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Sth old. Sth new. Sth special. Sth blue. Oslo Hafenpromenade.

Hafenpromenade Oslo

Wer das Anlegemanöver der Color Line Fähre in Oslo backbord erlebt, kann den knallorangenen Infoturm an der Könglichen Marina gar nicht übersehen. Er ist einer von insgesamt 14 entlang der Oslo Hafenpromenade. Die Infostationen befinden sich an besonders interessanten Spots. Was nicht bedeutet, dass es zwischen den Türmen irgendwie langweilig wäre. Ganz im Gegenteil.

 

 

Auf dem insgesamt 9 km langen Wasserkanten-Weg ließe sich locker ein Wochenende verbringen. Aber auch für Mini-Kreuzfahrer, denen nur 4 Stunden Landgang zur Verfügung stehen, ist das ein empfehlenswerter Spaziergang. Man stolpert sowieso direkt vom Filipstad-Kai auf die Strecke. Wirft einen kurzen bedauernden Blick nach links zur Marina, um dann rechter Hand das neue Oslo zu erobern.

 

 

Filipstad ist eines der letzten Quartiere, das noch den alten, hafenindustriellen Charakter von Oslo atmet. Auch hier gibt es erste schicke bis szenige Locations, aber längst nicht so wie auf der benachbarten Halbinsel Tjuvholmen.

 

Something new: Tjuvholmen und Aker Brygge

 

Tjuvholmen ist ein einziges Kunstgelände. Man findet hier Kunst im öffentlichen Raum, in Galerien und vor allem im Astrup Faernley Musuem, einem der bedeutensten Häuser für moderne Kunst in Nordeuropa.

 

 

Bei Zeitknappheit muss ein Spaziergang durch den (kostenfreien) Tjuvholmen Sculpture Park reichen, wo Werke von renomierten Künstlern wie Louise Bourgeoise oder Fischli & Weiss ganz dicht am Wasser platziert sind. „Be considerate“, bittet  ein Schild, „what is fun for you, might be noise for me.“ Und so ist es doch tatsächlich wunderbar still.

 

 

Jenseits der Brücke nach Aker Brygge geht es lebhafter zu. An den alten Kais reihen sich Restaurant an Bars an Hangouts. Genau das Richtige für Feinschmecker, die ein Essen mit Fjordblick intensiv genießen. Wer bloß speist, um zu überleben, kann sich das schenken. Das beliebte Viertel ist nicht ganz günstig.

 

Somehting old: das Rathaus von Oslo

 

Am Ende der Gourmetmeile befindet sich das dominante, mächtige Rathaus von Oslo. Es ist als Schauplatz des Friedensnobelpreises Vielen bekannt. Die wahre Wucht erfasst man allerdings erst in der Realität. 36 Jahre brauchten die Norweger vom ersten Architektenwettbewerb bis zur Fertigstellung 1950.

 

 

Schön lässig skandinavisch, ist es erlaubt durch Hallen, Säle, Flure zu stromern und auf verschiedene Balkons mit fantastischen Ausblicken auf den Oslofjord. Jede Räumlichkeit wurde von einem anderen Künstler gestaltet. Alle Materialien, Gemälde, Einrichtungsgegenstände kommen aus Norwegen. Der Besuch kostet mal wieder gar nichts – lohnt sich aber hoch zehn.

 

 

Und überhaupt der Oslofjord. Er ist der Hauptdarsteller und gewichtigste Grund, warum Oslo nicht auf einem Landgang zu erfassen ist. Blau und tief bildet er zwei Buchten, so dass die Silhouette der Stadt in etwa einem umgedrehten Schreibschrift-W gleicht.

 

Something blue: der Oslofjord

 

Direkt vorm Rathaus starten die Fähren auf die vorgelagerten Inseln. Manche sind bewohnt. Andere haben weitläufige Naturschutzgebiete oder Badestrände. Und gerade weil ich keine von ihnen besucht habe, weiß ich, dass das ein ganz, ganz schwerer Fehler ist. Denn ich könnte es nicht mehr bereuen, dass wir dafür keinen Verlängerungstag eingeplant haben.

