Alle Artikel mit dem Schlagwort: Mecklenburg-Vorpommern

Jenseits des Priwalls eine andere Welt

Man muss sich das mal vorstellen (also, man muss sich das wirklich mal vorstellen), dass hier der Eiserne Vorhang begann. KM 0 der deutsch-deutschen Teilung. An einem Ostseestrand auf einer Halbinsel wurde das Land zerrissen, Europa getrennt, die Welt in Ost und West gespalten. Das muss man sich mal vorstellen! Es will mir aber schwer in den Kopf, wie wir da so mit dem Fähre über die Trave schippern. Auf der Liste der bizarren Orte ist der Priwall einer der Absurdesten.     Die Halbinsel Priwall ist zu 96% von Wasser umgeben. Mit den übrigen 4% dockt sie an das Festland von Mecklenburg-Vorpommern an. Territorial gehört der Priwall aber seit Urzeiten zu Schleswig-Holstein. Genauer zu Lübeck. Noch genauer zu Lübecks Stadteil Travemünde (der wiederum keine Anbindung an Lübeck hat sondern 20 km von der Hansestadt entfernt liegt). Sozusagen ist der Priwall eine Enklave in der Enklave. Ein Symbol für die Willkür von Grenzziehungen. Und ein Beispiel für ihre Konsequenzen. Noch heute, 26 Jahre nach dem Mauerfall, hat man das Gefühl, dass jenseits des Priwalls eine …

Leutchhturm am Dornbusch

„… nur stille, stille, dass Hiddensee nicht etwa ein Weltbad werde.“

Albert Einstein, Billy Wilder, Sigmund Freud, Franz Kafka, Erich Kästner, Gottfried Benn, Bert Brecht – um nur mal einige Inselgäste zu nennen. Und allen voran Gerhard Hauptmann, der Lokalheld, der seine Sommermonate regelmäßig auf Hiddensee verbrachte. Er schrieb: „Wiese und Meer. Meer und Wiese und Wind. Wind, Sturm und ewig brandenden donnernde Flut! Diese Eindrücke zwingen die Seele zur Einfachheit. Alles gekünstelte, alles städtisch-kulturell-aufgedrängte fällt von ihr ab. Das ist das Gesuchte, das ist das Gesunde. Aber eingeschläfert sind unsere Nerven nicht. Im Gegenteil, sonderbar aufgestört.“ Sonderbar aufgestört. Genau so fühle ich mich. Dabei wird Hiddensee gern als Insel mit Entschleunigungsgarantie bezeichnet. Es gibt auf der Insel keine Autos, keine Beachbars, keine grellen Fassaden, keine Wellnessangebote, sogar die Restaurants schließen früh. Warum finde ich dann keine Ruhe? Warum bin ich so sonderbar aufgestört?     Hiddensee ist die einzige Ferieninsel Mecklenburg-Vorpommerns, die nicht über den Landweg zu erreichen ist. Drei höchst unterschiedliche Orte – Kloster, Vitte und Neuendorf – verteilen sich von Nord nach Süd über das 16 km lange, schmale „söte Länneken“ (süßes Land). …

Where to stay auf Fischland-Darß-Zingst

Im Sommer kann ich eigentlich überall in Norddeutschland zufrieden urlauben. Mir egal, wo ich dann übernachte – Hauptsache drumrum ist irgendwie Natur. Doch wenn es jahreszeitlich dunkel wird in Norddeutschland (und wie man weiß, kann es in Norddeutschland wirklich sehr, sehr dunkel werden), hüte ich mich vor der Architektur des Grauens (Hits aus den 70ern, 80ern, 90ern und das Übelste von Heute).

