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Ehrfürchtig hopsen: Weihnachten in Liseberg

Liseberg

Zu den unzähligen Vorzügen einer Kindheit in Göteborg gehört Liseberg, Schwedens ältester Vergnügungspark. Während für Kinder in Norddeutschland die Zeit spätestens ab dem Nikolaustag quälend langsam vergeht, verfliegt sie in Liseberg wie eine Schneeflocke im Wind. (Witzigerweise ist es für Erwachsene genau anders herum: In Norddeutschland rast der Dezember dahin; in Liseberg bleibt die Uhr stehen. Oder wird sogar zurückgedreht. Um ein paar Jahrzehnte.)

 

Liseberg

 

Jedenfalls fühle ich mich maximal 8 Jahre alt, als wir uns um 14.55 Uhr in die Mega-Menge vor den Pforten Lisebergs einreihen. Innerlich stöhne ich. Am liebsten würde ich mich vordrängeln. Aber ich lasse mir – auf eine vermutlich Mr. Bean-artige Weise – nichts anmerken. Erstens bin ich eigentlich erwachsen. Zweitens verhalten sich in Schweden selbst winzigste Besucher ausgesprochen manierlich. Und drittens möchte ich Volko keine Gelegenheit geben, die Frage zu stellen, die absolut auf der Hand liegt: Sag mal, müssen wir wirklich hier rein?

 

liseberg weihnachten

 

Was für eine Frage! Klar, müssen wir. Unbedingt. Schnell. Dabei würde ich in Deutschland lieber Gras essen, als einen Vergnügungspark zu betreten. Aber in Skandinavien ist das was anderes. Vor allen Dingen in Liseberg, wo in der Weihnachtszeit Licht- und Deko-Künstler sich mal so richtig ins Zeug legen. Als wir – endlich – die Tickets in der Hand halten, ist es 15.05 Uhr. 10 Minuten hat das elende Anstehen gedauert. Eine Ewigkeit (die man sich sparen kann, denn nach dem Anfangsandrang bilden sich keine Schlangen mehr vor den Kassenhäuschen).

 

Heissahoppsa Liseberg

 

 

Von 1923 bis 1999 war Liseberg ein reines Sommervergnügen. Im Jahr 2000 fand der erste Weihnachtsmarkt statt. Inzwischen ist er der größte Skandinaviens. Er öffnet Mitte November mit Einbruch der Dämmerung. Und ja, das ist alles künstlich. Doch das stört keinen großen Geist, wie Karlsson vom Dach weiß. Kinder kümmern sich ohnehin nicht um Moden und Zeitgeist. Sie haben eine Schwäche für Künstliches und Blinkendes (selbst wenn ihre Eltern viel Wert auf Stil legen. Vielleicht gerade dann).

 

 

Man muss Liseberg aus kindlicher Perspektive betrachten. Beobachten, wie Fünfjährige ehrfürchtig durchs Hasenland, Winterland, Lappland und Tomteshuset hopsen. Ehrfürchtig hopsen, stellt man dann fest, ist eine Fähigkeit, die sich mit zunehmendem Alter verliert. Das kriegt man nur noch in Ausnahmefällen hin, wenn die Gegebenheiten direkt aufs Gefühl zielen – ohne Umwege über das Gehirn. Da Licht und Musik bei mir relativ verlässlich wirken, bin ich in Liseberg kurz abgetaucht in diesen Ausnahmezustand – erleuchtet von 5 Mio LED-Leuchten; mit schwedischen Weihnachtsliedern im Ohr.

 

Liseberg: wer, wie, was und warum?

 

Wann: Die reguläre Saison in Liseberg läuft von April bis Oktober. Nur dann sind alle Fahrgeschäfte geöffnet. Von Mitte November bis 30. Dezember ist Liseberg in ein Winterwunderland umgestaltet.

Wie lange: Gut 2 Stunden muss man mit An- und Abreise (Straßenbahn oder zu Fuß) schon einplanen.

Wie teuer: Unter 110 cm, ist der Eintritt frei. Größere zahlen 100 Kronen (etwa 10 Euro) für das Basis-Ticket (das nicht zum Besuch der Fahrgeschäfte berechtigt).

Wer und warum: Wer ein Alibi-Kind im Schlepptau hat, ist fein raus. Der Rest heuchelt Interesse an schrecklichen Achterbahnen bzw. an den Saison-Specials; etwa Gartentage im Frühling, Konzertnächte im Sommer, Zombie-Sachen zu Halloween oder eben Weihnachten.

Und apropos Weihnachten: wir wünschen Euch friedliche, frohe Tage.

 

weihnachtsstern

8 Kommentare

  1. Ingrid Jansen sagt

    Hallo,

    wir wünschen euch ein schönes friedliches Weihnachtsfest, wo immer es euch hinverschlagen hat!! Kommt gut und gesund ins neue Jahr und nehmt uns bitte noch oft „mit“ auf Reisen!

    Liebe Grüße aus der Rosenstadt Ingrid

  2. Deine Beschreibung erinnert mich ein bisschen an das Tivoli in Kopenhagen, kann das sein? beim Lesen kommt man ja richtig auf den Geschmack! Falls wir es im nächsten Sommer hinkriegen, nach Göteborg zu segeln, steht ein Ausflug dorthin auf jeden Fall auf unserer Bucket List – auch ohne Lichterketten. Danke für den Tipp, und noch mal: frohes Fest! ?

    Liebe Grüße
    Martina

    • Das ist ein guter Vergleich. Gefühlt ist Liseberg nur etwas größer. (Was auch dran liegen kann, dass Liseberg sich wirklich über einen Berg zieht. Also quasi 2 Etagen hat). Im Sommer war ich übrigens auch schon zwei Mal da. Ebenfalls ganz fein. Ich freu mich jetzt schon auf Eure Eindrücke 🙂

  3. Liebe Stefanie, lieber Volko,

    wir wünschen euch ein frohes und besinnliches Weihnachtsfest mit viel Zeit für alles, wofür unterm Jahr nicht so recht Zeit ist! Genießt die freien Tage.
    Ein herzliches Dankeschön an euch beide für die wunderbaren Blogbeträge und so schönen Fotos in diesem Jahr – entweder regen sie mich zum Nachmachen an oder – wenn das nicht geht – lassen sie mich zumindest virtuell etwas miterleben, was ich mir real nicht mehr geben kann.
    DANKE!!!

    Alles Liebe für euch

    herzliche Grüße Eva und Knut (den ich immer mal wieder vor den PC hole, damit er eure Beiträge auch liest :-))

  4. Tolle Fotos – ich bin eigentlich eher auf den Süden abonniert, aber hier bekomme ich direkt Appetit auf den Norden 🙂

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