Alle Artikel in: Rausgehen

Der Pilgerweg im Hamburger Stadtpark

Vor 2 Jahren, als der Hamburger Stadtpark 100 wurde, schenkten ihm die umliegenden Kirchengemeinden einen Pilgerweg. Das Geschenk ist in erster Linie ideeller Natur, denn es wurden weder extra Wege angelegt noch die vorhandenen ausgeschildert. Materiell ist lediglich das kleine Begleitheft.     Die Broschüre liegt u.a. in den Kirchen rund um den Stadtpark aus und in der Hauptkirche St. Jacobi in der Innenstadt, denn das ist Hamburgs Pilgerkirche – mit Pilgerbüro, Pilgerkapelle und Pilgerpastor Bernd Lohse. (NDR-Zuschauer haben vielleicht schon mal was von ihm gesehen – er ist derjenige, der regelmäßig auf dem Olavsweg nach Trondheim pilgert und mit Franz Alt ein Buch übers Pilgern herausbrachte). Man bekommt das Heft auch an der 1. Station des Pilgerweges im Hamburger Stadtpark, der Trinkhalle, wo ich meine Pilgertour vorgestern begann und gleich wieder abbrach.     Der Pilgerweg führt über 22 Stationen auf 5,7 km rund um den Hamburger Stadtpark. Ist also mehr ein Pilgerwegchen, gerade richtig für zwischendurch. Einige Station sind im Winter nicht begehbar, andere nur zu gewissen (Öffnungs)-Zeiten und dann gibts es auch …

Hamburg

Pilgern in Hamburg (hier: für Anfänger)

Ich gehe so gern. Ich gehe mir den Kopf frei, denke ich manchmal. Doch immer wenn ich das Gehen ganz besonders nötig habe, nämlich in Phasen größten Arbeitsaufkommens, tue ich mich unheimlich schwer loszugehen.   Statt einfach loszugehen, führe ich ellenlange Dialoge mit mir selbst. Ob ich wirklich losgehen sollte, wann ich wirklich losgehen sollte und wohin ich losgehen sollte. Oder eben auch nicht.   Zur Zeit habe ich wieder so eine Phase am Wickel. 2 Monate hatte ich viel zu viel zu tun, aber nun wird es langsam entspannter. Noch 2 Wochen – dann ist das Drama vorbei. Ich könnte also den Fuß ein bisschen vom Gas nehmen. Und auch mal ein paar Stunden planlos durch die Gegend schlendern. Aber wie gesagt: Ich tue mich schwer. Wie ein Vogel, der zunächst im Käfig sitzenbleibt, wenn die Tür geöffnet wird.   Da traf es sich ganz gut, dass ich vor einigen Tagen von einem Pilgerweg erfuhr, der durch den Hamburger Stadtpark führt. Pilgerwege haben klare Bedingungen; eine bestimmte Länge, eine Wegführung, erfordern als keine große …

Peak District

Hey Duke: Chatsworth House im Peak District

Im Anflug auf Manchester erblickt man England in Gestalt des Peak District; einem Hochland-Gebiet, das aus der Luft einer kargen Mondlandschaft gleicht; von unten betrachtet aber so lieblich erscheint wie das Auenland. Kurz hinter den Toren von Manchester City liegt Englands ältester Nationalpark mit hügeligen Weiden und Feldern durchzogen von Steinmauern, Schafen, Schafen, Schafen, Flüssen und Bächen, Bilderbuchdörfern, stillen Wälder.     Auf den baumlosen Gipfeln des Peak District lag bei unserem Besuch am 1. Mai noch Schnee. Ich denke, das ist ungewöhnlich. Denn höher als 600 Meter sind die eigentlich nicht und bei unseren bisherigen Besuchen auf den Inseln haben wir „den Norden im Westen“ immer viel wärmer wahrgenommen als „den Norden im Norden“. Doch dieses Mal war´s wirklich genau so, wie man sich England vorstellt: extrem wechselhaft und sobald die Sonne verschwand richtig kalt.     Kälte und Regen allerdings können keinen englischen Spaziergänger dazu verleiten, eine Jacke zu tragen. Offenbar kleiden sich Engländer nicht nach Witterung sondern nach Datum. Zum Spring Bank Holiday also frühlingshaft wenig Stoff und unter Röcken auf gar …

