Alle Artikel in: Neulich im Norden

Gruener Ring

Der Grüne Ring, Etappe 3: partiell nicht übel (der Rest sind Parzellen)

Neulich, als noch nicht Herbst war, war der Grüne Ring wieder einmal mein Ziel. Konkret die 3. Etappe (von insgesamt 8). Ich absolviere die Abschnitte des 100 km langen Rad- und Fahrradweges rund um Hamburg nur, wenn mir nichts Besseres in den Sinn kommt. Denn es stimmt zwar wirklich, dass der Grüne Ring sich fast ausnahmslos durch´s Grüne zieht. Aber es ist eben nicht wirklich Natur und nur partiell erholsam und/ oder spannend.     So sind auch die Pluspunkte der 3. Etappe schnell genannt: A) Sie ist super ausgeschildert. B) Es finden sich auf der Strecke einige Einkehr- und Einkaufsmöglichkeiten. C) Es geht richtig gut los.   Grüner Ring, Etappe 3, Start am Friedhof Ohlsdorf     Die Etappe 3 des Grünen Rings ist 14,8 km lang und führt von Ohlsdorf nach Jenfeld. D.h. sie beginnt direkt am Haupteingang des Mega-Friedhofs, Ohlsdorf eben. Der Friedhof Ohlsdorf gehört zu den Dingen, die man in Hamburg gesehen haben muss. Da gibt es gar keinen Zweifel. Ich glaube, man muss ihn sogar mindestens 4 mal gesehen haben; …

Mini-Kreuzfahrt_von_Kiel_nach_Oslo

Schiffsmeldung: auf Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo

Enthält Werbung | Wer sich häufiger in Schleswig-Holsteins Landeshauptstadt herumtreibt, kommt gar nicht drum herum, irgendwann über eine Mini-Kreuzfahrt von Kiel nach Oslo nachzudenken. Die weiß-blauen Mega-Fähren der Color Line Reederei gehören an der Förde zum Stadtbild wie andernorts etwa Rathäuser oder Kirchen. Nur dass sie diese in einigen Städten überragen würden – sind die Gigantinnen doch 15 Decks hoch.     Sieht man vom Fördeufer aus die Color Fantasy (mit bis zu 2.700 Passagieren) vorüberziehen oder die Color Magic (die sogar knapp 3.000 Passagiere befördern kann), reisen die Gedanken beinahe zwangsläufig mit aufs offene Meer hinaus. Vorbei an Langeland und durch Dänemarks Großen Belt, vom Kattegat (Katzenloch) ins Skagerrak – das nächtliche Schweden vor der Reling und am Horizont das Land der Trolle, Fjorde und Ölmagnaten.     Die Schwesternschiffe stellen die einzige Fährverbindung von Deutschland nach Norwegen dar. Sie pendeln im Gleichtakt; den Bauch gefüllt mit Autos, Wohnmobilen, LKW und Omnibussen. Die eine legt um 14.00 Uhr in Kiel ab; die andere in Oslo. Etwa bei der dänischen Insel Anholt treffen sie einander. …

Egebergparken

Ekebergparken – unser Lieblingsplatz in Oslo

Ich habe mich in einen Park verliebt. Einen Wald voller Skulpturen hoch über Oslo. Mit unfassbaren Ausblicken auf Stadt, Fjord, Badeinseln und Berge ist der Ekebergparken ein Glücksgarant für alle, die es nordisch mögen. Und falls man dazu noch Interesse an Kunst hat, wird ein Besuch dort oben zu einem überwältigenden Erlebnis.     Die Kombination von Kunst und Natur ist ja immer eine feine Sache. Aber der Einklang von Landschaft und Skulpturen im Ekebergpark, ist definitiv eine Klasse für sich. Man muss kein großer Kunstkenner sein, um das zu spüren. Ein wenig Neugier reicht schon. Den Rest macht der Park.     Die bewaldeten Hänge im Südosten von Oslo sind seit Urzeiten ein wichtiger Rückzugsort für die Bevölkerung gewesen. 2013 kam ein norwegischer Milliardär auf die Idee, einen Park mit 30 Kunstwerken anzulegen (und zu finanzieren). Irgendwann einmal sollen es 80 Skulpturen und Installationen werden; derzeit sind es 39. Sie liegen weiträumig verstreut; mal versteckt, mal spektuaklär inszeniert.     Norweger haben wirklich was übrig für Kunst – im ideellen wie auch monetären Sinne. …

