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Schaalsee

Für Freunde der Empfindsamkeit: Biosphärenreservat Schaalsee

Ich gehöre noch zu der Generation, die an der Autobahnausfahrt Zarrentin, nicht an den Schaalsee sondern an die DDR denkt. Denn genau hier lag der Grenzübergang nach Berlin. Ich kann mich noch genau an die Monsteranlage erinnern und an die gedrückte Stimmung im Auto und maximal unfreundliche Grenzer. Jüngeren Menschen oder solchen, die damals nicht regelmäßig die Weltreise nach Berlin antraten, kann man das kaum vermitteln. Selbst mir kommt die jüngere Vergangenheit ganz irreal vor. Oder auch unwichtig. Ein Wimpernschlag nur in der Geschichte. Glücklicherweise ist es ja heute schon so, dass der frühere Todesstreifen mehr als Naturparadies wahrgenommen wird, weil er über Jahrzehnte beinahe unberührt blieb. So auch am Schaalsee, durch den die Grenze etwa mittig verlief.     Zarrentin gehört heute zur Metropolregion Hamburg. Und da hätte die kleine Gemeinde leicht das gleiche Schicksal treffen können wie so viele Orte in Brandenburg. Ich meine, den Ausverkauf der Seeufer (an neureiche Berliner). Pläne dafür gab es durchaus. Aber zum Glück ist das hier anders. Wo man an den Schaalsee nicht rankommt, geschieht das meist …

Snowdonia

Soweit das Auge reicht: die kühle Schönheit von Snowdonia

Als ich zum ersten Mal von Snowdonia hörte (und das ist noch gar nicht so lange her), elektrisierte mich allein der Name augenblicklich. Allerkürzeste Recherche später war der Nationalpark bereits zum Sehnsuchtsziel geworden. Denn auch im virtuellen Wales führt kein Weg vorbei am Snowdon, dem höchsten Berg des Landes, und einer großartigen Art, ihn zu bezwingen: nämlich mit der Snowdon Mountain Railway.     Wenn die einzige Zahnradbahn Großbritanniens den Wagon den Berg hinaufschiebt, kann man die Anstrengung der alten Lady geradezu spüren. Was ok ist, so lange sie durch kleine Schluchten und über weite Ebenen zockelt. Tun sich direkt neben den Schienen Abgründe auf, fühlt es sich schon etwas ulkiger an (nicht unbedingt im Sinne von witzig).     Von Mai bis Anfang November lautet die große Frage: Hüllt sich der Gipfel in Wolken, Nebel, Regen, Schnee? Oder hat man etwa freie Sicht vom Panorama Café des visitor centres. Es ist eine Art Glücksspiel. Bei zu schlechten Bedingungen und in der Vorsaison (Mitte März & April) lässt die Mountain Railway es nach etwa 3/4 der Strecke gut …

Ludwigslust

Montagsspaziergang im Schlosspark Ludwigslust

Schon zigmal habe ich mir auf der Bahnfahrt von oder nach Berlin vorgenommen, irgendwann einmal in Ludwigslust auszusteigen. Und schwups – nur zehn oder zwanzig Jahre später – waren wir nun da. Wie immer in Mecklenburg-Vorpommern fährt man ewig durch dünn besiedelte Landschaften, bis man völlig unvermutet auf die allerschönste Schönheit trifft.     Ganz Ludwigslust ist aus einer Laune heraus entstanden und war gute 80 Jahre Hauptresidenz mecklenburgischer Herzöge. Heute gilt die Innenstadt als einmaliges barockes Flächendenkmal. Sie hat sich diesen leicht verschlafenen Charme erhalten, der Mecklenburg-Vorpommern ganz klar von Schleswig-Holstein unterscheidet – jedenfalls im Landesinneren. Die Atmosphäre passt herrlich zu einem Spaziergang durch den Schlosspark.     In der Touristeninformation erhielten wir einen Lageplan und den Tipp, Räder zu leihen. Es handelt sich nämlich bei der Anlage um den größten Landschaftspark Mecklenburg-Vorpommerns. 130 wundervolle Hektar.   Ausgezeichnet: der Schlosspark Ludwigslust   2016 belegte der Park den zweiten Platz des Europäische Gartenpreises. In der Kategorie „beste Weiterentwicklung eines historischen Parks“ konnten es nur noch die Hestercombe Gardens in Somerset mit Ludwigslust aufnehmen.     Während ein …

