Alle Artikel in: Schleswig-Holstein rund

Nordstrand

XVIII. Nordstrand: Was von den Fluten übrig blieb

An warmen, windstillen Tagen braucht man auf Nordstrand eine Menge Phantasie, um sich die gewaltige Zerstörungskraft der Nordsee vorzustellen. Dabei hat der Blanke Hans hier schon mehrmals ganz besonders hingehauen. Daran erinnern am Horizont die Insel Pellworm und die Halligen Nordstrandischmoor und Südfall. Sie bildeten einst die Küstenlinie. Strand wurde dieser Teil des Festlandes genannt, der in einer großen Sturmflut im 12. Jahrhundert abgetrennt und so zur größten Insel des Wattenmeers wurde. Strands Mittelpunkt, die legendäre Handelsmetropole Rungholt, ging im 14. Jahrhundert verloren, als sintflutartige Wassermassen die Insel in Hufeisenform schliffen. Im 17. Jahrhundert schließlich rollte »De grote Mandränke« (das große Ertrinken) auf Strand zu, zerriss die Insel und hinterließ, was heute übrig ist.     Von Rungholt sind nur noch Spuren im Watt geblieben. Südfall, Pellworm und Nordstrandischmoor liegen als winzige Welten draußen im Wattenmeer. Und Nordstrand ist seit 1987 offiziell wieder Festland. Aber das ist relativ, wenn man lediglich über zwei kilometerlange Dämme erreichbar ist, von denen der eine sogar nur unmotorisiert genutzt werden darf. Wer Nordstrand (zu Fuß oder mit dem Rad) …

Beltringharder Koog

XVII. Beltringharder Koog: überall ist Nirgendwo

Wer morgens am nördlichsten Festlandpunkt Deutschlands aufs Rad steigt, erreicht in südlicher Richtung – mit ein bisschen Rückenwind – gegen Abend den Beltringharder Koog. (Falls man unterwegs Zwischenhüpfer auf die Insel(n) und/oder Hallig(en) einbaut, braucht es natürlich länger. Viel, viel länger sogar, wenn man jedes Eiland mitnimmt, nämlich etwa 1 Monat.) Aber egal, ob man müde am Abend im Beltringharder Koog eintrudelt oder mit spektakulären Inselerfahrungen im Gepäck anreist oder extra übers Wochenende: es lohnt sich. Jendenfalls wenn man etwas für Natur und/ oder freilebende Tiere übrig hat. Beltringharder Koog: Stippvisite, Ausflugstag, Kurzurlaub Der Beltringharder Koog ist Schleswig-Holsteins größtes Naturschutzgebiet an Land und grenzt direkt an Deutschlands größten Nationalpark, das Schleswig-Holsteinische Wattenmeer. Viel Zerstreuung kann man hier also nicht erwarten. Dafür die Ruhe selbst. Es ist ein Ort, an dem man zwangsläufig zu sich findet und nebenbei auch Trost. Denn hier spürt man, dass eben nicht die ganze Welt verrückt geworden und auf Zerstörung gepolt ist, sondern etliche Menschen etwas für den Erhalt der Umwelt tun, sie achten und gar nicht viel mehr brauchen, als …

Schluettsiel

XVI. Schlüttsiel: Tor zu den Halligen

In Schlüttsiel, acht Kilometer südlich von Dagebüll, scheiden sich die Freigeister. Die eine Gruppe schnürt innerhalb von Sekunden vorbei, mag sogar sein, ohne Schlüttsiel überhaupt zu bemerken. Die andere Gruppe spürt deutlich, dass ein Stopp angesagt ist. Wie immer in Nordfriesland sind Radfahrende dabei klar im Vorteil. Ist man erst einmal mit dem Auto an Schlüttsiel vorbeigedüst, findet sich auf Kilometer keine Parkmöglichkeit oder Gelegenheit zu wenden. Die Gefahr ist groß, dass man den Halt dann auf »nächstes Mal« verschiebt. Wobei man ja nie weiß, ob es ein nächstes Mal überhaupt gibt. Schlüttsiel funtioniert wie eine landschaftgewordene  „WAS ist WAS“-Ausgabe für Nordfriesland. Obwohl man auf den ersten Blick denkt, dass da gar nichts ist, findet man auf den zweiten Vieles, was die Westküste so besonders macht. Zum Beispiel eben das namensgebende Siel von Schlüttsiel. Und das Land dahinter, den Hauke-Haien-Koog, benannt nach Storms Hauptfigur aus dem Schimmelreiter. Nicht zuletzt die Halligen, von denen man hier eine Handvoll am Horizont ausmachen kann.     (84) Stippvisite vorm Deich: Hafen Schlüttsiel  Schlüttsiel ist ein kleiner, eher uncharmanter …

