Alle Artikel in: Binnenland

Herbst

Der Herbst, der Wald und der Hohe Mechtin

Im Herbst denke ich oft daran, dass mein Opa mir mal erzählte, früher hätte ein Eichhörnchen von Kappeln nach Hamburg gelangen können, ohne je den Boden zu berühren. Ich weiß nicht, ob das stimmt. Und warum mein Gehirn gewisse Sätze wortgetreu konserviert, während ganze Jahre höchstens noch als blasse Erinnerungen existieren. Aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls: im Herbst denke ich oft an Eichhörnchen.   Und zwar nicht nur, weil Eichhörnchen klassische Herbsttiere sind. Sondern auch weil ich derzeit mehr Wälder als gewöhnlich zu Gesicht bekomme. Ich reise im Herbst nämlich traditionell extrem viel durchs Land. Meistens mit dem Zug. Und wenn mein Leben zu einer ewigen ICE-Fahrt wird, staune ich immer wieder, wie bunt der Herbst südlich der Elbe ist. Der Wald und die Wildnis Der Kulturhistoriker Wilhelm Heinrich Riehl setzte den Charakter der europäischen Nationen in Beziehung zu ihrer Umwelt. Engländern und Franzosen entsprachen seiner Meinung nach der gezähmte Park und das gerodete Feld. Den Charakter der Deutschen sah Riehl in der Wildnis des Waldes.     Riehl gilt als Begründer des …

Eutin

Stadtgeflüster und Landansichten: Landesgartenschau Eutin

Neulich besuchten wir die Landesgartenschau Eutin. Wir hatten meine Eltern dazu eingeladen, im Juni schon. Und seitdem nach einem Termin gesucht, der allen passte plus gutes Wetter prognostizierte. Unnötig zu sagen, dass es schwierig wurde. Es ist ja generell so, dass Ausflugsgeschenke die Gefahr in sich tragen, ewig aufgeschoben zu werden und am Ende nicht stattzufinden.     Also schraubten wir Mitte August unsere Ansprüche hinsichtlich der einzigen Variablen herunter. Dem Wetter. Wir enterten die Landesgartenschau Eutin bei grauem Himmel in der Hoffnung, die Wolkendecke würde noch aufreißen. Was sie nicht tat. Im Gegenteil. Doch sanfter Landregen passt auch irgendwie zum superromantischen Gelände. Und zum Ausgleich hatten wir ordentlich Platz für uns.     Meine Mutter, die jede Pflanze mit deutschem und lateinischen Namen kennt, begrüßte die Blumen wie alte Bekannte. (Gern auch mitten im Gespräch: Aaaah, da drüben ist Gaura Lindheimerii. Die mag ich so. Und schon hirscht sie davon). Der Rest von uns genoss eher das Zusammensein in wunderbarer Umgebung. So jedenfalls mein Eindruck.     Und ich glaube, zum Teil mag ich …

5SeenFahrt

Kann man mal machen, meint Frau Z.: die 5-Seen-Fahrt

Auf einem Ausflugsbewertungsportal schreibt Frau Z. aus H. über die 5-Seen-Fahrt: „Kann man machen. Die Fahrt dauert zwei Stunden, eine hätte aber gereicht, denn viel gibt es nicht zu sehen, außer: Seen, Wälder, Wasservögel, Anleger und ein paar Villen.“ Dafür verteilt Frau Z. drei von fünf möglichen Sternen. Dem gibt´s auch gar nicht viel hinzuzufügen, denn so ist sie nun mal – die Holsteinische Schweiz. Nichts als Seen…     … Wälder …     … Anleger ….     … und Villen.     Maximale Villendichte herrscht am Edebergsee in Plön. Beim Ausflugslokal Fegetasche startet die Weiße Flotte stündlich auf kleine Fahrt. Die Fegetasche hat ihren Namen einer mittelalterlichen Zollstation zu verdanken; einst wurden Reisenden am Edebergsee die Taschen ausgefegt. Die 5-Seen-Fahrt ist mit 10 Euro allerdings erschwinglich.   Um eine Sache muss ich Frau Z.´s Aufzählung doch noch ergänzen: Bootshäuser. Sie präsentieren sich beinahe ebenso unterschiedlich wie die Seen der 5-Seen-Fahrt: Edebergsee, Höftsee, Behlersee, Langensee und Dieksee. Der flachste See ist 8 m tief, der Tiefste über 40. Der Kleinste erinnert an den …

