Alle Artikel in: Nordsee

Orte, die man in- und auswendig kennt.

Gestern war alles wie immer, wenn wir nach Sylt fahren. Sogar unsere Dialoge haben sich mit den Jahren ritualisiert. Zum Beispiel gehe ich Volko regelmäßig ab der dänischen Grenze auf die Nerven. Weil ich minütlich in Frage stelle, dass wir die Fähre auf Rømø noch erwischen. Wir bekommen die Fähre jedes Mal. Ich atmete jedes Mal auf. Und Volko erst Recht. Jetzt beginnt der Urlaub, von dem wir im Voraus schon wissen, wie er ablaufen wird.

Auswandererhaus Bremerhaven

Das Auswandererhaus Bremerhaven

Huch. Jetzt ist es aber sehr plötzlich herbstlich und kalt geworden. Ein guter Zeitpunkt, um noch mal auf Bremerhaven zurückzukommen. Irgendwas muss man ja unternehmen in den Schmuddelwetter-Wochen. Da empfehlen sich die Havenwelten mit dem Auswandererhaus einmal mehr.   Vorweg: Ich habe oft genug Schwierigkeiten mit sogenannten „Erlebnis-Museen“. Der Grad zwischem krawalligen Klamauk und bedauernswertem Kitsch scheint mir schmal. Vor beidem braucht man sich im Auswandererhaus Bremerhaven aber nicht zu fürchten. Nicht umsonst trägt es die Auszeichnungen „European Museum of the year“ und „The best in Hertiage“.     An rekonstruierten Originalschauplätzen spürt der Besucher drei Jahrhunderten Auswanderungsgeschichte nach. Die Inszenierung ist bis ins letzte Detail liebevoll. Auf dem Dampfer „Lahn“ beispielsweise  vibriert der Boden und man spürt dieses leichte Stampfen, als sei man wirklich auf einem Schiff.     In der Galerie der 7 Millionen finden sich die Geschichten der Auswanderer. Von manchen sind nur die biographischen Daten bekannt. Von anderen erfährt man viele persönliche Hintergründe. Wie es allgemein zu den Massenauswanderungswellen nach USA, Australien, Argentinien und Brasilien kam, erfährt man an den Hörstationen, die ziemlich gemütlich sind. Der Blick bleibt dabei stets auf den Neuen Hafen gerichtet, einem der …

Bremerhaven

Was willst Du denn in Bremerhaven?

Ich schrieb an anderer Stelle ja schon mal von norddeutschen Orten, die ihren Ruf weg haben. Bremerhaven gehörte für mich bis vor kurzem dazu. Ich wollte schon immer mal hin, weil ich mir die Stadt rau und kühl und etwas abgewirtschaftet vorstellte. Ich mag so was. Und tatsächlich stelle ich bei Anreisefest: Bremerhaven entspricht eben diesen Vorstellungen. Doch (und so ist es im Leben ja eigentlich immer) nur zum Teil. Daneben ist Bremerhaven nämlich auch ganz anders als gedacht. Das neue Herz der Stadt schlägt in den Havenwelten, einem Quartier, das sich ganz dem maritimen Tourismus verschrieben hat. Und ich, die weder Städtetrips noch Touristen-Hot-Spots besonders viel abgewinnen kann, fühle mich in Fishtown vom ersten Moment an: wohl. Der Tag ist wie ein Gedicht von Theodor Storm. Es ist nicht kalt, nicht windig, aber ganz eindeutig Herbst. Es nieselt sogar ein bisschen. Und die Weser tut, als sei sie die Nordsee. Alles in allem: Bestes Sightseeing-Wetter. Einen guten Überblick  über die Havenwelten verschafft sich man auf der Aussichtsplattform des Dubai-artigen Hotels Atlantic Sail City. Herrlich, kann ich nur sagen. Für 3 …

Strandkorb

Spätschwimmen in St. Peter-Ording (Ortsteil Bad)

Aktuell ist ordentlich was los im Norden. Alle, alle, alle Bundesländer haben jetzt Sommerferien. Und mit Abstand am liebsten urlauben die Deutschen noch immer in Deutschland. Dabei am allerallerliebsten am Meer. Wer in den kommenden Wochen ein wenig Stille zwischen Nord- und Ostsee sucht, muss sich also antizyklisch bewegen. Sich etwa bei Sonnenschein ins Landesinnere zurückziehen oder gerade bei Wind & Wolken-Wetter an den Strand gehen. Richtig prima ist es im August morgens an der Ostsee, bevor die Hamburger einfallen. Oder abends an der Nordsee, wenn die Hamburger ihre Sachen wieder einpacken. Ein Spitzenplatz dafür: St. Peter-Ording (Ortsteil Bad) ab ungefähr 17.00 Uhr.     Was uns wundert: Während man anderorts an der Nordsee, z.B. auf Sylt oder in Dänemark, den Sonnenuntergang regelrecht zelebriert, wird es in St. Peter-Ording (Bad) gegen 18.00 Uhr unheimlich leer am Strand. Dabei scheint die Sonne noch warm genug, dass es sich wie nachmittags anfühlt. Man zahlt keinen Eintritt mehr und (anders als an der Ostsee) werden die Strandkörbe auch nicht abgeschlossen. Also, man hat alles für sich und umsonst.     Nirgends sind die Tage länger als an der …

MS Europa

Radtour am Nord-Ostsee-Kanal – Zusammenfassung

Hab ich nicht gewusst: International heißt der ehemalige Kaiser-Wilhelm-Kanal gar nicht Nord-Ostsee-Kanal sondern Kiel-Canal. Um vom 0-Punkt in Brunsbüttel bis zu KM 98,637  in Holtenau zu gelangen, benötigt ein durchschnittlich geübter Radfahrer gerade mal einen Tag. Wir haben uns 3 Tage Zeit gelassen; unserem persönlichen Eindruck nach war das genau richtig.

