Alle Artikel in: Niedersachsen

Rund um die Schachbrettblumenwiesen im Junkernfeld

Einmal im Jahr, irgendwann zwischen Mitte April und Anfang Mai, verwandelt sich das Junkernfeld in Schachbrettblumenwiesen. Oder Schachblumenwiesen. Ich weiß nicht genau, ob die eine Begrifflichkeit „richtiger“ ist als die andere, wie ich überhaupt wenig über Blumen weiß. Aber über das Naturschutzgebiet Untere Seeveniederung kann ich seit gestern aus eigener Erfahrung sagen, dass ein wirklich schöner Rundwanderweg um das Junkernfeld führt. Er ist 11 km lang, wenn man am Bahnhof Maschen startet. Und 8 km, wenn man sein Auto am Parkplatz bei Hörsten am Junkernfeldsee parkt.     Direkt am See steht auf einer Infotafel geschrieben, dass auf dem Junkernfeld die größten Schachblumenbestände der Bundesrepublik Deutschland zu finden sind. Wikipedia allerdings verweist diesbzüglich auf die Sinnwiesen bei Obersinn in Franken. Das Land Niedersachsen wiederum sagt, in Seevetal befindet sich „wahrscheinlich das größte Vorkommen in Mitteleuropa“.     Der Weg führt zunächst entlang der Seeve bis zur Elbe. Die Seeve hat es mir ziemlich angetan, so dass mir möglicherweise ohne Vorabinformationen die Schachblumen gar nicht weiter aufgefallen wären. So zart sind sie und auch weitläufig gestreut. …

Borkum im Winter

North by Northwest: Lohnt sich Borkum im Winter?

Ein Kurztrip nach Borkum im Winter will gut überlegt sein, habe ich festgestellt, als ich neulich mit meiner Tante dorthin reiste. Zwar klingt der Satz: „Ich fahr mit meiner Tante nach Ostfriesland“ etwa so exotisch wie „Meine Oma fährt im Hühnerstall Motorrad.“ Im Fall von Borkum ist die Reise aber ähnlich aufregend wie ein Trip nach Übersee. Wobei die Ozeanüberquerung bequem und rasant erscheint – verglichen mit dem Ewigkeitstrip von Hamburg auf die größte Ostfriesische Insel.     In meinem konkreten Reisefall (St. Pauli – Borkum) kamen unheimlich viele Verkehrsmittel ins Spiel: U-Bahn zum Hauptbahnhof (10 Minuten), metronom nach Bremen (80 Minuten), Regionalzug nach Emden (130 Minuten), Schienenersatzverkehr  zum Fähranleger (15 Minuten), Ultralangsam-Fähre (130 Minuten), Inselbahn (15 Minuten), Taxi (10 Minuten). Inklusive Verspätungen und Wartezeiten auf Bahnhöfen und in Häfen läpperte sich das Ganze auf exakt 8 Stunden von Tür zu Tür. (Auf dem Rückweg lief es noch etwas unglücklicher. Da wurden es mehr als 9 Stunden.)     Obwohl man sich vor Pauschalurteilen ja immer hüten sollte, lege ich mich dennoch für die Anreise …

Bäderarchitektur mit Hochseeklima: Nordseeinsel Borkum

Von Borkum hatte ich nicht viel mehr erwartet als endlöse Strände und Dünen, wurde aber mit einer kleinen Schockverliebtheit beschenkt. Es geschah im Nieselregen beim ersten Strandspaziergang. Wir waren am Vorabend im Dunklen auf der Insel angekommen. Ich hatte zwar noch versucht, die Nordsee zu begrüßen, war aber nur auf nachtschwarze Dünen gestoßen. So sah ich die Promenade von Borkum zum ersten Mal zur bürgerlichen Morgendämmerung (die wirklich so heißt und die halbe Stunde bezeichnet, bevor die Sonne sich über den Horizont schiebt, was ich vor allem deshalb erwähne, weil bürgerliche Dämmerung so schön zur großbürgerlichen Anmutung der Insel Borkum passt.)     Gefälliger sieht so etwas natürlich bei Sonnenschein aus. Aber mich traf gerade die Stimmung im Januarnieselregen mitten ins Herz. Die Möwen klangen auf die richtige Weise melancholisch und ich fühlte mich wie in Oostende, der Königin aller Seebäder, so etwa um die Jahrhundertwende. (Um sicher zu gehen, dass die Schönheit jeden erreicht, knipps ich hier jetzt aber doch mal das Licht an.)     Auf Katjas Blog „Mädchen mit Herz“ hatte ich …

