Alle Artikel in: Mecklenburg-Vorpommern

Schaalsee

Für Freunde der Empfindsamkeit: Biosphärenreservat Schaalsee

Ich gehöre noch zu der Generation, die an der Autobahnausfahrt Zarrentin, nicht an den Schaalsee sondern an die DDR denkt. Denn genau hier lag der Grenzübergang nach Berlin. Ich kann mich noch genau an die Monsteranlage erinnern und an die gedrückte Stimmung im Auto und maximal unfreundliche Grenzer. Jüngeren Menschen oder solchen, die damals nicht regelmäßig die Weltreise nach Berlin antraten, kann man das kaum vermitteln. Selbst mir kommt die jüngere Vergangenheit ganz irreal vor. Oder auch unwichtig. Ein Wimpernschlag nur in der Geschichte. Glücklicherweise ist es ja heute schon so, dass der frühere Todesstreifen mehr als Naturparadies wahrgenommen wird, weil er über Jahrzehnte beinahe unberührt blieb. So auch am Schaalsee, durch den die Grenze etwa mittig verlief.     Zarrentin gehört heute zur Metropolregion Hamburg. Und da hätte die kleine Gemeinde leicht das gleiche Schicksal treffen können wie so viele Orte in Brandenburg. Ich meine, den Ausverkauf der Seeufer (an neureiche Berliner). Pläne dafür gab es durchaus. Aber zum Glück ist das hier anders. Wo man an den Schaalsee nicht rankommt, geschieht das meist …

Ludwigslust

Montagsspaziergang im Schlosspark Ludwigslust

Schon zigmal habe ich mir auf der Bahnfahrt von oder nach Berlin vorgenommen, irgendwann einmal in Ludwigslust auszusteigen. Und schwups – nur zehn oder zwanzig Jahre später – waren wir nun da. Wie immer in Mecklenburg-Vorpommern fährt man ewig durch dünn besiedelte Landschaften, bis man völlig unvermutet auf die allerschönste Schönheit trifft.     Ganz Ludwigslust ist aus einer Laune heraus entstanden und war gute 80 Jahre Hauptresidenz mecklenburgischer Herzöge. Heute gilt die Innenstadt als einmaliges barockes Flächendenkmal. Sie hat sich diesen leicht verschlafenen Charme erhalten, der Mecklenburg-Vorpommern ganz klar von Schleswig-Holstein unterscheidet – jedenfalls im Landesinneren. Die Atmosphäre passt herrlich zu einem Spaziergang durch den Schlosspark.     In der Touristeninformation erhielten wir einen Lageplan und den Tipp, Räder zu leihen. Es handelt sich nämlich bei der Anlage um den größten Landschaftspark Mecklenburg-Vorpommerns. 130 wundervolle Hektar.   Ausgezeichnet: der Schlosspark Ludwigslust   2016 belegte der Park den zweiten Platz des Europäische Gartenpreises. In der Kategorie „beste Weiterentwicklung eines historischen Parks“ konnten es nur noch die Hestercombe Gardens in Somerset mit Ludwigslust aufnehmen.     Während ein …

Auf diese Steine können Sie schauen: Weiße Wiek

Ich denke seit einem Monat darauf herum, was ich über die Weiße Wiek (norddeutsch für Weiße Bucht) von Boltenhagen schreiben könnte. Allein: Mir fällt nichts ein. Aber ich kann ja jedenfalls mal ein paar Fotos rausrücken. Sie zeigen die Weiße Wiek an einem Sonnabend im Februar in Gänze von Ost nach West. Beginnend mit dem Fischereihafen.     Die niedlichen Bootshäuschen des Fischereihafens hatte ich schon oft auf Fotos gesehen. Aber ich hatte erwartet, da wäre noch mehr. Ein Steg ist ja kein Hafen. Dachte ich. Doch so ist es in Boltenhagen. Die deutsche Sprache empfinde ich grundsätzlich als recht lautmalerisch. Schön beispielsweise klingt schön. Und rülpsen (nur als Beispiel) nicht. Schwierigkeiten habe ich mit Kunstbegriffen.     Man denke nur an Plantaren. Diese Substanz, die angeblich in Pril enthalten ist; tatsächlich aber überhaupt nicht existiert. Oder eben Weiße Wiek. Ein Ort, der 2006 auf einer künstlichen Halbinsel erschaffen wurde. Und ganz anders aussieht, als ich mir eine weiße Bucht vorstelle. Betonung auf: ich. Denn das ist natürlich subjektiv.     Wie wir einen Ort wahrnehmen …

Der Klützer Winkel: Schön wärs, wenn jetzt Frühling wäre.