Morgenrot

24 h Wanderlust in Hohwacht: Columbia Hike & Run

Vergangenes Wochenende haben wir an einem 24-h-Wanderevent in Hohwacht teilgenommen. Naja, nicht so richtig teilgenommen. Sondern eher beobachtet, wie so was abläuft und wer da so mitläuft. Und ab und zu sind wir auch mal selbst marschiert. Denn dazu waren wir von den Veranstaltern eingeladen worden. Konkret ins Hotel Hohe Wacht hoch über der Hohwachter Bucht.   Teilnehmer von Columbia Hike & Run konnten – auch am Vortag und in der Folgenacht – zu extrem guten Konditionen im Hotel logieren. Sie konnten es natürlich auch lassen. Schließlich wollten sie durchgehend wandern. Und für Ruhepausen gab es ein Schlafsacklager. Als wir eintrafen, freuten sich besonders mitgereiste Freunde und Angehörige, die nicht 24 h wandern & runnen wollten, über die tolle Unterbringung. Denn im Kurpark vor dem Hotel lässt sich bestens chillen.     Im Kurpark befand sich auch die Homebase mit Anmeldung, Ruhezone, Massageliegen und den Ständen der Sponsoren, die so gut wie alles zum Ausprobieren anboten, was der 24-h-Wanderer so braucht: etwa Laufschuhe, Isomatten, Rucksäcke oder Stirnlampen für die Nachtetappe.     Mit dem Starterpaket erhielten wir Wanderkarten, Pflegeprodukte, Essensmarken, Energie-Riegel und …

das hamburgische Wattenmeer

Das Hamburgische Wattenmeer oder: wie kommt man von Neuwerk weg?

Das Hamburgische Wattenmeer ist das größte Naturschutzgebiet Hamburgs. Ein Nationalpark sogar. Von der UNESCO als Weltnaturerbe geadelt. 90% von insgesamt 13.750 ha sind als Schutzzone deklariert. Ich bin nicht sicher, ob die Salzwiesen rund um das Badehäuschen von Neuwerk dazu gehören. Einerseits muss man da ja wohl irgendwie hinkommen. Andererseits kann ich keinen speziellen Weg entdecken. Sicherheitshalber bewundere ich den Sonnenaufgang vom Deich aus. Wir haben ja noch den ganzen Tag. Unser Schiff geht erst in 13 Stunden. Viel Zeit für eine 3qkm kleine Insel. So viel Zeit, dass einen die reine Seelenruhe überkommt. Seit wir gestern angekommen sind, liegt unsere Taktzahl deutlich unter normalem Tempo. Der Himmel wechselt von rot über rosa zu blaugrau.     Die Ölplattform Mittelplate am Horizont wirkt auf mich wie ein mahnender Zeigefinger. Sie liegt im Schleswig-Holsteinischen Wattenmeer. Dort übernehmen gerade Parteien das Ruder, die sich klar für neue Bohrungen ausgesprochen haben. Auch wenn dafür das Gesetz gebeugt werden muss. Und darüber könnte ich trübsinnig werden.   Das Hamburgische Wattenmeer: bedrohte Wunderwelt   Zwei Jungs in Profi-Outdoor-Outfits erklimmen den Deich. Sie wollen raus …

Neuwerk

Hamburgs stillster Stadtteil oder: Wie kommt man nach Neuwerk?

In meiner Vorstellung bin ich immer nach Neuwerk gewandert. Also, wattgewandert – von Cuxhaven über sandigen Boden – bei Sonnenschein versteht sich, mit kühlem Nordseewind im Gesicht. Aber so einfach ist das gar nicht. Das hatte ich schon letztes Jahr festgestellt, als ich mir zuerst einen Termin für den Kurztrip nach Neuwerk freischaufelte – und danach den Tidenkalender checkte, um festzustellen: jeden Monat ist die Insel für einige Tage unerwanderbar. Dieses Jahr stellte ich es schlauer an. Und wir wären auch ganz bestimmt nach Neuwerk gelaufen, hätte uns nicht das Wetter einen Strich durch die Rechnung gemacht. Regen & Kälte waren angesagt, was nicht so schön ist, weil der Wattwanderweg eben nicht über eine sandige, weite Fläche führt. Sondern durch schlickiges, schlammiges Gluckerwatt und durch Priele, in denen man schon mal bis zum Knie versinken kann. Dazu war ich zu schisserig. Und deswegen nahmen wir das Schiff.     Die Flipper braucht von Cuxhaven bis Neuwerk etwa 1,5 Stunden. Normalerweise. Bei uns war irgendwas mit dem Wetter. Zunächst bekamen wir davon nichts mit, außer dass …

Friedrichsruh

Frühling in Friedrichsruh: Auf Bismarcks Spuren im Sachsenwald

Frühling in Friedrichsruh ist waldmeistergrün und waldgeisterweiß und Bismarck. Norddeutschland hats ja eigentlich nicht so mit Heldenverehrung. Doch Bismarck ist eine Ausnahme. Man denkt hier über ihn so oder so, kommt aber schlecht an ihm vorbei. Irgendwo findet sich immer ein überlebensgroßes Denkmal. Besonders eben im Sachsenwald, den Bismarck einst vom Kaser geschenkt bekam.     Den Sitz der Bismarcks, ein ehemaliges Hotel, kann man nicht besichtigen, weil es noch (von Bismarcks) bewohnt wird. Doch das bismärckliche Drumrum reicht locker für zwei Sonntagsausflüge; eher drei. Man braucht dafür keinen großen Plan sondern stolpert einfach von der S-Bahn Aumühle in den größten Wald Schleswig-Holsteins und folgt Wegweisern oder dem eigenen Gespür.     Friedrichruh ist so ein richtiges Familienausflugsziel. In den alten Gewächshäusern beim Schlossteich führen die Bismarcks den Schmetterlingsgarten; ein Tropenhaus im Wald mit exotischen Faltern. Bestimmt toll, zumal auch ein Teil der Gärten zugänglich ist, mit 8,50 Eintritt allerdings nicht ganz günstig. Vermutlich haben Kinder auf dem Gelände des Eisenbahnmuseums genauso viel Freude. Das kostet nüscht und man darf auf Loks klettern und historische …

