Alle Artikel in: Nordsee

Seehundstation Friedrichskoog

Ausflugstipp für Wintertage: die Seehundstation Friedrichskoog

Neulich – bei sehr, sehr schlechtem Wetter – besuchten wir die Seehundstation Friedrichskoog, die einzige Stelle Schleswig-Holsteins, die zur Robbenaufzucht autorisiert ist. Friedrichskoog liegt an der Nordsee; kurz hinter der Elbmündung auf einer Halbinsel zwischen Brunsbüttel und Büsum. Also quasi am Ende der Welt.     Außerhalb der Saison präsentiert sich die Gegend so gut wie ausgestorben. 48 Einwohner pro Quadratkilometer verlaufen sich eben und besonders viele Ausflügler zieht es bei sehr, sehr schlechtem Winterwetter auch nicht in das Nordseeheilbad. So waren wir ungefähr zu zehnt, als in der Seehundstation die Fütterung der Heuler begann.     Da der Aufzuchtsbereich vom Publikumsverkehr abgetrennt ist, lässt sich die Fütterung ausschließlich von einem Seminarraum im 1. OG des Hauptgebäudes beobachten. Ich hatte das schon mal im Spätsommer erlebt. Bzw nicht erlebt. Denn damals wurden alle Fensterplätze von Kindern eingenommen und die kann man ja schlecht wegdrängeln, um selber etwas zu sehen. (Obwohl ich ich es gern getan hätte, denn was gibt es schon Niedlicheres als kleine Seehunde, bzw. Kegelrobben.)     Dieses Mal standen wir aber nun …

Borkum im Winter

North by Northwest: Lohnt sich Borkum im Winter?

Ein Kurztrip nach Borkum im Winter will gut überlegt sein, habe ich festgestellt, als ich neulich mit meiner Tante dorthin reiste. Zwar klingt der Satz: „Ich fahr mit meiner Tante nach Ostfriesland“ etwa so exotisch wie „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad.“ Im Fall von Borkum ist die Reise aber ähnlich aufregend wie ein Trip nach Übersee. Wobei die Ozeanüberquerung bequem und rasant erscheint – verglichen mit dem Ewigkeitstrip von Hamburg auf die größte Ostfriesische Insel.     In meinem konkreten Reisefall (St. Pauli – Borkum) kamen unheimlich viele Verkehrsmittel ins Spiel: U-Bahn zum Hauptbahnhof (10 Minuten), metronom nach Bremen (80 Minuten), Regionalzug nach Emden (130 Minuten), Schienenersatzverkehr  zum Fähranleger (15 Minuten), Ultralangsam-Fähre (130 Minuten), Inselbahn (15 Minuten), Taxi (10 Minuten). Inklusive Verspätungen und Wartezeiten auf Bahnhöfen und in Häfen läpperte sich das Ganze auf exakt 8 Stunden von Tür zu Tür. (Auf dem Rückweg lief es noch etwas unglücklicher. Da wurden es mehr als 9 Stunden.)     Obwohl man sich vor Pauschalurteilen ja immer hüten sollte, lege ich mich dennoch für die Anreise …

Bäderarchitektur mit Hochseeklima: Nordseeinsel Borkum

Von Borkum hatte ich nicht viel mehr erwartet als endlöse Strände und Dünen, wurde aber mit einer kleinen Schockverliebtheit beschenkt. Es geschah im Nieselregen beim ersten Strandspaziergang. Wir waren am Vorabend im Dunklen auf der Insel angekommen. Ich hatte zwar noch versucht, die Nordsee zu begrüßen, war aber nur auf nachtschwarze Dünen gestoßen. So sah ich die Promenade von Borkum zum ersten Mal zur bürgerlichen Morgendämmerung (die wirklich so heißt und die halbe Stunde bezeichnet, bevor die Sonne sich über den Horizont schiebt, was ich vor allem deshalb erwähne, weil bürgerliche Dämmerung so schön zur großbürgerlichen Anmutung der Insel Borkum passt.)     Gefälliger sieht so etwas natürlich bei Sonnenschein aus. Aber mich traf gerade die Stimmung im Januarnieselregen mitten ins Herz. Die Möwen klangen auf die richtige Weise melancholisch und ich fühlte mich wie in Oostende, der Königin aller Seebäder, so etwa um die Jahrhundertwende. (Um sicher zu gehen, dass die Schönheit jeden erreicht, knipps ich hier jetzt aber doch mal das Licht an.)     Auf Katjas Blog „Mädchen mit Herz“ hatte ich …