Amrum

XV. Amrum: das ist die perfekte Insel

Mal angenommen, jemand reiste rund um Schleswig-Holstein (oder käme zum allerersten Mal hier hoch) und hätte nur Zeit für eine einzige Insel: dann sollte es Amrum sein. Amrum ist klein genug, dass man in jeder Minute wirklich fühlt, auf einer Insel zu sein. Sie lässt sich mit dem Rad an einem halben Tag komplett umrunden und an zwei Tagen entspannt umwandern. An der breitesten Stelle misst Amrum gerade mal 2,5 Kilometer. Das Meer ist immer in der Nähe, die Schreie der Seevögel immer im Ohr, der Duft von Dünenheide immer in der Nase.   Amrum: Stippvisite, Ausflugstag, Kurzurlaub   Amrum liegt weit genug vom Festland entfernt, um sich abgeschieden von der Welt zu fühlen. Geborgen, sagen die, die Inseln lieben. Und obwohl das alles kein Geheimnis ist, sondern Viele nach Amrum reisen, besonders im Sommer, findet sich immer ein einsames Plätzchen in den gewaltigen Dünen oder am endlosen Strand. Auf keiner Insel Schleswig-Holsteins darf die Natur so viel Raum einnehmen wie auf Amrum. Für Reisende ist ein Auto auf der Insel daher weder hilfreich noch …

XIV Föhr: Friesische Karibik

Die erste Friesenwelle rollte im 7. Jahrhundert ein, als Föhr noch keine Insel war.  Als Utlande (Außenlande) bezeichneten die Seefahrer aus dem Westen das wild zerklüftete Gebiet am »Mare Frisicum«, dem friesischen Meer. Sie bauten Deiche, machten das Land durch Entwässerung urbar, errichteten Häuser auf Warften; sorgten unterm Strich also für all das, wofür Nordfriesland heute steht. Aber auch Wikinger hinterließen Spuren auf Föhr, etwa Burgen, Kultstätten und Runensteinen. Niederlande, Norwegen, Grönland, Dänemark – Föhrs feine Mischung Architektonisch ist die Insel vom »Goldenen Zeitalter« geprägt. Walfänger brachten im 17./18. Jahrhundert erheblichen Wohlstand von ihren Grönlandfahrten nach Föhr. Im 19. Jahrhundert schließlich avancierte die Inselhauptstadt Wyk unter dänischem Einfluß zum ersten Seebad der Schleswig-Holsteinischen Westküste. Heute eignet sich keine nordfriesische Insel oder Hallig besser für einen Inselhüpfer als Föhr. Für Föhr muss man nicht mal das Wetter oder den Fährfahrplan checken. Fast stündlich und tideunabhängig startet die Fähre in Dagebüll. Und wenn man dann 50 min später ankommt, ist man schon auf Inseltempo runtergefahren.     Zur vollständigen Aklimatisierung ist Föhrs erste Reihe ein guter Platz, …

Dagebuell Badebuden

XIII. Dagebüll: Nordfriesland längs

Dagebüll, die nördlichsten Gemeinde der deutschen Nordseeküste (die man hier Westküste nennt), gibt Antworten auf alle wichtigen Fragen zur Urlaubsplanung in Nordfriesland. »Gott schuf das Meer«, sagt man in Dagebüll, »der Friese die Küste«. Und weil er praktisch veranlagt ist, der Friese, schuf er neben der Küste auch noch den Deich. Wer die Westküste Schleswig-Holsteins mit dem Auto abklappert, sieht die Nordsee daher fast nie. Wer wandert oder Rad fährt, sieht sie hingegen fast immer. Denn der Friese schuf zwischen Deich und Wattenmeer auch noch den Deichverteidigungsweg. Er zieht sich als zumeist schnurgerade Teerpiste allein in Deutschland 930 km von der deutsch-dänischen Grenze bis zur deutsch-niederländischen. Manche Gemeinden nutzen ihn als »Strand« oder Promenade. Schafe legen sich gern mitten drauf. Und für Reisende ist er einfach wunderbar für kurze Spaziergänge oder lange Touren mit dem Rad. Es darf auch gern ein e-Bike sein, denn der Wind weht einem norddeutschen Gesetz nach immer von vorn. Und gerne tüchtig.   Was man in Dagebüll erleben kann: nächstes Mal Meer   Menschen, die es immer weiter zieht, schaffen …

Sylt rund

XII. Sylt rund: irgendwas geht immer

Sylt gehört zu den Orten Schleswig-Holsteins (vielleicht sogar Deutschlands) über die am meisten genörgelt wird. Und dafür gibt es auch viele Gründe. Die haben aber allesamt mit unanständigen Menschen zu tun und rein gar nichts mit der Insel. Schon aus Prinzip sollte man sie ihnen deshalb auch nicht überlassen. Für »Schleswig-Holstein rund«-Reisende ist es sowieso anders. Reisen unterscheidet sich ja insofern vom klassischen Urlaub, dass es eben nicht um möglichst ideale Bedingungen für maximale Entspannung geht. Beim Reisen gehts ums Unbekannte. Um neue Erfahrungen. Ums Eintauchen in fremde Orte und Kulturen. Alles, was im Urlaub nerven würde, kann man beim Reisen soziologisch sehen. Na, denn man tau.  (48) Sylt rund Einmal um Sylt herumgewandert, ergibt sehr gute 100 KM, meist dicht am Wasser und zur Hälfte mit den Füssen im Sand. Das ist sportlich; nicht zuletzt wegen Wind & Wetter. Auch ist es beinahe unmöglich, unterwegs 1 Bett für nur 1 Nacht zu finden. Sternwandern funktioniert hingegen dank guter Busverbindungen prima.   100 Kilometer bedeuten je nach Fitnessgrad vier bis fünf Tage: das passt nicht …