Apfelbluete

Der geheime Garten alter Obstsorten in Haseldorf

Letzte Woche habe ich eine Wind- und Wettertour zum Garten alter Obstsorten in Haseldorf unternommen. Ich hatte es auf dem Zettel, seit wir vergangenen Sommer auf dem Elberadweg nach Glückstadt gefahren sind.     Schon damals wäre ich lieber im Schneckentempo durch die holsteinischen Elbmarschen geschlendert, weil links und rechts vom Deich die verheißungsvollsten Stichwege und Trampelpfade in üppige Natur führen. (Links vom Deich ist hier möglich (und nicht Elbe), weil wir vom Elbvorland sprechen; einer weitläufigen, irre schönen Auenlandschaft, die noch überfluten darf.)     Wirklich geheim ist der Garten alter Obstsorten nicht. Auf Höhe des Haseldorfer Hafens weist binnendeichs sogar ein Schild auf den Spazierweg zum Garten. Nur spazierte doch niemand außer mir und das löst immer so ein Heimlichkeitsgefühl aus, wie ich finde. Spätestens als ich über den Zauntritt in den Garten kletterte, kam ich mir vor, wie im Märchen.     Oder vielleicht nicht wie im Märchen sondern wie in einer Erinnerung. Nicht, dass meine Großeltern eine Plantage besessen hätten, die von Schafen beweidet wurde. Doch die 4 Obstbäume in ihrem …

Llandudno

Als wir uns einmal in alles verliebten: Llandudno

Llandudno wird mit 99%er Wahrscheinlichkeit nicht so ausgesprochen, wie Du gerade denkst. Es sei denn, Du kannst walisisch (wofür ich Dich über die Maßen bewundern würde). Falls nicht: LL wird bei den Walisern zu th-l. Das U meist zu i. Also, Llandudno heißt nicht Landadno sondern Thlandidno und galt bei seiner Entstehung als „finest seasideresort in Western Europe“.     Das Besondere an Llandudno: Bis heute ist die Promenade vollkommen verschont geblieben von Spielhallen und weiteren Vergnügungsbetrieben, wie man sie sonst so gern in Britanniens Seebädern findet. Es ist auch nicht nur die erste Hotelreihe, die sich Mühe gibt. Sondern der gesamte Ort.     Nicht alle Hotles und Pensionen halten von innen, was sie von außen versprechen. Allen voran das ehemals erste Haus am Platz.     Das Grand Hotel Llandudno   Das Grand Hotel erscheint Realisten ziemlich auf den Hund gekommen. Für Träumer hingegen als eine Wahnsinnskulisse; nicht umsonst ist der Bau von 1901 ein beliebter Drehort. Also: ruhig mal auf einen Tea (oder eine Partie Bingo am Abend!) vorbeischauen. Es scheint dort …

Rund um die Schachbrettblumenwiesen im Junkernfeld

Einmal im Jahr, irgendwann zwischen Mitte April und Anfang Mai, verwandelt sich das Junkernfeld in Schachbrettblumenwiesen. Oder Schachblumenwiesen. Ich weiß nicht genau, ob die eine Begrifflichkeit „richtiger“ ist als die andere, wie ich überhaupt wenig über Blumen weiß. Aber über das Naturschutzgebiet Untere Seeveniederung kann ich seit gestern aus eigener Erfahrung sagen, dass ein wirklich schöner Rundwanderweg um das Junkernfeld führt. Er ist 11 km lang, wenn man am Bahnhof Maschen startet. Und 8 km, wenn man sein Auto am Parkplatz bei Hörsten am Junkernfeldsee parkt.     Direkt am See steht auf einer Infotafel geschrieben, dass auf dem Junkernfeld die größten Schachblumenbestände der Bundesrepublik Deutschland zu finden sind. Wikipedia allerdings verweist diesbzüglich auf die Sinnwiesen bei Obersinn in Franken. Das Land Niedersachsen wiederum sagt, in Seevetal befindet sich „wahrscheinlich das größte Vorkommen in Mitteleuropa“.     Der Weg führt zunächst entlang der Seeve bis zur Elbe. Die Seeve hat es mir ziemlich angetan, so dass mir möglicherweise ohne Vorabinformationen die Schachblumen gar nicht weiter aufgefallen wären. So zart sind sie und auch weitläufig gestreut. …