Allgemein, Neulich im Norden, Noch nördlicher, Norden im Westen, Nordische Nachbarn, Rausgehen, Wandern
Kommentare 11

Soweit das Auge reicht: die kühle Schönheit von Snowdonia

Snowdonia

Als ich zum ersten Mal von Snowdonia hörte (und das ist noch gar nicht so lange her), elektrisierte mich allein der Name augenblicklich. Allerkürzeste Recherche später war der Nationalpark bereits zum Sehnsuchtsziel geworden. Denn auch im virtuellen Wales führt kein Weg vorbei am Snowdon, dem höchsten Berg des Landes, und einer großartigen Art, ihn zu bezwingen: nämlich mit der Snowdon Mountain Railway.

 

 

Wenn die einzige Zahnradbahn Großbritanniens den Wagon den Berg hinaufschiebt, kann man die Anstrengung der alten Lady geradezu spüren. Was ok ist, so lange sie durch kleine Schluchten und über weite Ebenen zockelt. Tun sich direkt neben den Schienen Abgründe auf, fühlt es sich schon etwas ulkiger an (nicht unbedingt im Sinne von witzig).

 

 

Von Mai bis Anfang November lautet die große Frage: Hüllt sich der Gipfel in Wolken, Nebel, Regen, Schnee? Oder hat man etwa freie Sicht vom Panorama Café des visitor centres. Es ist eine Art Glücksspiel. Bei zu schlechten Bedingungen und in der Vorsaison (Mitte März & April) lässt die Mountain Railway es nach etwa 3/4 der Strecke gut sein. Dort befindet sich die „Station“ Clogwyn (ein vermoderter Schuppen) und sonst nichts.

 

 

Snow – Snodown – Snowdonia

 

 

Das ist so eine Eigenart von Snowdonia: obwohl man sich in Clogwyn nur auf 770 Metern befindet, ist die Anmutung regelrecht alpin. Im Winter braucht der weitere Aufstieg definitiv Erfahrung (womit ich nicht dienen kann). Nach Westen zur irischen See exponiert, toben auf dem Snowdon extreme (gern plötzliche) Stürme. Die eigentlich nicht besonders steilen Wege können innerhalb von Minuten vollkommen vereisen.

 

 

Selbst der Abstieg bietet bei Schnee & Eis anfangs ordentlich Schlitterpotential. Bei uns etwa für zwanzig Minuten – um sich dann in etwas Federleichtes und überirdisch Schönes zu verwandeln.

 

Llanberis Path: der Top Trail von Snowdonia

 

Auf den Snowdon zu steigen, gehört für viele Briten zu einem erfüllten Leben dazu. Von allen äußerst beliebten Trails auf das „Dach von Wales“ ist der Llanberis Path der aller-, aller-, allerbeliebteste.

 

 

Im Sommer sollte man keine ruhige Minute erwarten. Im frühen Frühjahr ist man wenigstens streckenweise allein mit der Landschaft, gurgelnden Bächen und der guten, alten Bergmöwe.

 

 

Dafür kann man im Frühjahr nirgends einkehren. Es ist also gar keine schlechte Idee, eine Flasche Wasser einzustecken. (Bisschen neidisch war ich auch auf zwei, die ein Picknick auf halber Strecke zu sich nahmen. Es war kurz nachdem die winterliche Atmosphäre dem Frühlingsgefühl wich.)

 

Snowdonia

 

Ich persönlich fand „festes Schuhwerk“ ganz angebracht. Aber natürlich – in Britannien unvermeidlich – tänzelten einige Damen in Ballerinas an uns vorüber. Und nicht alle Herren trugen Jacken. (Keine Ahnung, ob es wirklich Muggles waren).

 

Llanberis

 

Die Mountain Railway braucht bis Clogwyn ungefähr eine 3/4 Stunde, bis zum Gipfel eine weitere Viertelstunde. Der Aufenthalt beträgt in jedem Fall 30 Minuten. Die Rückfahrt dauert genauso lang wie die Hinfahrt. Geht man zu Fuß runter, benötigt man im Genießertempo etwa doppelt so lang; also 1,5 Stunden.