Nordermeldorf

Mehr Garnichts geht nicht – und wem das jetzt guttut

Ich gehe davon aus, dass ein Großteil der Menschheit es für völlig egal hält, ob man die Badestelle Elpersbüttel südlich des Sperrwerks am Speicherkoog aufsucht – oder die nördlich gelegene Badestelle Nordermeldorf. Sie unterscheiden sich auch wirklich nur in Nuancen. So sind im September beide Badestellen nicht gerade überlaufen und die Kioske meistens geschlossen. Während in Elpersbüttel manchmal (es ist nicht genau zu sagen, wann) Park- und Strandgebühr zu entrichten sind, ist das in Nordermeldorf nicht der Fall.     Für beide Badestellen gilt: Im Bereich hinterm Deich ist die Natur hier wild und üppig.  Vorm Deich ist dann gar nichts mehr.  Also wirklich gar nichts. Kein Baum. Kein Strauch. Kein Haus. Kilometerweit geht das so. Ob das im klassischen Sinne schön ist? Hand auf´s Herz: auf den ersten Blick nicht zwingend für jeden.     Dithmarschen kann man nur schwer weiterempfehlen, da es so speziell ist. Man kann Dithmarschen auch nicht recht erklären. Dithmarschen kann man nur fühlen. Und fühlen können das wohl nur Menschen mit einem bestimmten Gemüt. Gehört man zufällig zu dieser …

Surendorf

Cyanea Capillata – Norddeutschlands „weißer Hai“

Seit Wochen knallt die Sonne vom Himmel und hat das Meer auf 23 Grad erwärmt. Kristallklar ist das Wasser heute; beinahe unbewegt. Oder anders gesagt: ein Traum. Und doch wagt sich niemand hinein. Nicht einmal mit den Füßen. Wenn jetzt Roy Scheider und Richard Dreyfuss wild diskutierend an den Strand spaziert kämen, würde mich das gar nicht wundern. Denn genau wie auf Amity Island sind sich auch an den deutschen Küsten die Experten uneins über das Ausmaß der Bedrohung. Und man weiß ja (wenn man den weißen Hai kennt), wohin das führen kann. Bisher weht nur die gelbe Flagge über dem Strand von Surendorf. Das bedeutet noch kein Badeverbot, sondern lediglich: Achtung, Achtung, die Situation ist brenzlig. Im wortwörtlichsten Sinn. Denn Cyanea Capillata ist ausgeschwärmt, besser bekannt als Feuerqualle.     Feuerqallen sind an Nord- und Ostsee nichts Außergewöhnliches. Bei auflandigen Winden driften sie zu Tausenden vom offenen Meer an die Küsten. Nur sind sie diesen Sommer auffallend groß. „Wir haben diesen Sommer besonders warme Temperaturen, wie jeder mitbekommt. Von daher wachsen die Tiere schneller“, …

Aschauer Lagune

Die Aschauer Lagune: Sex & Crime & SEO

Der erste Blick auf die reale Aschauer Lagune unterscheidet sich eklatant vom ersten virtuellen Eindruck; also ihrer Darstellung im Internet. Mir ist schon häufig aufgefallen, dass das Netz keine allzu verlässliche Informationsquelle darstellt. Das gilt nicht nur für politische Fragen. Was Suchmaschinen auf den ersten Seiten anzeigen, hat nämlich wenig mit Güte, Aktualität oder Beliebtheit der Texte und Seiten zu tun. Sondern vorwiegend mit Suchmaschinen-Optimierung, kurz SEO (von search engine optimization). Eine langweilige Sache, bei der sich alles um Google dreht, denn über 90% aller europäischen User nutzen den Marktführer.     Vereinfacht gesagt läuft SEO so: Google gibt vor, wie ein idealer Text auszusehen hat. Je gehorsamer ich mich Googles Vorgaben unterwerfe, desto höher wandert mein Text im Ranking der Suchergebnisse nach oben. Im besten Fall wird er auf Seite 1 gebracht.     Analytische Menschen sind dabei klar im Vorteil. Googles Kriterien sind durchaus figelinisch und auch nicht bis ins Allerletzte bekannt. Eher hinderlich hingegen ist eine gewisse Sprachverliebtheit oder Phantasie. „Nun komm mal zum Punkt“, sagt die Suchmaschine. Sinnbildlich jetzt.     …

Priwall

Ich urlaube halbtags: Rundwanderung auf dem Priwall

Italienische Gefühle waren das Letzte, was ich mir von einer Rundwanderung auf dem Priwall versprochen habe. Doch als ich über den Markt von Travemünde zur Fähre schlendere, wehen mich so alte Erinnerungen an. Es ist kurz nach 08.00 Uhr. Und schon unheimlich warm. Die Marktstände verwandeln die Vorderreihe an der Trave in eine Duftgalerie. Es riecht nach südlichen Früchten und frischem Gemüse, nach Brot, Kräutern und geräuchertem Fisch. In den Cafés und Restaurants werden gerade erst die Tische hergerichtet. Körbe mit Sonderangeboten und Kleiderständer werden die vor die Geschäfte gerollt. Und es geht doch nichts darüber, ab und zu seine Vorurteile zu überprüfen. Denn dass ich an einem hochsommerlichen Morgen freiwillig und vollkommen entspannt durch Travemünde flaniere und mich dabei wie im Urlaub fühle, hätte ich nicht gedacht.   88 km jenseits von St. Pauli: Urlaubsgefühle und der  Priwall   Normalerweise meide ich die Lübecker Bucht in der Hochsaison. Sie ist mir dann zu voll, zu laut, zu unromantisch. Nur ist in diesem heißen Sommer ja nichts normal. Er ist ein einziger Ausnahmezustand. Da ist …

