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Hvide Sande

Holmsland Klit, Hvide Sande und das Gegenteil von Hygge

Als vor einigen Jahren Hygge schwer in Mode kam, war ich schwer erstaunt, dies dänischste aller Gefühle zum übergroßen Teil auf instagramtaugliche Konsumgüter reduziert zu sehen. Denn mein Bild von Dänemark hat sich aus unzähligen Glücksmomenten an der Westküste Jütlands zusammengesetzt. Und da gab´s zwar immer Hygge – aber bis heute kann ich da nicht besonders viele Dinge entdecken, die der Hygge-Karrikatur mancher Magazine entsprechen.

Hafen List

12 ganz gute Ideen: in der Nähe bleiben 2017/ 2018

Seit wir in der Nähe bleiben, werden unsere Möglichkeiten seltsamerweise nie weniger sondern immer mehr. Das kann ich nach knapp 4 Jahren und genau 300 Blogbeiträgen wohl so sagen. Noch finden sich jede Menge weißer Flecken auf unserer Norddeutschland-Karte. Aber ich habe 2017 durchaus einiges kennen- oder überhaupt gelernt, woraus ich in 2018 meine Lehren ziehen möchte. Stichwort: Persönliches Wachstum usw. Die Rückschau kombiniert dieses Mal unsere Vorschau und 12 gute Vorsätze. Die funktionieren m.E. übrigens nicht nur im Norden  – sondern auch im Süden, Westen oder Osten. Natur ist ja überall super; und die Klammer lautet: Man muss raus. Mehr. Öfter. Länger. (Wenn man der Typ dafür ist.)   1) Entdecke eine Insel   Mein Januarziel lag 268 KM und eine ganze Tagesreise von Hamburg entfernt. Inseln sind eben schwer erreichbar. Man muss sie sich eroben. So auch Borkum. Der westlichste Punkt des Landes überraschte mich mit endlosen Stränden und superschöner Bäderarchitektur. So wunderbar hatte ich mir Borkum ehrlich gesagt gar nicht vorgestellt. Und so ist mir das bisher mit jeder Insel gegangen.   …

Henne Strand

Dänemark, die Queen und ich: Henne Strand im Winter

Und nur einmal angenommen, ich hätte alles Geld der Welt, ich könnte in Palästen leben und die ganze Welt läge mir zu Füßen… dann wäre es noch immer mein königlichstes Vergnügen morgens zum Brötchenholen von Houstrup nach Henne Strand zu laufen. Denn es macht mich eben wenig so glücklich wie ein Sonnenaufgang am Meer und Füchse, Rehe und Pferde, die durch Dünen ziehen.

Staatsoper

Elphis schöne Schwester: die Hamburgische Staatsoper im Advent

Als ich gestern zur Blauen Stunde quer durch Planten un Blomen Richtung Hamburgische Staatsoper stiefelte, kreuzten zwei Ratten meinen Weg. Ich bin keine Expertin, was das betrifft, doch ich nahm an, es wären Wasserratten. Wie sie sich da nämlich direkt vor meinen Füßen in das Bassin gleiten ließen, sah es ganz so aus, als würden sie zum reinen Vergnügen auf die weite Fläche hinauspaddeln. Die Lichter der Schlittschuhbahn spiegelten sich auf dem Wasser wie bunte Monde. Der Schneeregen fiel dicht. Und ich kann jeden verstehen, der die Vorstellung nicht besonders romantisch findet. Aber ich … ja … ich fühlte mich ungeheuer „zuhause“. Etwas, das ich immer dann besonders genieße, wenn ich es eine Weile nicht hatte.     Ich mag meine Stadt. Auch wenn in Hamburg – das habe ich mal gelesen –  mehr Ratten leben als Menschen. Bei uns gelten sie als eklige Schädlinge, aber in Indien und China stehen Ratten für Kreativität und Ehrlichkeit. Zwei Eigenschaften, die recht gut zum Hafen passen – genau wie Offenheit und Toleranz. Die Bandbreite akzeptierter Lebensformen zieht …