Elberadweg

Unterelbe und Auenland: Radtour von Wedel nach Glückstadt

Vergangenen Sonntag sind wir auf dem Elberadweg von Wedel nach Glückstadt gefahren; immer am Deich lang, etwa 37 Kilometer. Nach Wedel kamen wir mit der S-Bahn. In Glückstadt nahmen wir den Zug zurück nach Hamburg. Unterm Strich war´s das, was wir einen absolut gelungenen Sonntagsausflug nennen würden. Besonders wenn man sich langsam, langsam treiben lässt.     Die Entscheidung, mit der S-Bahn nach Wedel zu fahren, war super. So sind wir den Touristenmassen zwischen Landungsbrücken und Blankenese ausgewichen – und (noch besser) waren sofort auf dem platten Land.     Wenn man in die Elbmarschen einbiegt ist Ruhe im Karton. Die letzten Spaziergänger hat man bald hinter sich gelassen. Der Blick darf weit werden. Die Gedanken auch.     Auf weiten Strecken kann man beidseitig des Deichs fahren (also buten und binnen). Wobei sich der elbseitige Weg meistens rumpelig darstellt. Hätten wir vorher gewusst, dass uns im weiteren Verlauf noch genügend Elbblick erwartet, wären wir gleich binnendeichs geblieben.     Der Deichverteidigungsweg ist viel besser in Schuss. Asphaltiert und fernab der Straßen mäandert er durch …

Dieser Tag ein Leben: 24 h am Dieksee

Sonntags in Malente, einem kleinen Kurort gelegen zwischen Kellersee und Dieksee. Es hat sich nichts verändert, seit unserem letzten Besuch vor zwei Jahren. Genau genommen scheint sich seit 50, 60 Jahren nichts zu verändern. Einerseits ist uns das schleierhaft. Andererseits gerade Recht. Malente wirkt ein wenig müde, aus der Zeit gefallen, einen Tick zu leer. Und eben das löst eine bestimmte Unbeschwertheit in uns aus. So als wäre die echte, die ernste Welt weit weg. Alles ist sanft. Selbst der Landregen.   11.00 Uhr: Holsteiner Schinken statt Hamburger Brunch Im Räucherofen vor Petersens Schlachterei in der Bahnhofsstraße räuchert irgendwas extrem Leckeres vor sich hin. Gut, dass wir uns heute das Frühstück geschenkt haben. Jeder Ausflug, der was auf sich hält, beginnt mit einer landestypischen Speise. In Petersens historischer Kate baumeln die berühmten Holsteiner Schinken zu Hunderten unter der Balkendecke.     Das Brot zum Schinken wird in einem historischen Ofen gebacken; beheizt mit Buchenholz. Seit 100 Jahren stehen die Petersens für Katenrauchspezialitäten und „Eingewecktem nach Oma Ernas Rezepten.“ Alles selbstgemacht, alles aus der Region, versteht …

Steinhuder Meer

Eine von 100: Radtour Steinhuder Meer

Der Radiosender Antenne Niedersachsen hat die 100 schönsten Radtouren in Niedersachsen zusammengestellt – darunter die Radtour Steinhuder Meer. Auf knapp 32 Kilometern und durchgehend ebener Strecke führt sie einmal rund um den größten See Niedersachsens. Los gehts in Steinhude City, wo es mehrere Fahradverleiher gibt, deren Preise sich nicht großartig unterscheiden.     Am besten fährt man gegen den Uhrzeigersinn. Denn dann wird die Tour immer schöner. Was ja besser ist als anders herum. Steinhude streckt sich ziemlich lang, so dass man erst mal eine Weile durch Wohnsiedlungen fährt, bis die Bebauung spärlicher wird und man auch wieder an den See ran kann.     Hat man endlich den Orsteil Strand hinter sich, wechselt man von der Straße auf landwirtschaftliche Wege. Tschüß Autolärm. Von nun an ist die Strecke Radfahrern und Wanderern vorbehalten.     Alle paar Kilometer führen Fußwege zu Aussichtspunkten, was die Tour schön langsam macht (wenn man will). Der erste Abstecher führt auf einem Bohlenweg entlang eines ehemaligen Torfkanals zum Großheidorner Turm.     Das sumpfige Ostufer ist eine äußerst artenreiche Verlandungszone …

Bergziegen

Kleines Naturwunder für Zwischendurch: Liether Kalkgrube

Über die Liether Kalkgrube stolperte ich virtuell, als ich die Liste der 77 nationalen Geotope auf Wikipedia entdeckte. Man ahnt ja gar nicht, dass es so etwas überhaupt gibt. Es sei denn, man interessiert sich brennend für Steine. (Was bei mir nicht der Fall ist.) Schleswig-Holstein ist mit 4 Geo-Heiligtümern auf der Liste vertreten. 3 davon sind echte Promis: die Wattenmeerküste, die Insel Helgoland und das Morsum Kliff auf Sylt. Ich kenne sie gut und schätze sie enorm. Von der Liether Kalkgrube hatte ich hingegen noch nie gehört. Dabei liegt sie mir am nächsten, nämlich in Klein Norderende (wovon ich auch nie gehört hatte) bei Elmshorn.     Somit eignet sich die Liether Kalkgrube bestens für einen kleinen Ausflug zwischendurch. Zwischen zwei Jobs, zwischen zwei Regengüssen oder wenn man sich gerade auf der A23 Richtung Hamburg befindet und eine Staumeldung im Radio verlesen wird. Dann ist es besser, in Tornesch abzuzweigen und die Kalkgrube zu suchen (was ohne Navi nicht ganz leicht aber auch nicht unmöglich ist).     In der Liether Kalkgrube wurde seit …