StrandHaus

Das StrandHaus in Dänisch-Nienhof: Platz für Sommerkinder

Man müsste im August geboren sein, dachte ich neulich bei einem Geburtstagsessen im StrandHaus Schwedeneck in Dänisch-Nienhof. An meinem eigenen Geburtstag hätte über die Einladung wohl niemand „Hurra“ gerufen. Nicht mal ich selbst. Dabei wollte ich schon ewig in den winzigen, winzigen Ort zwischen Eckernförde und Kiel. Aber wer wäre schon scharf drauf, im winterlichen Feierabendverkehr über die Autobahn zu zockeln, nur um am Ende irgendwo im Dunklen zu speisen? Eben.   Man müsste im Sommer Geburtstag haben   Dann würde kein Gast wegen Grippe absagen oder aufgrund von vereisten Straßen. Ganz im Gegenteil. Alle würden sich ein Bein ausreißen, um über-rechtzeitig einzutreffen (so dass sie vorm Essen schnell noch in die Ostsee hüpfen könnten). Und überhaupt – ein Dinner am Sommermeer – das gehört doch zu den allerbesten Dingen im Leben. Gerade auch im StrandHaus Schwedeneck.     Dänisch-Nienhof scheint auf den ersten Blick wenig spektakulär. Eine Ansammlung von Häusern bloß, die durch nichts Spezielles im Gedächtnis bleiben. Und das ist aus dramaturgischen Gründen auch gut so. Es dämpft für einen Moment die Erwartungshaltung. Um …

Eider

Der Sommer ist ein langer, ruhiger Fluss: Weekender an der Eider

Enthält Werbung | Die Eider ist Schleswig-Holsteins längster Fluss. Von der Quelle in Holstein bis nach Rendsburg wird sie Obereider genannt. Hier fließt sie durch den Nord-Ostsee-Kanal, um im Nirgendwo von Dithmarschen als Untereider westlich wieder abzuknicken. In unzähligen Windungen strömt sie durch eine ruhige, weitgehend unverbaute Wiesenlandschaft, bis sie am Eidersperrwerk in die Nordsee mündet. Menschen trifft man mir hier in den wenigen Orten und Dörfern, an kleinen Badestellen, Campingplätzen oder Sportboothäfen – aber selten dazwischen.     Unweit einer größten Schleifen der Eider, etwa bei Flusskilometer 50, liegt das kleine Dorf Glüsing. Golfern ist es vielleicht wegen des Clubs Gut Apeldör bekannt, der zu den anspruchsvollsten Plätzen in Schleswig-Holstein gehört. Ansonsten gibt es wenig, womit Glüsing von sich reden macht.   Refugium an der Biegung der Eider: das Chip-Inn in Glüsing   An der gleichen Straße wie Gut Apeldör, exakt 1,1 km entfernt, befindet sich der aufwendig restaurierte Resthof von Anja Wienecke, die uns eingeladen hatte, ein Wochenende in Glüsing zu verbringen. Über solche Einladungen freut man sich natürlich immer. Ganz besonders aber, wenn …

Wesselburenerkoog

Wesselburenerkoog: Windräder & Wattknistern

Die Ferienhäuser am Ende der Dammstraße im Wesselburenerkoog wirken wie eine Musterhaussiedlung in der Mohave-Wüste. Wiesen, Felder, Deiche – alles, was normalerweise grün leuchtet, ist verbrannt. Längst zählt man hier oben die regenfreien Tage nicht mehr in Wochen, sondern in Monaten.     Nur wenige Autos parken am Zugang der letzte Badestelle vor der Eider. Das Strandbistro Deichkate liegt verwaist. Später wird eine „Geschlossene Gesellschaft“ erwartet. In einiger Entfernung formiert sich eine Gruppe Wattwanderer. Man erkennt es an dem Mann mit dem Spaten in der Hand, auf den sich die Leute sich sternförmig zubewegen – im gleichen Schneckentemop wie die Windkraftanlagen, die sich nirgends zahlreicher in den Himmel zu strecken scheinen als im Wesselburenerkoog.     Dithmarschen – ohnehin nicht arm an schräg-schönen und ganz schön schrägen Orten – gibt an seiner Nordgrenze noch einmal alles, was diesen Landstrich speziell macht, bevor jenseits des Sperrwerks die gefälligere Halbinsel Eiderstedt beginnt. Wer sich abseits des Mainstreams wohlfühlt, ist diesseits der Eider gut aufgehoben.   Badestelle Wesselburenerkoog   Auf der Plusseite des Wesselburenerkooges stehen: keine Parkplatzgebühren, keine …