 

 

Aber zurück zur Hafenpromenade. Praktischerweise finden sich an den Infotürmen Meter- und Zeitangaben bis zur nächsten Station. Vorm Rathaus z.B. läßt sich entscheiden, ob man die Halbinsel Akersneset mit der Festung Akershus und dem Hipster Hotspot Vippa abläuft. Oder lieber quer-land-ein stratzt und damit gute 2 km spart, um schneller die Oper von Oslo zu erreichen.

 

Something special: das Opernhaus von Oslo

 

Dass man der Oper aufs Dach steigt, gehört zum Konzept. Und zu einem Oslo-Besuch unbedingt dazu. Insbesondere wenn man etwas für Licht übrig hat. Fragt man Alex vom Blog insidenorway.me, wann es am schönsten funkelt, lautet die Antwort: im März badet Oslo in Farben. (Der September ist aber auch grandios.)

 

Oper Oslo

Die Oper ist einem Eisberg nachempfunden

 

Oslo Oper aussen

Was die Elphilharmonie fuer Hamburg ist, ist die Oper fuer Oslo. Sie hat der Elphie ein wichtige Sache voraus.

 

Eisberg Opernhaus Oslo

Besser als auf der Elphie: sonnige Flaechen statt schattiger Promenaden und Windkanaele

 

Oper in Oslo

Die Besteigung des Eisbergs funktioniert interessanterweise ganz ohne Stufen.

 

Oper Oslo innen

Unbedingt auch reingehen (und die Waschraeume aufsuchen)

 

Konzertsaal Oper Oslo

Der grosse Konzertsaal gleicht im Inneren in Form und Struktur der Semperoper

 

Opernhaus Oslo

Wie sich das Licht bricht und spiegelt – unfassbar

 

Die Hafenpromenade schlängelt sich von der Oper noch 2,7 km weiter bis zum Containerhafen Kongshavn. Doch selbst die hastigsten Mini-Kreuzfahrer müssen spätestens jetzt an den Rückweg denken. Am schnellsten gehts per Taxi. Günstiger mit Öffis.

 

Oslo Barcode

Oslos Skyline-Projekt: Barcode

 

Hauptbahnhof und Busterminal erreicht man in Minuten. Sie liegen jenseits einer Fußgängerbrücke, die durch das Quartier Barcode nach Grønland führt. Dort ist der Migrationsanteil übrigens hoch und die Gastronomie dementsprechend spannend wie günstig. Besonders verführerisch sind die indischen Tandoori-Läden. Dort schmeckts tatsächlich wie in Mumbai; also ganz anders als in Deutschland. Und so soll das auf Reisen ja auch sein.

Weiterlesen?

Die Kunst des entspannten Reisens liegt im Weglassen. Es kann nicht schaden im Vorwege auszuklamüsern, welche Attraktionen auf der Hafenpromenade unbedingt zum eigenen Glück dazu gehören: Klick für mehr Infos.

Schneller als zu Fuß ist man mit dem Rad. Alles Wissenswerte über Oslos Leihräder gibts auf Jessicas Blog Reisetipps 361°.

Wer unsere ersten Oslo-Beiträge nicht gelesen hat: Wir wurden von der Color Line Reederei zu einer Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo plus Verlängerungsnacht eingeladen. Los geht die Reise hier.

11 Kommentare

  1. Diese neumodische Architektur auf den letzten Bildern hast du gekonnt in Szene gesetzt, ich weiß jetzt garnicht ob mir das so gut gefällt ;-).

    • Ja, das wußten die Osloer anfangs auch nicht. Da gabs schon Proteste. Aber ich glaube, mittlerweile mögen sie ihre Skyline ganz gern. (Ist natürlich auch so, dass Oslo in den 80ern alles andere als eine Schönheit war).

