Alle Artikel in: Inseln

Sonnenaufgänge gehen immer. Besonders am Meer.

Heute gibts wenig Worte – dafür einige Sonnenaufgänge. Ich tippe mit links. Meine rechte Hand ist bandagiert; ich soll sie schonen. Nichts wirklich Schlimmes; nur ein mittleres Malheur. Es dauert jedoch Stunden, einen einzigen Satz zu tippen. Und wie ich auf facebook gemerkt habe, kommen Sonnenaufgänge auch ohne Worte gut an. Ich selbst habe sie auch gern. Besonders am Oststrand von List auf Sylt. Sonnenaufgänge am Meer Von unserem Ferienhaus bis zum Strand sind es nur ein paar Schritte. Ich kann sie morgens nie schnell genug gehen, weil ich so gespannt bin, was mich erwartet. Es ist immer anders. Und immer überwältigend. (Was man erst richtig sieht, wenn man mal auf die Galerie klickt).     Sonnenaufgänge folgen der Morgendämmerung Die Morgendämmerung ist am Meer ebenfalls nicht ohne. Zumal sie vom Piepsen und Schnattern und Kreischen der Seevögel begleitet wird. Wenn ich am Meer bin, tippe ich am ersten Abend immer Sonnenaufgang + aktueller Ort in die Suchmaschine meines Vertrauens. Und dann stehe ich am folgenden Morgen etwa 20 Min vorher am Strand, um dem …

Klappholttal Sylt

Schnee, der auf Dünen fällt: Wanderung durch das Klappholttal

Das Klappholttal auf Sylt heißt laut Wikipedia seit einiger Zeit nicht mehr Klappholttal. Warum nicht, konnte ich ebenso wenig in Erfahrung bringen wie den aktuellen Namen der Dünenlandschaft zwischen Kampen und List. Das finde ich zwar irgendwie seltsam. Gleichzeitig passt es aber ganz prima zu dieser geheimnisvollen, spröden Naturschönheit, die nicht mehr Klappholttal heißt (und die ich im folgenden der Einfachheit halber trotzdem Klappholttal nennen werde).     Winter im Klappholttal   Eine Wanderung im Klappholttal ist eine feine Sache, weil man auf der gesamten Strecke nichts mit Autos zu tun bekommt. Auf dem Hinweg wandert man am Strand entlang. Und auf dem Rückweg auf der alten Inselbahntrasse, die sich paralell zum Strand durch eine immense, mysteriöse Dünenlandschaft schlängelt. Bei gutem Wetter ist die Inselbahntrasse ein beliebter Radweg. Aber nicht, wenn´s schneit. Denn wenn´s schneit, geht man natürlich lieber zu Fuß. (Ich ja ohnehin. Und als Einzige an diesem Tag.)     Gestartet bin ich in der Westerheide; umgedreht an der Buhne 16. Die Strecke würde ich auf ca. 12 km schätzen. Man kann es …

Klirrendkalte Königin: Sylt im Januar

Alle Jubeljahre hat man auf Sylt im Januar mal das Glück, dass es saukalt ist. Glück schreibe ich, die überhaupt nichts mit Kälte am Hut hat. Doch ich kann die Klarheit gut gebrauchen nach der zuckersüßen, gemütlichen Weihnachtszeit. Und Sylt ist geradezu schockierend schön, wenn sie die Eiskönigin gibt. Das fängt schon an, bevor man überhaupt da ist. Jedenfalls wenn man mit der Fähre von Rømø anreist.     Wir machen das grundsätzlich. Es dauert vielleicht eine halbe Stunde länger. Kostet dafür aber auch nur halb so viel wie der Autozug. Und ist ein Highlight für sich. Beginnend mit dem 10 km langen Damm durchs Wattenmeer, der Rømø mit dem Festland verbindet. (Wer noch nie auf Rømø war, sollte unbedingt ein bisschen Zeit einplanen, um sich den breitesten Strand des Nordens anzusehen.)     Die Fähre benötigt für die Strecke von Rømø nach Sylt 45 Min. Im Januar muss man auf gar keinen Fall vorbuchen. Manchmal hat man das Schiff sogar ganz für sich.     Ein besonderer Moment ist immer, wenn der Ellenbogen in …

