Alle Artikel in: Nordseeküste

St. Peter Ording

Kurtaxe in SPO oder: Was ein Sonnenuntergang kostet

Es ist Ende Oktober, kurz vor fünf und der Herr da im Kassenhäuschen an der Promenade von St. Peter-Ording Bad will mir doch tatsächlich 2 Euro Kurtaxe abknöpfen. Für eine Tageskarte. Ich bin schon an einem Sommervormittag irritiert, wenn ich Eintritt in die Natur zahlen soll. An einem Herbstabend verstimmt es mich geradezu.     Auf meine Verstimmung ist man in SPO vorbereitet. Jemand hat ellenlange Rechtfertigungen an die Wand des Kassenhäuschens geschlagen wie Luther seine Thesen. Nur das die schlüssiger scheinen als die „Vorteile“ meiner Tageskarte. Darunter so absurde Sachen wie ermässigter Einlass in diversen Dorfmuseen, die bereits seit einer Stunde geschlossen haben oder Preisnachlass für kostenpflichtige Kurveranstaltungen, die irgendwann (jedoch nicht heute) stattfinden. Etwa 7/8 der genannten Vorteile kommen für mich nicht zum Tragen. Genau wie ja auch 7/8 des Tages bereits vergangenen sind.     Am ehesten überzeugt mich noch der Vorteil gereinigter sanitärer Anlagen. Es ist nur so, stelle ich beim Faktencheck fest, dass die Öffentliche Toilette an der Promenade nicht gerade gereinigt daherkommt. Und weil mich noch immer die ungeheuer popelige …

Als der Typ mit dem Schnurrbart mal die Elbmündung besuchte

Forscht man im Netz nach der Elbmündung spucken die Suchmaschinen zu 99,9% Ergebnisse aus, die sich mit Cuxhaven und „um zu“ beschäftigen, ganz so als würde es kein nördliches Ufer geben. Dabei war dieser Küstenabschnitt von Schleswig-Holstein mal eine echte Vorzeigegegend. Jedes Kind in Deutschland kannte den Namen der Kooge. Und da kann man mal sehen: Ruhm ist vergänglich. Selbst der größte Teufel von allen wird nach einer gewissen Zeit zum Typen mit dem Schnurrbart. So jedenfalls nannten ihn zwei Jugendliche, denen partout nicht der Name Adolf Hitler einfallen wollte. Eine Freundin belauschte die Unterhaltung der beiden in einem Schnellrestaurant. Es gibt doch seltsame Sachen.     Zum Beispiel das südliche Dithmarschen, wo sich Elbe und Nordsee im etwa gleichen Verhältnis mischen wie Menschen mit Schafen und man selbst an einem Sonnabend im August ziemlich für sich sein kann. Genau danach war mir vergangenes Wochenende.     Ich erreichte die Wasserkante mit dem vagen Plan, in Brunsbüttel ein Rad zu leihen, um die Küste hinauf zu treiben, entschied mich letztlich aber, mit dem Auto weiterzufahren. …

Nordseekueste

Einmal im Leben: die Nordseeküste von Schleswig-Holstein

Was würden wir jemandem empfehlen, der nur einmal in seinem Leben an die Nordseeküste von Schleswig-Holstein reist? Darüber haben wir neulich in Wales nachgedacht, als wir entscheiden mussten, wofür wir unsere knappe Zeit verwenden. Reisen ist ja ein bisschen wie das Leben selbst. Alles geht nicht. Immer wieder muss man wählen. Wo biege ich ab? Was lasse ich aus? Und wofür nehme ich einen Umweg in Kauf? Fragen, die schlecht im Voraus zu beantworten sind. Nicht immer ist das, was die Mehrheit hyped, das Allerbeste. Noch seltener erweisen sich Ratschläge von anderen als perfekt für einen selbst. Nehmen wir nur mal diesen Blog. Er ist vollkommen subjektiv in jeder Hinsicht. Genau wie unsere   Top Ten an der Nordseeküste von Schleswig-Holstein – ein Roadtrip   Idealerweise machst Du Dich auf den Weg, wenn Du maximal gestresst bist. Also, so richtig in der Stimmung für Wind und Wetter und Wasser und Schafe auf dem Deich.     Tag 1: Dein Roadtrip beginnt ganz im Süden Schleswig-Holsteins, da wo die Elbe in die Nordsee mündet und ein …

