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Rund um die Schachbrettblumenwiesen im Junkernfeld

Einmal im Jahr, irgendwann zwischen Mitte April und Anfang Mai, verwandelt sich das Junkernfeld in Schachbrettblumenwiesen. Oder Schachblumenwiesen. Ich weiß nicht genau, ob die eine Begrifflichkeit „richtiger“ ist als die andere, wie ich überhaupt wenig über Blumen weiß. Aber über das Naturschutzgebiet Untere Seeveniederung kann ich seit gestern aus eigener Erfahrung sagen, dass ein wirklich schöner Rundwanderweg um das Junkernfeld führt. Er ist 11 km lang, wenn man am Bahnhof Maschen startet. Und 8 km, wenn man sein Auto am Parkplatz bei Hörsten am Junkernfeldsee parkt.     Direkt am See steht auf einer Infotafel geschrieben, dass auf dem Junkernfeld die größten Schachblumenbestände der Bundesrepublik Deutschland zu finden sind. Wikipedia allerdings verweist diesbzüglich auf die Sinnwiesen bei Obersinn in Franken. Das Land Niedersachsen wiederum sagt, in Seevetal befindet sich „wahrscheinlich das größte Vorkommen in Mitteleuropa“.     Der Weg führt zunächst entlang der Seeve bis zur Elbe. Die Seeve hat es mir ziemlich angetan, so dass mir möglicherweise ohne Vorabinformationen die Schachblumen gar nicht weiter aufgefallen wären. So zart sind sie und auch weitläufig gestreut. …

Husum

Übers Haff nun fliegt die Möwe: 3 Spaziergänge in Husum

Wenn der eine Husum sagt, zitiert der andere mit 95%iger Wahrscheinlichkeit Theodor Storms graue Stadt am Meer. Und fügt in geschätzten 70% der Fälle hinzu: soooo grau soll Husum ja gar nicht sein. Doch das kommt auf den Blickwinkel an. Wer (wie ich) zum Auftakt eines Tagesausflugs zunächst das Meer begrüßen möchte, muss durch den Außenhafen. Und bei dem handelt es sich um den hässlichsten Hafen von Schleswig-Holstein. Leider wirklich wahr. Mächtige, gewaltige, monströse, schmutziggraue Silos und andere Industrieanlagen versperren auf beiden Seiten der Husumer Au einerseits den Blick zur See, andererseits auf die kleine Stadt und drücken geradewegs aufs Gemüt.   Rund um die Dockkoogspitze: ein Dreiviertelstündchen   Viel fröhlicher wirds nicht auf dem weiteren Weg. Schnurgerade und baumlos führt die Dockkoogstraße knappe 3 km zur Dockkoogspitze. Dort liegt die Badestelle von Husum. Trist und verwaist. Wie es sich für die Nordsee gehört.     Zu Storms Zeiten war das Panorama von Husum natürlich noch nicht verschandelt. Dieses Jahr feiert die Stadt immerhin schon des Dichters 200. Geburtstag. Aber man weiß schon, wie Theodor …

Huettener Berge

Wandern wie auf Wellen: die Hüttener Berge & andere seltsame Dinge

Aufgrund von Sören Espersens trumpesquen Äußerungen sind wir schnell noch mal in die Hüttener Berge gedüst. Der dänische Rechtspopulist gab neulich in einem Interview zum Besten: „Ein Dänemark bis zur Eider ist Hoffnung und Traum zugleich. Selbstverständlich.“  Espersen muss das wissen – er ist immerhin Vorsitzender des aussenpolitischen Ausschusses des Folketing. Zwar will er ausdrücklich keine Panzer rollen lassen, um das nördliche Schleswig-Holstein heim ins Kongelige Danmark zu holen. Aber sicher ist sicher. Dieser Tage passieren ja die seltsamsten Dinge. Man könnte meinen, die Welt ist verrückt geworden. Nehmen wir nur mal das Outlet Neumünster.     Das ist jetzt ein krasser Themenwechsel, ich weiß. Aber das Outlet war der eigentliche Grund, warum wir uns vergangenen Freitag trotz Hamburger Ferienbeginn die A7 angetan haben. Ich brauchte neue Wanderschuhe. So was stellt für mich eine extreme Herausforderung dar, seit ich vor ca. 10 Jahren aufgehört habe, über den Bedarf hinaus zu konsumieren. Aber nun hatte ich ja einen Bedarf. Und einen Gutschein (in Gestalt meiner Ma) für´s Outlet Neumünster.   Danes have more fun (beim Shoppen …