Herbst

Der Herbst, der Wald und der Hohe Mechtin

Im Herbst denke ich oft daran, dass mein Opa mir mal erzählte, früher hätte ein Eichhörnchen von Kappeln nach Hamburg gelangen können, ohne je den Boden zu berühren. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Und warum mein Gehirn gewisse Sätze wortgetreu konserviert, während ganze Jahre höchstens noch als blasse Erinnerungen existieren. Aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls: im Herbst denke ich oft an Eichhörnchen.   Und zwar nicht nur, weil Eichhörnchen klassische Herbsttiere sind. Sondern auch weil ich derzeit mehr Wälder als gewöhnlich zu Gesicht bekomme. Ich reise im Herbst nämlich traditionell extrem viel durchs Land. Meistens mit dem Zug. Und wenn mein Leben zu einer ewigen ICE-Fahrt wird, staune ich immer wieder, wie bunt der Herbst südlich der Elbe ist. Der Wald und die Wildnis Der Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich Riehl setzte den Charakter der europäischen Nationen in Beziehung zu ihrer Umwelt. Engländern und Franzosen entsprachen seiner Meinung nach der gezähmte Park und das gerodete Feld. Den Charakter der Deutschen sah Riehl in der Wildnis des Waldes.     Riehl gilt als Begründer des …

Steinhuder Meer

Eine von 100: Radtour Steinhuder Meer

Der Radiosender Antenne Niedersachsen hat die 100 schönsten Radtouren in Niedersachsen zusammengestellt – darunter die Radtour Steinhuder Meer. Auf knapp 32 Kilometern und durchgehend ebener Strecke führt sie einmal rund um den größten See Niedersachsens. Los gehts in Steinhude City, wo es mehrere Fahradverleiher gibt, deren Preise sich nicht großartig unterscheiden.     Am besten fährt man gegen den Uhrzeigersinn. Denn dann wird die Tour immer schöner. Was ja besser ist als anders herum. Steinhude streckt sich ziemlich lang, so dass man erst mal eine Weile durch Wohnsiedlungen fährt, bis die Bebauung spärlicher wird und man auch wieder an den See ran kann.     Hat man endlich den Orsteil Strand hinter sich, wechselt man von der Straße auf landwirtschaftliche Wege. Tschüß Autolärm. Von nun an ist die Strecke Radfahrern und Wanderern vorbehalten.     Alle paar Kilometer führen Fußwege zu Aussichtspunkten, was die Tour schön langsam macht (wenn man will). Der erste Abstecher führt auf einem Bohlenweg entlang eines ehemaligen Torfkanals zum Großheidorner Turm.     Das sumpfige Ostufer ist eine äußerst artenreiche Verlandungszone …

Festung Wilhelmstein

Dadrauf muss man erst mal kommen: Der Wilhelmstein im Steinhuder Meer

Eine Zwergenbastion für einen Kleinststaat inmitten eines Mini-Meeres: Das ist der Wihelmstein, die künstliche Festungsinsel im Steinhuder Meer und erklärtes Lieblingsausflugsziel für Leute, die nicht gern stundenlang spazieren gehen. Denn der Wilhelmstein misst nur 100 mal 100 Meter. Die klassische Passage zum Wilhelmstein erfolgt mit Auswanderern, stabilen Segelbooten, die angeblich niemals umkippen und bis zu 30 Passagiere transportieren können. Die Holzjollen haben keinen festen Fahrplan. Sie starten, sobald sich 8 Fahrgäste gefunden haben. Doch das will heute nicht so recht klappen. „Seit 2 Stunden ist es wie abgerissen“, teilt uns die Kartenverkäuferin beim Anleger Ratskeller bedauernd mit. Und dann ruft sie ihre Kollegin „drüben“ an; am anderen Ende der Promenade. Die hat auch schon zwei Ausreisewillige eingesammelt. So schlendern wir geschätzte 500 Meter weiter zum zweiten Anleger von Steinhude, um mit den anderen zwei Passagieren auf weitere vier Ausflügler zu warten.     Aber die kommen nicht. Vielleicht liegts am Wetter? Zwar ist es warm; doch bedeckt. Und da traut sich vielleicht nicht jeder auf die offene See hinaus. Die Einheimischen sprechen mit einer Selbstverständlichkeit …

Auf der Uferstraße im Wendland

Das Schönste im Wendland ist die Uferstraße an der Elbe. Subjektiv jetzt. Denn als Hamburger haben wir natürlich eine besondere Beziehung zum achtundsiebziglängsten Fluss der Welt. (Auch wenn Wikipedia behauptet „die Elbe hat nie eine bedeutende bzw. herausgestellte Rezeption in der Kunst, Literatur oder der Volkskunst erfahren“, ist Hark Bohms Elbmovie „Nordsee ist Mordsee“ für eine bestimmte Art von Leuten ebenso konstituierend wie Tom Sawyer für die Anwohner des Mississippi.)     Wir sind knapp 30 km auf der Uferstraße gecruist. Wofür wir einen halben Tag brauchten. Aber Novembertage sind ja auch kurz. Und wir können echt lange irgendwo rumstehen oder schlendern, wenn es einsam, still und wunderschön ist.     Los gings in Hitzacker. Das Inselstädtchen kennen viele ja zumindest aus Fernsehberichten, wenn es mal wieder überschwemmt wird. Hitzacker ist richtig niedlich. Aber wir hatten hauptsächlich Augen für die Elbe.     Bei niedrigem Wasserstand kann man sich kaum vorstellen, dass Hitzacker jemals in Bedrängnis geraten könnte. Zwischen den letzten Fachwerkhäusern und der Elbe liegen einige Hundert Meter Wiesen. Und der Fluss wirkt sanft …

