Alle Artikel in: Nordische Nachbarn

An Englishman In St. Annes

Unsere letzten Stunden in Nordengland verbrachten wir in Lytham St. Annes, einem altmodischen Seebad in Lancashire. Als wir aus dem Auto stiegen, steuerte ein älterer Herr auf mich zu. Er war wie aus dem Ei gepellt. Einer von der Sorte, bei der man denkt, er habe sich ausnahmsweise fein gemacht. Vielleicht Landwirt, dachte ich. Weil er so aussah, als gehöre er zum Ensemble von „Der Doktor und das liebe Vieh“. Ob ich ihm behilflich sein könne, fragte er und zeigte zum Parkautomaten. „Ich bekomme es leider nicht hin. Ich habe so etwas nämlich noch nie bedient.“     Ich murmelte etwas von „complete stranger myself“ und hoffte inständig, dass das Ding bei mir funktionieren würde. Ich wollte diesen Herren, der noch nie in seinem Leben ein Parkticket gezogen hatte, auf gar keinen Fall enttäuschen. Er reichte mir die abgezählten Münzen. Seine Hände waren nicht die Hände eines Schreibtisch-Mannes. Das Ticket zu ziehen, bekam ich tiptop geregelt. Es war ein ganz normaler Parkautomat. Als er mich dafür überschwänglich lobte und mich „my love“ nannte und sagte, …

Blackpool Tower

Knallt mitten ins Herz: Blackpool

Mit Orten ist es wie mit Menschen: Man verliebt sich nicht zwangsläufig in die Schönsten. Manchmal sorgen gerade die Schrammen, Knicke und Unzulänglichkeiten dafür, dass man sein Herz verliert. So ist es uns mit Blackpool gegangen.     Blackpool ist die alte Lady unter den englischen Seebädern. Ihr Make-up mag fleckig geworden sein mit den Jahren und ihr Ruf zweifelhaft. Doch ihrem Charme kann man sich nicht entziehen.     Die Küstenstadt an der Irischen See gilt als Wiege des Massentourismus. Mit Beginn der Industrialisierung kamen Arbeiter aus den umliegenden Textilfabriken in Scharen.     Über Meilen und Meilen reihen sich die Amüsierbetriebe entlang der Promenande  aneinander. Doch die Arbeiterklasse urlaubt längst (all inclusive) in Südeuropa.     Der Blackpool Tower ist 158 Meter hoch. Bei seiner Einweihung im Jahr 1894 war er das höchste Bauwerk Englands. Der Boden der größten Aussichtsplattform besteht aus Glas. So kann man 116 Meter in die Tiefe schauen. In der gewaltigen Stahlfachwerkkonstruktion befinden sich  mehrere (wunderschön alte) Ballsäale, ein Kino, ein Aquarium und ein Circus.     Ein viktorianischer …

Wast Water Beitragsbild

Nordengland: Was für Helden

Tag 4 im Lake District. Und leider auch schon unser letzter. Wie an den Tagen zuvor, schauen wir am Morgen kurz auf die Karte, um in etwa den Weg abzustecken. Eigentlich ist es egal, wohin man sich treiben läßt. In den Lakes ist es überall traumhaft schön. Und schöner als gestern kann es ja  sowieso nicht werden. Allerdings haben wir das gestern auch schon gedacht. Und vorgestern. Und vorvorgesten. Und man will ja wenigstens Dopplungen vermeiden, wenn man schon nicht alles Sehenswerte sehen kann. Unser erstes Ziel ist heute Grasmere, wo der Superheld unter den Lake-Poets begraben liegt – William Wordsworth.   Der mit den Narzissen tanzt   Wordsworth gilt zusammen mit Coleridge als Begründer der englischen Romantikbewegung. Sein Gedicht über die Narzissen (engl.: Duffodils) am Ullswater kennt quasi jedes englische Kind. I wandered lonely as a cloud That floats on high o´er vales and hill When all at once I saw a crowd, A host, of golden daffodils; Beside the lake, beneath the trees, Fluttering and dancing in the breeze.   Das beinahe runde …

Im Herzen des Lake Districts

Etwa in der Mitte des Lake Districts schimmert der Derwent Water wie ein Osternest im Frühlingsgarten. Mit seinen Inseln, bewaldeten Uferhängen und Wasserfällen ist er für mich der schönste See im Nationalpark. Man kann ihn umfahren, umwandern oder mit dem Boot entdecken. Man kann sich auch in direkter Nähe einmieten – für größeres oder kleineres Geld – oder einfach nur still an seinem Ufer sitzen. Hauptsache man nimmt sich Zeit für den Derwent Water und das gesamte Borrowdale.     Tag 3 im Lake District   An einem Sonntag im März machen wir uns relativ früh auf, um den Derwent Water aus der Vogelperspektive zu betrachten. Die Wanderung auf den Mini-Mountain Catbells ist ein echter Klassiker. Reiseliterat Alfred Wainwright beschrieb Catbell in seinem siebenbändigen Standardwerk Pictorial Guide to the Lakeland Fells als … one of the great favourites, a family fell where grandmothers and infants can climb the hills together. A place beloved.   Im Frühtau zu Catbells   Folgt man Wainwrights Beschreibung besteigt man den Catbells von Skelgill aus. Wer mit dem dem Auto …

Early Birds & St. Bees

Tag 2 im Lake District: Der erste Morgen an einem fremden Ort, gehört für mich zu den schönsten Momenten auf Reisen. Kein vernünftiger Mensch springt so früh aus dem Bett wie ich. Darum kann ich das Neue meist ganz ungestört auf mich wirken lassen. In Bassenwaithe sieht vorm Fenster schon mal alles recht vielversprechend aus. Nix wie raus also in die Frühlingsfrische.

Abendstimmung

Ich glaube, hier wurde der Frühling erfunden: Englands Lake District

Nachdem wir ein ganzes Jahr in der Naehe blieben, hielten Volko und ich es beide für wahnsinnig originell, einander zum Geburtstag Reisen in die Ferne zu schenken. So was wird natürlich im Verborgenen geplant, was u.a. zur Folge hat, dass man die Termine nicht abspricht. So reisen wir drei Wochen nach unserem Schweden-Trip schon wieder „weiter weg“. Dieses Mal geht es von Hamburg aus gesehen nur einen Tick weiter nördlich; dafür aber sehr viel weiter westlich – nach Nordengland.

Mir egal, wenn die streiken (zumindest am Flughafen Kopenhagen Kastrup)

Dürfte ich einen Flughafen wählen, an dem mein Flug storniert, verschoben oder gestrichen wird, würde ich Kopenhagen Kastrup nehmen. Nicht weil es dort irgendwie unterhalsamer wäre als anderswo – sondern weil er so nett gelegen ist. Auf einer Insel im Øresund. Und da Skandinaviens größter Flughafen schön klein ist, kann man ruckzuck mal rüber zum Strand laufen.  

Malmoe

Malmö passt ins Handgepäck

Würde mir ein Hamburger erzählen, dass er übers Wochenende nach Rügen fliegt, würde ich ihn für seltsam halten. Dass wir übers Wochenende nach Malmö flogen, fand ich hingegen ganz normal. Dabei – und das war mir vorher gar nicht klar – sind Rügen und Malmö etwa gleich weit von Hamburg entfernt.  Aber Malmö ist immerhin Ausland. Und Schweden klingt nicht nur weit weg. Es fühlt sich auch weit weg an. (Allerdings ist man ziemlich schnell da – weil es eben nicht weit weg ist).