Alle Artikel in: Norden im Norden

Liseberg

Ehrfürchtig hopsen: Weihnachten in Liseberg

Zu den unzähligen Vorzügen einer Kindheit in Göteborg gehört Liseberg, Schwedens ältester Vergnügungspark. Während für Kinder in Norddeutschland die Zeit spätestens ab dem Nikolaustag quälend langsam vergeht, verfliegt sie in Liseberg wie eine Schneeflocke im Wind. (Witzigerweise ist es für Erwachsene genau anders herum: In Norddeutschland rast der Dezember dahin; in Liseberg bleibt die Uhr stehen. Oder wird sogar zurückgedreht. Um ein paar Jahrzehnte.)     Jedenfalls fühle ich mich maximal 8 Jahre alt, als wir uns um 14.55 Uhr in die Mega-Menge vor den Pforten Lisebergs einreihen. Innerlich stöhne ich. Am liebsten würde ich mich vordrängeln. Aber ich lasse mir – auf eine vermutlich Mr. Bean-artige Weise – nichts anmerken. Erstens bin ich eigentlich erwachsen. Zweitens verhalten sich in Schweden selbst winzigste Besucher ausgesprochen manierlich. Und drittens möchte ich Volko keine Gelegenheit geben, die Frage zu stellen, die absolut auf der Hand liegt: Sag mal, müssen wir wirklich hier rein?     Was für eine Frage! Klar, müssen wir. Unbedingt. Schnell. Dabei würde ich in Deutschland lieber Gras essen, als einen Vergnügungspark zu betreten. Aber …

Schaerengaerten

Was zum Träumen: die Schärengärten vor Göteborg

Zum 4. Advent was zum Träumen: die Einfahrt nach Göteborg durch die Schärengärten. Gleich zwei Archipele sind der Küste vorgelagert – die südlichen und die nördlichen Schären. Sie bestehen aus einer Vielzahl von felsigen Inseln, einige bewohnt, manche nur im Sommer, viele gar nicht. Ist es nicht seltsam, wie zart eine Landschaft wirken kann, die vorwiegend aus Granit besteht?! (Mit Klick auf die Galerien, kann man die Fotos vergrößern, falls man sich für winzige Schwedenhäuschen und Leuchtfeuer interessiert).     Der Vater ging weiter über die Insel. Er dachte nicht besonders viel … und eine Landzunge hier oder da, das war nicht so wichtig, wenn man viele davon hatte. Er erreichte die Brandung und blieb am Ufer stehen. Hier wanderte sein Meer vorbei … Als er sich umdrehte, um seine Insel zu betrachten, sah er über das Meer einen weißen Lichtstrahl fallen. Er tastete sich über den leeren Horizont und kam in langen regelmäßigen Wellen zurück. Das Leuchtfeuer brannte. (aus Mumins wunderbare Inselabenteuer von Tove Jansson)     Saltkrokan ist eine Insel in den äußersten …

Stena Scandinavica

Nachtexpress nach Schweden: die Stena Scandinavica

Die Stena Scandinavica ist ein RoPax-Schiff, auch Kombicarrier genannt, also kein Passagierdampfer oder Kreuzfahrtschiff sondern eine Fähre. Ein Verkehrsmittel. Nacht für Nacht zieht sie verlässlich von Kiel nach Göteborg bzw vice versa; pünktlicher als die Deutsche Bundesbahn. Die hatte nämlich eine Stunde Verspätung, als wir letzte Woche zu unserem Minitrip nach Schweden aufbrachen. Es ließ mich kurzfristig die Nerven verlieren (ich bin leider so). Aber als wir erst einmal den Kieler Hauptbahnhof erreicht hatten, konnte selbst ich jeden Stress hinter mir lassen.     Der Schwedenkai liegt in Sichtweite des Hauptbahnhofs. Langsam-Geher brauchen vielleicht 10 Minuten zum Terminal. Einchecken ist eineinhalb Stunden vor Abreise möglich, was das Ganze schön entzerrt. Überhaupt war die gesamte Überfahrt so organisiert, dass wir nirgends und nie anstehen oder warten mussten.     An Bord gibts erst einmal einen Glögg aufs Haus bzw. Schiff. Bei der Hinreise verzichteten wir, denn Glögg trinkt man ja nicht, weil er schmecken würde sondern aus Stimmungsgründen. Und zunächst war ich mir über meine Stimmungslage noch nicht ganz im Klaren. Neben der Vorfreude beschäftigten mich …

Warum ich dann doch noch in Weihnachtsstimmung geriet (Göteborg)

