Alle Artikel in: Wandern

Wales Coast Path

Wales Coast Path: Wandern mit Meerblick (Abschnitt 1)

Der Fernwanderweg Wales Coast Path bleibt 1.400 km lang konsequent am Meer. Auf acht Abschnitten unterschiedlicher Länge führt er vom äußersten Norden in den Süden des Landes. Der erste Abschnitt ist mindestens 109 km lang. Oder auch um einiges länger, da an verschiedenen Stellen Alternativrouten möglich sind. Jedenfalls eignet sich die Strecke ganz gut für einen Kurztrip nach Wales. Hier unsere – mal wieder voll subjektiven – Tipps für Abschnitt 1:   North Wales Coast & Dee Estuary   Der Wales Coast Path beginnt in Queensferry an der Mündung des River Dee, durch den die Grenze zwischen England und Wales verläuft. Anfangs ist die Gegend noch durch Industrie geprägt. Das macht die ersten Meilen nicht unbedingt gruselig – aber doch weniger schön, als die folgenden. Wer also nicht aus Prinzip jeden Zentimeter eines Wanderweges beschreiten muss, nimmt vom Flughafen (in Liverpool oder Manchester) besser gleich den Bus nach Mostyn und steigt bei KM 20 ein.     Steigt man in Mostyn auf den Weg ein, dann ungefähr beim Geisterschiff Duke of Lancaster. Die Passagierfähre von 1956 wurde 1978 …

Die geschenkte Zeit, Teil II: Wanderung nach Behrensdorf

Vor ziemlich genau einem Monat bin ich während des Sonnenaufgangs von Hohwacht nach Behrensdorf gewandert. Es geschah im Rahmen eines 24-Stunden-Wander-Events; darüber habe ich ja neulich schon mal berichtet. Seitdem habe ich eine ganze Menge anderer toller Sachen gesehen und erlebt. Dennoch sind die Erinnerungen an dieser Morgen ganz besonders nachdrücklich. Zum Beispiel die Erkenntnis, was man alles verpasst, wenn man schläft.     Ich weiß, dass es Leute gibt, die an diesem Blog besonders beeindruckt, dass ich gern früh aufstehe (Hallo, Beas Arbeitskollegin 🙂) Aber so früh wie an diesem Morgen bin ich in der Regel nun auch nicht unterwegs. Ich wusste überhaupt nicht, wie lang ein Sonnenaufgang sein kann.   90 Minuten Glück: Sonnenaufgang an der Ostsee   Eine ganze Stunde wanderte ich im Zwielicht, bis sich die Sonne über den Horizont schob. Es war warm und windstill und wolkenlos. Und so unheimlich leise. So eine Stunde wünsche ich einfach jedem netten Menschen einmal.     Mir ist schon klar, dass nicht jeder nette Mensch lachend um 04.00 Uhr aus dem Bett springt …

Snowdonia

Soweit das Auge reicht: die kühle Schönheit von Snowdonia

Als ich zum ersten Mal von Snowdonia hörte (und das ist noch gar nicht so lange her), elektrisierte mich allein der Name augenblicklich. Allerkürzeste Recherche später war der Nationalpark bereits zum Sehnsuchtsziel geworden. Denn auch im virtuellen Wales führt kein Weg vorbei am Snowdon, dem höchsten Berg des Landes, und einer großartigen Art, ihn zu bezwingen: nämlich mit der Snowdon Mountain Railway.     Wenn die einzige Zahnradbahn Großbritanniens den Wagon den Berg hinaufschiebt, kann man die Anstrengung der alten Lady geradezu spüren. Was ok ist, so lange sie durch kleine Schluchten und über weite Ebenen zockelt. Tun sich direkt neben den Schienen Abgründe auf, fühlt es sich schon etwas ulkiger an (nicht unbedingt im Sinne von witzig).     Von Mai bis Anfang November lautet die große Frage: Hüllt sich der Gipfel in Wolken, Nebel, Regen, Schnee? Oder hat man etwa freie Sicht vom Panorama Café des visitor centres. Es ist eine Art Glücksspiel. Bei zu schlechten Bedingungen und in der Vorsaison (Mitte März & April) lässt die Mountain Railway es nach etwa 3/4 der Strecke gut …