Sylt bei Regen

Sylt bei Regen oder der Weststrand für BWLer

Was man auf Sylt bei Regen macht? Logisch: man sucht sich ein kuscheliges Plätzchen und liest. Einen sehr dicken Roman. „Stundenlang lesen“ ist ja ohnehin etwas, worauf man sich einstellt, wenn man nach Sylt fährt. Regen gehört zu einem Nordseeurlaub dazu. Und ja, man freut sich sogar darauf. Doch so einfach ist das gar nicht in Norddeutschland. Schon gar nicht auf den Inseln. Am allerwenigsten auf Sylt. Spätestens wenn das Teewasser den Siedepunkt erreicht, pustet der Wind nämlich eine Himmelsecke frei. Urplötzlich taucht ein Sonnenstrahl den Lesesessel in goldenes Licht. Und auf einmal scheint es gar nicht mehr so verlockend, sein Lied hinter dem Ofen zu singen…   Sylt bei Regen (soll ich´s wirklich machen oder lass ich´s lieber sein?)   Syltkenner wissen: dies ist nicht der Zeitpunkt für eine ausführliche Kosten-Nutzen-Analyse. Möglicherweise bricht in eben diesem Moment die beste Stunde des Tages an, vielleicht der gesamten Urlaubswoche und wer will das schon verpassen? Also, schnell das Outfit des Grauens geschnappt und ab an den nächsten Strand.     Wenn es sich dabei um den …

Kampen

Kampen oder warum ich keine Selfies mache

Meinem Empfinden nach löst kein anderer Urlausbort in Norddeutschland so viel Spott aus wie Kampen. Kampen gilt Vielen als Synonym für Schickimicki. Irgendwie verhaftet in den 80ern, bevölkert von Männern in Colour-Blocking-Outfits und Frauen, die entweder zu viel Goldschmuck tragen oder dem Typ Hamburger Eisente angehören. Obendrein noch der un-säg-liche Nachwuchs! Ich selber habe das nie so empfunden. Für mich waren das Vorurteile. Und nun hat mich ausgerechnet der Tourismus-Service Kampen ins Grübeln gebracht. Denn dort hält man das, was ich für Vorurteile hielt, offenbar für die Wahrheit. Und sie werden ihre eigene Zielgruppe ja kennen…     Tourismus ist ein Riesending für Norddeutschland. Ein enormer Wirtschaftsfaktor. Dennoch bekommen wir von Touristikern, Gastronomen, Kaufleuten usw. erstaunlich oft folgenden Standardsatz zu hören: „Wir wollen hier schließlich kein zweites Sylt werden.“ Das kann ein guter Plan sein. Wenn es denn aus den richtigen Gründen geschieht. Gute Tourismuskonzepte kümmern sich aktuell vor allem um Naturschutz (so wie in Kampen) und versuchen gleichzeitig die Einheimischen vor totaler Abhängigkeit vom Tourismus zu schützen (so wie in Kampen leider nicht). Insofern …

Wellenreiter Sylt

Schön extrem und gut für die Balance: Sylt im November

Sylt im November ist nicht unbedingt was für Feiglinge. Wer es schwer nimmt, wenn die Wetterprognose eine ganze Woche Regen verspricht, ist im Herbst nicht richtig auf der Insel. (Er wäre im Grunde auch im Sommer nicht richtig, aber das ist ein anderes Thema.) Wer hingegen findet, dass Regen nun mal zum November gehört – wie Sturm und Nebel und eine Prise Tristesse – der kann gerade jetzt sehr glücklich werden auf Deutschlands nördlichster Insel. Wir jedenfalls halten den November für den idealen Monat auf Sylt.     Es stimmt schon: das Wetter ist häufig ungemütlich. Es regnet oft. Aber es regnet nicht durchgehend. Der Wind pustet immer mal wieder die Wolken zur Seite. Und dann muss man sofort an den Strand. Selbst falls man sich gerade in Westerland befindet. (Ein Scherz. Der Strand in Westerland ist toll. Nur Westerland selbst ist eben nicht das Schönste auf der Welt.)     Manchmal rettet der Wind den Tag erst auf die allerletzten Minuten. Und das ist dann eigentlich am wunderbarsten. Wie man die 7,5 verregneten Stunden …

Boehler Strand

Der Sommer ist vorbei: Abbaden in Böhl

Vor 13 Tagen bin ich zum letzten Mal in der Nordsee geschwommen, naja, sagen wir ich plantschte, denn es war in St. Peter Ording Böhl, wo das Meer kilometerweit so flach ist, dass man kein Knie unter Wasser bekommt. Es war mein allerletzter Nahkontakt mit dem Meer für 2016. Ich wusste das, da am Tag drauf eine arbeitsreiche Phase begann. Abbaden mit Ansage also. Und so was lässt einen ja immer sehr bewusst werden.     Abbaden ist das Gegenteil von Angrillen. Die erste angekokelte Bratwurst 2016 hielt ich z.B. nicht für ein Wunder. Ich kann mich nicht mal an sie erinnern. Über meinen letzten freien Sommertag hingegen kann ich mich auch 13 Tage später noch nicht einkriegen und weiß genau: es war der 14. September 2016, der Himmel war strahlend blau, es war nahezu windstill und die Temperatur betrug 27 Grad.     Wir trafen etwa mit dem Hochwasser ein; um 11.45 Uhr. Ich muss generell immer sofort zum Wasser, wenn ich an einen Strand komme. An meinem letzten freien Sommertag aber ganz besonders. …