Blackpool

Kleine Pause – mit Blick aufs Meer

Hätte ich mal das Angebot von Vogts Vermittlungsagentur angenommen. Noch im Sommer schlug mir die Agentur regelmäßig eine nicht näher bezeichnete Tätigkeit zu besten Konditionen vor. Die Bezahlung beträgt durchschnittlich 3600 € im Monat bei ca 4 Stunden Arbeit in der Woche, hieß es. Und weiter: Der Mitarbeiter hat keine eigenen Ausgaben und muss keine speziellen Fähigkeiten mitbringen. Das hätte eigentlich ganz gut gepasst. Und dann hätte ich mich jetzt ganz entspannt zurücklehnen können – optimaler Weise mit Blick aufs Meer. Aber im Sommer mache ich mir schon aus Prinzip ungern praktische Gedanken. Und als ich endlich soweit war, den Job in Erwägung zu ziehen, hatte ihn mir offenbar jemand Flinkeres vor der Nase weggeschnappt. Jedenfalls höre ich nichts mehr von Vogts Vermittlungsagentur.                                                   Was ich eigentlich sagen wollte: Uns hat mal wieder der Jahresendstress erwischt. Das bleibt ja nicht aus. Wie immer sind alle (Kunden, Dienstleister, Heizungsableser, wir) scharf drauf, …

St. Peter Ording

Kurtaxe in SPO oder: Was ein Sonnenuntergang kostet

Es ist Ende Oktober, kurz vor fünf und der Herr da im Kassenhäuschen an der Promenade von St. Peter-Ording Bad will mir doch tatsächlich 2 Euro Kurtaxe abknöpfen. Für eine Tageskarte. Ich bin schon an einem Sommervormittag irritiert, wenn ich Eintritt in die Natur zahlen soll. An einem Herbstabend verstimmt es mich geradezu.

Badestelle Vollerwiek

Badestelle Vollerwiek und was für den November in Norddeutschland spricht

Der November in Norddeutschland ist besser als sein Ruf, dachte ich neulich, als wir jenseits des Eidersperrwerks die erste Abzweigung nahmen, um eine neue Badestelle zu entdecken. Allein dass wir – trotz Himmelsblau und Windstille und ganz kurz von St. Peter Ording – einen Umweg ins Unbekannte wagten, war schon mal bemerkenswert.     Im Sommer bin ich immer unruhig. Ich will so schnell wie möglich zum besten Strandkorb am besten Strand. Und ich checke während der Anfahrt permanent den Horizont, aus lauter Panik dort könnte eine Wolke auftauchen. Doch dafür gibt es ab sofort gar keinen Grund mehr. Mit dem November kommt die Ruhe. Sie nahm uns sofort gefangen, als wir in Vollerwiek den Deich erreichten.     Der schlechte Ruf unterscheidet den November vom März. Dabei ist der März unwirtlicher als der November. Vermutlich wirkt im Frühling das Prinzip Hoffnung. Auch bin ich ja nicht die Einzige, die uralte Vorurteile verinnerlicht hat. Die Vorstellungen gleichen kindlichen Bastelkalendern. Da wird der März mit hellen Farben, evtl. ersten, bunten Blüten visualisiert, in manchen Jahren auch …