Olpenitz

Jetzt komm ich noch einmal und dann nimmermehr: Olpenitz

In Olpenitz bei Kappeln entsteht seit einiger Zeit „Deutschlands größter Ferienpark“. So hab ich das neulich gelesen. Allein das Wort Ferienpark deprimiert mich. Beim Ostsee-Resort Olpenitz (noch so ein deprimierendes Wort) kommt hinzu, dass es meinen Lieblingsstrand tangiert. Im geradezu mathematischen – aber mehr noch ideellen Sinne. Das beobachte ich nun schon eine ganze Weile, doch ich kann und kann mich nicht daran gewöhnen.     Als meine Welt und ich noch klein waren, endete sie – also die Welt, am Strand von Weidefeld. Konkret an einer Mole, die sich weit in die Ostsee hineinstreckt. Das Dahinter blieb mir Jahrzehnte verborgen. War Marinegelände. Sperrgebiet.  Nicht, dass ich Militärisches so toll fände. Doch gerade, dass man nicht weiterkonnte, setzte ein I-Tüpfelchen auf das Gefühl, sehr weit weg von allem zu sein.     Zwischen Weidefeld und der nächsten Stadt liegen zehn Kilometer herrlichster Walachei. Kappeln ist selbst nicht gerade eine Metropole.  Daher war Weidefeld immer leerer als andere Ostseestrände in Schleswig-Holstein. Nicht so zugepflastert mit Strandkörben. Keine Kurtaxe. Richtig Meer eben. Ein sehr guter Ort.   …

Sylt bei Regen

Sylt bei Regen oder der Weststrand für BWLer

Was man auf Sylt bei Regen macht? Logisch: man sucht sich ein kuscheliges Plätzchen und liest. Einen sehr dicken Roman. „Stundenlang lesen“ ist ja ohnehin etwas, worauf man sich einstellt, wenn man nach Sylt fährt. Regen gehört zu einem Nordseeurlaub dazu. Und ja, man freut sich sogar darauf. Doch so einfach ist das gar nicht in Norddeutschland. Schon gar nicht auf den Inseln. Am allerwenigsten auf Sylt. Spätestens wenn das Teewasser den Siedepunkt erreicht, pustet der Wind nämlich eine Himmelsecke frei. Urplötzlich taucht ein Sonnenstrahl den Lesesessel in goldenes Licht. Und auf einmal scheint es gar nicht mehr so verlockend, sein Lied hinter dem Ofen zu singen…   Sylt bei Regen (soll ich´s wirklich machen oder lass ich´s lieber sein?)   Syltkenner wissen: dies ist nicht der Zeitpunkt für eine ausführliche Kosten-Nutzen-Analyse. Möglicherweise bricht in eben diesem Moment die beste Stunde des Tages an, vielleicht der gesamten Urlaubswoche und wer will das schon verpassen? Also, schnell das Outfit des Grauens geschnappt und ab an den nächsten Strand.     Wenn es sich dabei um den …

Kampen

Kampen oder warum ich keine Selfies mache

Meinem Empfinden nach löst kein anderer Urlausbort in Norddeutschland so viel Spott aus wie Kampen. Kampen gilt Vielen als Synonym für Schickimicki. Irgendwie verhaftet in den 80ern, bevölkert von Männern in Colour-Blocking-Outfits und Frauen, die entweder zu viel Goldschmuck tragen oder dem Typ Hamburger Eisente angehören. Obendrein noch der un-säg-liche Nachwuchs! Ich selber habe das nie so empfunden. Für mich waren das Vorurteile. Und nun hat mich ausgerechnet der Tourismus-Service Kampen ins Grübeln gebracht. Denn dort hält man das, was ich für Vorurteile hielt, offenbar für die Wahrheit. Und sie werden ihre eigene Zielgruppe ja kennen…     Tourismus ist ein Riesending für Norddeutschland. Ein enormer Wirtschaftsfaktor. Dennoch bekommen wir von Touristikern, Gastronomen, Kaufleuten usw. erstaunlich oft folgenden Standardsatz zu hören: „Wir wollen hier schließlich kein zweites Sylt werden.“ Das kann ein guter Plan sein. Wenn es denn aus den richtigen Gründen geschieht. Gute Tourismuskonzepte kümmern sich aktuell vor allem um Naturschutz (so wie in Kampen) und versuchen gleichzeitig die Einheimischen vor totaler Abhängigkeit vom Tourismus zu schützen (so wie in Kampen leider nicht). Insofern …