Dithmarschen

Dithmarschen und das Meer

Wollte jeder Deutsche einen Kohl besitzen, könnte Dithmarschen die Lieferung leisten. 80 Mio Kohlköpfe werden jährlich der Erde abgerungen, die so schön fruchtbar ist, weil sie mal Meer war. Vereinfacht gesprochen. (Ich bleibe im Folgenden auf diesem Niveau.) In diesem Sinne: Vor 5.000 Jahren verlief die Küstenlinie Dithmarschens, wo heute plattes Marschland auf einen hügeligen Geestrücken trifft.     Ortschaften mit dem Namenszusatz -donn (für Düne) zeugen von der ehemaligen Meerlage. Manche liegen mittlerweile bis zu 25 km im Landesinneren wie etwa Hochdonn. Dingerdonn gefällt mir phonetisch am besten, St. Michaelisdonn landschaftlich, insbesondere das Naturschutzgebiet Klever Donn (Klev für Kliff).     Am Spiekerberg brachen sich einst die Nordseewellen. Vermutlich sah es hier früher mal so aus wie heute auf Sylt. Die ehemalige Steilküste erhebt sich 30 Meter; exakt wie das Rote Kliff von Kampen.   Dithmarschen und das tote Kliff   Wird ein Kliff nicht mehr von den Wellen erreicht, nennt man es totes Kliff. Bei St. Michel (wie der St. Michaelisdonner sagt) kann man sich diesbezüglich ziemlich sicher sein. Die Nordsee ist inzwischen …

Burger Faehrhaus

Der weiße Nebel wunderbar: eine Nacht im Burger Fährhaus

Ins Burger Fährhaus wollte ich schon seit Urzeiten. Genauer seit 2 Jahren, als ich die Jugendstil-Villa auf unserer Radtour am Nord-Ostsee-Kanal zum ersten Mal sah. Das Burger Fährhaus liegt etwa an KM 15 von Brunsbüttel gesehen. Damals wusste ich noch nicht, dass es das allerniedlichste Gebäude überhaupt auf der Strecke ist. Sonst hätten wir gleich eine Pause eingelegt, um von der großzügigen Veranda „dicke Pötte“ zu gucken.     Zum Glück ist der Nord-Ostsee-Kanal ja nicht unerreichbar für Hamburger; sondern nur 100 Kilometer entfernt. Von Meldorf aus, wo wir heute einen langen, heißen Tag an der Nordsee verbracht haben, sogar nur 20 Kilometer. Und obwohl man ja immer sagt, Dithmarschen sei plattes Land, führen diese fast durchgehend durch Wälder. Angeblich hat Matthias Claudius hier in der Geest Inspiration für sein Abendlied gefunden; etwa 100 Jahre bevor das Burger Fährhaus errichtet wurde.  Wir checken kurz ein und nehmen die nächste Fähre aufs gegenseitige Ufer.     Seit der Eröffnung des Nord-Ostsee-Kanals im Jahr 1895 bugsiert die Fähre ihre Passagiere kostenlos von Burg nach Aebtissinwisch – an …

Meldorfer Bucht

Mein erster Grünstrand und die Meldorfer Bucht

Die Meldorfer Bucht scheint unter den unzähligen Urlaubsregionen, die mit dem Modewort Entschleunigung werben, die eine zu sein, die es wirklich ernst meint. Wir spüren es sofort, als wir 99 km nordwestlich von St. Pauli aus dem Auto steigen. Ruhig geht es auf dem Markplatz zu. Entspannt. Beim Italiener gibts einen Platz in der Sonne und hervorragenden Kaffee, garniert mit Schnacks. Wenn Ihr wollt, könnt Ihr neben Jesus sitzen, begrüßt der Inhaber der Pizzeria neue Gäste, und schlägt dabei Volko leicht auf die Schulter, als seien die Beiden seit Urzeiten bekannt. Der Mann, der am Nebentisch lacht, heißt Jürgen und kam gestern aus dem Urlaub zurück. Das wissen wir inzwischen. Und noch einiges mehr. Kleinstadtleben. So wie es sein soll.     Meldorf ragt aus der Masse strukturschwacher Kleinstädte wie der berühmte Meldorfer Dom aus der Marsch. Als einzige Gemeinde Schleswig-Holsteins darf sich Meldorf CittáSlow nennen. Die aus Italien stammende Bewegung steht für die Förderung heimischer Produkte, regionaler Einkaufskultur und Einzelhandel statt Franchise-Ketten. Auch Bildung, Kultur, Freizeitmöglichkeiten und Nachhaltigkeit sind wichtige Bausteine. Kurz: Kleinstädte sollen …