Alle Artikel in: Nordische Nachbarn

Nordwales

Lieblingsplätze im Norden von Nordwales

Merke: Du sollst keinen deutschen Supermarkt besuchen, wenn Du soeben erst aus Nordwales zurückgekehrt bist! Mir ist das passiert. Und der Kulturschock könnte gar nicht größer sein. Es ist für viele in unserem Land wohl unverständlich, doch Waliser rammen ihre Einkaufswagen nie in die Hacken eines anderen! Sie drängeln nicht an der Käsetheke vor. Sie verdrehen nicht die Augen, wenn einer an der Kasse nach Kleingeld sucht, um passend zu zahlen. Sie finden es vollkommen in Ordnung, wenn man seine Einkäufe in normalem Tempo statt im Akkord verstaut. Waliser sind gechillt. Und vielleicht färbt das ab?! Vielleicht haben wir deshalb viel weniger von Nordwales „geschafft“ als wir dachten. Bzw. auf viel kürzerer Strecke viel mehr erlebt, als wir für möglich gehalten hätten. Daher können wir auch nicht unsere Lieblingsplätze in Nordwales vorstellen – sondern nur unsere   Lieblingsplätze im Norden von Nordwales   Selbst das ist gar nicht so einfach. Obwohl wir nur einen Zipfel von Wales gesehen haben, scheint es uns das Land vielfältig wie kaum ein anderes. Nordwales lässt sich schlecht mit anderen …

Liseberg

Ehrfürchtig hopsen: Weihnachten in Liseberg

Zu den unzähligen Vorzügen einer Kindheit in Göteborg gehört Liseberg, Schwedens ältester Vergnügungspark. Während für Kinder in Norddeutschland die Zeit spätestens ab dem Nikolaustag quälend langsam vergeht, verfliegt sie in Liseberg wie eine Schneeflocke im Wind. (Witzigerweise ist es für Erwachsene genau anders herum: In Norddeutschland rast der Dezember dahin; in Liseberg bleibt die Uhr stehen. Oder wird sogar zurückgedreht. Um ein paar Jahrzehnte.)     Jedenfalls fühle ich mich maximal 8 Jahre alt, als wir uns um 14.55 Uhr in die Mega-Menge vor den Pforten Lisebergs einreihen. Innerlich stöhne ich. Am liebsten würde ich mich vordrängeln. Aber ich lasse mir – auf eine vermutlich Mr. Bean-artige Weise – nichts anmerken. Erstens bin ich eigentlich erwachsen. Zweitens verhalten sich in Schweden selbst winzigste Besucher ausgesprochen manierlich. Und drittens möchte ich Volko keine Gelegenheit geben, die Frage zu stellen, die absolut auf der Hand liegt: Sag mal, müssen wir wirklich hier rein?     Was für eine Frage! Klar, müssen wir. Unbedingt. Schnell. Dabei würde ich in Deutschland lieber Gras essen, als einen Vergnügungspark zu betreten. Aber …

Schaerengaerten

Was zum Träumen: die Schärengärten vor Göteborg

Zum 4. Advent was zum Träumen: die Einfahrt nach Göteborg durch die Schärengärten. Gleich zwei Archipele sind der Küste vorgelagert – die südlichen und die nördlichen Schären. Sie bestehen aus einer Vielzahl von felsigen Inseln, einige bewohnt, manche nur im Sommer, viele gar nicht. Ist es nicht seltsam, wie zart eine Landschaft wirken kann, die vorwiegend aus Granit besteht?! (Mit Klick auf die Galerien, kann man die Fotos vergrößern, falls man sich für winzige Schwedenhäuschen und Leuchtfeuer interessiert).     Der Vater ging weiter über die Insel. Er dachte nicht besonders viel … und eine Landzunge hier oder da, das war nicht so wichtig, wenn man viele davon hatte. Er erreichte die Brandung und blieb am Ufer stehen. Hier wanderte sein Meer vorbei … Als er sich umdrehte, um seine Insel zu betrachten, sah er über das Meer einen weißen Lichtstrahl fallen. Er tastete sich über den leeren Horizont und kam in langen regelmäßigen Wellen zurück. Das Leuchtfeuer brannte. (aus Mumins wunderbare Inselabenteuer von Tove Jansson)     Saltkrokan ist eine Insel in den äußersten …

