Norddeutschland, Nordsee, Schleswig-Holstein
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Life´s a beach am Elberadweg

Elberadweg

Prolog: Von Glückstadt nach Brunsbüttel

IMG_20140613_103432Eigentlich wollten wir nur den Nord-Ostsee-Kanal mit dem Fahrrad abfahren. Doch es existiert keine Bahnverbindung nach Brunsbüttel, dem Startpunkt des Kanals. Darum steigen wir bereits 31 km weiter südlich aus dem Zug. Und es ist nicht nur reiner Zufall, dass wir so den Elberadweg kennenlernen. Sondern auch ein Glücksfall: die Strecke Glückstadt – Brunsbüttel bringt nämlich richtig Spaß.

In 30 Minuten und für 13 Euro bringt die Deutsche Bundesbahn Radfahrer inkl. Rad von einem der hässlichsten Bahnhöfe (Altona) zu einem der niedlichsten: Glückstadt.

Die niedliche Seite des Bahnhofs liegt gegenüber

Die niedliche Seite des Bahnhofs liegt gegenüber

Niedlich ist ein Wort, das Volko selten in den Mund nimmt.  In Glückstadt kann man aber nicht anders. Dabei hatte der dänische König Christian IV gar nichts Niedliches im Sinn, als er 1617 den ersten Grundstein mit großen Worten legen ließ:

Dat schall glücken, und dat mut glücken. Und denn schall se ok Glückstadt heten.

Hafen Glückstadt

Was nach Christians Willen glücken sollte: Hamburg den Handelsrang ablaufen.

Die Pläne scheinen angesichts des Glückstädter Hafens extrem ambitioniert. Trotzdem: die königliche Vergangenheit sieht man der Kleinstadt an.

Wir sind begeistert und machen gleich erst mal Frühstückspause am Markt (wo Dienstags Markt ist).

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IMG_20140613_104132IMG_20140613_103929Glückstadt wirkt wie heile Welt. Individueller Einzelhandel statt großer Handelsketten, Galerien & offene Ateliers, die Menschen reden miteinander. „Passen Sie mal auf meine Mutter auf“, sagt eine lässige Mitte 60jährige und  platziert eine todschicke Mitte 80jährige zwischen zwei jungen Männern auf der Parkbank neben uns.  Die Männer sprechen zwar offenbar nur arabisch,  verstehen aber doch, dass die Mutter nicht weglaufen darf. Eben echt niedlich alles.

Weniger gelungen als die Altstadt im niederländischen Renaissance-Stil scheint uns der „Themenpark Fisch“ – aber Fisch ist ja sowieso Geschmacksache. Die Stadt immerhin scheint ihren Fischpark immerhin zu mögen. Sie empfiehlt den Besuch auf ihrer Internetpräsenz so:

Genießen Sie eine erholsame Zeit, lassen Sie den Blick über die Elblandschaft schweifen und entdecken Sie Informationen und Spiele zum Thema „Fisch“.

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Vom Themenpark „Fisch“ erhofft Glückstadt sich hoffentlich keine Touristenströme

Sei´s drum. Gleich dahinter liegt – immer schön zwischen Deich und Elbe – der Elberadweg. Bis Brunsbüttel wollen wir dem meistbefahrenen Radweg Deutschlands folgen, wo er die meistbefahrene Wasserstraße der Welt kreuzt. Das klingt nach ordentlich viel Verkehr (was sich als ordentliche Fehleinschätzung erweist.)

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Erst stört noch einer mit Rasenmähergebrumm. Aber das entfernt sich. Bis es so leise ist, dass die glucksenden Wellen der Elbe zum lautesten aller Geräusche werden.

Wir kommen schnell dahinter, warum der Elberadweg der meistbefahrene Radweg Deutschlands ist. Er ist ziemlich schön.

Was wir nicht verstehen: Warum treffen wir keinen Radfahrer auf dem meistbefahrenen Radweg Deutschlands? Auch das ist ziemlich schön.

Wir treffen nur jede Menge Schafe (ganz anders als auf dem Heidschnuckenweg).

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Und weil es so viele Schafe gibt, gibt´s auch ordentlich Schafsmist. Und Schafsgatter, so dass man ab und zu absteigen muss, um sie zu öffnen. Aber immerhin muss man nicht übermäßig in die Pedale treten. Kein Hügel nirgends. Dithmarschen ist plattes Land. Man rollt so dahin. Die Sonne scheint immer wärmer. Der Himmel wird blauer. Die Elbe breiter. Und die Luft frischer. Beinahe als wäre man schon an der Nordsee (ist man auch fast.)

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Und dann kommt Brokdorf.

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Vermutlich ist es bei einem Störfall egal, ob man in Hamburg oder Brokdorf lebt. Wahrscheinlich hat man aufs Große Ganze gesehen in Hamburg sogar schlechterer Karten, weil elbabwärts ja auch noch Krümel liegt. AKW´s sind jedoch in etwa wie Tiertransporte. Wenn man das Schreckliche nicht vor Augen hat, verdrängt man seine Existenz.

Ich frage mich, was 2021 mit den Immobilienpreisen am Elbrand geschieht. (Oder wann immer die Altlasten nach dem Atomausstieg eben beseitigt werden.)

Die Elbe ist bei Brokdorf wahnsinnig schön; ihre Strände feinsandig.  Sogar Robben zieht es zum Rasten hierher. Es könnte das Paradies sein. War es sicher früher. Und wer weiß, vielleicht wird es das ja auch mal wieder.

Elbstrand

Ein guter Tipp gegen Rapskäfer: Kein rapsgelbes T-Shirt anziehen.

Strand. Schleuse. Leuchtturm. So läuft das die nächsten 20 km.

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Und dann kommt das AKW Brunsbüttel (das störanfälligste Kernkraftwerk des Landes übrigens; aber immerhin abgeschaltet).

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Auf den ersten Blick ist Brunsbüttel nicht gerade eine Schönheit. Mir kommt eins seltsam vor: Die Stadt ist von Industrie umgeben, dass es nur so kracht. Irgendwie müsste das doch zu Kaufkraft führen. Stattdessen scheint jedes zweite Ladenlokal geschlossen. Die Straßen sind verwaist. Auch sehen wir keine Menschen in unserem Alter und erst recht keine Jüngeren – sondern nur welche im Rentenalter (auch davon nicht sehr viele).

Aber wir sind ja auch noch auf der Südseite des Kanals. Der Touristen-Hot-Spot Brunsbüttels liegt gegenüber. Bevor man die Fähre nach drüber nimmt, sollte man sich aber noch einen Drink gönnen im Copacanala.

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Copacanala Brunsbüttel

Der Beachclub von Brunsbüttel ist super. Was u.a. am hervorragenden Musikgeschmack seines Besitzers liegt. 14 Jahre hat er auf den Malediven gelebt und vermutlich ist genau das der Grund, warum das Copacanala nicht nur laid-back tut. Es ist so. Und einen besseren Ausblick als in den allermeisten Großstädten hat man hier sowieso.

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Langweilig wirds jedenfalls nie. 100 Schiffe fahren täglich am Copacanala vorbei. Und alle paar Minute die Fähre. Mit ihr werden wir zum Startpunkt unserer Nord-Ostsee-Kanal-Radtour übersetzen. Aber jetzt brauchen wir erst einmal eine Pause.

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to be continued…

3 Kommentare

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  3. Lembke sagt

    Ich würde sagen Steinburg und nicht Ditmarschen denn mehr als Steinburger kann der Mensch nicht werden 🤔😉

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