Rickelsbueller Koog

XI. Rudbøl/ Rosenkranz: die deutsch-dänische Grenze

Nach Erkundung der deutsch-dänischen Grenze bei Wassersleben, bietet sich unbedingt ein Vergleich mit Rudbøl/ Rosenkranz an. Die Strecke dazwischen ist eine Ausnahme in Schleswig-Holstein. Sie funktioniert mit dem Auto mindestens so gut wie zu Fuß oder mit dem Rad.  Je schneller man sie zurücklegt, desto eindrücklicher der tiefgreifende Kontrast von verspielter Ostseeküste zu endloser Westküstenweite. (Wobei das maximale Reisetempo im Grenzland bei etwa 50 Kilometer pro Stunde liegt). Die deutsch-dänische Grenze: ca. 67 km lang, gut 100 Jahre alt, das frühere Herzogtum Schleswig in zwei etwa gleich große Hälfte geteilt Wer nicht aus Wassersleben anreist, sondern direkt in Nordfriesland startet, weiß vielleicht gar nicht, dass die deutsch-dänische Grenze erst bummelig 100 Jahre alt ist. Beidseitig findet man dänische wie deutsche Spuren in Kultur, Sprache und Architektur. Manches ist nur in den historischen Grenzen des Herzogtums Schleswig bekannt, nicht aber im Rest von Deutschland oder Dänemark. Von einigen Einschnitten der Grenzziehung, der Trennung von Familien und Freunden, Geschäftsbeziehungen und Infrarstruktur hat sich das Grenzland an der Westküste nie ganz erholt. Beidseitig ist das Land dünn besiedelt. …

Wassersleben

X. Wassersleben: Grand Nothern Tours

Wassersleben. Letzter Strand vor der Grenze. Drehkreuz für alle, die sich aus eigener Kraft fortbewegen. Rund um die Bilderbuchbucht ziehen sich Spazierwege, Prädikatswege, Radwege, historische Wege und Fernwanderwege, auf denen man bis Italien laufen könnte, ganz wie die klassische Grand Tour (französisch für: große Reise) es vorsah, damals im 15. Jahrhundert, als Reisen noch dem Adel vorbehalten war. Später mischte sich das gehobene Bürgertum unter die Reisenden. Noch später folgten die Stände. Insbesondere in England war das angesagt, weshalb »Le Grand Tour« im 18. Jahrhundert zu »The Grand Tour« wurde, während in Deutschland die Cavalierstour in Mode kam. Ab 1900 schlossen sich immer breitere Schichten an und Erholungsreisen liefen der Grand Tour zunehmend den Rang ab. Daraus entwickelte sich im 20. Jahrhundert der Massentourismus. Im 21. steigerte er sich zum Übertourismus. Ein Zustand, mit dem auch Schleswig-Holstein heute zu kämpfen hat. Es ist nicht immer exakt vorauszusagen, wann, wo und warum es des Guten zuviel wird. In Wassersleben scheiden sich die Freigeister Mit Glück präsentiert sich Wassersleben gerade richtig belebt. Bei Pech hilft nur sanfter …

Flensburg

IX. Flensburg: Schaut auf diese Stadt.

Die beste Art nach Flensburg zu reisen, ist zu Fuß auf dem Fördesteig aus Glücksburg kommend.  Man erreicht die ehemalige Rummetropole über den Volkspark in Hanglage. Unter seinen Aussichtpunkten liegt die drittgrößte Stadt Schleswig-Holsteins den Reisenden dann zu Füßen wie ein Amphietheater – mit der Förde als Arena. Um sie dreht sich in Flensburg alles. Beim Abstieg weicht der zunächst großbürgerliche Eindruck einem Gefühl, das in anderen Seehandelstädten spätestens in den 1990ern verloren ging. Das Gefühl, es gäbe noch etwas zu entdecken. In Flensburg darf Schräges und Windschiefes noch genauso selbstbewusst in der ersten Reihe stehen wie prächtige Renaissance-Fassaden. In Flensburg schlängelt man sich durch die Gänge und treibt sich in Hinterhöfen rum. Stippvisite, Ausflugstag, Kurzurlaub in Flensburg In Flensburg gibt es noch schrabbelige Ecken im Hafen und am allerbesten Spot ein Piratennest. In Flensburg spricht man selbstverständlich dänisch. In Flensburg können sich selbst Studierende noch ein WG-Zimmer leisten. In Flensburg hält der ICE nicht in der City sondern im Carlisle Park. Und wer Hamburg längst zu gentrifiziert findet, Kiel zu kantig und Lübeck zu …