Bis vorvorgestern war mir noch ganz unweihnachtlich zumute, aber nun waren wir in Göteborg und ich muss schon sagen, Schwedens zweitgrößte Stadt ist eine Spitzenadresse, um in Stimmung zu kommen. Skandinavien entspricht ohnehin meinem Idealbild von Weihnachten; mehr als etwa die Alpenländer. Vielleicht weil ich mit skandinavischer Kinderliteratur aufgewachsen bin. Und vor allen anderen und ausführlicheren Schwärmereien, schicke ich schon mal vorweg, warum mich Göteborg endlich im Advent ankommen ließ. Bzw. die gesamte Reise, die aus 30 Stunden Schiffsfahrt und 8 Stunden Landgang bestand.   Santa Line: Minitrip Kiel – Göteborg   Was haben wir uns über die Einladung von Stena Line gefreut, der schwedischen Fährgesellschaft, die in der Vorweihnachtszeit zur Santa Line wird. Ich habe den Minitrip von Kiel nach Göteborg vor Jahrzehnten schon einmal unternommen, aber das war im Sommer. Und ich kann mich auch gar nicht mehr so gut an die Seereise an sich erinnern (mal abgesehen von dem stockbesoffenen, schwedischen Herrn, dem ein Shrimp in den Hosenaufschlag geraten war. Was er über einen längeren Zeitraum nicht bemerkte und meinen damaligen Freund …

Niehuser See

7 Sachen von der deutsch-dänischen Grenze bei Flensburg

Auf Reisen denkt man so viel nach und so viel Neues. Gerade weil wir immer in der Nähe unterwegs sind, sind wir oft der Meinung: Das sollten wir eigentlich alles wissen. Aber wir erfahren jedes Mal etwas. Oder sehen Bekanntes aus einer anderen Perspektive, so dass das Denken seine Richtung ändert. Neulich an der deutsch-dänische Grenze bei Flensburg war es besonders extrem. Die ganze Gegend ist eine Zwischenwelt, in der die Phantasie Flickflack schlägt. Wäre sie ein Zeitpunkt, dann ein Osterfest im März. Nicht ganz so lieblich wie gewohnt. Doch voller Überraschungen. Es ist angenehm verwirrend, aber auch unmöglich zusammen zu fassen. Deshalb streue ich mal unsere stärksten Eindrücke wie Ostereier über die grüne Wiese. Die Verwirrung fängt schon damit an, dass man nie ganz sicher ist, in welchem Land man sich gerade befindet. Das Klischee sagt zwar, Dänemark sei niedlich und hyggelig. Deutschland hingegen ein krasses Industrieland. Aber im Grenzgebiet ist alles anders.   1. Typisch deutsch? Total dänisch? Gibt’s das überhaupt?   Die letzte Siedlung Deutschlands – Kupfermühle – liegt abgeschieden in einem …

Gut gehen und sich´s gutgehen lassen in Harrislee

Morgens um 10.00 in Harrislee. Unter einer kleinen Brücke sitzt ein Mann im Sand und kuschelt mit einem Schwan. Streichelt den langen Hals, steckt die Nase ins Gefieder. Der Schwan kuschelt zurück, indem er sanft nach dem Arm des Mannes schnappt. Ganz kleine Bisse, so wie verliebte Katzen es tun. Und wäre ich nicht ohnehin schon hochvergnügt, würde ich jetzt damit beginnen.     Aber ich fing ja bereits vor 5 km an, mich zu freuen. In Padborg, wo einer der schönsten Fernwanderwege Dänemarks seinen Anfang nimmt: der Gendarmstien. Inzwischen befinden wir uns wohl wieder in Deutschland. Vermutlich in der Siedlung Wassersleben, die zur Gemeinde Harrislee gehört, trotzdem aber irgendwie als Vorort von Flensburg gilt. So richtig steige ich durch die Stadt- und Landesgrenzen der Gegend noch nicht durch.   Auf dem Gendarmstien   Fest aber steht: Die kleine Schusterkate im Rücken von Mann und Schwan ist das erste Haus auf dänischer Seite. Der Mini-Grenzübergang in Form einer Fußgängerbrücke über die Krusau wurde nach der Volksabstimmung von 1920 errichtet. Ab hier verläuft der Gendarmstien (deutsch: …

