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XLII. Sierksdorf: nah am Wasser gebaut

Sierksdorf

Als der Maler Karl Schmitt-Rotluff 1972 nach zwanzig Sommern zum letzten Mal nach Sierksdorf reiste, öffnete das 18-stöckige Appartment-Hotel Panoramic auf der grünen Wiese. In seinem Windschatten wurde ein »Ferienpark« mit 4.000 Betten hochgezogen, gleich daneben der Freizeitpark Legoland geplant. Er ging im folgenden Sommer an den Start. Und wäre Schmitt-Rotluff noch einmal gekommen, er hätte Sierksdorf nicht wieder erkannt.

Das ging vielen Schleswig-Holstein:innen so, als Anfang der 1970er Jahre sogenannte Betonburgen in den Himmel wuchsen. 6.000 Betten in Heiligenhafen. 4.000 in der Probstei. 7.000 in Schwansen. Usw. Usw. Die gesamte Ostseeküste entlang. Innerhalb weniger Jahre veränderte sie sich so drastisch, dass Einheimische kaum mitkamen.

Die einen befürchteten, Spekulaten würden sich auf Kosten von Allgemeinheit und Natur die Taschen vollmachen (was genau so auch eintraf). Die anderen hielten die Ferienparks für wirtschaftlich nicht tragfähig (was ebensfalls so eintraf). Die Dritten argumentierten mit Modernisierungsdruck der touristischen Infrarstruktur (was nun auch nicht von der Hand zu weisen war).

Sierksdorfs damaliger Bürgermeister Geberbauer begründete die Sache pragmatisch: »Die Leute wollten nicht länger über die Stange kacken.« Sagte er in einem Interview mit dem Spiegel.

 

Hochhäuser Sierksdorf

 

Heute gibt es kaum mehr einen Ostseestrand, von dem aus man nicht zumindest in der Ferne einen »Ferienpark« in die Höhe ragen sieht. Die alten Hochhäuser im Stil des Brutalismus gehören zu Schleswig-Holstein dazu. Und sind in anderer Hinsicht Fremdkörper geblieben.

Manche Einheimische konnten sich nie an ihre Existenz gewöhnen und meiden sie strikt. Andere nutzen immerhin die Sportstätten, die fast alle Ferienparks zu bieten haben. Einige Ferienparks haben sich neu erfunden und/ oder sind zu wichtigen Arbeitgebenden geworden. Es gibt auch Ferienparks, deren Eigentümergemeinschaften heute ihrerseits klagen, wenn ein weiterer Investor den Meerblick verbaut.

Aus der Nähe betrachtet haben alle Ferienparks etwas seltsam Unbelebtes gemeinsam. Handel und Gastronomie sind in der Regel nur spärlich gestreut. Und oft fragt man sich, wo die Menschen eigentlich sind, die dort wohnen oder Urlaub machen. Kein Vergleich zu dem Trubel in sanfter gewachsenen Orten.

Es ist in Sierksdorf zwar nicht garantiert, aber auch nicht unmöglich, an einem warmen Julitag der einzige Gast der einzigen Beachbar vor Ort zu sein.

 

(192) Stippvisite: Strandspaziergang

SierksdorfDie besten Abschnitte am Sierksdorfer Strand sind mit dem Auto nicht zu erreichen und daher deutlich leerer als alle anderen Strände zwischen Niendorf und Haffkrug. Beschützt von der Steilküste und mit Sandbänken beschenkt zieht sich der Strand in Säbelzahnoptik ca. 1,5 km bis zur kurzen Promenade des Ferienparks.

(193) Ausflugstag: Kunst-Weg

Sierksdorf

Nicht nur Schmidt-Rottluff fand in Sierksdorf Inspiration. Der audiovisuelle Kunst-Weg „Farbraum“ führt über 7 km zu den (leicht verblichenen) Motiven Sierksdorfer Kunstschaffender. Ausgangspunkt ist die Karl-Schmidt-Rottluff-Allee, die kaum verändert schwärmerische Seelen zum Klingen bringt.

(194) Kurzurlaub: Steilküstenwanderung

SierksdorfAm Ende der Sierksdorfer Promenade führt ein Steilküstenpfad nach Neustadt. Wer die gesamten 55 km der Lübecker Bucht von Travemünde aus abwandert, hat nun in etwa die Hälfte geschafft und wechselt in eine andere Atmosphäre. Jetzt nehmen touristische Annehmlichkeiten deutlich ab, einsamere Wegabschnitte deutlich zu.

 

Dies ist ein Beitrag der Serie »Schleswig-Holstein rund«, die dicht an der Waterkant rund um das nördlichste Bundesland führt. Aktuell geht es um die Lübecker Bucht. Im vorherigen Beitrag war Haffkrug das Thema. Der nächste führt nach Neustadt (in Holstein). 

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