Rund um die Schachbrettblumenwiesen im Junkernfeld

Einmal im Jahr, irgendwann zwischen Mitte April und Anfang Mai, verwandelt sich das Junkernfeld in Schachbrettblumenwiesen. Oder Schachblumenwiesen. Ich weiß nicht genau, ob die eine Begrifflichkeit „richtiger“ ist als die andere, wie ich überhaupt wenig über Blumen weiß. Aber über das Naturschutzgebiet Untere Seeveniederung kann ich seit gestern aus eigener Erfahrung sagen, dass ein wirklich schöner Rundwanderweg um das Junkernfeld führt. Er ist 11 km lang, wenn man am Bahnhof Maschen startet. Und 8 km, wenn man sein Auto am Parkplatz bei Hörsten am Junkernfeldsee parkt.     Direkt am See steht auf einer Infotafel geschrieben, dass auf dem Junkernfeld die größten Schachblumenbestände der Bundesrepublik Deutschland zu finden sind. Wikipedia allerdings verweist diesbzüglich auf die Sinnwiesen bei Obersinn in Franken. Das Land Niedersachsen wiederum sagt, in Seevetal befindet sich „wahrscheinlich das größte Vorkommen in Mitteleuropa“.     Der Weg führt zunächst entlang der Seeve bis zur Elbe. Die Seeve hat es mir ziemlich angetan, so dass mir möglicherweise ohne Vorabinformationen die Schachblumen gar nicht weiter aufgefallen wären. So zart sind sie und auch weitläufig gestreut. …

Husum

Übers Haff nun fliegt die Möwe: 3 Spaziergänge in Husum

Wenn der eine Husum sagt, zitiert der andere mit 95%iger Wahrscheinlichkeit Theodor Storms graue Stadt am Meer. Und fügt in geschätzten 70% der Fälle hinzu: soooo grau soll Husum ja gar nicht sein. Doch das kommt auf den Blickwinkel an. Wer (wie ich) zum Auftakt eines Tagesausflugs zunächst das Meer begrüßen möchte, muss durch den Außenhafen. Und bei dem handelt es sich um den hässlichsten Hafen von Schleswig-Holstein. Leider wirklich wahr. Mächtige, gewaltige, monströse, schmutziggraue Silos und andere Industrieanlagen versperren auf beiden Seiten der Husumer Au einerseits den Blick zur See, andererseits auf die kleine Stadt und drücken geradewegs aufs Gemüt.   Rund um die Dockkoogspitze: ein Dreiviertelstündchen   Viel fröhlicher wirds nicht auf dem weiteren Weg. Schnurgerade und baumlos führt die Dockkoogstraße knappe 3 km zur Dockkoogspitze. Dort liegt die Badestelle von Husum. Trist und verwaist. Wie es sich für die Nordsee gehört.     Zu Storms Zeiten war das Panorama von Husum natürlich noch nicht verschandelt. Dieses Jahr feiert die Stadt immerhin schon des Dichters 200. Geburtstag. Aber man weiß schon, wie Theodor …

Huettener Berge

Wandern wie auf Wellen: die Hüttener Berge & andere seltsame Dinge

Aufgrund von Sören Espersens trumpesquen Äußerungen sind wir schnell noch mal in die Hüttener Berge gedüst. Der dänische Rechtspopulist gab neulich in einem Interview zum Besten: „Ein Dänemark bis zur Eider ist Hoffnung und Traum zugleich. Selbstverständlich.“  Espersen muss das wissen – er ist immerhin Vorsitzender des aussenpolitischen Ausschusses des Folketing. Zwar will er ausdrücklich keine Panzer rollen lassen, um das nördliche Schleswig-Holstein heim ins Kongelige Danmark zu holen. Aber sicher ist sicher. Dieser Tage passieren ja die seltsamsten Dinge. Man könnte meinen, die Welt ist verrückt geworden. Nehmen wir nur mal das Outlet Neumünster.     Das ist jetzt ein krasser Themenwechsel, ich weiß. Aber das Outlet war der eigentliche Grund, warum wir uns vergangenen Freitag trotz Hamburger Ferienbeginn die A7 angetan haben. Ich brauchte neue Wanderschuhe. So was stellt für mich eine extreme Herausforderung dar, seit ich vor ca. 10 Jahren aufgehört habe, über den Bedarf hinaus zu konsumieren. Aber nun hatte ich ja einen Bedarf. Und einen Gutschein (in Gestalt meiner Ma) für´s Outlet Neumünster.   Danes have more fun (beim Shoppen …

wanderweg gruener ring

Als ich mal kein besonders gutes Bild abgab: Wandern auf dem Grünen Ring

Neulich entdeckte ich auf dem Blog Süderelben den Wanderweg Grüner Ring. Er ist 100 km lang und kann hervorragend als Jodeldiplom herhalten. Er ringelt sich im Abstand von etwa 8-10 km ums Rathaus, verläuft also nicht allzu weit von der Innenstadt entfernt, so dass alle 8 Etappen bequem mit Öffis zu erreichen sind. Ein Fernwanderweg, den man spontan und Stück für Stück laufen kann, wenn´s grad passt. Vielleicht weil sich plötzlich eine Atempause auftut und/ oder es zufällig nicht regnet. Ich kann schon mal sagen: Etappe 1 ist super. Etappe 2 nicht. Den fotografischen Beweis bleibe ich schuldig. Denn a) vergaß ich die Speicherkarte der Kamera, so dass ich nur mit meinem altertümlichen Handy fotografieren konnte. Und b) löschte ich versehentlich den Ordner mit allen Fotos von Etappe 2. Aber der Reihe nach.     Wandern auf dem Grünen Ring Etappe 1: Von Teufelsbrück nach Stellingen (10 km)   Folgt man den Tourenvorschlägen von hamburg.de beginnt der Grüne Ring für die meisten Hamburger mit einer Schiffsreise nach Teufelsbrück, was ja schon mal ein sehr angemessener …