Husum

Übers Haff nun fliegt die Möwe: 3 Spaziergänge in Husum

Wenn der eine Husum sagt, zitiert der andere mit 95%iger Wahrscheinlichkeit Theodor Storms graue Stadt am Meer. Und fügt in geschätzten 70% der Fälle hinzu: soooo grau soll Husum ja gar nicht sein. Doch das kommt auf den Blickwinkel an. Wer (wie ich) zum Auftakt eines Tagesausflugs zunächst das Meer begrüßen möchte, muss durch den Außenhafen. Und bei dem handelt es sich um den hässlichsten Hafen von Schleswig-Holstein. Leider wirklich wahr. Mächtige, gewaltige, monströse, schmutziggraue Silos und andere Industrieanlagen versperren auf beiden Seiten der Husumer Au einerseits den Blick zur See, andererseits auf die kleine Stadt und drücken geradewegs aufs Gemüt.   Rund um die Dockkoogspitze: ein Dreiviertelstündchen   Viel fröhlicher wirds nicht auf dem weiteren Weg. Schnurgerade und baumlos führt die Dockkoogstraße knappe 3 km zur Dockkoogspitze. Dort liegt die Badestelle von Husum. Trist und verwaist. Wie es sich für die Nordsee gehört.     Zu Storms Zeiten war das Panorama von Husum natürlich noch nicht verschandelt. Dieses Jahr feiert die Stadt immerhin schon des Dichters 200. Geburtstag. Aber man weiß schon, wie Theodor …

Seehundstation Friedrichskoog

Ausflugstipp für Wintertage: die Seehundstation Friedrichskoog

Neulich – bei sehr, sehr schlechtem Wetter – besuchten wir die Seehundstation Friedrichskoog, die einzige Stelle Schleswig-Holsteins, die zur Robbenaufzucht autorisiert ist. Friedrichskoog liegt an der Nordsee; kurz hinter der Elbmündung auf einer Halbinsel zwischen Brunsbüttel und Büsum. Also quasi am Ende der Welt.     Außerhalb der Saison präsentiert sich die Gegend so gut wie ausgestorben. 48 Einwohner pro Quadratkilometer verlaufen sich eben und besonders viele Ausflügler zieht es bei sehr, sehr schlechtem Winterwetter auch nicht in das Nordseeheilbad. So waren wir ungefähr zu zehnt, als in der Seehundstation die Fütterung der Heuler begann.     Da der Aufzuchtsbereich vom Publikumsverkehr abgetrennt ist, lässt sich die Fütterung ausschließlich von einem Seminarraum im 1. OG des Hauptgebäudes beobachten. Ich hatte das schon mal im Spätsommer erlebt. Bzw nicht erlebt. Denn damals wurden alle Fensterplätze von Kindern eingenommen und die kann man ja schlecht wegdrängeln, um selber etwas zu sehen. (Obwohl ich ich es gern getan hätte, denn was gibt es schon Niedlicheres als kleine Seehunde, bzw. Kegelrobben.)     Dieses Mal standen wir aber nun …

Boehler Strand

Der Sommer ist vorbei: Abbaden in Böhl

Vor 13 Tagen bin ich zum letzten Mal in der Nordsee geschwommen, naja, sagen wir ich plantschte, denn es war in St. Peter Ording Böhl, wo das Meer kilometerweit so flach ist, dass man kein Knie unter Wasser bekommt. Es war mein allerletzter Nahkontakt mit dem Meer für 2016. Ich wusste das, da am Tag drauf eine arbeitsreiche Phase begann. Abbaden mit Ansage also. Und so was lässt einen ja immer sehr bewusst werden.     Abbaden ist das Gegenteil von Angrillen. Die erste angekokelte Bratwurst 2016 hielt ich z.B. nicht für ein Wunder. Ich kann mich nicht mal an sie erinnern. Über meinen letzten freien Sommertag hingegen kann ich mich auch 13 Tage später noch nicht einkriegen und weiß genau: es war der 14. September 2016, der Himmel war strahlend blau, es war nahezu windstill und die Temperatur betrug 27 Grad.     Wir trafen etwa mit dem Hochwasser ein; um 11.45 Uhr. Ich muss generell immer sofort zum Wasser, wenn ich an einen Strand komme. An meinem letzten freien Sommertag aber ganz besonders. …

Dithmarschen

Dithmarschen und das Meer

Wollte jeder Deutsche einen Kohl besitzen, könnte Dithmarschen die Lieferung leisten. 80 Mio Kohlköpfe werden jährlich der Erde abgerungen, die so schön fruchtbar ist, weil sie mal Meer war. Vereinfacht gesprochen. (Ich bleibe im Folgenden auf diesem Niveau.) In diesem Sinne: Vor 5.000 Jahren verlief die Küstenlinie Dithmarschens, wo heute plattes Marschland auf einen hügeligen Geestrücken trifft.     Ortschaften mit dem Namenszusatz -donn (für Düne) zeugen von der ehemaligen Meerlage. Manche liegen mittlerweile bis zu 25 km im Landesinneren wie etwa Hochdonn. Dingerdonn gefällt mir phonetisch am besten, St. Michaelisdonn landschaftlich, insbesondere das Naturschutzgebiet Klever Donn (Klev für Kliff).     Am Spiekerberg brachen sich einst die Nordseewellen. Vermutlich sah es hier früher mal so aus wie heute auf Sylt. Die ehemalige Steilküste erhebt sich 30 Meter; exakt wie das Rote Kliff von Kampen.   Dithmarschen und das tote Kliff   Wird ein Kliff nicht mehr von den Wellen erreicht, nennt man es totes Kliff. Bei St. Michel (wie der St. Michaelisdonner sagt) kann man sich diesbezüglich ziemlich sicher sein. Die Nordsee ist inzwischen …

