zu Fuß zu gehen. Nennenswerte Entlastung aber brachten erst Leihräder.

 

Lauter gute Nachrichten von der Hamburger Hallig

 

Seit man die blauen Bikes für die geringe Gebühr von 2 Euro am Amsinck-Haus ausleihen kann, sind die Autos eindeutig in der Unterzahl. (Notiz an die Herren des Heimat- wie Verkehrsminsteriums: Leihräder sind super und gehören deshalb an jeden Bahnhof. Auch in Flächenbundesländern.)

 

Austernfischer

 

Abgesehen von den Autos gibt es auf der Hamburger Hallig wenig zu meckern. Seit 1930 ist sie als Naturschutzgebiet ausgewiesen, seit 1932 wirkt der NABU auf dem Schafberg. Etwa mittig zwischen Seedeich und Halligwarft gelegen, informieren Mitarbeiter*innen über Flora & Fauna, Land & Leute. Auch werden Ferngläser für den „Vogelkiek“ verliehen.

 

Schafberg

 

Die Hamburger Hallig war mal eine kleine Warft vier Kilometer vom Festland entfernt. Dann wurde ein Damm gebaut. Über die Jahrzehnte hat sich rechts und links des Damms so viel Sediment abgelagert, dass das gesamte Areal heute gut tausend Hektar groß ist. Eine so große Salzwiese, die quasi völlig unbeeinflusst ist vom Menschen, ist einzigartig auf der Welt.

 

Salzwiesen

 

Von Frühjahr bis Herbst startet am NABU-Haus ein Naturpfad durch die Salzwiesen. Salzwiesen sind etwa Wunderbares. Nicht mehr Meer aber noch nicht ganz festes Land, bieten die Salzwiesen Lebensraum für knapp 800 Tierarten, von denen manche nur hier vorkommen.

 

Hamburger Hallig

 

Während manche den Klimawandel noch leugnen, untersuchen Forscher der Uni Hamburg und der us-amerikanischen Smithsonian Institution die Auswirkungen steigender Temperaturen auf die Salzwiesen. Das Experiment wirkt einerseits beängstigend (man stelle sich nur die Hitze unter den Plastikplanen vor). Andererseits ist es natürlich immer gut, daran erinnert zu werden, dass in den USA ein Bewustsein für die aktuellen Herausforderungen existiert. Und auch ein Wissen, dass wir sie nur zusammen meistern können.

 

Hamburger Hallig

 

Spätestens in diesem Sommer ist klar geworden: fast jeder muss sein Leben ändern, anders konsumieren, anders reisen. So wie Erik Brack. Einst Küchendirektor auf der Deutschland, dem ZDF-Traumschiff, beweist er heute im Hallig Krog mit seinem Schnüsch, dass auch die tradtionelle Küche Schleswig-Holsteins Vegetarier*innen glücklich machen kann. (Falls es aber doch Fleisch sein soll – hier kommt es wenigstens ausschließlich aus Nordfriesland).

 

Bienenkasten Hamburger Hallig

 

Die Insel-Anmutung der Hamburger Hallig tut nicht nur der eigenen Seele gut. Sie rettet auch ganze Völker. Etwa das der Carnica-Sklenar-Biene. Die sanftmütige und extrem fleißige Art kann hier erhalten werden, da eine Fremdpaarung quasi ausgeschlossen ist. Niedlich: die Bienen erkennen ihr persönliches Schutzhaus an der Farbe.

 

Halligstorch

 

Als Schutzhaus für Austernfischer kann gleich das gesamte Wattenmeer gelten. Um 1900 war der Watvogel noch stark bedroht. Sein Verwandter, der kanarische Austernfischer, starb sogar aus. An der Nordsee hat sich der Bestand erholt. Der Austernfischer, auch Halligstorch genannt, gilt heute nicht mehr als gefährdet. Auf der Hamburger Hallig kann man ihn am besten am Halligkopf beobachten. Mit Glück ist man dort eine Weile ganz mit ihm allein. Das ist für mich der Hauptgrund, warum ich wieder und wieder auf die Hamburger Hallig zurückkommen möchte.

 

Nordsee

 

Für alle, die einen Swutsch auf die Hamburger Hallig planen, nun die allerbeste von Nachricht von allen. Mit diesem Wochenende haben bloß noch die Hälfte aller Bundesländer Ferien. Oder wie die zufriedene Tagsausflüglerin sagt: meine Hallig ist halb leer.

