Alle Artikel in: Nördlicher

Lolland

Mit´m Rad rüber nach Rödby: Mikroabenteuer auf Lolland

Zu einem Fehmarntrip gehört unbedingt ein Besuch bei den dänischen Nachbarn drüben auf Lolland. Ein Tagesausflug auf die viertgrößte dänische Ostseeinsel kann exakt der Definition eines Mikroabenteuers des Ober-Mikroabenteurers Alistair Humphrey entsprechen. So war es jedenfalls vorgestern bei uns; nämlich: easy, günstig, ein bisschen aufregend – und es hat uns ziemlich glücklich gemacht.   Ein günstiges Vergnügen: 12 Euro für Lolland   Günstig ist ja immer Ansichtssache. Deshalb vorab eine Kalkulation. Pro Person fallen an a) Leihrad: 6 Euro; erhältlich beim 2Rad-Freund, direkt in Puttgarden, nicht einmal 2 km entfernt vom Fährbahnhof. b) Tagesticket der Scandlines: 6 Euro (manche Sachen kosten eben doch weniger, als man glaubt.) Beim Ticketkauf wird es ein bisschen abenteuerlich, weil Scandlines nicht recht auf Radfahrer eingestellt scheint. Rein intuitiv steuerten wir zunächst den Fußgänger-Terminal an; wurden aber zurück zu den Kraftfahrzeugen geschickt, die sich in X Spuren vor den Kassenhäuschen einreihen. Es fühlt sich in etwa an, als würde man auf einer sehr breiten Autobahn im Stau stehen (mit dem Rad). Was aber noch nicht das Aufregendste war.     …

Liseberg

Ehrfürchtig hopsen: Weihnachten in Liseberg

Zu den unzähligen Vorzügen einer Kindheit in Göteborg gehört Liseberg, Schwedens ältester Vergnügungspark. Während für Kinder in Norddeutschland die Zeit spätestens ab dem Nikolaustag quälend langsam vergeht, verfliegt sie in Liseberg wie eine Schneeflocke im Wind. (Witzigerweise ist es für Erwachsene genau anders herum: In Norddeutschland rast der Dezember dahin; in Liseberg bleibt die Uhr stehen. Oder wird sogar zurückgedreht. Um ein paar Jahrzehnte.)     Jedenfalls fühle ich mich maximal 8 Jahre alt, als wir uns um 14.55 Uhr in die Mega-Menge vor den Pforten Lisebergs einreihen. Innerlich stöhne ich. Am liebsten würde ich mich vordrängeln. Aber ich lasse mir – auf eine vermutlich Mr. Bean-artige Weise – nichts anmerken. Erstens bin ich eigentlich erwachsen. Zweitens verhalten sich in Schweden selbst winzigste Besucher ausgesprochen manierlich. Und drittens möchte ich Volko keine Gelegenheit geben, die Frage zu stellen, die absolut auf der Hand liegt: Sag mal, müssen wir wirklich hier rein?     Was für eine Frage! Klar, müssen wir. Unbedingt. Schnell. Dabei würde ich in Deutschland lieber Gras essen, als einen Vergnügungspark zu betreten. Aber …

Schaerengaerten

Was zum Träumen: die Schärengärten vor Göteborg

Zum 4. Advent was zum Träumen: die Einfahrt nach Göteborg durch die Schärengärten. Gleich zwei Archipele sind der Küste vorgelagert – die südlichen und die nördlichen Schären. Sie bestehen aus einer Vielzahl von felsigen Inseln, einige bewohnt, manche nur im Sommer, viele gar nicht. Ist es nicht seltsam, wie zart eine Landschaft wirken kann, die vorwiegend aus Granit besteht?! (Mit Klick auf die Galerien, kann man die Fotos vergrößern, falls man sich für winzige Schwedenhäuschen und Leuchtfeuer interessiert).     Der Vater ging weiter über die Insel. Er dachte nicht besonders viel … und eine Landzunge hier oder da, das war nicht so wichtig, wenn man viele davon hatte. Er erreichte die Brandung und blieb am Ufer stehen. Hier wanderte sein Meer vorbei … Als er sich umdrehte, um seine Insel zu betrachten, sah er über das Meer einen weißen Lichtstrahl fallen. Er tastete sich über den leeren Horizont und kam in langen regelmäßigen Wellen zurück. Das Leuchtfeuer brannte. (aus Mumins wunderbare Inselabenteuer von Tove Jansson)     Saltkrokan ist eine Insel in den äußersten …