Zu den ruhigeren Regionen an der Ostsee gehört der Klützer Winkel ganz im Nordwesten von Mecklenburg-Vorpommern. Die eiszeitliche Hügellandschaft winkelt sich zwischen der Trave und Wismar so richtig schön in die Ostsee hinein. In Schleswig-Holstein würde man garantiert: „Halbinsel!“ rufen, um die Gegend besser zu vermarkten. Nicht jedoch in Meck-Pomm, wo Halbinseln nichts weiter Besonderes sind. (Genau genommen besteht die Küstenlinie von Pötenitz bis Polen ja so gut wie aus nichts anderem.) Aufgrund der Grenzlage war ein Teil des Klützer Winkels zu DDR-Zeiten Sperrgebiet und wurde – besonders in Küstennähe – massiv entsiedelt. Auch wenn die ersten Neubaugebiete allmählich erschlossen sind,  gibt’s noch immer verhältnismäßig wenige Ortschaften; ja – nicht einmal viele Straßen. Von Menschen ganz zu schweigen. Dafür aber ausgedehnte Wälder und wilde Strände. Eine Gegend also, in der man sich verlieren möchte… wenn nur endlich bald der Frühling käme. So dachten wir neulich, als wir uns von Boltenhagen aus über die geschwungenen Alleen des Klützer Winkels treiben ließen. Sicher, sicher, auch graue, stille Tage haben ihren Reiz. Aber man hat halt allmählich die …

Kuestenwache Boltenhagen

Leise rauschen die Wellen: Hideaway in Boltenhagen

Boltenhagen, das westlichste Seebad Mecklenburgs, trug um die Jahrhundertwende den Beinamen Hamburger Kinderstube. Zum einen aufgrund der Nähe zur Hansestadt. Zum anderen wegen des extrem kinderfreundlichen Strandes. Steinlos und feinsandig fällt die Boltenhagenbucht so seicht und sanft ab, dass die Ostsee selbst bei bedecktem Himmel in den erstaunlichsten Farben changiert.     Warum die Bezeichnung Kinderstube außerdem paßt, ist nirgends belegt, sondern unsere eigene Erfahrung vom vergangenen Wochenende: Man kann in Boltenhagen so herrlich  schlafen.     Wer unter Schlafproblemen leidet oder sonstwie erschöpft ist, kann das ja mal ausprobieren. Am besten bei schlechtem Wetter. Und nur damit sich keiner falsche Vorstellungen macht: Ich meine wirklich nur die Müden, Geplagten und Gestressten. Wer etwa ein witziges Wochenende mit der besten Freundin erleben oder sogar jemanden kennenlernen möchte, wäre meiner Meinung nach nicht so gut aufgehoben im winterlichen Boltenhagen.     Im Sommer sieht das sicher anders aus. Dann fallen täglich bis zu 30.000 Menschen über die 2.500-Seelen-Gemeinde her. Im Februar allerdings scheinen sich selbst die Einheimischen woanders aufzuhalten.     Die meisten Geschäfte rund um …

Als es noch Zäune gab: Dömitz

Die Kleinstadt Dömitz ist die südlichste Gemeinde Mecklenburg-Vorpommerns. Einer fünfeckigen Burg sei Dank tauften die Nazis die Stadt 1934 um: „Festung Dömitz“ hieß sie nun. Und eine Festung blieb die Stadt bis zum Mauerfall. Denn Dömitz liegt an dem Teilstück der Elbe, das 40 Jahre lang die deutsch-deutsche Grenze markierte.     Dömitz war bis zum zweiten Weltkrieg eine wohlhabende Stadt. Der Hafen galt als einer der wichtigsten Umschlagplätze zwischen Magdeburg und Hamburg. Die geschlossene historische Altstadt, viel Fachwerk und ein Ring aus Gründerzeitvillen erzählen von ihrer früheren Bedeutung.     Wie viele Grenzorte wurde Dömitz in der DDR-Zeit dem Verfall preisgegeben. Gleichzeitig war die Gegend besonders streng bewachtes Sperrgebiet. Konserviert, eingedost, luftdicht verschlossen. Oder vielmehr: wasserdicht. Denn das Regime tat das wohl Grausamste, was man einem Elbanwohner antun kann. Sie riegelten den Fluß ab.     Der Hafen von Dömitz liegt an der Elde, die hier in die Elbe mündet. Die Dömitzer konnten die Elbe zwar sehen. Aber sie durften nicht heran. Von der Galerie des Panorama Cafés  scheint das unfassbar. Die Elbe ist …