 

PS.: Mehr Tipps zur Hamburger Hallig gibts von Reisemöwe Lena, einer waschechten Nordfriesin

12 Kommentare

  1. Die Hamburger Hallig habe ich vor einigen Jahren Anfang Mai besucht -wie bei mir üblich zur Nebensaison,weil entspannter.
    Bei Temperaturen um die 30 Grad hab´ich mir ´nen ordentlichen Sonnenbrand geholt-zu Fuß sinds bis zum Hallighaus ca. 4km.
    Mein persönlicher Höhepunkt waren aber davor die vielen Schafe auf der Schafwarft,davon habe ich reichlich Bilder geknipst.
    Es gibt auch ein schönes Buch über die Hamburger Hallig,wo ein junges Mädchen vom Leben auf dieser Hallig in den 30er Jahren berichtet.
    viele Grüße aus Duisburg und bleibt bitte gesund.

    • Lieber Ralf, die Sache mit dem Sonnenbrand ist ein guter Hinweis. Sonnencreme gehört unbedingt ins Ausflugsgeäck. Ein Hut wäre auch nicht schlecht. Es gibt ja so gut wie keinen Schatten auf der Hallig. Weißt Du noch, wie das Buch heißt? Klingt für mich sehr interessant. Ganz liebe Grüße zurück, Stefanie

      • Das Buch heißt: Das Mädchen von der Hallig -Autor: Cornelius Jansen
        Herausgegeben im Callsen-Bracker-Verlag.
        Ich meine,ich habe das Buch in der Buchhandlung Liesegang in Husum erworben.

  2. Ich war auch schon zu Gast auf der Hamburger Hallig vor einigen Jahren,natürlich in der Nebensaison.
    Es war Anfang Mai,um die 30grad warm und ich habe mir beim Gang zum Hallighaus einen ordentlichen Sonnenbrand geholt.
    Mein persönlicher Höhepunkt war die Schafwarft,da habe ich viele schöne Bilder geknipst.
    Es gibt auch ein schönes Buch über die Hamburger Hallig,wo ein Mädchen vom Halligleben in den 30er Jahren berichtet.
    viele Grüße aus Duisburg und bleibt bitte alle gesund.
    Ralf

  3. Whow, herrlich, das strahlt so viel Ruhe aus. Ich wundere mich allerdings, wie da 2000 Autos pro Tag fahren konnten? Gibt es da einen Riesenparkplatz von dem man zu Fuß weiter läuft? Ich klage über den Massentourismus 😉 Seit Corona ist an meiner geliebten Ostsee kein Platz mehr für uns, die wir hier in der Nähe wohnen. Umso mehr freue ich mich immer über Deine wundervollen Beiträge und hoffe, dass es Dir in Corona-Zeiten und in dieser Hitze gutgegangen ist. LG Ilona

  4. Oh, herrlich.Wir haben dort geheiratet im Trauzimmer. Und Erich Braack hat uns vorzüglich bedient. Übrigens ist er nicht alleine aus der Crew des ZDF Traumschiffes. Er wusste, wen er mitnimmt:-)

    In meiner Zeit in Husum, eine sehr durchwachsene Lebenszeit, bin ich immer wieder bei Wind und Wetter, auch bei winterlichen Stürmen und Dunkelheit dorthin gekommen, um auch die weniger schönen Momente, die man im Leben haben kann, loslassen zu können.

    Ich würde die Überfahrt sogar verdoppeln, dann gibt es keine Ausrede, dass ein volles Auto günstiger ist als 4 Fahrräder.

    In der Nebensaison nutzen wir den wunderbaren Stellplatz für unseren Bulli am Amsinck Haus, aber ansonsten ist er regelmäßig voll.

    Es gibt eine Biografie über das Kind auf der letzten aktiven Zeit der Hallig, als dort noch Landwirtschaft betrieben wurde. Wer sich für diese Insel interessiert, dem kann ich das unbedingt empfehlen:

    https://www.zvab.com/Mädchen-Hallig-wahre-Begebenheiten-Jensen-Cornelius/16261455078/buch

  5. Hallo Stefanie, irgendwie scheint die Kommentarfunktion nicht zu funktionieren, auch werden die bereits vorhandene Kommentare nicht angezeigt, zumindest bei mir nicht.

  6. Thomas Will sagt

    Hallo Stefanie,

    schöner Bericht u. ein toller Ausflugstip.

    kleine Anmerkung :

    Das ehemalige „Traumschiff“ heißt MS Deutschland .
    Das ist meines Erachtens genauso wichtig , wie dein „Gendersternchen“

    VG.

    Thomas Will

  7. Frank sagt

    Gibt es einen Trick, um auch die Kommentare lesen zu können? Ich sehe leider nur den Text „7 Kommentare“.

  8. kokkinos vrachos sagt

    Moin Moin, ich bin Anfang Juli mit Freunden abends auf der Hamburger Hallig gewesen. Das Wetter war nicht so gut, windig und leichter Regen, der Himmel grau. Da ist es an der Badestelle eher trostlos und ungemütlich…..

    Was mich immer wieder total begeistert, sind die 4 km mit dem Rad durch die Salzwiesen bis zur Hallig. Diese Ruhe, der leichte Wind und der beruhigende Blick über die Landschaft. Balsam für die Seele.

    vg, kv

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