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XIX Pellworm: Insula Incognita

Pellworm

Kommt man in Hamburg oder Schleswig-Holstein auf die Insel Pellworm zu sprechen, hört man außergewöhnlich oft: »Da wollte ich auch immer schon mal hin.« Irgendetwas kommt offenbar ständig dazwischen. Vielleicht Sylt, Amrum oder Föhr, die anderen drei nordfriesischen Inseln oder weitere Tourismusmagneten mit St®andortvorteil. Denn: es gibt keine Sandstrände auf Pellworm. Über Jahrzehnte segelte die Insel daher unter dem Radar.

 

Heverstrom

 

Nun, da es ein wenig aus der Mode geraten. ist, ganze Urlaube eingeölt in der Sonne zu braten und die Gruppe derjenigen wächst, die es auf Reisen ruhig, authentisch und natürlich mögen, sieht die Sache auf einmal anders aus. Denn: Tourismus wird auf Pellworm sanft und gleichzeitig gästeorientiert gedacht – eine Kombi, die erstaunlich vielen Tourismusverantwortlichen in Schleswig-Holstein vollkommen fremd ist.

 

Pellworm: Stippvisite, Ausflugstag, Kurzurlaub

 

Etliche Tourismusverantwortliche in Schleswig-Holstein finden zum Beispiel Nationalparks richtig schlecht, Übertourismus hingegen richtig gut. Und auf Pellworm ist es eben anders herum. Man ist ja auch stolz mitten im UNESCO Weltnaturerbe Wattenmeer zu liegen und setzt schon seit den 1980ern auf erneuerbare Energien.

 

Alte Kirche Pellworm

 

In puncto Gästeorientierung setzen sich diese Extrempositionen fort. Viel häufiger als man annehmen sollte, halten Tourismusverantwortliche in Schleswig-Holstein beispielsweise Rad- und/oder Wanderwege a) für überflüssig oder b) nicht in Schuss oder c) geheim. Gar nicht so selten wird eine „Schutzgebühr“ für rudimentäre Karten verlangt, die man auf den Seiten des örtlichen Tourismusservice ungesehen bestellen müsste, um sie dann mit der Post zugeschickt zu bekommen. Also bitte.

Auf Pellworm hingegen macht man es den Gästen leicht, die Insel auf sanfte Art zu erkunden. Das gilt für den inseleigenen Kur- und Tourismusservice genau wie für internationale Organisationen oder Opa Anton Knudsen:

 

(97) Stippvisite: Inselspaziergang

LeuchtturmDank eines breiten Gezeitenstroms kann Pellworm tideunabhängig angefahren werden, d.h. oft. Da die Passage zudem an Seehundsbänken vorbeiführt, also schon Teil des Vergnügens ist, lohnt sich der Inselbesuch auch für ein paar Stunden. Extra für Stippvisiteure hat der Pellwormer Kur- und Tourismusservice sieben Inselspaziergänge gesammelt, die in Hafennähe starten; der erste direkt am Tiefwasseranleger, wo die Fähre zwei Kilometer weit draußen im Wattenmeer vor Anker geht. (Wer nicht gern spaziert, wird kostenfrei mit dem Bus auf die Insel chauffiert.)

(98) Ausflugstag: Pellworm rund

Hundestrand PellwormAuf den Seiten des Fahrradverleihs in Tammensiel (Inselhauptort, 94 Einwohner) empfiehlt Opa Anton Knudsen den »lieben Urlaubsgästen«, aufs Rad umzusatteln, denn: … Die verursachen weder Qualm noch Motorenrauschen, auf ihnen kann man in Ruh‘ den Vogelstimmen lauschen. / Vom Rad aus sieht man grasende Rinder und Pferde und schwarz- und weißköpfige Schaf- und Lämmerherde. / Kornfelder, wo reife Ähren im Winde sich wiegen und in den Lüften krächzend die Möwen fliegen. Ist gebongt, lieber Herr Knudsen. Die Radrouten sind ja auch wirklich großartig: Flyer

(99) Kurzurlaub: Stars und Sternchen

PellwormSelbst wer schon mal auf Pellworm war; hingerissen war und fest entschlossen bald wieder und über Nacht zu kommen, braucht manchmal den letzten Anschubser. Bei mir war´s dieser Beitrag und die offizielle Anerkennung Pellworms als Sterneninsel durch die International Dark Sky Association. Ich hab gleich gebucht und freu mich schon wie Bolle zu Pfingsten. Wer´s Nachmachen will: hier geht´s zu den besten Sternguckerplätzen und hier zu besonders klimafreundlichen Unterkünften.

 

PS.: (Falls ich hinterher sage, dass ein Sternenhimmel ohne Lichtverschmutzung einfach gräßlich ist, werde ich Tipp 99 selbstverständlich zurücknehmen müssen. Denn darum gehts mir ja gerade mit dieser Beitragsserie; sie soll nur das Beste beinhalten. Aber das Risiko gehe ich ein.)

 

Dies ist ein Beitrag der Serie »Schleswig-Holstein rund«, die dicht an der Waterkant um das nördlichste Bundesland führt (eine Reise, die gut zwei Jahre dauern könnte, wenn man sich strikt auf das Beste konzentriert). 

Wer grad keine zwei Jahre Zeit hat und sich abschnittsweise auf den Weg machen möchte, findet hier das Inhaltsverzeichnis.

Seit dem XI. Beitrag gehts die nordfriesische Westküste entlang; ein kleines Abenteuer, das besonders mit dem Rad lohnt. Der nächsten Beitrag führt in »die graue Stadt am Meer«; Husum. 

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