Stena Scandinavica

Nachtexpress nach Schweden: die Stena Scandinavica

Die Stena Scandinavica ist ein RoPax-Schiff, auch Kombicarrier genannt, also kein Passagierdampfer oder Kreuzfahrtschiff sondern eine Fähre. Ein Verkehrsmittel. Nacht für Nacht zieht sie verlässlich von Kiel nach Göteborg bzw vice versa; pünktlicher als die Deutsche Bundesbahn. Die hatte nämlich eine Stunde Verspätung, als wir letzte Woche zu unserem Minitrip nach Schweden aufbrachen. Es ließ mich kurzfristig die Nerven verlieren (ich bin leider so). Aber als wir erst einmal den Kieler Hauptbahnhof erreicht hatten, konnte selbst ich jeden Stress hinter mir lassen.     Der Schwedenkai liegt in Sichtweite des Hauptbahnhofs. Langsam-Geher brauchen vielleicht 10 Minuten zum Terminal. Einchecken ist eineinhalb Stunden vor Abreise möglich, was das Ganze schön entzerrt. Überhaupt war die gesamte Überfahrt so organisiert, dass wir nirgends und nie anstehen oder warten mussten.     An Bord gibts erst einmal einen Glögg aufs Haus bzw. Schiff. Bei der Hinreise verzichteten wir, denn Glögg trinkt man ja nicht, weil er schmecken würde sondern aus Stimmungsgründen. Und zunächst war ich mir über meine Stimmungslage noch nicht ganz im Klaren. Neben der Vorfreude beschäftigten mich …

Warum ich dann doch noch in Weihnachtsstimmung geriet (Göteborg)

Bis vorvorgestern war mir noch ganz unweihnachtlich zumute, aber nun waren wir in Göteborg und ich muss schon sagen, Schwedens zweitgrößte Stadt ist eine Spitzenadresse, um in Stimmung zu kommen. Skandinavien entspricht ohnehin meinem Idealbild von Weihnachten; mehr als etwa die Alpenländer. Vielleicht weil ich mit skandinavischer Kinderliteratur aufgewachsen bin. Und vor allen anderen und ausführlicheren Schwärmereien, schicke ich schon mal vorweg, warum mich Göteborg endlich im Advent ankommen ließ. Bzw. die gesamte Reise, die aus 30 Stunden Schiffsfahrt und 8 Stunden Landgang bestand.   Santa Line: Minitrip Kiel – Göteborg   Was haben wir uns über die Einladung von Stena Line gefreut, der schwedischen Fährgesellschaft, die in der Vorweihnachtszeit zur Santa Line wird. Ich habe den Minitrip von Kiel nach Göteborg vor Jahrzehnten schon einmal unternommen, aber das war im Sommer. Und ich kann mich auch gar nicht mehr so gut an die Seereise an sich erinnern (mal abgesehen von dem stockbesoffenen, schwedischen Herrn, dem ein Shrimp in den Hosenaufschlag geraten war. Was er über einen längeren Zeitraum nicht bemerkte und meinen damaligen Freund …

Strand Lettland

Ich denke gern an Liepaja: Lettlands schönste Strände

Ein Trip nach Liepaja ist nur was für Menschen, die sich für Meer und Strand begeistern können. Wer glaubt: kennste einen, kennste alle, ist falsch in der Hafenstadt im Südwesten Lettlands. Denn ansonsten hat die raue Industriestadt nicht unendlich viel zu bieten. Strandgurus hingegen können hier von morgens bis abends ihrer Lieblingsbeschäftigung nachgehen: Strände erkunden.     Unsere Unterkunft lag einige Kilometer nördlich der Stadtgrenze von Liepaja, nahe des Winzig-Dorfs Saraiki, wo es nicht einmal eine Einkaufsmöglichkeit gibt. Genau der richtige Kontrast für mich. Städte sind mir am liebsten, wenn ich eine Rückzugsmöglichkeit habe. So wie die vollkommene Abgeschiedenheit im Guest House Lenkas.     Mit 70 Euro pro Nacht ist das Lenkas für lettische Verhältnisse recht teuer. Aber immerhin bewohnten wir gleich zwei Zimmer mit Balkon und Meerblick. Im weitläufigen Garten warten jede Menge Abhäng-Möglichkeiten (Hängematten unter Pinien!), Grillplätze, ein Volleyballfeld, ein Basketballplatz, die Sauna und – am allerwichtigsten – der Strand.     Allein in der Stille aufzuwachen!   Endlose Strände: Der Duft von Meer und Pinien   Allein allein zu sein!   …

Karosta

Das erstaunliche Territorium von Karosta

Vor dem ehemaligen Gefängnis von Karosta breitet eine alte Frau Plastikschüsseln und Aluschälchen auf dem Boden aus. Sie gießt hier ein wenig Milch dazu, rührt dort ein wenig um. Von überall schleichen wilde Katzen herbei. Eine streicht ihr um die Strümpfe.     Ob wir vielleicht ein Foto… fragen wir auf Englisch und lassen den Satz irgendwie auströpfeln, wie deutsche Touristen unserer Generation es gerne tun. Die Frau antwortet auf Russisch. Es klingt nach: Warum nicht? Und wir bedauern nicht zum ersten Mal die Sprachbarriere. Zu gern würden diesen unfassbaren Ort verstehen, den der lettische Touristenverband so wunderbar lautmalerisch beschreibt als   das erstaunliche Territorium von Karosta   Karosta, lettisch für Kriegshafen, ist der nördlichste Stadtteil von Liepaja, einer Großstadt an der Ostseeküste Lettlands. Fast ein Drittel des Stadtgebiets nimmt er ein. Einst funktionierte das Lebens jenseits der Kalpaka-Brücke für 30.000 Menschen vollkommen autonom, eigene Strom- und Wasserversorung inklusive. Heute zählt Karosta nicht einmal mehr 7.000 Einwohner.     Karosta wurde 1890 unter Zar Alexander III gegründet, um der zunehmenden Macht der Deutschen im Ostseeraum …