Steine im Wasser

Am langen, ruhigen Fluss: NOK Expressroute

Schleswig-Holstein meerumschlungen! In der 4. Klasse beantwortete meine Mitschülerin Iris B. die Frage, von welchen Meere das Land denn umschlungen sei, mit: „Westsee und Ostsee“.  Das war clever. Und für mich der entscheidende Tipp, mit dem ich mir endlich die Himmelsrichtungen merken konnte. Schon immer träumten die Schleswig-Holsteiner davon, ihre zwei Meere miteinander zu verbinden. Damit man nicht ganz außenrum segeln muss. 800 km kann man sich sparen, seit die Kaiser Wilhelms I und II einen knapp 100 km langen Kanal von Brunsbüttel an der Westsee bis Kiel an der Ostsee bauen ließen. Und den wollen wir jetzt mit dem Rad abfahren. Die offizielle Route macht Schlenker über Dörfer und summiert sich so zu 325 Kilomter. Wir wollen aber immer dicht am Wasser bleiben, so wie wir schon bei der Anreise auf dem Elberadeweg nach Brunsbüttel immer dicht am Wasser blieben. Jetzt geht es auf die alte NOK Expressroute.   NOK Expressroute: Los gehts in Brunsbüttel   Auf Anordnung Wilhelms II durfte für die Fähren keine Gebühr erhoben werden. Das ist bis heute so geblieben. Wir nehmen gleich die erste bei KM …

Elberadweg

Life´s a beach: Radtour von Glückstadt nach Brunsbüttel

Dass wir eine Radtour von Glückstadt nach Brunsbüttel unternahmen, hatte nur damit zu tun, dass Brunsbüttel eine dieser abgehängten Städte ist, die nicht ans Netz der Bahn angeschlossen sind. Aber dort beginnt nun mal der Nord-Ostsee-Kanal, den wir mit dem Fahrrad nach Kiel begleiten wollen. Also steigen wir  31 km südlich von Brunsbüttel aus dem Zug. Und es ist nicht nur reiner Zufall, dass wir so den Elberadweg kennenlernen. Sondern auch ein Glücksfall: die Strecke Glückstadt – Brunsbüttel bringt nämlich richtig Spaß. In 30 Minuten und für 13 Euro bringt die Deutsche Bundesbahn Radfahrer inkl. Rad von einem der hässlichsten Bahnhöfe (Altona) zu einem der niedlichsten: Glückstadt. Niedlich ist ein Wort, das Volko selten in den Mund nimmt.  In Glückstadt kann man aber nicht anders. Dabei hatte der dänische König Christian IV gar nichts Niedliches im Sinn, als er 1617 den ersten Grundstein mit großen Worten legen ließ: Dat schall glücken, und dat mut glücken. Und denn schall se ok Glückstadt heten.   Was nach Christians Willen glücken sollte: Hamburg den Handelsrang ablaufen. Die Pläne scheinen angesichts des Glückstädter Hafens extrem ambitioniert. Trotzdem: die königliche …

Fahrkarte

Du weißt, Du solltest nach Helgoland, wenn…

Helgoland ist das Piratenschätzchen unter den deutschen Inseln. Noch passt sich der kleine, rote Klotz in der Hochsee dem Zeitgeist nicht an. Windzersaust und sturmerprobt präsentiert er sich im Wirtschaftswunder-Look. Das mag nicht jedem gefallen. Aber das ist ja gerade das Gute. Folgende Personengruppen werden auf Helgoland ganz bestimmt auf ihre Kosten kommen:   Robbenliebhaber & Vogelfreunde   Es gibt wohl keinen zweiten Ort in Deutschland, wo man freilebenden Robben so nah kommen kann, wie auf der Helgoländer Düne. Wer Heuler liebt, sollte zwischen November und Januar nach Helgoland reisen, wenn die Kegelrobben ihre Jungen zur Welt bringen.     Grandios ist das Gekreische  am Lummenfelsen, gleich bei der Langen Anna. In Deutschlands kleinstem Naturschutzgebiet nisten rund 10.000 Seevögel wie Dreizehenmöwen, Basstölpel und Trottellummen. Von Mitte bis Ende Juni kann man den Lummensprung beobachten. Angefeuert von ihren Eltern wagen die Jungen den freien Fall von den 40 m hohen Felswänden.     Wer (wie ich) beim Robben- und Vogel-Watching denkt: „Hier riechts ja wie im Zoo“, hat definitiv zu wenig wilde Tiere in seinem Leben gesehen. Raucher, Trinker, Schnäppchenjäger & Piloten   Ho Ho Ho und ne …