Burger Faehrhaus

Der weiße Nebel wunderbar: eine Nacht im Burger Fährhaus

Ins Burger Fährhaus wollte ich schon seit Urzeiten. Genauer seit 2 Jahren, als ich die Jugendstil-Villa auf unserer Radtour am Nord-Ostsee-Kanal zum ersten Mal sah. Das Burger Fährhaus liegt etwa an KM 15 von Brunsbüttel gesehen. Damals wusste ich noch nicht, dass es das allerniedlichste Gebäude überhaupt auf der Strecke ist. Sonst hätten wir gleich eine Pause eingelegt, um von der großzügigen Veranda „dicke Pötte“ zu gucken.     Zum Glück ist der Nord-Ostsee-Kanal ja nicht unerreichbar für Hamburger; sondern nur 100 Kilometer entfernt. Von Meldorf aus, wo wir heute einen langen, heißen Tag an der Nordsee verbracht haben, sogar nur 20 Kilometer. Und obwohl man ja immer sagt, Dithmarschen sei plattes Land, führen diese fast durchgehend durch Wälder. Angeblich hat Matthias Claudius hier in der Geest Inspiration für sein Abendlied gefunden; etwa 100 Jahre bevor das Burger Fährhaus errichtet wurde.  Wir checken kurz ein und nehmen die nächste Fähre aufs gegenseitige Ufer.     Seit der Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals im Jahr 1895 bugsiert die Fähre ihre Passagiere kostenlos von Burg nach Aebtissinwisch – an …

Meldorfer Bucht

Mein erster Grünstrand und die Meldorfer Bucht

Die Meldorfer Bucht scheint unter den unzähligen Urlaubsregionen, die mit dem Modewort Entschleunigung werben, die eine zu sein, die es wirklich ernst meint. Wir spüren es sofort, als wir 99 km nordwestlich von St. Pauli aus dem Auto steigen. Ruhig geht es auf dem Markplatz zu. Entspannt. Beim Italiener gibts einen Platz in der Sonne und hervorragenden Kaffee, garniert mit Schnacks. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr neben Jesus sitzen, begrüßt der Inhaber der Pizzeria neue Gäste, und schlägt dabei Volko leicht auf die Schulter, als seien die Beiden seit Urzeiten bekannt. Der Mann, der am Nebentisch lacht, heißt Jürgen und kam gestern aus dem Urlaub zurück. Das wissen wir inzwischen. Und noch einiges mehr. Kleinstadtleben. So wie es sein soll.     Meldorf ragt aus der Masse strukturschwacher Kleinstädte wie der berühmte Meldorfer Dom aus der Marsch. Als einzige Gemeinde Schleswig-Holsteins darf sich Meldorf CittáSlow nennen. Die aus Italien stammende Bewegung steht für die Förderung heimischer Produkte, regionaler Einkaufskultur und Einzelhandel statt Franchise-Ketten. Auch Bildung, Kultur, Freizeitmöglichkeiten und Nachhaltigkeit sind wichtige Bausteine. Kurz: Kleinstädte sollen …

St. Peter-Ording

St. Peter-Ording für Newbies (alle Wetter, Strände, Pfahlbauten)

Als ich letzte Woche für drei Tage mit drei Frauen in St. Peter-Ording war, habe ich mich natürlich weniger auf mögliche Bloginhalte konzentriert als auf die Frauen. Ich glaubte auch nicht, viel Neues mitbringen zu können; denn über SPO haben wir schon mehrmals berichtet. Als Hamburger bildet man sich ja gern ein, die Nordsee läge ums Eck, so dass man regelmäßig hinfährt. Allerdings machen wir das nur bei stabiler Wetterlage. Und das war letzte Woche anders. Weil der Sommer derzeit etwas ruckelt, hatte ich zuvor das Netz nach Tipps für Regenwetter in SPO befragt. Und war erstaunt, als ich auf Sandras Blog Wortkonfetti einen entsprechenden Beitrag fand.     Nicht, dass es grundsätzlich seltsam wäre, bei Sandra zu landen, wenn man was über die Nordsee wissen möchte. Im Gegenteil; wäre die Bremerin nicht schon mit Mann und Maus versorgt, würde sie die Nordsee vermutlich entweder heiraten oder adoptieren. Aber was mich ein paar Gedankengänge lang verblüffte: Sandras erster Besuch in St. Peter-Ording ist noch gar nicht so lange her. Nach ein, zwei Minuten fiel mir …