Nordsee

5 Dinge, die man nur in Schleswig-Holstein machen kann

Mit Schleswig-Holstein ist es ähnlich wie mit den eigenen Vorzügen. Die hält man ja auch häufig für nichts weiter Besonderes. Zwar ganz nett, aber kann doch jeder, denkt man über seine Talente. Bis man sich mal fragt: Wer genau kann das eigentlich nicht, was ich kann?! Dann fallen einem x Leute ein (u.a. Leute, die man schätzt oder die man sogar bewundert), die ganz und gar nicht hinkriegen, was man selber spielend drauf hat. Und so hat auch Schleswig-Holstein Seiten, die man nirgendwo sonst findet. Nicht an der niedersächsischen Nordsee. Nicht an der Ostseeküste Mecklenburg-Vorpommerns. In anderen Bundesländern sowieso nicht. Beispielsweise:   1. Kein Land sehen. Nirgends.   Nichts als Horizont in jeder Richtung. Das gibt es nur auf Inseln. Und in Deutschland nur auf Helgoland; diesem kleinen, roten Klotz 40 km vor der Nordseeküste. Gerade mal einen Quadratkilometer groß  ist Deutschlands einzige Hochseeinsel – kleiner als der Hamburger Stadtpark. Das Freiheitsgefühl aber ist maximal. Besonders in den Abendstunden, wenn die Tagestouristen wieder weg sind. Dann steht man staunend im Oberland, 60 Meter über dem …

Steinburg

Sollte man öfter machen: Landpartie durch Steinburg

Ist man erst einmal über die Existenz des Kreises Steinburg informiert, fallen einem immer mehr Steinburger Sachen ein, die das Leben bereichern. Vor der Bloggerei glaubte ich, nordwestlich von Hamburg befände sich a) Pinneberg , b) nichts und c) die Autobahn durchs Nichts nach St. Peter Ording. Inzwischen bin ja schlauer. Und da liege ich nun im Kreis Steinburg. In der Stunde, in der die Vögel zu singen beginnen. Begleitet vom Wassergeplätscher vorm Fenster. Kühle Luft strömt ins Zimmer. Volko atmet kaum hörbar. Ich ziehe die Bettdecke zur Nase. Himmel, ist das herrlich.     Wir sind wieder in der Bokel-Mühle am See. Ein Familienfest dieses Mal. Ohne dies (ein Hoch auf die Jubilarin) wären wir garantiert nicht gekommen. Hätten uns die Zeit nicht genommen. Zu viel zu tun derzeit. Ärgerlich viel zu tun. Ich bin gestern abend direkt aus Magdeburg angereist. Mit dem Kopf noch halb beim Job. Volko brummte derselbe. Zu lange auf Zahlenkolonnen gestarrt. Beide gestresst. Und dann: der erste Atemzug Landluft. Willkommenskultur vom Feinsten.     Was habe ich auf der …

Sierksdorf

Scharbeutz oder die Strände Deines Lebens

An einem ziemlich kalten Sonntag Ende März stieß ich bei der Suche nach einer Webcam für Scharbeutz auf die Seite der Tourismus Agentur Lübecker Bucht. Die Agentur bewirbt nicht etwa die Lübecker Bucht sondern nur die Strände zwischen Neustadt und Scharbeutz – mit dem Slogan „der Strand Deines Lebens“. Ich fand das irgendwie witzig, weil mir spontan niemand unter 90 einfiel, der einen bestimmten Strand als „Strand seines Lebens“ bezeichnen würde. Ich kenne nur Menschen mit verschiedenen Stranderinnerungen; oft verteilt über die ganze Welt. Einer schöner als der andere. Jeder zu seiner Zeit. Andererseits war es vielleicht doch ganz gut getextet (catchy, wie der Werber sagt). Denn ich dachte von da an den ganzen Tag über Strände und das Leben nach. Und auch wenn Scharbeutz sicher nicht der Strand meines Lebens ist, gehört er doch zu meinem Leben dazu. Vielleicht lag mein Gegrübel aber auch gar nicht am Claim. Sondern an Maikes Blogbeitrag über den Strand ihrer Kindheit, der mich ein paar Tage zuvor inspiriert hatte, mal wieder nach Scharbeutz zu fahren.   Besuchst Du …

Hohwacht

Der Traum vom Haus in Hohwacht

Ein Freund von uns hat festes Quartier in Hohwacht bezogen. Seit vergangenen September pendelt er zwischen Hamburg und Meer; zwischen Alltag und Aufatmen mit Ansage. Ein Lebensstil, den sich ja sehr viele Leute vorstellen können, wenn man sich mal so umhört. Und auf den wir sehr gespannt waren, als wir unseren Freund neulich besuchten. An einem Tag mit Heldenwetter führte er uns von Hohwacht ins benachbarte Sehlendorf. (Die Bilder zeigen genau den Weg.)     Die Hohwachter Bucht zieht sich grob gesagt von Kiel nach Fehmarn. Besonders die namensgebende Gemeinde Hohwacht hat ihren angenehm verschlafenen Charme retten können. U.a. weil seit mehr als 60 Jahren die Regel gilt: Kein Haus darf die Baumkronen überragen. (Was für ein Unterschied zu Grömitz, wo wir an diesem Morgen aufgewacht waren.)     Erste Erkenntnis: Es macht einen Unterschied, ob man einen Strandspaziergang als Tagestourist auf einem Großparkplatz beginnt. Oder ob man sich im geschützten Garten eines Freundes trifft. Besonders wenn noch eine Freundin des Freundes vorbeischaut, um den Hamburgern Hallo zu sagen. Mit der man eine Weile über …