Wilhelmsburg

Stückchenweise ungezähmt: Wilhelmsburg und die Wildnis

Letzten Sonntag besuchten wir einen Fleck in Wilhelmsburg über den das Abendblatt schreibt: Feiner weißer Sandstrand in Südlage, Schatten spendende Bäume, erfrischendes Wasser mit gelegentlichem Wellenschlag. Diese Urlaubsoase haben Hamburger direkt und kostenlos vor ihrer Haustür, in Wilhelmsburg am Finkenrieker Hauptdeich, am Ufer der Süderelbe. Das ist alles maßlos übertrieben. Stimmt seltsamerweise aber gleichzeitig. Jedenfalls wenn man gewisse Dinge ausblendet und andere Dinge fokussiert. Mehr als jeder andere Stadtteil liegt Wilhelmsburg in der Phantasie des Betrachters. Für die einen ist es so was wie die Bronx von Hamburg. Für die anderen die neue Schanze. Und die nächsten halten es für eine Urlaubsoase.     Ganz objektiv gesehen, ist Wilhelmsburg Hamburgs größter Stadtteil; gelegen auf Deutschlands größter Binneninsel, durchschnitten von Autobahnen und mit Industrie gespickt. Dazwischen schmiegen sich einige urbane und einige wilde Ecken. Oder viel mehr Eckchen. Denn in Wilhelmsburg ist alles immer auf die eine oder andere Art begrenzt.     Begrenzung ist natürlich super für Leute, die nicht gern elendig lang spazieren. Bei normalem Tempo hat man die klassischen Wilhelmsburger Naturschönheiten in einer …

Buelk

Stresstest: Spaziergang von Strande zum Bülker Leuchtturm

Es riecht so gut an der Kieler Förde bei Strande. Nach Miesmuscheln und nach Seegras. In gewaltigen Ballen trocknet es am schmalen Strand. Gibt durchaus Menschen, die mögen das nicht. Ich hingegen fange automatisch an, richtig tief zu atmen.     Wenn ich ausnahmsweise mal tief atme, merke ich immer erst, wie kurz und flach mein Atem zuvor ging. Grade in hektischen, arbeitsreichen Phasen geht mir das so. Flaches Atmen ist die Ursache für alles Mögliche; von körperlichen Beschwerden zu Übergewicht und emotionaler Düsternis. Krankenkassen bieten daher Kurse zum richtigen Atmen an. Yoga basiert auf dem gleichen Prinzip. Man kann aber auch einfach an einen Strand gehen. Oder überhaupt raus.     Grad noch habe ich im geheizten Auto gefroren. So innerlich. Weil mir der Herbst zu schnell gekommen ist. Und sich der Oktober dieses Jahr mehr wie November anfühlt. Verschiedene Untersuchungen in Polen, Schweden und Finnland zeigten, dass es bei Temperaturrückgängen um 5 Grad pro Tag zu körperlichem Stress kommt: Die Blutgefäße verengen sich, die Herzfrequenz und der Blutdruck steigen.   Am Strand von …

Herbst

Der Herbst, der Wald und der Hohe Mechtin

Im Herbst denke ich oft daran, dass mein Opa mir mal erzählte, früher hätte ein Eichhörnchen von Kappeln nach Hamburg gelangen können, ohne je den Boden zu berühren. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Und warum mein Gehirn gewisse Sätze wortgetreu konserviert, während ganze Jahre höchstens noch als blasse Erinnerungen existieren. Aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls: im Herbst denke ich oft an Eichhörnchen.   Und zwar nicht nur, weil Eichhörnchen klassische Herbsttiere sind. Sondern auch weil ich derzeit mehr Wälder als gewöhnlich zu Gesicht bekomme. Ich reise im Herbst nämlich traditionell extrem viel durchs Land. Meistens mit dem Zug. Und wenn mein Leben zu einer ewigen ICE-Fahrt wird, staune ich immer wieder, wie bunt der Herbst südlich der Elbe ist. Der Wald und die Wildnis Der Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich Riehl setzte den Charakter der europäischen Nationen in Beziehung zu ihrer Umwelt. Engländern und Franzosen entsprachen seiner Meinung nach der gezähmte Park und das gerodete Feld. Den Charakter der Deutschen sah Riehl in der Wildnis des Waldes.     Riehl gilt als Begründer des …

Schleiperle Arnis

In Arnis sagt man: „Atüss, liebe Schleiperle.“

Wer bisher Arnis sagte, musste auch Schleiperle sagen. Doch nun geht eine Ära ihrem Ende entgegen. Die Betreiber des schlüferblauen Pfahlbauten-Restaurants verabschieden sich mit Ende der Saison. Nach 44 Jahren steht die Schleiperle zum Verkauf. Ich könnte drauf wetten, dass die Schleiperle nicht wirklich schließt, sondern im kommenden Frühjahr mit einem neuen Team wieder an den Start geht. Denn sie ist ein echter Klassiker. Von Urlaubern genauso geliebt wie von Einheimischen. Wie ganz Arnis von eigentlich jedem geliebt wird, der mal da war.     Die schönsten Wege nach Arnis sind die Spazierwege an der Schlei; egal aus welcher Richtung oder von welchem Ufer. Mein persönlicher Favorit schlängelt sich vom Museumshafen in Kappeln knapp 4 km – auf weiter Strecke am Schleiufer – bis nach Arnis. Der Weg beginnt gleich hinter der Cremilk-Fabrik. Alteingesessene Kappler erkennt man übrigens daran, dass sie die Fabrik bis heute die Nestle nennen – mit Artikel ohne Accent.     Noch so ein typischer Ausdruck der Region ist Atüss. Eigentlich wohl Atschüss. Für Tschüß (wie man in Hamburg sagt) oder …