 

Northwales

 

Schon 1845 schrieb der Reiseschriftsteller George Borrow über den Snowdon sehr treffend vom „Wandern soweit das Auge reicht“. Uns hat der Dreiviertel-Ausflug wirklich wahnsinnig beglückt. Geübten Alpinisten mag der Llanberis Path allerdings zu easy sein. Wer sich dazu zählt, findet alles über alle Aufstiege auf Gabors Blog Wandern in UK.

 

Snowdon Mountain Railway

 

Und wer sich zum ersten Mal überhaupt mit Snowdonia als Reiseziel befasst, sei noch auf unsere Lieblingsplätze im Norden von Nordwales hingewiesen.

 

11 Kommentare

  1. Wie viele Leben muss man eigentlich haben, um all die Schönheiten unserer Erde zu entdecken? Eure Sehnsucht nach Wales ist jedenfalls ziemlich ansteckend. Ein wenig erinnert mich die Landschaft an die Lofoten oder an die Färöer. Das Karge strahl so viel Ruhe aus, man verliert sich und kann sich zugleich wieder finden. Ganz gleich, wie easy oder herausfordernd eine Tour ist. Die Schönheit der Umgebung ist unabhängig davon.
    Ihc beneide ich um diesen Trip.

    • Lieber Kai, ich glaube, selbst mit 9 Leben käme man nicht aus, um alles Sehenswerte zu sehen. Lofoten und Färöer stehen bei uns übrigens ganz oben auf der Liste. Hab einen schönen Tag, Stefanie

  2. Spätestens jetzt wäre Snowdonia auf meiner Reise-To-Do-Liste gelandet, wenn es nicht schon dort gewesen wäre 🙂 So tolle Bilder! Und wirklich gute Informationen: Nach dem Studieren diverser Reiseführer war ich mir unsicher, welche bergsteigerischen und sonstigen Anforderungen dieser Ausflug bereit hält. Jetzt hab ich eine gute Vorstellung davon. Danke!

    • Schön, dass freut mich. Viele unterschätzen die Lage wohl. Es heißt, die Bergwacht sei beschäftigt wie keine zweite. (Manchmal auch Prinz William ;-))

  3. Hallo Stefanie,
    vielen Dank für euren schönen Bericht und die wie immer sehr inspirierenden Fotos. Ein Grund mehr, wirklich mal nach Wales zu aufzubrechen, wo ich doch schon so nah bin. Snowdon steht auf meiner Liste jetzt ganz oben. Ich wusste gar nicht, dass es eine Bahn da rauf gibt. Es ist wirklich erstaunlich, dass nach so vielen Unglücken viele Briten immer noch so leicht bekleidet da hinaufwatscheln. Ballerinas, Flipflops. Na gut, fairerweise muss man ja sagen, dass die Römer einst auch in Sandalen da herumgelaufen sind :).
    Liebe Grüße
    Steffi

    • Liebe Steffi, Dich sehe ich ja nicht nur in Snowdonia sondern auch total auf dem Küstenpfad. Davon handelt dann der nächste Wales-Bericht. Und dann musst Du gleich buchen 🙂 Liebe Grüße auf die Insel!

  4. HannoverblickOst sagt

    Hach, herrliche Bilder! Ich würde am liebsten gleich aufbrechen. 🙂 Gibt es in Snowdonia eigentlich Midges? Ich bin letzte Woche gerade aus den NW- Highlands gekommen und da traten die in den letzten Tagen bereits in Schwärmen auf. Sehr unangenehmes Getier! LG Simone

    • Liebe Simone, Mückenschwärme würde ich mal schwer vermuten – aber wir waren im März in Snowdonia. Da hat man natürlich komplett seine Ruhe. Bin sehr gespannt auf Deinen schottischen Erlebnisse, Stefanie

      • HannoverblickOst sagt

        Stimmt, Flugangriffe kommen erst im Mai/ Juni. Dennoch, ich werde mal recherchieren, ob Snowdonia ähnlich stark betroffen ist. 😉

Kommentar verfassen