Jenseits des Priwalls eine andere Welt

Man muss sich das mal vorstellen (also, man muss sich das wirklich mal vorstellen), dass hier der Eiserne Vorhang begann. KM 0 der deutsch-deutschen Teilung. An einem Ostseestrand auf einer Halbinsel wurde das Land zerrissen, Europa getrennt, die Welt in Ost und West gespalten. Das muss man sich mal vorstellen! Es will mir aber schwer in den Kopf, wie wir da so mit dem Fähre über die Trave schippern. Auf der Liste der bizarren Orte ist der Priwall einer der Absurdesten.     Die Halbinsel Priwall ist zu 96% von Wasser umgeben. Mit den übrigen 4% dockt sie an das Festland von Mecklenburg-Vorpommern an. Territorial gehört der Priwall aber seit Urzeiten zu Schleswig-Holstein. Genauer zu Lübeck. Noch genauer zu Lübecks Stadteil Travemünde (der wiederum keine Anbindung an Lübeck hat sondern 20 km von der Hansestadt entfernt liegt). Sozusagen ist der Priwall eine Enklave in der Enklave. Ein Symbol für die Willkür von Grenzziehungen. Und ein Beispiel für ihre Konsequenzen. Noch heute, 26 Jahre nach dem Mauerfall, hat man das Gefühl, dass jenseits des Priwalls eine …

5 Tipps für Hiddensee

Sollte ich aus dem Stand zehn Orte nennen, die man in Norddeutschland unbedingt gesehen haben muss, wäre Hiddensee dabei. Ich liebe Inseln. Allein die Vorstellung von einem Stückchen Land im Meer, macht mich glücklich. Je kleiner desto besser. Je weltabgewandter desto großartiger. Je ungezähmter desto ruhiger mein Herzschlag. Diesbezüglich schneidet Hiddensee eins a ab. Und dann wären da noch ein paar Gründe. Hier meine 5 Tipps für die Insel:   1.) Angemessener Auftakt: Schillings Gasthof in Schaprode   Wie die meisten Besucher sind auch wir auf die Insel Hiddensee über die Insel Rügen gereist. Vis a vis des kleinen Hafens von Schaprode liegt eine dritte bemerkenswerte Insel: Öhe. Dort betreibt Familie Schilling nachhaltige Landwirtschaft und Tierzucht. In ihrem Gasthof direkt am Fähranleger wird mit besten Zutaten aus eigener Herstellung gearbeitet.     Es ist keine schlechte Idee, genügend Zeit einzuplanen, um vor der Schiffsreise bei den Schillings einzukehren. Erstens weil das Essen prima ist. Zweitens wegen dieses wunderbaren Gefühls, alle Hektik hinter sich gelassen zu haben. Und drittens, um mit Sanddorn-Prosecco auf den Urlaub anzustoßen. …

Leutchhturm am Dornbusch

„… nur stille, stille, dass Hiddensee nicht etwa ein Weltbad werde.“

Albert Einstein, Billy Wilder, Sigmund Freud, Franz Kafka, Erich Kästner, Gottfried Benn, Bert Brecht – um nur mal einige Inselgäste zu nennen. Und allen voran Gerhard Hauptmann, der Lokalheld, der seine Sommermonate regelmäßig auf Hiddensee verbrachte. Er schrieb: „Wiese und Meer. Meer und Wiese und Wind. Wind, Sturm und ewig brandenden donnernde Flut! Diese Eindrücke zwingen die Seele zur Einfachheit. Alles gekünstelte, alles städtisch-kulturell-aufgedrängte fällt von ihr ab. Das ist das Gesuchte, das ist das Gesunde. Aber eingeschläfert sind unsere Nerven nicht. Im Gegenteil, sonderbar aufgestört.“ Sonderbar aufgestört. Genau so fühle ich mich. Dabei wird Hiddensee gern als Insel mit Entschleunigungsgarantie bezeichnet. Es gibt auf der Insel keine Autos, keine Beachbars, keine grellen Fassaden, keine Wellnessangebote, sogar die Restaurants schließen früh. Warum finde ich dann keine Ruhe? Warum bin ich so sonderbar aufgestört?     Hiddensee ist die einzige Ferieninsel Mecklenburg-Vorpommerns, die nicht über den Landweg zu erreichen ist. Drei höchst unterschiedliche Orte – Kloster, Vitte und Neuendorf – verteilen sich von Nord nach Süd über das 16 km lange, schmale „söte Länneken“ (süßes Land). …

Where to stay auf Fischland-Darß-Zingst

Im Sommer kann ich eigentlich überall in Norddeutschland zufrieden urlauben. Mir egal, wo ich dann übernachte – Hauptsache drumrum ist irgendwie Natur. Doch wenn es jahreszeitlich dunkel wird in Norddeutschland (und wie man weiß, kann es in Norddeutschland wirklich sehr, sehr dunkel werden), hüte ich mich vor der Architektur des Grauens (Hits aus den 70ern, 80ern, 90ern und das Übelste von Heute).