Museum Kunst der Westküste: Das Meer zwischen Bergen und Bergen

Wer auf eine Insel reist, will Meer. Wer auf eine nordfriesische Insel reist, will zudem Wetter. Will Sonne. Regen. Wind. Nebel. Niesel. Graupelschauer. Kaum eine Witterung kann Liebhaber der Nordsee von ihren ewig langen Spaziergängen abhalten. Nur manchmal, wenn ein Orkan über das Wattenmeer braust, wenn die Wogen hochgehen und Sandkörner zu Geschossen werden, muss man sich eben doch geschlagen geben. Und das Meer sich selbst überlassen – ein Sturmlied lang.     Auf Amrum oder Sylt geht man dann fein essen oder zieht sich in sein Friesenhäuschen zurück. Auf Föhr hält man sich an die Kunst. Denn auf Föhr heißt es: Es gibt kein schlechtes Wetter. Es gibt nur schlechte Museen.   Das Museum Kunst der Westküste   Obwohl wir Hamburger sind, mögen wir der Sache mit der schönsten Stadt der Welt nie so ganz zustimmen. Wir finden, Hamburg könnte vielleicht die schönste Stadt Norddeutschlands sein – wenn die Hansestädter ein bisschen mehr für die schönen Künste locker machen würden. Aber so wie die Dinge liegen, ist der schönste Ort des Nordens Alkersum auf …

Die Farben von Föhr

Am dritten Tag auf Föhr wache ich auf – und irgendetwas ist anders. Ich brauche einen Moment, bis ich draufkomme: Es ist still. WINDstill. Das ist die Ruhe nach dem Sturm. Ich glaube, nur Nordseekenner wissen, wie friedlich sich das anfühlt. Als ob die Insel sich jetzt ausruht. Also nix wie runter an den Strand. Der Morgen ist sowieso meine Lieblingszeit am Meer. Das Licht ist ganz zart, wenn Nordfriesland sich in Winterfarben kleidet. Das Wasser federgrau, seidenweich.     So ein Sonnenaufgang dauert immer genauso lang, bis man sich richtig auf das Frühstück freut. Wofür wir uns heute aber nicht allzu viel Zeit nehmen wollen. Der Tag ist wie gemacht, um den Strand von Föhr zu erkunden. Föhr hat zwar nur einen einzigen Strand. Aber der ist 15 km lang! Feinsandig und weiß zieht er sich von Wyk nach Utersum. Selbst in der Hochsaison findet man Plätze, an denen man ganz für sich sein kann, haben uns Insulaner erzählt. Im Winter ist das ohnehin kein Problem.     Sogar Nieblum hat man im Winter …

Advent auf Föhr

Föhr ist die größte deutsche Insel ohne Landverbindung. Sie liegt knapp 10 Km vor der Küste Nordnordfrieslands. Die Fähre braucht für die Strecke eine knappe Stunde. Das ist nur ein bisschen schneller als zu Fuß. Oder anders gesagt: Genau das richtige Tempo, um sein Ziel nicht nur physisch sondern auch innerlich zu erreichen. Schneckentempo ist auf Reisen immer empfehlenswert – in der Vorweihnachtszeit aber ganz besonders. Denn Advent bedeutet Ankunft.     Um anzukommen muss man aufbrechen. Fast wäre uns das nicht gelungen. Ein Orkan mit anhaltenden Sturmböen fegte vergangenes Wochenende über Nordfriesland. Etwa 24 Stunden stand in Frage, ob unsere Fähre überhaupt in See stechen würde. Als wir von Hamburg Richtung Dagebüll starteten, wussten wir immer noch nicht bescheid. Ein ganz hervorragender Auftakt für unseren Kurztrip nach Föhr. Mir gefällt es immer, ausnahmsweise etwas nicht im Griff zu haben. Nicht im Griff haben zu können. Dann braucht man es nämlich auch gar nicht krampfhaft zu versuchen. Und es hat auch keinen weiteren Zweck, sich über die Maßen aufzuregen. Sinnvoll ist nur: Loslassen. Eine hilfreiche …

Wangerooge Soul-Weekender

Ein Herbst-Wochenende auf Wangerooge ist gut für die Seele. Früher wäre ich nie auf den Gedanken gekommen, ausgerechnet in die hektischsten Wochen des Jahres einen Kurztrip zu stopfen. Seit wir bloggen, empfinde ich es genau anders herum. Gerade, wenn man nicht mehr weiß, wo einem der Kopf steht, tut eine Auszeit richtig gut. Besonders auf einer Mini-Insel. Selbst wer sich langsamer als langsam bewegt, kann Wangerooge in wenigen Stunden erfassen. Da schaltet man automatisch noch einen Gang runter. Wird so langsam, dass die Seele mitkommt. Denn die Seele ist doch selten so schnell wie das Leben. Zu ihrem Takt finden wir ganz gut mit folgenden Slow Four:   1. Fotografieren am Weststrand   Fotografieren hat ja generell mit Achtsamkeit zu tun. Wikipedia sagt über Fokussierung, dass für eine gewisse Zeit auf das momentan Ausgeübte oder Empfundene geachtet wird. Das klingt nicht nur wie Mediation. Das fühlt sich auch so an. Der ideale Moment dafür: Gleich nach dem Aufstehen, wenn der Morgen graut.     Die Fotos zeigen Weststrand und Hafen bei Sonnenaufgang. Das Licht ist …