Jurkalne

Was man in Lettland gesehen haben muss: die Westküste

Reist man mit der Fähre von Travemünde nach Lettland, landet man entweder in Liepāja (ehemals Liebau) oder Ventspils (ehemals Windau). Beide Städte liegen an der Westküste und gehören laut latvia.travel.de zu den TOP 10 Touristenzielen des Landes. Im Fall von Liepaja zu Recht. Für Ventspils reicht unserer Meinung nach ein Stadtspaziergang. Und der dauert nicht mal lange.     Alles kann, nichts muss: Ventspils (ehemals Windau)     Die Hafenstadt an der Einmündung des Flusses Venta in die Ostsee ist mit 40.000 Einwohnern nicht eben groß. Uns kommt sie trotzdem quirlig vor. Aber wir kommen ja auch aus der Einsamkeit Livlands. Selbst Buxtehude käme für uns heute einer Metropole gleich. Wie alle Hafenstädte in Lettland betört und verstört auch Ventspils mit einem Durcheinander von krasser, industrieller Hässlichkeit, Prunk und Holzarchitektur zum Verlieben.     Unbedingt sehenswert ist der Markt. Er ist erstaunlich groß, findet täglich in der Altstadt statt und ließe jeden Demeter-Marktbeschicker vor Scham erröten. Allein wie es duftet! Nach Früchten und Erde und Blumen, Blumen, Blumen. Ventspils gilt als Blumenstadt und schmückt sich …

Mole

Lettlands Küste: Roadtrip in Kurland

Roadtrip in Kurland. Etappe 1 von 3: Von Jurmala die Küste hinauf zum Kap Kolka. Zurückgelegt: knapp 150 km. Zeit genommen: 2 Tage. Wetter: grieselgrauer Himmel, warm. Innerer Soundtrack: Twin Peaks Intro. Erster Eindruck: Endlose Strassen. Schluchten aus Kiefern. Kiefern. Gewaltigen Kiefern. Hintern den Kiefern die Rigaer Bucht und kilometerlange, menschenleere Strände.     Parkt tatsächlich mal ein Auto am Seitenstreifen, dann sicher nicht, weil der Fahrer zum Baden gegangen wäre. Die Letten schlagen sich in die Wälder, um Pfifferlinge und Blaubeeren zu sammeln. Sie gehen direkt von der Hand in den Verkauf. Ebenso Zivis. Fische. Das einzige lettische Wort, das ich mir merken kann.     Ab und zu öffnet sich die Kiefernschlucht und wir passieren kleine Dörfer, die wie aus einem anderen Jahrhundert wirken. Typische Holzarchitektur und wunderschöne, irgendwie altmodische Gärten, die bis an die Ostsee reichen. Selten zäunt jemand sein Grundstück ein, das fällt uns auf.     In Kaltene, an der „steinernen Küste“ sehen wir die erste Unterkunft, die uns spontan gefällt. Das Hotel Rederi im Eco-Style bietet schlichte, großzügige Zimmer …

Flagge Lettland

Ist Riga das neue Berlin?

Es erstaunte mich, auf diversen Blogs zu lesen, Riga sei das neue Berlin. Denn ich glaubte, Riga sei eine raue Hafenstadt am eiskalten Meer. Beides stimmt nicht, wird mir klar, als wir den Mini-Bus (2 Euro, 20 Min) vom Flughafen in die City nehmen. Erstens liegt die Hauptstadt Lettlands überhaupt nicht am Meer; sondern gute 20 Kilometer die Daugava hinauf. Zweitens ist der Busfahrer freundlich (also kein Berliner, wa?!) Nur der Sommer ist wie in Berlin: stabil. 30 Grad, blauer Himmel.     Der Bus spukt uns nahe des Bauchs von Riga aus: dem Zentralmarkt, einem der größten Märkte Europas. Für den Bau der Markthallen wurden zwei deutsche Zeppelinhallen genutzt. Walhalla und Walter heißen die mobilen Luftschiffhallen aus denen die Letten fünf Pavillons konstruierten, in denen heute – hübsch voneinander getrennt – Fisch, Fleisch, Milch, Gemüse und Gastronomiebedarf verkauft wird.     Geht es in den Hallen monothematisch zu, laufen einem draußen Ohren, Nase und Augen über. An 364 Tagen im Jahr bieten Bauern, Hobbygärtner und Handwerker ihre Waren auf dem Gelände an. Zwischen 80.000 …