Goldener Ring

Reich. Reicher. Falkenstein. (Ein Spaziergang)

Falkenstein ist ein bewaldetes Gebiet in Blankenese und als Lebensmittelpunkt den Menschen vorbehalten, die nicht bloß wohlhabend oder vermögend sind – sondern weit darüber hinaus. Man könnte also sagen, Falkenstein ist das Blankenese von Blankenese. Nur nicht so überlaufen. Zumindest nicht vormittags unter der Woche. Da ist Falkenstein goldrichtig zum Spazieren. Der Klassiker führt knapp 7 km als Rundkurs über  Elbhöhen und Elbstrand. Man könnte natürlich auch weit darüber hinaus gehen. Hauptsache man geht. Bald. Um den vollen Blick auf den Fluß einerseits und die Parkanlagen andererseits zu genießen; so ganz ohne verdeckendens Blattwerk an den Bäumen.     Ein guter Startpunkt ist das ehemalige Landhaus Michaelsen. Die Bauhaus-Schönheit von 1923 beherbergt das Puppenmuseum und den Kunstraum Falkenstein. Als eines der wenigen öffentlich zugänglichen Anwesen ist es der perfekte Ort um mal zu spüren, wie das Leben als Superreicher wohl so wäre. Das reine Vergnügen, nehme ich an. Ein Spaziergang geradezu. Dieses Leben, ein Spaziergang     Aber das ist natürlich oberflächlich. Zwar, ja, ja, hat man vom Puppenmuseum den tollsten Hamburger Elbblick überhaupt. Doch …

Eckernfoerde

Die geschenkte Zeit, Teil 1: am Strand von Eckernförde

Eckernförde gehört zu den Orten, an denen ich regelmäßig vorbeifahre. Oft denke ich kurz darüber nach anzuhalten. Jedes Mal verschiebe ich es auf´s nächste Mal. Immer habe ich etwas vor, wenn ich an Eckernförde vorbeifahre. Immer bin ich auf dem Sprung. Immer habe ich das Gefühl,  gerade heute keine Zeit zu haben, um in Eckernförde eine Pause einzulegen. Nicht mal ne halbe Stunde? Seit Jahrzehnten? Dachte ich neulich. Und hielt an. Im selben Moment konnte ich nicht fassen, dass ich es noch nie zuvor getan hatte.     Nähert man sich Eckernförde von Kiel aus, wird man ungefähr beim Ortseingangsschild mit dem ersten Ostseeblick belohnt. Schon als Kind habe ich mich weit vor Eckernförde auf den Moment gefreut. Denn der erste Blick aufs Meer gehört für mich zu den besten Dingen überhaupt im Leben.     Wie kommt es nur, dass man die besten Dinge des Lebens nicht immer so behandelt? Selbst wenn man im Allgemeinen ganz gut auf seine Bedürfnisse Acht gibt, ertappt man sich doch immer wieder dabei, die eigenen Wünsche einer Verpflichtung …

Norddeutschland im Maerz

Und der Frühling so: Über-rasch-ung!

Irgendwann, wenn´s gut läuft im März, kommt dieser ganz besonders wunderbare Tag. Der Tag, an dem man zum ersten Mal ohne Jacke am Strand spazieren geht. Bei mir war es vergangenen Donnerstag soweit. Ich war in Schwansen unterwegs, der Landschaft zwischen Eckernförde und Kappeln. Zur Landseite grenzt sie sich durch die Schlei ab, so dass man von einer Halbinsel sprechen kann. Der Bezeichnung Schwansen leitet sich ab vom Schwansener See ; dänisch Svansø; also Schwanensee – und das passt viel besser zu dieser kleinen Schönheit. Nachdem ich erledigt hatte, was ich zu erledigen hatte, wollte ich unbedingt an den Strand. Das war aber auch ein Wetter! Und so bog ich nach Booknis ein; wo ich noch nie zuvor gewesen war. Ganz typisch für die Gegend musste ich das Auto ein paar Hundertmeter vom Strand entfernt abstellen. Was für ein Glück! Denn Strandwege sind ja was Großartiges.     Der Frühling in Norddeutschland ist alles andere als ein sanfter, grüner Schleier, der allmählich das Herz erwärmt. Der Frühling in Norddeutschland kommt plötzlich, unerwartet, ruckartig. Er springt …