Die Entdeckung der Einfachheit auf Wangerooge

Sich einer Insel nähern. Auf einer windgeschützten Bank an Deck eines Dampfers. Die Hände in den Taschen. Das Gesicht der Sonne zuwenden. Die Augen schließen. Das Stampfen des Schiffsmotors. Die Schreie der Möwen. Salz in der Luft.     Wir sind auf dem Weg nach Wangerooge, der östlichsten bewohnten Insel Ostfrieslands. Von den sieben Perlen im niedersächsischen Wattenmeer ist sie die zweikleinste. Gerade mal 8,5 km lang. Zwischen einem und 2,2 km breit. Gut zu überblicken in drei Tagen. Kein Grund hastig zu werden.     Das Schnelle ist ohnehin am Festland geblieben. Das Komplizierte auch. Dieses Wochenende soll es ganz einfach werden: in einer Jugendherberge. Und weil uns das so fremd ist, fühlt es sich an wie ein Workshop für Simplifying.     Simple Living, Downshifting, Minimalismus. Fragt man Zukunftsforscher Matthias Horx steckt hinter dem Trend zum Einfachen Leben ein fundamentaler Wertewandel. Er bedeutet die Befreiung von unnötigem Ballast für ein Mehr an Lebensqualität, an Sinn, an wirklichen Beziehungen, an jener Kreativität, die aus Langsamkeit wächst. Was das betrifft, gleicht der Hafen von Wangerooge …

Nordnordfriesland: Unsere Landschaft gewordene Bucket-List

Letztens hatten wir erstmals den Eindruck, in einer Gegend ohne jeglichen Charme gelandet zu sein. Das war in Nordnordfriesland (also Südtondern). Ich hatte mich schon häufiger gefragt, wie es sich wohl dort lebt, wo alle immer nur wegwollen. Denn Nordnordfriesland ist das Drehkreuz zu den nordfriesischen Inseln und Halligen und wird daher von vielen Touristen lediglich im Vorbeifahren wahrgenommen. Wir starteten in Klanxbüll. Dort, wo man sich als Syltreisender immer so freut, weil es gleich auf den Hindenburgdamm geht. Dieses Mal aber waren wir gekommen, um die Küste in südlicher Richtung abzufahren.     And equal it goes loose: Der Friedrich-Wilhelm-Lübke-Koog Koog nennt man Land, das der See abgerungen wurde. Vereinfacht gesagt, errichtet man einen Deich im Meer und entwässert das Land dahinter so lange bis es trägt. Es gibt zauberhafte Kooge. Das sind diejenigen, die für den Küsten- oder Naturschutz errichtet wurden. Und es gibt Kooge, die exzessiv wirtschaftlich genutzt werden. So einer ist der Friedrich-Wilhelm-Lübke Koog. Sein Namensgeber war der ältere Bruder vom tüdeligsten aller Bundespräsidenten und selbst Ministerpräsident von Schleswig-Holstein. In den …

Der breiteste Strand Nordeuropas

Rømø. Insel, auf die ich nie scharf war. Nicht mal als Jugendliche. Obwohl damals quasi alle zum Feiern auf Dänemarks südlichste Nordseeinsel gefahren sind. Bzw.: gerade deshalb. Der Ballermann der Westküste, hab ich gedacht. Schlimmer kann nur noch Løkken sein. Autostrand. Furchtbar. Und dass in den letzten Jahren mehr und mehr Massenunterkünfte (Reihenhäuser!) rund um Havneby entstanden sind, hat mich nun auch nicht gerade neugierig auf Rømø gemacht. Rømø ist für mich nie so richtig Dänemark gewesen. Eine Transit-Insel bloß. So gut wie jeden Winter rattern wir über den beinahe 10 km langen Damm, dem Rømødæmningen, durchs Wattenmeer (der zugegeben wahnsinnig schön ist), um im Hafen die Fähre nach Sylt zu nehmen. Aber heute ist alles anders. Heute ist Sommer. Heute ist der Damm nicht leer. Heute kommen uns Kolonnen von Porsches entgegen. Sylturlauber. Aber dazu gehören wir heute nicht. Wir fahren nach Rømø. Heute biegen wir nicht an der ersten (einzigen) Kreuzung links zum Hafen ab. Sondern steuern geradeaus. Mitten ins Auge des Touristen-Taifuns. An den Strand von Lakolk. Und sind vom ersten Augenblick: …