Stena Scandinavica

Nachtexpress nach Schweden: die Stena Scandinavica

Die Stena Scandinavica ist ein RoPax-Schiff, auch Kombicarrier genannt, also kein Passagierdampfer oder Kreuzfahrtschiff sondern eine Fähre. Ein Verkehrsmittel. Nacht für Nacht zieht sie verlässlich von Kiel nach Göteborg bzw vice versa; pünktlicher als die Deutsche Bundesbahn. Die hatte nämlich eine Stunde Verspätung, als wir letzte Woche zu unserem Minitrip nach Schweden aufbrachen. Es ließ mich kurzfristig die Nerven verlieren (ich bin leider so). Aber als wir erst einmal den Kieler Hauptbahnhof erreicht hatten, konnte selbst ich jeden Stress hinter mir lassen.     Der Schwedenkai liegt in Sichtweite des Hauptbahnhofs. Langsam-Geher brauchen vielleicht 10 Minuten zum Terminal. Einchecken ist eineinhalb Stunden vor Abreise möglich, was das Ganze schön entzerrt. Überhaupt war die gesamte Überfahrt so organisiert, dass wir nirgends und nie anstehen oder warten mussten.     An Bord gibts erst einmal einen Glögg aufs Haus bzw. Schiff. Bei der Hinreise verzichteten wir, denn Glögg trinkt man ja nicht, weil er schmecken würde sondern aus Stimmungsgründen. Und zunächst war ich mir über meine Stimmungslage noch nicht ganz im Klaren. Neben der Vorfreude beschäftigten mich …

Warum ich dann doch noch in Weihnachtsstimmung geriet (Göteborg)

Bis vorvorgestern war mir noch ganz unweihnachtlich zumute, aber nun waren wir in Göteborg und ich muss schon sagen, Schwedens zweitgrößte Stadt ist eine Spitzenadresse, um in Stimmung zu kommen. Skandinavien entspricht ohnehin meinem Idealbild von Weihnachten; mehr als etwa die Alpenländer. Vielleicht weil ich mit skandinavischer Kinderliteratur aufgewachsen bin. Und vor allen anderen und ausführlicheren Schwärmereien, schicke ich schon mal vorweg, warum mich Göteborg endlich im Advent ankommen ließ. Bzw. die gesamte Reise, die aus 30 Stunden Schiffsfahrt und 8 Stunden Landgang bestand.   Santa Line: Minitrip Kiel – Göteborg   Was haben wir uns über die Einladung von Stena Line gefreut, der schwedischen Fährgesellschaft, die in der Vorweihnachtszeit zur Santa Line wird. Ich habe den Minitrip von Kiel nach Göteborg vor Jahrzehnten schon einmal unternommen, aber das war im Sommer. Und ich kann mich auch gar nicht mehr so gut an die Seereise an sich erinnern (mal abgesehen von dem stockbesoffenen, schwedischen Herrn, dem ein Shrimp in den Hosenaufschlag geraten war. Was er über einen längeren Zeitraum nicht bemerkte und meinen damaligen Freund …

Karosta

Das erstaunliche Territorium von Karosta

Vor dem ehemaligen Gefängnis von Karosta breitet eine alte Frau Plastikschüsseln und Aluschälchen auf dem Boden aus. Sie gießt hier ein wenig Milch dazu, rührt dort ein wenig um. Von überall schleichen wilde Katzen herbei. Eine streicht ihr um die Strümpfe.     Ob wir vielleicht ein Foto… fragen wir auf Englisch und lassen den Satz irgendwie auströpfeln, wie deutsche Touristen unserer Generation es gerne tun. Die Frau antwortet auf Russisch. Es klingt nach: Warum nicht? Und wir bedauern nicht zum ersten Mal die Sprachbarriere. Zu gern würden diesen unfassbaren Ort verstehen, den der lettische Touristenverband so wunderbar lautmalerisch beschreibt als   das erstaunliche Territorium von Karosta   Karosta, lettisch für Kriegshafen, ist der nördlichste Stadtteil von Liepaja, einer Großstadt an der Ostseeküste Lettlands. Fast ein Drittel des Stadtgebiets nimmt er ein. Einst funktionierte das Lebens jenseits der Kalpaka-Brücke für 30.000 Menschen vollkommen autonom, eigene Strom- und Wasserversorung inklusive. Heute zählt Karosta nicht einmal mehr 7.000 Einwohner.     Karosta wurde 1890 unter Zar Alexander III gegründet, um der zunehmenden Macht der Deutschen im Ostseeraum …

Jurkalne

Was man in Lettland gesehen haben muss: die Westküste

Reist man mit der Fähre von Travemünde nach Lettland, landet man entweder in Liepāja (ehemals Liebau) oder Ventspils (ehemals Windau). Beide Städte liegen an der Westküste und gehören laut latvia.travel.de zu den TOP 10 Touristenzielen des Landes. Im Fall von Liepaja zu Recht. Für Ventspils reicht unserer Meinung nach ein Stadtspaziergang. Und der dauert nicht mal lange.     Alles kann, nichts muss: Ventspils (ehemals Windau)     Die Hafenstadt an der Einmündung des Flusses Venta in die Ostsee ist mit 40.000 Einwohnern nicht eben groß. Uns kommt sie trotzdem quirlig vor. Aber wir kommen ja auch aus der Einsamkeit Livlands. Selbst Buxtehude käme für uns heute einer Metropole gleich. Wie alle Hafenstädte in Lettland betört und verstört auch Ventspils mit einem Durcheinander von krasser, industrieller Hässlichkeit, Prunk und Holzarchitektur zum Verlieben.     Unbedingt sehenswert ist der Markt. Er ist erstaunlich groß, findet täglich in der Altstadt statt und ließe jeden Demeter-Marktbeschicker vor Scham erröten. Allein wie es duftet! Nach Früchten und Erde und Blumen, Blumen, Blumen. Ventspils gilt als Blumenstadt und schmückt sich …

