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XI. Rudbøl/ Rosenkranz: die deutsch-dänische Grenze

Rickelsbueller Koog

Nach Erkundung der deutsch-dänischen Grenze bei Wassersleben, bietet sich unbedingt ein Vergleich mit Rudbøl/ Rosenkranz an. Die Strecke dazwischen ist eine Ausnahme in Schleswig-Holstein. Sie funktioniert mit dem Auto mindestens so gut wie zu Fuß oder mit dem Rad.  Je schneller man sie zurücklegt, desto eindrücklicher der tiefgreifende Kontrast von verspielter Ostseeküste zu endloser Westküstenweite. (Wobei das maximale Reisetempo im Grenzland bei etwa 50 Kilometer pro Stunde liegt).

Die deutsch-dänische Grenze: ca. 67 km lang, gut 100 Jahre alt, das frühere Herzogtum Schleswig in zwei etwa gleich große Hälfte geteilt

Wer nicht aus Wassersleben anreist, sondern direkt in Nordfriesland startet, weiß vielleicht gar nicht, dass die deutsch-dänische Grenze erst bummelig 100 Jahre alt ist. Beidseitig findet man dänische wie deutsche Spuren in Kultur, Sprache und Architektur. Manches ist nur in den historischen Grenzen des Herzogtums Schleswig bekannt, nicht aber im Rest von Deutschland oder Dänemark.

Ackewars

Von einigen Einschnitten der Grenzziehung, der Trennung von Familien und Freunden, Geschäftsbeziehungen und Infrarstruktur hat sich das Grenzland an der Westküste nie ganz erholt. Beidseitig ist das Land dünn besiedelt. (Was man natürlich auch als Plus werten kann. Selbst in der allerhöchsten Hochsaison werden stille Wege und Orte nicht rar). Beidseitig der Grenzen haben sich in den vergangenen 100 Jahren auch spezifische Unterschiede entwickelt. Das ist gut zu erkennen am Look des Doppeldorfs Rudbøl/ Rosenkranz.

(41) Die deutsch-dänische Grenze in Rudbøl/ Rosenkranz

RudboelIn Rudbøl/Rosenkranz verläuft die Grenze mitten durch den Ruttebüller See bzw. Rudbøl Sø und die gemeinsame Dorfstraße. Zu tun gibt es wenig – außer über die Brücke nach Skandinavien zu schlendern und in Höhe des Grænsekro (Grenzkrug) auf einer Bank mit Seeblick sein deutsch-dänisches Grenzprogramm festzulegen.

Während die ältere Geschichte des Herzogtums Schleswig unverständlich bleibt, ist die jüngere im Groben schnell erzählt. Nach jahrhundertelangem Wirrwarr wurde im Friedensvertrag von Versailles bestimmt, dass die Bevölkerung die deutsch-dänische Grenze selbst festlegen sollte.

 

Typisch Rudbøl: Tipps für die dänische Seite der Grenze

 

Zum Zeitpunkt der Volksbefragung reichte Schleswig noch höher in den Norden. 1920 entschieden sich die Menschen zwischen Ribe und Rubøl bzw Kolding und Kollund für Dänemark (wobei eine Art Gerrymandering im Spiel war, aber Schwamm drüber).

(42) Stippvisite: Møgeltønder

Kopfsteinpflaster

Typisch dänisch: eine kopfstein-gepflasterte Dorfstraße mit Cafés im Hygge-Style (angeblich die schönste ganz Dänemarks) zieht sich von der weißgetünchten Kirche zum kleinen Barockschloss Schackenborg, wo der Bruder des aktuellen Königs eine zeitlang lebte. Der verschwiegene innere Schlossgarten ist frei zugänglich.

(43) Tagesausflug: Høyer

HoyerIn Høyer wäre die übergroße Mehrheit 1920 gern deutsch geblieben. Umsonst. Høyer wurde abgehängt, der Zug nach Altona ebenso eingestellt wie der Seebäderverkehr nach Sylt. Heute freuts Freigeister und Kreative. In Dänemark können sie sich ein Leben noch leisten – nur einen traumhaften Spaziergang vom Wattenmeer entfernt.

(44) Kurzurlaub: die Tønder-Marsch

MarschpfadDie Runde von Høyer über das Kliff bei Emmerlev zur Vidå Schleuse und entlang des Kanals zurück in die Stadt ist knapp 10 km lang und gehört zu den Sahneetappen des Marschpfades. Er führt auf 54 km durch Tønder, Møgeltønder, Høyer und Rudbøl, wo überall ergänzende Rundwege auch kürzere Wanderungen ermöglichen.

Dass im heutigen Sønderjylland etliche Menschen 1920 gern deutsch geblieben wären, änderte sich fundamental mit Erstarken der Nazis. Es war zu monströs, was da südlich der Grenze geschah. Bei der Reichtagswahl 1932 erreichte die NSDAP nirgends mehr Stimmen als in Nordfriesland. Ganze Gemeinden stimmten hier zu 100% für Hitler und sein Pack. 1940 marschierten motorisierte Truppen in Sønderjylland ein. Fünf Jahre blieb Dänemark von Deutschland besetzt und terrorisiert.

Typisch Rosenkranz: Tipps für die deutsche Seite der Grenze

Die Wiederannäherung dauerte bis ins Jahr 2.000. Für elf glückliche Jahre gab es keinerlei Grenzkontrollen mehr. Seitdem erfolgen sie wieder stichprobenartig und symbolpolitisch. (Man muss sich nicht mal besonders auskennen, um Kontrollen zu umgehen). Jedenfalls: Völkerverständigung bleibt Arbeit – genau wie die anderen Herausforderungen unserer Zeit. Dass man dabei nur gemeinsam weiterkommt, liegt auf der Hand. Und um auch mal was Gutes über Deutschland zu sagen: das Wattenmeer stand in Schleswig-Holstein schon 30 Jahre unter Schutz, bevor auch Dänemark es zum Nationalpark erklärte.

(45) Stippvisite: Seebüll

Seebuellchen

Während Deutsche die antisemitische Haltung des Malers Emil Nolde lange verdrängten, wollten Dänen lange nicht wissen, dass er bis zum Tod die dänische Staatsbürgerschaft behielt. So können alle was lernen im Nolde Museum Seebüll,  bevor es in den wunderbaren Garten des Künstler-refugiums von Ada und Emil geht.

(46) Tagesausflug: Gotteskoog See

NSG GotteskoogDer größte Koog Nordfrieslands liegt zwei Meter unter Null. Da kann man sich leicht vorstellen, was passiert, wenn der Meeresspiegel steigt. Wer das bezweifelt, ist wohl auch nicht berührt von der Rettung des Gotteskoogsees, der in den 1980ern fast verschwunden wäre und heute beweist, wie viel Sinn in Natur- und Artenschutz liegt.

(47) Kurzurlaub: Rickelsbüller Koog 

NordfrieslandVersteckt hinterm Hindenburgdamm wandert man mit glücklichen Schafen  rund um den Rickelsbüller Koog, ein Vogelparadies am nördlichsten Punkt des deutschen Festlandes, wo sich die Nationalparks Wattenmeer & Vadehavet die Hand reichen und am Horizont schon das nächste Ziel wie eine Fatamorgana flirrt: Sylt.

 

Dies ist der XI. Beitrag der Serie »Schleswig-Holstein rund«. Zum I. gehts hier, das Inhaltsverzeichnis entsteht gerade hier und im XII. Beitrag gehts ab auf die Insel. Sylt.

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