Traf den November in Ahrenshoop

Man kann dem November ja Vieles vorwerfen. Doch sicherlich nicht, dass er stresst. Nichts liegt ihm ferner. Der November schickt Dich nicht zum Spielen nach draussen. Mahnt nicht, das schöne Wetter zu nutzen. Deutet nicht mit dem Zeigefinger auf Staub in Regalen oder ungeputzte Fensterscheiben. Und Weihnachten ist noch weit. Der November rät Dir nicht, regelmäßiger Sport zu treiben. Will nicht, dass du 5 kg abnimmst auf die Schnelle. (Das kann man – wie alle guten Vorsätze – auf´s nächste Jahr verschieben. Und bis dahin trägt man eben Norwegerwolle.) Eigentlich muss man im November gar nichts. Chill mal, Sugar, sagte er neulich, als ich auf einem zugigen Bahnhof mit ihm zusammenstieß. Mach mal halblang. Mehr will ich ja gar nicht von Dir. Dass Du überhaupt was von mir willst, entgegnete ich giftig. Dabei reicht mir schon, dass ich Dich aushalten muss. Für mehr habe ich echt keine Nerven. Und sowieso keinerlei Zeit. Ich bin im Stress, verstehst Du. Schaffe meine Arbeit nicht mehr, so müde machen mich Deine bleigrauen Tage. Und komm mir bloß nicht zu nah. Eine Grippe kann ich nämlich …

Was ist was: Die Kühlung

Die Kühlung ist ein bewaldeter Höhenzug in Mecklenburg-Vorpommern. Sie erstreckt sich von der Steilküste in Rerik bis Hanstorf im Südosten.   In ihrem Relief gleicht sie einem miniaturisierten Mittelgebirge und hat neben traumhaften Ostseestränden massig Hügelgräber, Findlinge, Herrenhäuser, Jugendstilvillen, neugotische Bauten, Alleen und Parkanlagen im Gepäck. Der bekannteste Badeort ist Kühlungsborn. Was mich an der östlichen Ostsee immer besonders kickt, ist die Bäderarchitektur und Wälder, die direkt bis an den Strand reichen. Und natürlich die weiße Stadt am Meer: Heiligendamm.

Tag am Meer

Wären die Seebäder der Kühlung Schwestern, wäre Heiligendamm die kühle Blonde. Kühlungsborn wäre das lebhafte Zwilingspaar. Rerik die sanfte Bodenständige und die kleine Verträumte versteckt sich 4 km östlich hinter dem Gespensterwald: Nienhagen. Dort lässt sich ein Tag am Meer ganz famos mit einem Spaziergang an der Steilküste entlang beginnen.

Kurhaus Grand Hotel Heiligendamm

Heiligendamm, die weiße Stadt am Meer

Ich bin in Schleswig-Holstein geboren und habe einen krötenartigen Instinkt entwickelt, der mich regelmäßig an die Strände meiner Kindheit und Jugend zieht. Das Unbekannte bleibt daher viel zu häufig auf der Strecke. Dazu gehörte bis heute Deutschlands 1. Seebad: Heiligendamm. Über die längste, älteste und schönste Lindenallee des Landes nähern wir uns der Stelle, an der Herzog Friedrich Franz I am 21. September 1793 das erste Badehaus Deutschlands gründete. Dazu inspiriert wurde er auf seinen Reisen nach England. Heute scheint Heiligendamm allerdings das genaue Gegenteil von beispielsweise Brighton. Denn Heiligendamm präsentiert sich uns nicht als turbulenter Badeort, nicht einmal als Dorf – sondern als ein mehr oder minder verlassenes Gesamtkunstwerk klassizistischer Bade-, Logier- und Gesellschaftshäuser an einem einsamen Strand der Mecklenburger Bucht. (Streng genommen ist Heiligendamm ein Ortsteil von Bad Doberan, aber dazu später.) Aber das ist ja gerade das Zauberhafte. Das Romantische. Hier meint man, allein auf der Welt zu sein. Und die Welt ist ein Caspar David Friedrich Gemälde.     Volko, der sich aus visuellen Gründen gern zu Äußerungen hinreissen lässt wie: „Vielleicht haben wir Glück …