Mole

Lettlands Küste: Roadtrip in Kurland

Roadtrip in Kurland. Etappe 1 von 3: Von Jurmala die Küste hinauf zum Kap Kolka. Zurückgelegt: knapp 150 km. Zeit genommen: 2 Tage. Wetter: grieselgrauer Himmel, warm. Innerer Soundtrack: Twin Peaks Intro. Erster Eindruck: Endlose Strassen. Schluchten aus Kiefern. Kiefern. Gewaltigen Kiefern. Hintern den Kiefern die Rigaer Bucht und kilometerlange, menschenleere Strände.     Parkt tatsächlich mal ein Auto am Seitenstreifen, dann sicher nicht, weil der Fahrer zum Baden gegangen wäre. Die Letten schlagen sich in die Wälder, um Pfifferlinge und Blaubeeren zu sammeln. Sie gehen direkt von der Hand in den Verkauf. Ebenso Zivis. Fische. Das einzige lettische Wort, das ich mir merken kann.     Ab und zu öffnet sich die Kiefernschlucht und wir passieren kleine Dörfer, die wie aus einem anderen Jahrhundert wirken. Typische Holzarchitektur und wunderschöne, irgendwie altmodische Gärten, die bis an die Ostsee reichen. Selten zäunt jemand sein Grundstück ein, das fällt uns auf.     In Kaltene, an der „steinernen Küste“ sehen wir die erste Unterkunft, die uns spontan gefällt. Das Hotel Rederi im Eco-Style bietet schlichte, großzügige Zimmer …

Flagge Lettland

Ist Riga das neue Berlin?

Es erstaunte mich, auf diversen Blogs zu lesen, Riga sei das neue Berlin. Denn ich glaubte, Riga sei eine raue Hafenstadt am eiskalten Meer. Beides stimmt nicht, wird mir klar, als wir den Mini-Bus (2 Euro, 20 Min) vom Flughafen in die City nehmen. Erstens liegt die Hauptstadt Lettlands überhaupt nicht am Meer; sondern gute 20 Kilometer die Daugava hinauf. Zweitens ist der Busfahrer freundlich (also kein Berliner, wa?!) Nur der Sommer ist wie in Berlin: stabil. 30 Grad, blauer Himmel.     Der Bus spukt uns nahe des Bauchs von Riga aus: dem Zentralmarkt, einem der größten Märkte Europas. Für den Bau der Markthallen wurden zwei deutsche Zeppelinhallen genutzt. Walhalla und Walter heißen die mobilen Luftschiffhallen aus denen die Letten fünf Pavillons konstruierten, in denen heute – hübsch voneinander getrennt – Fisch, Fleisch, Milch, Gemüse und Gastronomiebedarf verkauft wird.     Geht es in den Hallen monothematisch zu, laufen einem draußen Ohren, Nase und Augen über. An 364 Tagen im Jahr bieten Bauern, Hobbygärtner und Handwerker ihre Waren auf dem Gelände an. Zwischen 80.000 …

Lettland

Manchmal muss man weiter weg: Lettland

Wir kommen gerade aus Lettland. Es war großartig. An 3 von 8 Tagen zeigte sich der Himmel bedeckt. Ansonsten schien die Sonne. Warm war´s immer. Geregnet hats nie. Und in die Ostsee sind wir auch gesprungen. Es klingt im Prinzip so ähnlich wie das, worüber wir sowieso ständig berichten. Es war aber wunderbar anders. Manches erlebt man eben nur weiter weg. Also, was ist es, das eine Reise nach Lettland so fabelhaft macht? Die Stille von Lettland Grillenzirpen auf staubigen Straßen. Wind in den Baumkronen. Das ewige Rauschen der Ostsee. Nicht einmal Flugzeuge am Himmel. Lettland kann so still sein, dass man selbst ganz ruhig wird. Beinahe so ruhig wie die Letten. Schon Kinder lernen, leise zu spielen.     Letten geben sich derart zurückhaltend, dass es als Emotionslosigkeit durchgehen würde – schimmerte da nicht eine enorme Sensibilität und Selbstvergnügtheit durch. Und genau so ist eigentlich das gesamte Land. Lettlands Stärke ist Sanftheit. Lettlands Weite Lettland ist etwa so groß wie Bayern. Hat aber nur etwas mehr als ein Zehntel der Einwohnerzahl des Freistaats. Von …