Festung Wilhelmstein

Dadrauf muss man erst mal kommen: Der Wilhelmstein im Steinhuder Meer

Eine Zwergenbastion für einen Kleinststaat inmitten eines Mini-Meeres: Das ist der Wihelmstein, die künstliche Festungsinsel im Steinhuder Meer und erklärtes Lieblingsausflugsziel für Leute, die nicht gern stundenlang spazieren gehen. Denn der Wilhelmstein misst nur 100 mal 100 Meter. Die klassische Passage zum Wilhelmstein erfolgt mit Auswanderern, stabilen Segelbooten, die angeblich niemals umkippen und bis zu 30 Passagiere transportieren können. Die Holzjollen haben keinen festen Fahrplan. Sie starten, sobald sich 8 Fahrgäste gefunden haben. Doch das will heute nicht so recht klappen. „Seit 2 Stunden ist es wie abgerissen“, teilt uns die Kartenverkäuferin beim Anleger Ratskeller bedauernd mit. Und dann ruft sie ihre Kollegin „drüben“ an; am anderen Ende der Promenade. Die hat auch schon zwei Ausreisewillige eingesammelt. So schlendern wir geschätzte 500 Meter weiter zum zweiten Anleger von Steinhude, um mit den anderen zwei Passagieren auf weitere vier Ausflügler zu warten.     Aber die kommen nicht. Vielleicht liegts am Wetter? Zwar ist es warm; doch bedeckt. Und da traut sich vielleicht nicht jeder auf die offene See hinaus. Die Einheimischen sprechen mit einer Selbstverständlichkeit …

Steinburg

Sollte man öfter machen: Landpartie durch Steinburg

Ist man erst einmal über die Existenz des Kreises Steinburg informiert, fallen einem immer mehr Steinburger Sachen ein, die das Leben bereichern. Vor der Bloggerei glaubte ich, nordwestlich von Hamburg befände sich a) Pinneberg , b) nichts und c) die Autobahn durchs Nichts nach St. Peter Ording. Inzwischen bin ja schlauer. Und da liege ich nun im Kreis Steinburg. In der Stunde, in der die Vögel zu singen beginnen. Begleitet vom Wassergeplätscher vorm Fenster. Kühle Luft strömt ins Zimmer. Volko atmet kaum hörbar. Ich ziehe die Bettdecke zur Nase. Himmel, ist das herrlich.     Wir sind wieder in der Bokel-Mühle am See. Ein Familienfest dieses Mal. Ohne dies (ein Hoch auf die Jubilarin) wären wir garantiert nicht gekommen. Hätten uns die Zeit nicht genommen. Zu viel zu tun derzeit. Ärgerlich viel zu tun. Ich bin gestern abend direkt aus Magdeburg angereist. Mit dem Kopf noch halb beim Job. Volko brummte derselbe. Zu lange auf Zahlenkolonnen gestarrt. Beide gestresst. Und dann: der erste Atemzug Landluft. Willkommenskultur vom Feinsten.     Was habe ich auf der …

Waldorf Astoria Berlin

Aufstrebende Neubauten: Wir geh´n durch Berlin (Tiergarten)

Früher –  als wir Kinder vom Hamburger Speckgürtel noch am Bahnhof Zoo aus dem Zug stiegen – fand ich´s besser, in Berlin anzukommen. Schon der erste Atemzug Berliner Luft war so grundlegend anders, so typisch Berlin. Ewas, das ich heute am Hauptbahnhof kein Stück empfinde. Neulich hab ich´s aber in Ansätzen wieder gespürt. Da hab ich Berlin wieder so gesehen wie früher: Im Grunde hübsch-hässlich. Aber gerade darum so fasznierend. Das war auf einem Streifzug vom Zoo zum Reichstag, knapp 6 km durchs Grüne; gesprenkelt mit Architektur vornehmlich der 50er Jahre.     Los ging´s im ehemaligen Schaufenster des Westens. Wer (wie wir) länger nicht in Charlottenburg gewesen ist, wird staunen. Ku´damm, KadeWe & Kranzler hatten ja ganz schön an Strahlkraft eingebüßt in den letzten Jahren. Inzwischen wird im „Alten Westen“ wieder ordentlich investiert.   Aufstrebende Neubauten: Berlin City West   Mal ganz was Ungewöhnliches für Berlin: Das sieht echt gut aus (nachdem es ein paar Jahrzehnte eigentlich unmöglich aussah). Weithin sichtbares Symbol für die Neuerweckung: das Waldorf Astoria, hier fotografiert vom Bikini Berlin.   …