  2. Oh ja, die Color Line – in meinen Augen eines der schönsten Fährschiffe. Allerdings so lange wir einen Hund haben, können wir sie leider nicht nutzen. Aber ich bin ein gutes Dutzend Mal mitgefahren und jedes Mal war es ein Erlebnis, Eine Konferenz hatten wir auf dem Schiff, mit einem Panorama aus den verglasten Außenwänden, was seinesgleichen sucht.

    Und Oslo selbst hat sich in den letzten 20 Jahren radikal verändert. Nicht unbedingt gelungen, das hat Kopenhagen einfach besser hinbekommen. Aber die Oper ist ein Erlebnis für sich und auch das alte Oslo ist unvergessen. Viel zu schade für nur vier Stunden.

    Aber am beeindruckendsten finde ich die Menschen nach dem gruseligen Attentat, (meine Schwester war da gerade in der Stadt). Während unsere Politiker schon die Schuldigen ausgemacht hatten und nach schärferen Gesetzen in die Mikrofone schrieen, hat man getrauert, inne gehalten. Als sich die Menschen zu seinem Trauermarsch zusammen fanden, hatte jeder eine Rose in der Hand. Aber es waren so viele Menschen, dass sie sich gar nicht bewegt haben. Es gab keine Parolen, keinen Hass – einfach nur Trauer. Und als sich die Menschenmenge aufgelöst hatte, hinterließ sie einen riesigen Platz voller Rosenblüten.

    Das ist, was mir ein Stück Seele von Oslo gezeigt hat, die mich heute noch sehr rührt.

    • Vielen Dank für den langen Kommentar, Kai. Mir ist was anderes (viel kleineres aber auch) Tolles an den Menschen in Oslo aufgefallen. Wir haben in einem Business-Hotel gewohnt und ich war sehr früh frühstücken. Etwa um die Zeit, in der ich auch bei meinen Jobreisen im Speisesaal sitze und zu den extrem wenigen Frauen im Raum gehöre. In Oslo war das echt fifty-fifty. Und der Umgang miteinander kam mir auch viel gleichberechtigter vor. So was äußert sich ja auch in Stimme, Körpersprache, Outfit. Dann fand ich Deutschland auf einmal sehr provinziell. LG, Stefanie

      • das kann ich so bestätigen. in der Regel findet alles gleichberechtigt statt. Ich war oft beruflich in Norwegen und in Schweden. In beiden Ländern geht man irgendwie respektvoller miteinander um, egal, welchen wirtschaftlichen Stand man hat. Das Auto hat bei weitem nicht den Stellenwert wie bei uns und auch die Ebene zwischen Chef und Angestellten ist eine ganz andere. Es gibt nicht solches Standesdünkel wie bei uns.
        Du merkst, ich liebe dieses Land, wäre ich ungebunden, würde ich schon lange dort leben. Aber ich verhandle noch 🙂
        p.s. wann seit Ihr auf der ITG? Ich selbst am 6.März.

        • Von Norwegen als Exil träumen wir auch immer. Dabei kennen wir fast gar nichts. (Aber das wollen bald ändern). Wir kommen erst am 7. zur ITB, bleiben auch nur eine Preisverleihung lang 😉

          • Ja, da ist bei mir sowas durchgesickert:-) Freu mich für Euch. Konnte aber leider nicht an diesem Tag. Für Norwegen hängt bei uns schon die große Karte zwecks Planung der Sommertour. Wird etwa mein 50ster Besuch sein.

  3. … das hat sich ja alles ganz schön gemausert an der Promenade in Oslo, whow… die Stadt steht seit Jahren der Abstinenz für den Sommer wieder auf meinem Programm. Und da freu ich mich jetzt gleich noch ein bisschen mehr drauf!
    Liebe Grüße
    Anke

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