Enough to base some movies on: Das Wendland

Das Wendland im Landkreis Lüchow-Dannenberg ist das Gegenteil von Mettmann. Mettmann nämlich gilt mit 1.170 Einwohnern pro Quadratkilometer als der am dichtesten besiedelte Landkreis Deutschlands. Lüchow-Dannenberg hingegen bringt es gerade mal auf 40 Einwohner pro Quadratkilometer und ist damit der am dünnsten besiedelte Landkreis der alten Bundesländer. Solche Gegenden unterschätzt man leicht. Ging uns jedenfalls so, als wir neulich ins Wendland reisten. Dabei sollten wir es mittlerweile eigentlich besser wissen.   Überall ist Wunderland. Überall ist Leben. Bei meiner Tante im Strumpfenband. Wie irgendwo daneben. (Joachim Ringelnatz)     Wir erreichten das Wendland an einem Mittwochmorgen im November. Ein Tag,  an dem ich zum ersten Mal in diesem Jahr dachte, ich würde am liebsten für ewig im Auto sitzen bleiben. Feuchkaltes Wetter nehme ich kindischerweise persönlich. Und so war ich ein bisschen unleidlich (um es nett auszudrücken). Bis zu dem Moment, als ein Spukschloss aus dem Nebel auftauchte.     Wir waren im größten Mischwaldgebiet Norddeutschlands angekommen: der Göhrde. Einst jagte Wilhelm der Zwote in den kaiserlichen Wäldern, durch die wir jetzt ein bisschen übermüdet …

Und Ostfriesland so?

Ostfriesenwitze, Otto Walkes, Tee. Das waren die Dinge, die wir mit Ostfriesland verbanden, bevor wir neulich nach Wangerooge reisten. Wir ergänzten es noch um Jever, als wir die Stadt zum Bier passierten. Genau wie Funnix, einen Ort, den es wirklich gibt. Ebenso wie Altfunnixsiel. Oder Neufunnixsiel. Und last not least Harlesiel, wo die Fähre nach Wangerooge ablegt.     Wir waren frühzeitig angereist. Sicher ist sicher. Und in kleinen Häfen können wir in der Regel spielend Zeit überbrücken. Dachten wir. Sehr abgefahren war schon mal, dass wir bereits vom Parkplatz aus unsere Unterkunft auf Wangerooge erkennen konnten.     Möglicherweise könnte kein Ort der Welt gegen diese Verheißung anstinken. Möglicherweise waren wir übermüdet. Möglicherweise hatten wir zu viel über Ostfriesenwitze, Otto und Funnix nachgedacht. Jedenfalls: Harlesiel fühlte sich an wie ein feuchtkalter Nachmittag Ende der 70er Jahre. (Dabei war es ein traumhafter Herbstvormittag 2015).     Als ich zur Grundschule ging, gab es noch keine Nerds. Es gab Schlimmeres. Kleine Klugscheißer in Hochwasserhosen, die sämtliche Langspielplatten von Otto im O-Ton rezitierten. Diese alten Sachen. Harry …

Alter Hafen

Das Ende der Inseln

Borkum, Norderney, Juist, Baltrum, Langeoog, Spiekeroog, Wangerooge. Alle ostfriesischen Inseln laufen im Osten in Sandstrände aus. Der von Wangerooge ist 500 Meter breit, 3 km lang, unbewohnt, unbespaßt und unbewirtschaftet. Ein Dünengürtel trennt die Brandungsseite von den Salzwiesen an der Wattseite. Die höchste Düne ist 17 Meter hoch, im Mittel schaffen sie es auf 12 Meter. Oder anders gesagt: Viel besser geht’s nicht; strandmäßig gesehen.     Ost-Steert nennen die Wangerooger ihr Inselende. Das ist plattdeutsch und kann mit a) Schweif oder b) Hintern übersetzt werden. Letzteres finde ich passender. Denn es ist ja wirklich das hinterste Ende der sieben bewohnten Schönheiten im niedersächsischen Wattenmeer. „Am Dups der Heide“ hätte meine Oma vielleicht gesagt. Oder aber auch „und die Hacke schlägt Attacke“. Denn an weiten, einsamen Stränden will man doch immer unbedingt loslaufen. Na, denn, man to.     10 Dinge, die man am Oststrand von Wangerooge machen kann.                       Minsener Oog Minsener Oog ist eine unbewohnte Insel, knapp 2 km südöstlich von Wangerooge. Sie …