Der breiteste Strand Nordeuropas

Rømø. Insel, auf die ich nie scharf war. Nicht mal als Jugendliche. Obwohl damals quasi alle zum Feiern auf Dänemarks südlichste Nordseeinsel gefahren sind. Bzw.: gerade deshalb. Der Ballermann der Westküste, hab ich gedacht. Schlimmer kann nur noch Løkken sein. Autostrand. Furchtbar. Und dass in den letzten Jahren mehr und mehr Massenunterkünfte (Reihenhäuser!) rund um Havneby entstanden sind, hat mich nun auch nicht gerade neugierig auf Rømø gemacht. Rømø ist für mich nie so richtig Dänemark gewesen. Eine Transit-Insel bloß. So gut wie jeden Winter rattern wir über den beinahe 10 km langen Damm, dem Rømødæmningen, durchs Wattenmeer (der zugegeben wahnsinnig schön ist), um im Hafen die Fähre nach Sylt zu nehmen. Aber heute ist alles anders. Heute ist Sommer. Heute ist der Damm nicht leer. Heute kommen uns Kolonnen von Porsches entgegen. Sylturlauber. Aber dazu gehören wir heute nicht. Wir fahren nach Rømø. Heute biegen wir nicht an der ersten (einzigen) Kreuzung links zum Hafen ab. Sondern steuern geradeaus. Mitten ins Auge des Touristen-Taifuns. An den Strand von Lakolk. Und sind vom ersten Augenblick: …

Grenzenlos gut: die deutsch-dänische Marsch

„Hilf mir doch mal“, bittet der rüstige Rasenmähermann im blauen Arbeitskombi und deutet auf die schwere Tisch-Bank-Kombination vor dem kleinen Grenzhäuschen. Es steht zwischen dem Rickelsbüller Koog (Deutschland) und dem Margrethen Kog (Dänemark). Den Rasenmähermann haben wir angesprochen, weil uns nicht klar war, ob wir wirklich, wirklich quer durch das Naturschutzgebiet fahren dürfen. Für uns sieht es eher so aus, als hätte ein Ranger das Tor versehentlich offen gelassen.     „Leute wir ihr fragen das oft“, lacht der Rasenmäher, der sich jetzt als ehemaliger Bürgermeister der nächstgelegenen dänischen Gemeinde zu erkennen gibt. Was er mit „Leute wie ihr“ meint, lässt er offen. Aber seine Erlaubnis zur Weiterfahrt erhalten wir. Doch erst muss das unhandliche Tisch-Bank-Teil weg, damit der Rasen am kleinen Grenzhäuschen ordentlich gemäht werden kann. Der deutsche und der dänische. Da macht unser Bürgermeister keine Unterschiede. Wie auch überhaupt kaum Unterschiede auszumachen sind in der Marsch von Nordschleswig (Dänemark) und Südtondern (Deutschland).     Wer hier unterwegs ist, wechselt ständig von einem Land ins andere, ohne es zu bemerken. Mit ihrer wechselhaften Geschichte …

Der Norden für Durchschnittsreisende

12,1 Tage und € 1.076,90. Und zwar inklusive Taschengeld. Das sind die jährlichen Ressourcen des deutschen Durchschnittsreisenden laut Tourismusanalyse der Stiftung Zukunftsfragen. Seit ich das weiß, hat sich für mich das berühmte halbleere Glas Wasser in ein randvolles verwandelt. Vorher hatte ich ein unbestimmtes Gefühl, viel zu wenig zu reisen. Inzwischen aber ist mir klar:     Wer sich eine 2-Wochen-Reise pro Jahr gönnen kann und/oder mehr als 1.000 Euro pro Jahr fürs Reisen ausgibt, hat es überdurchschnittlich gut.   Durchschnittsreisen haben nichts mit mittelmäßigen Urlauben zu tun. Ganz im Gegenteil.     Mit 89 Euro pro Person kann man sich teure Restaurants, Shoppingeskapaden oder High-End-Hotels natürlich abschminken. Stattdessen darf sich der Durchschnittsreisende auf das Beste konzentrieren. Als da wären: Land & Leute. Das geht auch im Norden. Obwohl der ja tendenziell etwas teurer ist, als all-inkl-Pauschalreisen in den Süden.   Ich weiß das deshalb so genau, weil wir in diesem Jahr mal ganz bewusst ausprobiert haben, was man mit 12,1 Tagen und € 1.076,90 denn so anstellen kann.   Nach 3 Tagen in Malmø …

Mir egal, wenn die streiken (zumindest am Flughafen Kopenhagen Kastrup)

Dürfte ich einen Flughafen wählen, an dem mein Flug storniert, verschoben oder gestrichen wird, würde ich Kopenhagen Kastrup nehmen. Nicht weil es dort irgendwie unterhalsamer wäre als anderswo – sondern weil er so nett gelegen ist. Auf einer Insel im Øresund. Und da Skandinaviens größter Flughafen schön klein ist, kann man ruckzuck mal rüber zum Strand laufen.