Strandhotel

Ich hatte einen Balkon vor den Ochseninseln: Glücksburg im Herbst

Wir erreichten Glücksburg zeitgleich mit einem Wolkenbruch. Auf dem Förde-Boulevard hasteten die Leute zum nächsten Unterstand und im Strandhotel empfing uns gedämpftes Stimmengewirr. Männer in Anzügen schlängelten sich an Damen in Gummistiefeln vorbei. Hunde schüttelten sich den Regen aus dem Fell. Lobby und Restaurant waren bis auf den letzten Platz besetzt. Es dauerte eine Weile, bis wir unsere Schlüsselkarte erhielten und mit dem Fahrstuhl in die Stille des 3. OGs entschwebten. Auf dem Boden neben unserer Zimmertür lagen zwei zusammengeknüllte Faschingskostüme. Die Tür stand halboffen. Drinnen wurde noch allerletzte Hand angelegt. Als die Dame vom Housekeeping uns bemerkte, rief sie „ach, herrjeh“ und bat dann überschwänglich – jedoch nicht servil – um Entschuldigung. Das Hotel sei zwei Tage komplett von einer Hochzeitgesellschaft belegt gewesen. „Sie können sich gar nicht vorstellen, was hier alles los war.“     Und ich dachte: „das können Sie zweimal sagen.“ Denn wer kann sich schon vorstellen, was in diesem Haus alles los war, seit 1872 eine Gruppe von 80 Aktionären ein Curhaus mit 6 Gästezimmern am Strand von Sandwig errichten …

Langballigau

Wanderung von Unewatt durch das Tal der Langballigau

Es ist eine Weile her, dass ich auf Martinas Blog Elbkind on Tour erfuhr, eine Wanderung durch das Tal der Langballigau nach Unewatt gehöre zum Pflichtprogramm an der Flensburger Förde. Logischerweise landete das auf meiner ewigen „unbedingt-mal-machen-Liste“. Vor zwei Wochen haben wir die Wanderung nun endlich unternommen. Es war dieser extrem verrückte Tag der Deutschen Einheit, als sich Wolkenbrüche und strahlender Himmel im Minutentakt ablösten. Das traf sich bestens. Denn bei solchem Wetter sind nicht viele Leute unterwegs. Da wir – anders als Martina und Thue – nicht von der Seeseite anreisten, sondern von der Autobahn kamen, gingen wir das Ganze umgekehrt an; starteten also in Unewatt.   Landschaftsmuseum Angeln/ Unewatt   Direkt an der Nordstraße zwischen Kappeln und Flensburg liegt das Landschaftsmuseum Unewatt. Mich hat es ehrlich gesagt nie so irre interessiert – bis ich mal da war, um im Dorfgasthof über die Maßen lecker zu speisen. Seitdem gehört Unewatt zu meinen Lieblingsplätzen in Angeln. Aber nicht wegen des Restaurants.     Das Besondere: Unewatt ist kein reines Museum; hier wird auch ganz normal gelebt. …

Meeresrauschen

Meeresrauschen – vom Glück, am Wasser zu sein

Normalerweise freue ich mich über Jobs ins Berlin (wer tut das nicht). Doch in den vergangenen Tagen fiel es mir schwer, die Hauptstadt zu schätzen. Vielleicht sehnte ich mich beinahe so nach Meeresrauschen wie der Nordsee-Maler Emil Nolde, als er 1902 in Berlin schrieb:   Lass mich fliehen, fort von hier, weit fort! Mich sehnt nach der Natur reinem Leben. Nach Sonnenschein, nach dem Westwind, der die Wellen gegen das Land peitscht. Gewitterwolken. Ich will, dass die Gischt mir ins Gesicht fegt und durchnässte Kleidung will ich haben.   Um mein Sehnen zu erklären, muss ich etwas weiter ausholen. Es erscheint mir im Grunde noch immer irreal, aber vor Monaten und Monaten geschah wirklich dies: im indernaehebleiben-Postfach poppte die freundliche Anfrage einer Redakteurin des DuMont-Reiseverlags auf. Ob wir uns vorstellen könnten, einige Geschichten für einen Bildband über das Meer beizusteuern?! Ich hätte nie für möglich gehalten, dass Redakteurinnen von Reiseverlagen im Netz nach Autoren Ausschau halten. Ich dachte vielmehr, ihr halber Arbeitstag bestünde darin, unaufgefordert eingesandte Manuskripte mit einem höflichen Absageschreiben zurück an die Absender …