Dieser Tag ein Leben: 24 h am Dieksee

Sonntags in Malente, einem kleinen Kurort gelegen zwischen Kellersee und Dieksee. Es hat sich nichts verändert, seit unserem letzten Besuch vor zwei Jahren. Genau genommen scheint sich seit 50, 60 Jahren nichts zu verändern. Einerseits ist uns das schleierhaft. Andererseits gerade Recht. Malente wirkt ein wenig müde, aus der Zeit gefallen, einen Tick zu leer. Und eben das löst eine bestimmte Unbeschwertheit in uns aus. So als wäre die echte, die ernste Welt weit weg. Alles ist sanft. Selbst der Landregen.   11.00 Uhr: Holsteiner Schinken statt Hamburger Brunch Im Räucherofen vor Petersens Schlachterei in der Bahnhofsstraße räuchert irgendwas extrem Leckeres vor sich hin. Gut, dass wir uns heute das Frühstück geschenkt haben. Jeder Ausflug, der was auf sich hält, beginnt mit einer landestypischen Speise. In Petersens historischer Kate baumeln die berühmten Holsteiner Schinken zu Hunderten unter der Balkendecke.     Das Brot zum Schinken wird in einem historischen Ofen gebacken; beheizt mit Buchenholz. Seit 100 Jahren stehen die Petersens für Katenrauchspezialitäten und „Eingewecktem nach Oma Ernas Rezepten.“ Alles selbstgemacht, alles aus der Region, versteht …

Wind

Das Katinger Watt, meine Familie und ich

Normalerweise wäre ich nicht um halb sieben in Hamburg aufgebrochen, um bei einer Regenwahrscheinlichkeit von 80% im Katinger Watt zu spazieren. Aber heute ist nicht normalerweise. Heute ist Familienurlaub angesagt. Kein Familienurlaub mit kleinen Kindern (wo man als Elternteil schön bestimmen kann, was passiert und was nicht). Sondern der jährliche Kurztrip mit meiner Mutter und ihren beiden Schwestern. Also insgesamt vier äußerst erwachsenen Frauen. Und daher spaziere ich präventiv. Ich bin extra zwei Stunden vor den anderen angereist. Man kann nämlich nie wissen, ob man überhaupt noch zum Spazieren kommt, wenn die drei Damen erst mal eintrudeln. Genau wie man nie wissen kann, ob es in Schleswig-Holstein bei einer Regenwahrscheinlichkeit von 80% regnen wird. Besonders wenn ein ordentlicher Wind geht, könnte der Tag genauso gut mit strahlendem Sonnenschein enden. Das Wetter ändert sich im Minutentakt. Was eine hübsche Analogie auf die Atmosphäre in (vielen) Familien ist.     Das Katinger Watt ist in seiner heutigen Form etwa so alt wie ich. Und längst kein Watt mehr sondern trockengelegt und durch den Eiderdamm vor Überflutungen geschützt. …

Der Pilgerweg im Hamburger Stadtpark

Vor 2 Jahren, als der Hamburger Stadtpark 100 wurde, schenkten ihm die umliegenden Kirchengemeinden einen Pilgerweg. Das Geschenk ist in erster Linie ideeller Natur, denn es wurden weder extra Wege angelegt noch die vorhandenen ausgeschildert. Materiell ist lediglich das kleine Begleitheft.     Die Broschüre liegt u.a. in den Kirchen rund um den Stadtpark aus und in der Hauptkirche St. Jacobi in der Innenstadt, denn das ist Hamburgs Pilgerkirche – mit Pilgerbüro, Pilgerkapelle und Pilgerpastor Bernd Lohse. (NDR-Zuschauer haben vielleicht schon mal was von ihm gesehen – er ist derjenige, der regelmäßig auf dem Olavsweg nach Trondheim pilgert und mit Franz Alt ein Buch übers Pilgern herausbrachte). Man bekommt das Heft auch an der 1. Station des Pilgerweges im Hamburger Stadtpark, der Trinkhalle, wo ich meine Pilgertour vorgestern begann und gleich wieder abbrach.     Der Pilgerweg führt über 22 Stationen auf 5,7 km rund um den Hamburger Stadtpark. Ist also mehr ein Pilgerwegchen, gerade richtig für zwischendurch. Einige Station sind im Winter nicht begehbar, andere nur zu gewissen (Öffnungs)-Zeiten und dann gibts es auch …